VI. Kaiserin Adelheid
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Die Kaiserin
Adelheid
war eine Tochter König
Rudolfs II. von Hoch-Burgund
und der schwäbischen
Herzogs-Tochter Bertha.
In 1. Ehe heiratete sie auf Veranlassung ihres Stief-Vaters, König
Hugos von Italien, dessen Sohn und Mit-König Lothar.
Nach dem überraschenden Tod ihres Gatten wurde sie
gefangengesetzt,
was König
OTTO I. die Gelegenheit
gab, in Italien einzugreifen:
OTTO
heiratete
Adelheid,
die inzwischen aus der Gefangenschaft hatte entkommen können.
Zusammen
mit ihrem zweiten Gemahl wurde Adelheid
im
Jahr 962 zur Kaiserin gekrönt und
nahm in ihren späteren Lebensjahren
als "Mutter der Königreiche" eine Mittlerstellung zwischen dem
ost-
und westfränkischen Reich ein:
ihr Sohn OTTO
II. war Kaiser und König des ostfränkischen Reiches,
ihre Tochter Emma aus Adelheids
1. Ehe mit
Lothar von Italien war mit
dem französischen
König Lothar
vermählt.
Nach dem Tod der
Kaiserin
Theophanu
mußte sie noch für einige Jahre die Regentschaft
für ihren unmündigen Enkel OTTO
III.
übernehmen.
1. Die Vorgeschichte zu Adelheids
erster
Vermählung
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Mit der Betrachtung der Kaiserin
Adelheid kommen wir mitten hinein in die inneren
Verhältnisse
des "regnum Italiae" um 950.
Um die Vorgänge um die zweite Gemahlin
OTTOS DES GROSSEN besser verstehen
zu können, lassen wir die geschichtlichen Ereignisse in Italien
seit
der Jahrhundertwende Revue passieren.
Der letzte
karolingische
König Italiens, KARL III. DER DICKE,
war 887 abgesetzt worden. Italien wurde nun zum Spielball einheimischer
und fremder Mächte. Viele der oberitalienischen Markgrafen und
Dynasten
glaubten, selbst nach der Herrschaft über Italien greifen zu
können.
So ließ sich Markgraf
Berengar von Friaul,
der in weiblicher Linie mit
den KAROLINGERN
verwandt war, zum König krönen. Sein Gegenspieler wurde WIDO
VON SPOELTO, der sich und seinen Sohn vom Papst zum Kaiser
krönen
ließ. Die beiden Regenten suchten die Entscheidung auf dem
Schlachtfeld.
Den inneren Hader der italienischen Großen nutzten die Ungarn zu
einem Einfall in Ober-Italien, auf dem sie weite Landstriche
verwüsteten.
Nach diesem Schock suchten die italienischen Großen ihr Heil
wieder
bei einem karolingischen Herrscher:
ARNULF
VON KÄRNTEN wurde zum König gewählt und zum
Kaiser
gekrönt (896). Doch der neue Kaiser erkrankte am italienischen
Klima
und starb wenig später (899).
Die Ungarn fielen nun erneut in Ober-Italien ein.
BERENGAR, der sich ihnen entgegenstellte, war gegen die
Reiterhorden
machtlos. Nach dieser neuerlichen Niederlage wandten sich die
italienischen
Großen an König
Ludwig von Nieder-Burgund.
Ludwig
konnte Ober-Italien großenteils zur Anerkennung seiner Herrschaft
bringen und sowohl die Langobarden- wie auch die Kaiserkrone erringen
(901).
Dieser Erfolg Ludwigs ließ Berengar
nicht ruhen. Er überfiel Ludwig,
ließ ihn blenden und nach Nieder-Burgund zurückbringen
(905).
Für den nunmehrigen LUDWIG DEN BLINDEN übernahm
der Graf Hugo von
Vienne die Regierung
in der Provence.
BERENGAR hatte sich
mit der Ausschaltung
LUDWIGS DES BLINDEN den
Weg zur Kaiserkrönung geebnet (915), im Kampf gegen die Ungarn
versagte
er aber. Seine oberitalienischen Gegner riefen daraufhin Rudolf
II. von Hoch-Burgund
in das Land. Rudolf
konnte
mit Hilfe seines Schwieger-Vaters, Herzog
Burchard von Schwaben, BERENGAR
besiegen (922). Doch mit dem Tod des Schwaben-Herzogs
brach auch Rudolfs
Herrschaft in sich zusammen. Nun ließ sich Hugo
von Vienne, durch den Mißerfolg seines Rivalen in seinen
Hoffnungen auf Italien bestärkt, in Pavia zum König
krönen
(926). Seine Autorität in Italien war zwar nur gering; dennoch
konnte
er seine Königsherrschaft fast 20 Jahre behaupten.
König Hugo
beabsichtigte,
seinen Rivalen, König
Rudolf von Hoch-Burgund,
der nominell auch König von Italien war, auf diplomatischem Weg
ausschalten,
und schloß daher mit ihm den sogenannten
italisch-hochburgundischen
Vertrag (wahrscheinlich 933), in dem er sich von Rudolf
den
Verzicht auf Italien gegen seinen, Hugos,
Besitz in Nieder-Burgund zusichern ließ: aparterweise versprach Hugo
König
Rudolf etwas, über das er nicht verfügen
konnte:
er war nicht König von Nieder-Burgund, sondern hatte nur für
den regierungsunfähigen LUDWIG DEN BLINDEN
die Regentschaft geführt; auch seine Grafschaftsrechte waren zur
Entschädigung
an LUDWIGS Sohn übergegangen.
Hugo
handelte also mit Ansprüchen, die er vor seinem Weggang nach
Italien
besessen hatte; wir sehen, was für ein geschickter Taktiker Hugo
gewesen sein muß.
2. Adelheid als Gemahlin König
Lothars
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Am 11. Juli 937 starb König
Rudolf II. von Hoch-Burgund. Er hinterließ zwei
minderjährige
Kinder,
Konrad und Adelheid.
Um seinen Anspruch auf Burgund zu untermauern, heiratete König
Hugo von Italien die Witwe Rudolfs,
die schwäbische
Herzogs-Tochter Bertha,
und verlobte seinen Sohn Lothar mit
der kleinen Adelheid. Hugo
beabsichtigte mit diesem Vorgehen, Konrad,
den Sohn
Rudolfs
und rechtmäßigen
Erben, von der Herrschaft über Hoch-Burgund auszuschließen.
Durch diese Vereinigung von Hoch- und Nieder-Burgund mit Italien
wäre
ein neues Großreich im Süden entstanden.
König
OTTO griff ein, holte den jungen Konrad
an den deutschen Hof und nahm Burgund unter sein Seniorat. OTTO
hatte mit diesem Eingreifen zudem die Aufmerksamkeit der italienischen
Großen auf sich gelenkt, die seine Person nun in ihre
Überlegungen
mit einbezogen.
Im Jahr 941 erschienen italienische Emigranten
am Hofe
König
OTTOS. Unter ihnen befand sich auch Markgraf
Berengar von Ivrea, den
wir in den kommenden Ereignissen noch in einer wichtigen Rolle
kennenlernen
werden. Die Großen Italiens baten OTTO I.
um
seine Hilfe, Berengar leistete dem
ostfränkischen König den Lehenseid. Die Adligen bekamen die
Erlaubnis,
in Schwaben ein Heer anzuwerben, und kehrten mit diesem nach Italien
zurück.
In Italien gelang es Berengar, mit
Hilfe einiger Großer König Hugo
in die Provence abzudrängen und ihn zur Niederlegung der
Königskrone
zu zwingen. Berengar wagte es jedoch
nicht, sich selbst zum König krönen zu lassen, sondern
begnügte
sich mit der Rolle der grauen Eminenz hinter dem Schatten-König Lothar,
dem Sohn Hugos von der Provence und
Verlobten der Adelheid: "Berengarium...nomine
solum marchionem, postestate vero regem, illos vocabulo reges,
actu
autem neque pro comitibus habebant".
Ende 947 vermählten sich Lothar
und Adelheid; aus dieser Ehe ging eine
Tochter hervor, die den Namen Emma
erhielt. Doch am 22. November 950 starb der junge König
Lothar völlig überraschend. Adelheid
scheint versucht zu haben, als Witwe allein die
Regierungsgeschäfte
zu führen. Berengar allerdings
glaubte nun seine Stunde für gekommen, der Herrschaft über
Italien,
die er faktisch seit der Vertreibung Hugos
aus Italien innehatte, den realen Ausdruck verleihen zu können. Am
15. Dezember 950 ließ sich Berengar
zusammen mit seinem Sohn zum König der Langobarden krönen.
Man
darf Berengar auf keinen Fall als
Usurpator
einstufen, der nicht den geringsten Anspruch auf die Langobardenkrone
besessen
hätte:
Berengar war nicht nur
mit den KAROLINGERN, sondern auch mit
seinem Gegner, Hugo von der Provence,
verwandt. Doch König
OTTO I. sah
die Gefahr, jeglichen Einfluß auf die Entwicklung in Italien zu
verlieren,
als
Berengar
Anstalten machte, nun
dort die Allein-Herrschaft anzutreten. Doch bald bot sich für den
ostfränkischen
König die Chance, in Italien einzugreifen.
Wie wir aus Liutprands
Antapodosis wissen, war Berengars
Herrschaft in Italien ein Schreckensregiment. Die Gegner Berengars
sahen
in Adelheid
die Legitimitätsträgerin
und forderten sie auf, das Erbe ihres verstorbenen Gemahls anzutreten
und
in einer Wiedervermählung dem Land einen neuen König zu
geben.
Adelheid
konnte nämlich nicht nur als Witwe König
Lothars Anspruch auf die Herrschaft in Italien erheben, sondern
auch als Tochter
König
Rudolfs II. von Hoch-Burgund,
der ebenfalls König von Italien gewesen war. So betrachten denn
auch
die zeitgenössischen Geschichtsquellen - wenn auch aus dem
Blickwinkel
des ostfränkisch-deutschen Reiches verfaßt - Italien als
rechtmäßigen
Besitz Adelheids. Und für die
Herrschaft Berengars von Ivrea wurde
Adelheid
mehr und mehr zu einer Gefahr.
Berengar
mußte handeln, wollte er die eben errungene Königskrone
nicht
wieder verspielen. Er hatte
Adelheid
bereits unter Hausarrest stellen lassen und kerkerte sie im April 951
in
der Burg Como ein. Dies war aber der Vorwand für König
OTTO, sein Eingreifen in Italien zu rechtfertigen.
Die sächsische Geschichtsschreibung hat der
Nachwelt
in bunt leuchtenden Farben geschildert, wie angetan doch König
OTTO I. von dem Hilfegesuch der armen Adelheid
gewesen sei, die in Italien in einem finsteren Verließ, umgeben
von
Ratten und Mäusen, schmachten müsse. Er,
König
OTTO, habe ja schon längst hin und her überlegt,
wie es denn nur möglich gemacht werden könne, die Gunst der
Dame
zu erringen, von der er in seinen einsamen, schlaflosen Nächten
träume.
Dies ist natürlich reine Schönfärberei. In den bisher
angeknüpften
Kontakten zwischen Italien und dem Sachsen-König
war OTTO
I. die stärkere Partei gewesen, und der ostfränkische
König dachte nicht einmal im Traum daran, die einmal gesponnenen
Fäden
wieder zerreißen zu lassen. Dies zeigt die folgende Entwicklung
ganz
deutlich.