Verhältnis zu König Lothar
von Italien
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Adelheid und ihr erster
Ehemann waren etwa gleich alt, sie wuchsen miteinander auf und lernten
wohl auch gemeinsam. Sie hatte keinen Grund, sich vor Lothar
zu fürchten, und wahrscheinlich war ihr Verhältnis zueinander
gut und eng. Denn in einem päpstlichen Privileg, das Adelheid
972 für das von ihr gegründete Kloster San Salvatore bei
Pavia
erwirkte, wurde ausdrücklich auch auf das Andenken Lothars
Bezug genommen. Anläßlich der Hochzeit und auch noch
später
wurde Adelheid von Lothar
standesgemäß mit Besitzungen ausgestattet. Eine
Urkunde
Lothars
von 950 bezeichnet sie sogar als 'consors
regni', als Teilhaberin
an der Regierung, eine Formel, die zwar nicht viel über ihren
tatsächlichen
Einfluß sagt, wohl aber über ihren Rang. In der schwierigen
Lage am königlichen Hof spricht viel dafür, daß Adelheid
auch tatsächlich die Vertraute und Beraterin Lothars
war, denn es gab nicht mehr viele, auf die sich das junge Paar
verlassen
konnte.
Die noch sehr junge Adelheid
war
in Italien zurückgeblieben und gezwungen, in einer schwierigen
Umgebung
zu leben, die weit davon entfernt war, anständig zu sein, im
Kontakt
mit Personen, die ihre Mutter, deren Abwesenheit sie schmerzlich
empfand,
abgelehnt und gedemütigt hatten. Doch stellte sich die burgundische
Prinzessin, schon und mit feinem Gefühl, dieser schwierigen
Situation,
in der sie sich gegen ihren Willen befand, mit Entschlossenheit,
Intelligenz
und Würde, wobei sich in den Glauben flüchtete und in der
religiösen
Bindung Trost fand.
Erzogen um zu herrschen, war sie an das starke
und
skrupellose
Regieren
Hugos gewöhnt, und plötzlich
sah sie ihn entthront, während Lothar,
ihr zukünftiger Ehemann, von zarter und beeindruckbarer Natur, von
dem Mann abhing, dem er einige Jahre früher das Leben gerettet
hatte.
Ende Frühjahr 947 war Adelheid
endlich Königin im Palast von Pavia, der die hatte heranwachsen
sehen,
und trotz der drückenden Schirmherrschaft Berengars über
ihren
Ehemann und der besitzergreifenden Präsenz der ehrgeizigen Markgräfin
Willa hatte die Rolle der jungen Burgunderin sich radikal
geändert,
und die Untertanen, vor allem die Ärmsten, hatten Gelegenheit,
ihre
Feinfühligkeit, ihre Freundlichkeit und ihre große
Freigebigkeit
zu entdecken und zu schätzen.
Das junge Herrscherpaar war glücklich, ihre
Ehe
wurde 949 durch die Geburt einer auf den Namen Emma
getauften Tochter gesegnet (die 966 den König
Lothar von Frankreich heiraten sollte). Adelheid
war als consors regni, als
Teilhaberin an der Herrschaft, anerkannt,
und sie hatte ihren Einfluß spüren lassen, indem sie ihrem
Gemahl
riet, zu versuchen, sich die Gunst der Großen zu sichern und vor
allem den Grafen Arduin
il Glabro von Turin
an seine Person zu binden.
Verhältnis zu Heinrich von Bayern
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Im Alter stand Heinrich Adelheid
um 10 Jahre näher als OTTO, er
führte sie 951 seinem Bruder als Braut zu, und zwischen Adelheid
und Heinrich scheint es viel politische
und persönliche Sympathie gegeben zu haben. Deswegen vertrug sich
Adelheid
auch gut mit ihrer Schwieger-Mutter
Heinrich hatte gute
Gründe, wenn er sich auf die Seite der neuen Königin stellte
und so das Zerwürfnis zwischen OTTO
und seinen Kindern förderte. Auch Adelheid
hatte eigentlich keine andere Wahl, denn sie mußte sich für
das Recht ihrer zukünftigen Kinder einsetzen, und das ging nur
gegen
die Kinder Edgithas.
Liudolf und Konrad
der Rote hatten ihre Qualität bewiesen und standen ihm
persönlich
sehr nahe. Dagegen drängten ihn sein Bruder und seine Frau zu
einer
Änderung zu Lasten Liudolfs und
Konrads.
Als zum Jahresende Adelheid
einen Sohn Heinrich bekam, ließ
Heinrich
von Bayern Liudolf und seine Anhänger deutlich
spüren,
daß die Nachfolge nunmehr anders geregelt würde. Adelheid,
die die langen Jahre der Demütigung an Berengar
zu rächen hatte und für ihren Sohn einen angemessenen Platz
schaffen
mußte, hatte sich im Bund mit Heinrich von
Bayern bei OTTO durchgesetzt.
Neuer Herzog von Schwaben wurde Burkhard III., ein
spätgeborener
Sohn des 926 gefallenen Herzogs
Burkhards II. und damit
ein Bruder von
Adelheids
Mutter Bertha. Er wurde mit Hadwig,
der Tochter Heinrichs von Bayern,
verheiratet.
Damit war die Partei von Adelheid und
Heinrich
mit
einem neuen Machtzuwachs aus dem Aufstand hervorgegangen.
Verhältnis zu Kaiser OTTO I.
Seite 25,28,37,39
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In Wirklichkeit war die Ehe aber schon verabredet, bevor
OTTO
und Adelheid
sich zum ersten Mal trafen. Erst nach der Klärung aller
anstehenden
Fragen brachte eine deutsche Eskorte unter Herzog
Heinrich von Bayern Adelheid von Reggio zur
Eheschließung
nach Pavia. Erst die Ehe mit Adelheid,
der Witwe des letzten anerkannten Königs von Italien gab OTTO
auch
eine formale Legitimität. So war das Ehebündnis mit OTTO
für Adelheid die einzige
Mögtlichkeit,
sich dem Zugriff Berengars zu entziehen,
für OTTO war es eine Gelegenheit
zur Ausweitung seines politischen Machtbereichs.
Daß der Eheschließung von Adelheid
und OTTO auf beiden Seiten
nüchterne
Berechnung zugrundelag, war an sich keine schlechte Voraussetzung
für
eine gute Ehe. Zum ersten Mal konnte Adelheid
die Stellung einer Königin von
Italien wirklich ausfüllen.
Wie es sich gehörte, übertrug OTTO
ihr als "Wittum", als Vorsorge für die Zeit, in der sie vielleicht
als Witwe auf eigene Einkünfte angewiesen wäre, Besitzungen
in
Deutschland. Vor allem bestätigte er ihr aber ihre Güter in
Italien,
die sie von Hugo und Lothar
zugewiesen bekommen hatte, und hier überließ er ihr
die ganze Verfügungsgewalt, obwohl er als ihr Ehemann durchaus das
Recht gehabt hätte, an ihrer Stelle zu handeln. Schon dieses
Vorgehen
zeigt, daß OTTO die
Eigenständigkeit
Adelheids
achtete und anerkannte..
Seit dem Sieg auf dem Lechfeld herrschte OTTO
unangefochten. Äußerlich war es auch ein Sieg der Linie Adelheids
und Heinrichs von Bayern, aber bei
genauerer Betrachtung zeigen sich hier doch deutliche Unterschiede Wenn
OTTO
Konrad und Liudolf solche Funktionen
übertrug, dann war er sicher, daß er sich auf sie voll und
ganz
verlassen konnte. Das heißt aber, daß der Ausgleich von 954
eine gegenseitige Annäherung und damit auch ein Eingeständnis
OTTOS
war. Wahrscheinlich hat OTTO unter
der schiefen Situation und der Entfremdung von seinen Kindern mehr
gelitten,
als die neuen Ratgeber Adelheid und
Heinrich
ahnten. Eine innere Rückwendung des Königs mußte aber
zu
einer Verschlechterung des Verhältnisses mit Adelheid
führen. Dafür gibt es eine ganze Reihe von Anzeichen.
1. In Magdeburg begann der Bau des Doms an der
Stelle der Klosterkirche, in der Edgitha begraben
war. Der neue Dom sollte auch OTTOS
Grabstätte werden, an der Seite Edgithas,
aber ohne einen Platz für Adelheid.
2. OTTO
sorgte auch für das Andenken seiner Kinder. Liutgard
wurde in der Kirche des St. Albansklosters in Mainz gebraben, und als Liudolf
in Italien starb, wurde sein Leichnam ebenfalls
dorthin überführt.
Im April 958 besuchte OTTO zum ersten
Mal die Grabkirche seiner Kinder. Bei dieser Gelegenheit machte
er
größere
Schenkungen zu ihrem Gedenken. Dabei wird als Intervenientin, also als
Mitveranlasserin für die Schenkung, "die verehrungswürdige Herrin
Ita, die
Witwe unseres Sohnes Liudolf"
genannt. OTTO hat diese Gräber
immer wieder besucht, das letzte Mal 972 bei seiner Rückkehr aus
Italien.
3. Die Gleichbehandlung der Enkel aus erster
Ehe mit den Kindern aus zweiter Ehe ist auch für die drei Ottos
zu vermuten, die im Alter so eng beieinanderliegenden Söhne Liutgards,
Idas und Adelheids.
Ihr enges Freundschafts- und Vertrauensverhältnis ist später
für OTTO II. einer der Tragpfeiler
seiner Regierung.
4. Auf der anderen Seite verschwindet Adelheid
nach
der Schlacht auf dem Lechfeld und der Geburt OTTOS
Ende 955 bis 960 fast völlig aus den Quellen. Es ist völlig
unsicher,
wie weit sie überhaupt bei Hof anwesend war, oder wo sie sich
aufgehalten
haben könnte. Beyreuther erklärt diese Ausfallzeit als eine
Art
Mutterschutz und Kindererziehungsjahre. Aber darauf wurde in jener Zeit
in königlichen Haushalten keine Rücksicht genommen, und in
den
Jahren vorher hatte Adelheid trotz
Schwangerschaften durchaus an der Politik Anteil genommen. Viel
auffälliger
ist, daß nach der Geburt OTTOS
Ende 955 von keiner Schwangerschaft Adelheids
mehr
die Rede ist, obwohl sie erst 25 Jahre alt war. Adelheid
und OTTO waren sich fremd geworden,
und Adelheid war an den wichtigen
politischen
Entscheidungen nicht beteiligt, vielleicht überhaupt nicht im
königlichen
Gefolge, sondern in einer Art Verbannung oder freiwilligem Rückzug.
Erst 960 scheint es wieder zu einer
Annäherung
gekommen
zu sein, denn seit der Mitte dieses Jahres nehmen die Interventionen Adelheids
nach Zahl und Bedeutung zu und lassen es als sicher erscheinen,
daß
Adelheid
von da an den Hof auf allen Unternhemungen begleitete.
Verhältnis zu Herzog Liudolf
Seite 31
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Schon von der Sache her und auch persönlich auf Konflikt
angelegt war das Verhältnis der neuen Stief-Mutter zu den Kindern
Edgithas,
Liutgard
und
Liudolf.
Beide waren etwa gleichaltrig mit Adelheid.
Liudolf
war
Herzog von Schwaben und
verheiratet mit Ida,
einer spätgeborenen Halb-Schwester von Adelheids
Mutter
Bertha. Die Frau ihres Stief-Sohnes
war also ihr Tante. Das Verhältnis OTTOS
zu seinem Sohn und dieser Schwieger-Tochter war offenbar sehr eng. Hrotsvit
von Gandersheim berichtet, daß OTTO
das junge Paar immer in seiner Nähe haben und Ida wie eine Königin
geehrt sehen wollte. Sie war also nach dem Tod Edgithas
eine Art "First Lady". Aus eigener Erfahrung wußte OTTO
auch, wie wichtig eine klare und rechtzeitige Nachfolgeregelung und
eine
entsprechende Ausbildung und Erziehung des Nachfolgers war. Nun aber,
nach
der Heirat OTTOS mit Adelheid
war
diese Regelung plötzlich gefährdet, denn zu erwartende Kinder
der beiden waren nicht nur "purpurgeboren", sondern hatten auch von
ihrer
Mutterseite her einen Erbanspruch
auf Italien, der Liudolf
fehlte.
Verhältnis zu Kaiser OTTO II.
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Wie groß die Trauer Adelheids
war, ist nicht zusagen. Sie war seit 960 und vor allem in Italien zur
Beraterin
und Mit-Herrscherin aufgestiegen, aber ihr tatsächlicher
Einfluß
war nicht so groß, wie sie es gern gewollt hätte, und eine
enge
emotianale Bindung war die Ehe schon lange nicht mehr. Der Tod des
Gatten
traf sie sicher nicht unvorbereitet. Jetzt sah sie ihre Aufgabe und
auch
ihre Verpflichtung ihm gegenüber darin, den jungen OTTO
an die Hand zu nehmen und für ihn die entscheidenden Weichen zu
stellen.
Die ersten Urkunden OTTOS II., die
dem Andenken seines Vaters gewidmet sind beziehen sich
ausschließlich
auf eine admonitio, eine Mahnung seiner Mutter. Auch tritt sie
in
der ersten Zeit sehr stark als Intervenientin in Erscheinung.
Dabei kehrte Adelheid
aber in die alten Bahnen ihrer Deutschland-Politik zurück, die
einst
zum liudolfingischen
Aufstand geführt hatten. Sie verband sich wieder
mit dem bayerischen Zweig der
Königs-Familie, mit Judith, der Witwe
Heinrichs
von Bayern, ihrem 22-jährigen Sohn Heinrich
mit dem vielsagenden Beinamen
"der Zänker",
für den die Mutter lange Jahre als Vormund das Herzogtum verwaltet
hatte, und mit Judiths
Tochter Hadwig,
der Gattin des altgewordenen Herzogs
Burchard. Nicht ohne
Vermittlung Adelheids
war Herzog Heinrich
der Schwieger-Sohn
ihres Bruders Konrad von Burgund
geworden.
Als im Juli der ehrwürdige Bischof
Ulrich von Augsburg
starb, setzte
Adelheid
bei
OTTO
II. entgegen den Wünschen des Verstorbenen und der
Augsburger
Geistlichkeit die Ernennung eines Neffen Judiths durch. Dabei nutzte
sie
wohl ihre Vertrauensstellung aus, um in Augsburg den Eindruck zu
erwecken,
daß OTTO die Wahl Heinrichs auf
jeden Fall wolle, so daß dort schließlich unter Protest
dieser
Heinrich gewählt
wurde.
Damit hatte die bayerische Partei eine
wesentliche
Machtposition
hinzugewonnen. Eine neue Möglichkeit ergab sich, als im November Herzog
Burkhard von Schwaben
starb. Seine junge und ehrgeizige Witwe Hadwig
sah sich mit der Unterstütrzung Adelheids
schon
in der Rolle der Herzogs-Macherin, und damit hätte die bayerische Herzogs-Familie
mit Bayern, Schwaben, dem Bistum Augsburg und der burgundischen
Verschwägerung
den Zugang nach Italien kontrolliert und die zukünftige
Italien-Politik
bestimmen können. Über diese Frage scheint es zum ersten
Bruch
zwischen Adelheid und OTTO
gekommen zu sein. Denn OTTO
vergab
das Herzogtum Schwaben an
seinen Neffen Otto,
den Sohn Liudolfs, dem er vertraute,
und der auf jeden Fall kein Freund der
bayerischen Linie war.
Ihren Interventionen nach war Adelheid
noch bis Mitte 974 am Hof, aber ihren Einfluß auf den jungen
Kaiser
hatte sie verloren.
Die schwächste Stelle in dieser neuen
Führung
war der Kaiser selbst. OTTO II. hatte
viele gute Eigenschaften. Aber er neigte zur Ungeduld und
Selbstüberschätzung.
In seiner engsten Umgebung war er harmoniebedürftig und scheute
Konflikte.
Deshalb ließ er sich leicht beeinflussen. Hatte er aber das
Gefühl,
von jemand ausgenutzt oder falsch geführt worden zu sein, dann
konnte
er in heftigsten Zorn ausbrechen und war zu ungerechten und
unberechenbaren
Reaktionen fähig.
Die Versöhnung mit seiner Mutter in Pavia
war
zunächst
ein notwendiger politischer Akt, aber diese Schilderung zeigt nicht
nur,
wie
Adelheid den Vorgang auffaßte
- ihr Sohn hatte zu bereuen, sie war bereit zu verzeihen -,
sondern
deutet auch auf klare Konsequenzen hin. Wenn zwischen den beiden von da
an dauernder Friede herrschte, dann hatte OTTO
sich in wesentlichen Fragen die Standpunkte seiner Mutter zu eigen
gemacht
und ihr neuen Einfluß auf seine Entscheidungen eingeräumt.
Das
bedeutete aber, daß OTTO sich
von seinen bisherigen Beratern entfernte, das heißt von Otto
von Schwaben und Theophanu,
denn Willigis von Mainz
war als sein Vertreter in Deutschland geblieben.
Die große politische und persönliche Veränderung, die
981
bei OTTO festzustellen ist, geht also
auf eine neue Abhängigkeit von seiner Mutter Adelheid
zurück. Wir haben über das innere Verhältnis zwischen Adelheid,
OTTO
und Theophanu
naturgemäß
keine genauen Quellen, nur Andeutungen in Adelheids
Lebensbeschreibung wie bei anderen Autoren. Aber für den Wechsel
des
Einflusses auf OTTO II. und die wachsende
Entfremdung zwischen ihm und Theophanu
spricht auch, daß ihnen nach 980 keine Kinder mehr geboren wurden.