GRAFEN VON PFANNBERG
Die Grafen von Pfannberg sind ein steirisches hochfreies
Adels-Geschlecht des Mittelalters, das
sich nach seiner Burg Pfannberg benannte (heute
Ruine südlich von Frohnleiten,
einer Pfannberger Gründung um 1280) und zu den
mächtigsten Geschlechtern des Landes zählte.
Geschichte:
---------------
1218 wird in Urkunden ein Ulrich,
Freier von Peggau,
erwähnt, der sich seit 1237 Graf
von Phannenberch nannte.
Er war erster Landrichter
unter den BABENBERGERN.
1237 finden sich die PFANNBERGER
neben den edlen WILDORNERN,
MURECKERN
und anderen Steirern in Wien bei
Kaiser FRIEDRICH II., der in
der Auseinandersetzung mit Herzog
Friedrich II.
gerade in der österreichischen Hauptstadt eingezogen war. 1250
allerdings finden wir Heinrich
von Pfannberg im Heere des Elekten
von Salzburg, Philipp
von Spanheim, der an der Spitze der Papstpartei das steirische
Ennstal bis Rottenmann eroberte.
Schon 1253 wieder finden wir Graf Heinrich mit anderen steirischen Edlen, Dietmar von Weißenegg, Friedrich von Pettau, Wulfing von Stubenberg, Seifried von Mahrenberg und anderen, in Gegnerschaft zu Böhmens Ottokar II. Přemysl und dessen verbündetem Cousin Philipp von Salzburg. 1268 wurden Bernhard von Pfannberg und Hartnid von Wildon durch Friedrich von Pettau einer Verschwörung gegen Ottokar – seit 1260 Herr vom Herzogtum Steiermark – bezichtigt und einige Zeit von den Böhmen gefangen gehalten (26 Wochen lang laut Ottokar aus der Gaal, dem steirischen Reimchronisten); auch wurden ihre Burgen eingezogen bzw. zerstört. (Die PFANNBERGER verloren gar fünf Burgen, darunter Peggau und Pfannberg.) Jedenfalls aber erfolgte nicht viel später eine Aussöhnung mit dem Böhmen-König. 1270 finden sich die PFANNBERGER im Heere Ottokars, der sich nach der Inbesitznahme Kärntens nun auch Krain und das Gebiet bis an die Adria aneignete.
1276 brach eine neue Zeit an:
Im Kloster Rein versammelten sich Heinrich
von Pfannberg, Ulrich
von Heunburg, Friedrich
von Pettau, Wulfing von
Stubenberg, Herrand von
Wildon, Hartnid
von Stadeck, Otto von
Liechtenstein (der Sohn des 1275 verstorbenen Ulrich)
und viele andere Edle und gelobten als treue Vasallen des Reiches dem Könige
RUDOLF eidlich
Gehorsam und volle Unterstützung gegen den
Böhmen (Reiner
Schwur). Bald waren die Burgen Eppenstein, Kaisersberg,
Neumarkt
und Offenburg in ihren
Händen. Heinrich von
Pfannberg eroberte die wichtigste Feste des
Oberlandes, Judenburg,
und bald mussten die Böhmen auch die Grazer Burg räumen und
aus dem Lande fliehen.
1291 erhoben sich die Steirer unter der Führung von Ulrich von Pfannberg und anderen Edlen gegen ihren neuen Fürsten, den HABSBURGER Herzog Albrecht, wurden aber von ihm bezwungen. Ulrich war vermählt mit Margarethe, einer Tochter Graf Ulrichs von Heunburg († 1308).
1362/63 starb der letzte PFANNBERGER
(Johann), denen die Grafen von Montfort bis 1524
folgten. Deren erster war Hugo
von Montfort (* 1357, † 1423),
der Minnesänger, der Margareta,
die
Tochter Johanns,
geheiratet und mit ihr die steirischen Besitzungen des
Hauses übernommen hatte. Er nahm seinen Wohnsitz ab 1401 auf
Pfannberg und trat in den steirischen Herrenstand ein. 1377 begleitete
er Herzog Albrecht III.
auf seinem Preußen-Zuge,
focht wahrscheinlich 1386 bei Sempach mit, wurde 1388 Landvogt
im Aargau und Thurgau
und war 1413–1415 Landeshauptmann
in Steiermark. Er starb am 4. April 1423 auf dem Schloss
Pfannberg, wo noch ein Freskogemälde und eine Inschrift an ihn
erinnert, und wurde bei den Minoriten in Bruck an der Mur bestattet.
Stammliste:
--------------
(Nach Munthe, K. Tangl et al.:)
Vorfahren:
--------------
- NN, Graf von Zeltschach
- Wilhelm, wahrscheinlich Stammvater der Grafen von Heunburg
- Berthold von Zeltschach, Bischof von Gurk (1090–1106)
- Poppo
I. († nach 1103), comes de Celsach; verfolgte
1095 Erzbischof Thiemo von Salzburg
- Poppo II. († vor 1140, kinderlos), comes de Celsach 1131, ∞ Hemma († um 1157), Stifterin der Kapelle zu Griffen im Gurktal (1157 Pfarrkirche); Erbe an Bistum Gurk
- Rudolf
I. († nach 1138),
"Bruder des comes de Celsach"
1131, "de Peka" (von Peggau) 1136
- Rudolf II. de Peka († vor 1172)
- Rudolf III. de Peka, 1173
- Ortlieb de Peka, 1189
- Poppo IV. de Peka, 1183
- Poppo V. de Peka († 1250), erwähnt 1239
- NNw
- Poppo V. de Peka († 1250), erwähnt 1239
- Engelschalk de Peka, 1142
- Poppo III. de Peka († nach 1173), trat 1160 das
Gut
Celsach an Gurk ab und erhielt es als Lehen wieder
- Ulrich I. de Peka, 1175–1216
- Leutold I. de Peka, 1175–1212
- Leutold II. de Peka, 1214–1227
- Leutold III. († 1258), Liber de Peka 1243, Abt von St. Paul (1248–1258)
- Ulrich II. de Peka († 1249), de Phannenberch 1219, dann wieder de Peka, 1237 in den Grafenstand erhoben –– Nachfahren siehe unten
- Wichard de Phannenberch, 1214
- Leutold II. de Peka, 1214–1227
- Rudolf II. de Peka († vor 1172)
----------------------------
- Ulrich
II. von Peggau (* vor 1218, † 1249),
1237 Graf von Phannenberch
(Pfannberg), weiterhin auch als
Graf von
Peccah (Peggau) genannt, ∞ NNw von Lebenau (* 1191),
Tochter Ottos I.
von Lebenau († 1204) und Sophies
von Plain-Hardegg
- NNw († 1245), ∞ Graf Ulrich von Sternberg
- Sophie,
∞ Konrad I. von Sanneck († 1255)
- Gebhard, Leopold und Ulrich von Sanneck
- Sophie von Sanneck (erwähnt vor 1255, 1264), ∞ Friedrich von Pettau
- NNw, ∞ Marquard von Zinzendorf
- drei weitere Töchter, Nonnen im Frauenkloster Admont
- Ulrich III. († vor 1255)
- Siegfried († nach 1257)
- Bernhard († 22. Oktober 1271), ∞ Agnes († 1268, Sage)
- Heinrich
(* vor 1241, †
24.
Juli 1282), ∞ Agnes von
Plain-Hardegg († nach 10. April
1298), Tochter von Konrad
III. von Plain-Hardegg († 1260)
und Euphemia
von Ortenburg
(† 9. Februar nach 1292)
- Hermann († 1287), ∞ Elisabeth, Tochter von Ulrich von Heunburg und Agnes von Baden-Österreich (∞ nach 1297 II. Heinrich von Hohenlohe)
- Rainold († 21. Dezember 1292), Abt von Rein (1280–1292)
- Ulrich
IV. (* 1261, † nach
1318), ∞ Margarethe (*
1268, † 8. Dezember 1292), Tochter
von Ulrich von Heunburg
und Agnes von
Baden-Österreich
- Elisabeth (* 1290, † nach 21. Mai 1363), ∞ Graf Heinrich von Montpreis (* 1286, † 7. Dezember 1358)
- Ulrich V. (* 1287, † 23.
Oktober 1354), ab 1330 Marschall
in Österreich, ab 1335 Hauptmann
in Kärnten, I. ∞ Agnes
von Walsee († 1329),
Tochter von Eberhard III. von
Walsee, II. ∞ (vor 24. März 1331)
Margareta von
Werdenberg (* 1300, †
1354), Tochter von Graf Hugo II. von Werdenberg († 1308) und
Euphemia von
Ortenburg (* 1278, † 23. April
1316)
- Katharina (* 1328, † nach 1375), Erbin von Greiffenberg und Sumeregg, ∞ 1347 Meinhard VI. von Görz-Lienz († nach 1385)
- Margarethe (* 1325, † 1377), ∞ Friedrich II. von Ortenburg († 1355), Ehe kinderlos
- Johann (* 1321, † November
1362), letzter
PFANNBERGER
im Mannesstamm, ∞ 1354 Margarethe
(† nach 1380), Tochter
von Graf Rudolf von Schaunberg [II. ∞
1373 Graf
Wilhelm
III. von Montfort († um 1379)]
- Margarethe (* 1355, †
nach 1388),
Erbgräfin
von Pfannberg, I. ∞ 1369 Graf
Johann
von Cilli (†
29. April 1372), kinderlos, II. ∞ 1373 Hugo von Montfort († 4. April
1423), Sohn von Wilhelm
III. von Montfort
- Ulrich von Montfort-Bregenz-Pfannberg
(† um 1419)
- Ulrich von Montfort-Bregenz-Pfannberg
(† um 1419)
- Margarethe (* 1355, †
nach 1388),
Erbgräfin
von Pfannberg, I. ∞ 1369 Graf
Johann
von Cilli (†
29. April 1372), kinderlos, II. ∞ 1373 Hugo von Montfort († 4. April
1423), Sohn von Wilhelm
III. von Montfort
-------
Während der Herrschaft Przemysl Ottokars in Steiermark (1260–1276) wurden die Brüder Bernhard und Heinrich von Pfannberg wegen angeblichen Hochverrats gefangen genommen und die Burgen Peggau und Pfannberg von den Böhmen belagert. Peggau wurde niedergebrannt, doch Pfannberg von Agnes, der Gemahlin Bernhards, aufs Tapferste verteidigt. Durch ein Missgeschick seitens der Burgleute konnte die Burg dennoch erobert, geplündert und zerstört werden, Agnes verlor dabei ihr Leben.
"Aber alljährlich in der Vollmondnacht des Monats Juni wird es zur Mitternachtsstunde in der alten Burg lebendig. Auf den Mauern erscheint eine hohe, weiß gekleidete Frauengestalt, den blinkenden Helm auf dem Kopf und mit Schild und Schwert bewaffnet. Hinter ihr zeigen sich im Torbogen geisterhafte Kriegergestalten; Waffen klirren, Rosse stampfen, und dumpfes Gemurmel ist hörbar.
Das ist die tapfere Burgfrau Agnes von Pfannberg mit ihren Getreuen. Sie halten zur Mitternachtsstunde Ausschau nach den Feinden unseres schönen Steirerlandes und sind bereit, es jederzeit zu verteidigen."