Erster bekannter Vertreter der Familie ist Walter, der nach einer unsicheren Überlieferung um 1150 als Kastvogt von St. Georgen gewirkt haben soll und ein zweites Mal 1169 als Zeuge für den Bischof von Konstanz, von dem die KLINGEN zahlreiche Lehen innehatten, belegt ist. 1170 werden dessen mutmassliche Söhne Ulrich und Walter ebenfalls als Kastvögte von St. Georgen erwähnt. Von diesen beiden gingen offenbar die erst nach 1250 klar unterscheidbaren Linien Alten- bzw. Hohenklingen aus. 1239 gründete Ulrich, Sohn des bereits genannten Ulrich, an der Aare auf dem Land, das er sowohl über seine Frau Ita von seinem Schwieger-Vater Walter von Tegernfeld geerbt, als auch vom Kloster St. Blasien ertauscht hatte, die Stadt Klingnau. Seine Söhne Ulrich und Walther teilten vor 1253 den Besitz der Familie, indem Ersterer die thurgauischen Güter und Rechte mit Altenklingen, Letzterer hingegen den Tegernfelder Besitz mit Klingnau übernahm.
Der Klingnauer Zweig erwies sich jedoch nicht als lebensfähig: 1269 verkaufte Walther die Stadt an das Bistum Konstanz, bis 1271 veräusserte er den übrigen Aargauer Besitz (unter anderem an St. Blasien) und zog nach Basel, wo er sich häufig im Umfeld König RUDOLFS I. VON HABSBURG bewegte. Ab den 1280-er Jahren näherte sich die Familie Habsburg an, konnte jedoch dank ihrer Lage am Rande des habsburgischen Einflussbereichs bis Mitte des 14. Jahrhunderts eine vergleichsweise unabhängige Stellung behaupten. Während sich die Linie Altenklingen wirtschaftlich bis zu ihrem Abgang 1394 halten konnte - der grösste Verkauf umfasste Anfang des 14. Jahrhunderts die Lehensburgen Mammern und Neuburg des Klosters St. Gallen an die Herren von Kastell -, musste die hohenklingische Linie, die sich vor 1347 in die Zweige Hohenklingen-Bechburg und Hohenklingen-Brandis geteilt hatte, in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts auf wirtschaftlischen und politischen Druck grössere Teile ihres Besitzes aufgeben. 1358 veräusserten die Brüder Ulrich, österreichische Landrichter im Thurgau - ein Amt, das ab 1318 immer wieder von diesem Zweig wahrgenommen wurde -, und Walter ihre Hälfte der Vogtei von Stein am Rhein und St. Georgen sowie der Burg und Herrschaft Hohenklingen an Österreich und traten mit der ihnen wiederverpfändeten Burg und Stadt in österreichischen Dienst.
Die Linie Altenklingen integrierte sich
erst mit ihrem letzten
Vertreter Walter, der
1381-1385 habsburgischer Landvogt im Aargau, Thurgau,
Schwarzwald und Sundgau war,
in die österreichische Verwaltung. Nach
dessen Tod 1394 fielen die Eigengüter an die Verwandten von
BUSSNANG und zu einem
kleineren Teil an die von
BÜRGLEN,
LANDENBERG und ENNE, während das Wappen
und die Reichslehen,
darunter die 1350 ererbte Herrschaft Matzingen sowie die Vogteien
Oberwinterthur und Wiesendangen, an Walter von Hohenklingen
übergingen. Dessen Tochter
Anastasia wirkte als
Äbtissin des Fraumünsters wie schon früher Fides. Im Verlauf des 15.
Jahrhunderts geriet aber Ulrich,
Sohn des Walter und
Bruder der Anastasia, in
immer grössere finanzielle
Schwierigkeiten, so dass er 1433 die andere Hälfte der Herrschaft
Hohenklingen mit Stein am Rhein aufgeben musste und sie an Kaspar von
Klingenberg verkaufte. Als letzter Vertreter der Familie starb Ulrich
1444/45. Haupterben waren die Grafen von Fürstenberg.
Literatur
– J.A. Pupikofer, Gesch. der Frh. von K. zu Altenklingen, Klingnau und
Hohenklingen, 1869
– O. Stiefel, Gesch. der Burg Hohenklingen und ihrer Besitzer, 1921
– Die Wappenrolle von Zürich. hg. von W. Merz, F. Hegi, 1930, 28
f.
– O. Mittler, Gesch. der Stadt Klingnau, 1239-1939, 1947 (21967)
– Sablonier, Adel
– GHS 4, 169 f.
Autorin/Autor: Martin Leonhard