STAMMTAFEL im Anhang Band IX des
Lexikons des
Mittelalters
Lexikon des Mittelalters:
********************
Jagiello, Jagiellonen
------------------------
[1] Jagiello (litauisch Jogaila), Großfürst von Litauen,
König von Polen
-------------------------------------
* 1351, † 1. Juni 1434
ältester Sohn Olgerds und
Julianes, Fürstin von Tver'
Trat 1377 die Herrschaft an, anfangs
zusammen mit seinem Oheim Kejstut,
Großfürst in Troki.
Zu Konflikten zwischen ihnen kam es wegen der Politik gegenüber
dem Deutschen Orden wie bezüglich der Zukunft Litauens:
Jagiello strebte nach
einer Einigung des Staates, der von zwei Zentren (Troki, Wilna) aus
regiert wurde. Nach Auseinandersetzungen, die 1381 zum Verlust des
Thrones in Wilna führten, vertrieb er Kejstut, der eines
geheimnisvollen Todes starb. Jagiello behielt auch die Oberhand über Kejstuts Sohn Witold, doch fand dieser die
Unterstützung des Deutschen Ordens und nahm den Kampf um sein
väterliches Erbe auf. Jagiello unterlag, und 1384 kam es zu einem Ausgleich. Mit
dem Deutschen Orden suchte Jagiello mit dem Versprechen der Taufe die
Verständigung, und Moskau, Rivale Litauens im Kampf um die
Beherrschung der Rus', wollte er zu einem Bündnis bewegen. Er
einigte sich zeitweise mit Witold
und ging, um der Krise ein Ende zu bereiten, auf den polnischen
Vorschlag ein, die minderjährige Königin
Hedwig (2.H.) zu heiraten
und die polnische Krone anzunehmen (Vertrag von Krewo, 14. August
1385). Am 15. Februar 1386 wurde Jagiello in Krakau getauft und nahm den Namen Wladyslaw an; am 18. Februar
erfolgte die Vermählung mit Hedwig,
am 4. März die Krönung.
Mit der Gründung des Bistums Wilna setzte Jagiello die Christianisierung Litauens in Gang. Der Stadt
Wilna verlieh er das Magdeburger Recht, den litauischen Bojaren
gewährte er das Privileg des freien Besitzes ihrer Erbgüter.
Nach Witolds zweiter
Flucht nach Preußen 1389 und der Aussöhnung mit dem Vetter
in Ostrów 1392 vertraute Jagiello diesem die Herrschaft über den litauischen
Staat an, während er sich mit der Regierung in Polen
begnügte. Häufig auch in Litauen, führte er gemeinsam
mit Witold 1417 in
Schemaiten das Christentum ein. Den bedrohlichsten Gegner, den
Deutschen Orden, schlug er bei Tannenberg 1410 vernichtend. In der
Ostpolitik wahrte Jagiello Zurückhaltung, unterstützte aber die
Pläne Witolds zur
vollständigen Beherrschung der Rus'. Gegenüber der wachsenden
Macht Sigmunds, des Königs von Ungarn und Böhmen,
spielte er dessen Mißerfolge im Kampf mit den Hussiten aus und
unterhielt deshalb gute Beziehungen mit der Moldau, Pommern und
Brandenburg.
In Polen galt Jagiello
als ein großer Herrscher. Die Litauer sahen in ihm später
einen Verräter der Nation, einen Polonophilen. Sein Ruhm
gründete sich auf die Christianisierung Litauens, die Erneuerung
der Krakauer Akademie 1400, den Sieg bei Tannenberg und auf seine Rolle
als Stammvater der jagiellonischen
Dynastie.
[2] Dynastie der Jagiellonen:
----------------------------------
Jagiello war viermal
verheiratet, zuletzt seit 1422 mit Sofia
(Sonka) aus dem
litauischen Fürsten-Haus HOLSZANSKA. Sie gebar ihm zwei
Söhne,
Wladyslaw und Kasimir.
Den polnischen Thron erbte Wladyslaw,
der nach seiner
Wahl zum ungarischen König in der Türken-Schlacht bei Varna
1444 fiel.
Kasimir (IV.) (1427-1492),
1440 Großfürst von Litauen, wurde 1447 auf den polnischen
Thron berufen. Seiner Ehe mit Elisabeth,
Tochter König ALBRECHTS II. (2.
A.), entstammten dreizehn Kinder. Er knüpfte mit vielen
europäischen
Dynastien Heiratsverbindungen.
Sein Sohn Kasimir (1458-1483)
wurde zum
Landesheiligen und Patron Litauens,
Wladyslaw (1456-1516) war
König von
Böhmen und Ungarn. Ihm folgte sein Sohn Ludwig, der in der
Schlacht von Mohács 1526 gegen die Türken fiel.
Nach dem
Tode Kasimirs IV. wurde
sein Sohn Johann Albrecht
(1460-1501) König von
Polen, während dessen jüngerer Bruder Alexander seit 1492 in
Litauen herrschte und nach dem Tode des Bruders bis 1506 auch das
Königreich
Polen regierte. Johann Albrecht und Alexander
hinterließen keine
Nachkommen. Der polnische und litauische Thron kam 1506 an Sigismund I.
(1467-1548). Er hinterließ aus der Ehe mit Bona Sforza Sigismund
August, den letzten der JAGIELLONEN.
Der sechste Sohn Kasimirs IV.,
Friedrich (1468-1503),
1488 Bischof von Krakau, stieg 1493 zum Kardinal auf.
Die JAGIELLONEN beherrschten dank ihrer vielfältigen
Verbindungen mit den
Monarchen-Familien Europas um 1500 Polen, Litauen, die litauische Rus',
Böhmen und Ungarn. Sie strebten nach Aufrechterhaltung eines
Gleichgewichts mit dem deutschen Kaisertum und Festigung des
Besitzstandes in der
Rus'. Deshalb überließ 1515 Sigismund I. im Wiener Vertrag
die Kronen Ungarns und Böhmens den Nachkommen aus der
Eheverbindung Ludwigs des
Jüngeren mit dem Haus
HABSBURG. In der Ostpolitik
konnten die JAGIELLONEN das Kräftegleichgewicht angesichts der
wachsenden
Macht Moskaus bewahren. Dieser Konflikt, in den sich auch Polen in der
Folge der polnisch-litauischen Union von 1501 hineingezogen sah, wurde
erst nach langdauernden Kriegen unter der Herrschaft König Stefan Batorys
gelöst. Die Nachkommen Jagiellos,
die den größten Staat im
östlichen Mittel-Europa während des 15. und
16. Jahrhundert schufen,
legten auch den Grund der
jagiellonischen Idee, die noch im 20. Jahrhundert in
der Vorstellung von 'Polen von Meer zu Meer', das heißt von der
Ostsee
bis zum Schwarzen Meer, weiterlebte.
J. Ochmanski
Quellen:
-----------
Cod. epistolaris Vitoldi magni ducis Lithuniae 1386-1430, ed.
A. Pochaska, 1882
Cod. epistolaris saeculi decimi quinti, I-III, ed.
A. Lewicki, A. Sokolowski, J. Szujski, 1886-92
Joannis Dlugossi Hist.ae Polonicae. Opera omnia, XII/XIII,
1886/87
Literatur:
------------
A. Prochaska, Król Wladyslaw J., I-II, 1908
J. Krzyzaniakowa, Kancelaria królewska Wladyslaw
Jagielly, I-II, 1972-79
Z. Ivinskis, Lietuvos istorija iki Vytauto Didzojo mirties,
1978
K. Biedrowska - J. Ochmanski, Wladyslaw J. jako
czlowiek i osobowosc, 1986
J. Krzyzaniakowa - J. Ochmanski, Wladyslaw II J., 1990.