IVREA


Lexikon des Mittelalters:
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Ivrea (Piemont)
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In der späten Kaiserzeit Municipium (Eporedia), wurde nach Trennung von der Diözese Vercelli zwischen dem 6. und 7. Jahrhundert Bischofssitz. Von den Langobarden zum Zentrum eines ihrer vier piemontesischen Dukate erhoben, errang I
vrea den Höhepunkt seiner regionalen Bedeutung in nachkarolingischer Zeit als Mittelpunkt einer Piemont und Ligurien umfassenden Mark (seit Ende 9. Jahrhundert).
Bis zur Mitte des 10. Jahrhunderts waren die ANSKARIER, Dynasten burgundischer Herkunft, Markgrafen in I
vrea; zu diesem Zeitpunkt wurde die Mark durch den ANSKARIER König Berengar II. stark verkleinert. Nach den ANSKARIERN übernahm König Arduin die Macht in Ivrea, der die wachsende Autonomie der Bischöfe in Ivrea, Vercelli und Novara bekämpfte. Seine Niederlage durch König HEINRICH II. führte das Ende der Mark Ivrea herauf. Nach vergeblichem Widerstand der Nachkommen Arduins ging 1015 die Macht in Ivrea in die Hände des Bischofs über, der bereits im Jahre 1000 von OTTO III. zahlreiche Privilegien erhalten hatte; im Umland stiegen hingegen die Grafen von Canavese zur Macht auf.
Im 11./12. Jahrhundert erweiterte der Bischof seinen Herrschaftsbereich, wobei es ihm gelang, mit den entstehenden kommunalen Institutionen ein gutes Einvernehmen herzustellen:
beide Mächte gingen gemeinsam gegen die mit FRIEDRICH BARBAROSSA verbündeten Grafen von Biandrate vor. In den ersten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts erreichte die Kommune (in der viele Adlige aus dem Contado stadtsässig geworden waren) die Autonomie.
In der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts, einer Zeit stärkeren Bevölkerungswachstums, ließ sich die Kommune formell in das Territorium der Markgrafen von Montferrat eingliedern. Damit begann der Niedergang der kommunalen Einrichtungen, der sich auch unter dem Haus SAVOYEN-ACHAIA fortsetzte, dem sich I
vrea Anfang 14. Jahrhunderts unterstellte. In der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde Ivrea Basis der Savoyischen Herrschaft über das Canavese und Zentrum für die Bekämpfung einer Aufstandsbewegung der unteren Schichten (»Tuchinaggio«), die vor allem kleinere Gemeinden des Canavese erfaßt hatte.
Im 15. Jahrhundert gab I
vrea sich eine statutarische Verfassung, die die Oberherrschaft der Familie SAVOYEN sanktionierte. Die aus mindestens 5.000 Einwohner bestehende Stadt unternahm große Anstrengungen zur Bewässerung des umliegenden Gebiets (Kanal Ivrea.-Vercelli).
G. Sergi

Literatur:
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K.J. Beloch, Bevölkerungsgesch. Italiens III [Nachdr. 1961], 250, 273, 279
F. Carandini, Vecchia I., 19633
G.S. Pene Vidari, Statuti del comune di I., I, 1968, I-CCXI
I. Vignono - G. Ravera, Il »Liber decimarum« d. diocesi di I. (1368-1370), 1970
G. Sergi, Movimento signorile e affermazione ecclesiastica nel contesto distrettuale di Pombia e Novara, StM, s. 3a, 1975, 153-206
G. Sergi, Il declino del potere marchionale anscarico ..., BSBS LXXIII, 1975, 441-492
G. Gullino (Da I. tutto intorno, 1977), 51-58
AA. VV. Piemonte medievale, 1985.