BARCELONA
 

STAMMTAFEL im Anhang Band IX des Lexikons des Mittelalters
 

Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 1452
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Barcelona
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III. Grafschaft:
Ein in seinen Grenzen nicht immer gleich gebliebenes Gebiet, das kleiner als die heutige Provinz B
arcelona  war und außer der Stadt Barcelona  das Barcelonés, Maresme, Vallés und Penedés umfaßte.
Der Graf an der Spitze dieses Gebietes hatte römische, westgotische und mozarabische Vorläufer. KARL DER GROSSE erkannte die gotischen Gesetze der Einheimischen an, nachdem LUDWIG DER FROMME 801 die Stadt der maurischen Herrschaft entrissen hatte, und bestellte im Grafen Bera einen einheimischen Goten zum Grafen. Dessen Nachfolger hatten vielfach mehrere Grafschaften zugleich inne (nur dies, aber nicht ihr Markgrafentitel berechtigte zu einer Vorrangstellung), da B
arcelona  einem überlokalen System der Grenzverteidigung angehörte.
Wifred »el Velloso« (878-897)
war der letzte vom westfränkischen König ernannte Graf (aus einheimischer Familie), mit ihm wurde das Amt erblich; die spätere Legende schrieb seiner Person die politische Unabhängigkeit Kataloniens und die Entstehung des katalanischen Wappens zu. In Übereinstimmung mit der südfranzösischen Entwicklung zog sich der Prozeß zur faktischen Unabhängigkeit vom westfränkischen Königtum bis 987 hin; der Graf von B
arcelona handelte weiterhin formal im Auftrag des Königs, praktisch jedoch in eigener Entscheidung. Die Nachfolge in der Grafschaft unterlag familienrechtlichen Vorstellungen; der von Wifred hinterlassene Komplex Barcelona, Gerona, Ausona, Besalú, Urgel und Cerdaña wurde als Eigentum der Gesamt-Familie betrachtet, zeigte sich in der gräflichen Funktion aber auf verschiedene Familien-Mitglieder aufgeteilt, die sich erst ab 990 verselbständigten.
Die Verwüstung der Grafschaft und Stadt B
arcelona durch al-Mansur (985) bildete eine Zäsur, insofern der westfränkische König anschließend den Lehnseid des Grafen verlangte, sich aber nicht in der Lage zeigte, gegen die Sarazenen zu helfen. Seitdem glaubten die Grafen von Barcelona, königliche Rechte in ihrer Grafschaft ausüben zu können, ohne sich formal vom westfräänkisch-französischen König loszusagen.
Im 10. Jahrhundert stand die Grafschaft B
arcelona zwischen den Fronten; die Grafen versuchten, gleich gute Beziehungen zu den Großmächten im Norden und Süden zu pflegen. Ohnehin ein Land des süd-nördlichen Durchgangshandels, spielte es, vor allem durch das Scriptorium von Vich, auch eine Rolle bei der Vermittlung der arabischen Wissenschaft (Gerbert v. Aurillac).
Mit dem 11. Jahrhundert traten die Grafschaft und das Grafen-Haus von BARCELONA in eine Expansionsphase. Der Graf von B
arcelona beteiligte sich 1010-1017 an zwei katalanischen Expeditionen nach Córdoba und schob die Grenze der Grafschaft gegen Tarragona vor. Durch die kirchliche Zugehörigkeit zur Metropole Narbonne ohnehin dem südfranzösischen  Raum eng verbunden, wurden gleichzeitig die Beziehungen zum Grafen-Haus von CARCASSONNE im Zuge von Heiraten erneuert.
Unter Berengar Raimund I. (1017 bis 1035) konnten unter anderem mit Hilfe des Bischofs Oliba von Vich auch Brücken nach Kastilien und Navarra geschlagen werden. Zugleich wurde um 1025 durch eine Vereidigung aller Einwohner auf den Grafen eine Konsolidierung auch im Innern erreicht, die besonders unter Raimund Berengar I. (1035 bis 1076) zur weiteren Ausgestaltung einer Territorialherrschaft mit eindeutiger Prärogative des Grafen genutzt wurde.
In der 2. Hälfte des 11. Jahrhunderts begannen die Lehnsabhängigkeiten der Grafen von Ampurias, Besalú, Cerdaña, Pallars und Urgel, zum  Teil auf Grund der gemeinsamen Abkunft von Wilfred I. mit der Vereinbarung, im Falle eines kinderlosen Todes ihre Grafschaft dem Grafen von B
arcelona zu vererben (dieser regionale Vorrang des Grafen von Barcelona resultierte nicht aus der angeblichen Führungsstellung seines Vorgängers über die sogenannte Spanische Mark).
Verwandtschaftliche Beziehungen förderten die ersten Lehnshoheiten auch über südfranzösische Herrschaften. Die Heirat Raimund Berengars III. (1096-1131) mit Dulcia von Provence brachte dem Hause BARCELONA die südliche Hälfte der Grafschaft Provence ein. Um 1090 konnte Tarragona, 1148 Tortosa und 1149 Lérida erobert werden; der Versuch 1124, mit Hilfe der Pisaner die Balearen zu erobern, schlug allerdings fehl. Die genannten Grafschaften und Territorien fielen herrschaftlich wohl dem Grafen-Haus BARCELONA zu, wurden aber nicht der Grafschaft B
arcelona inkorporiert, obwohl diese nach außen hin wegen des gemeinsamen Herrscher-Hauses eine Art Obernamen abgab.
Raimund Berengar IV. (1131-1162)
heiratete 1137 die Erbin des Königreiches Aragón, Petronilla, und wurde »princeps« von Aragón. Dessen Sohn und alle weiteren Nachfolger führten die aragonesische Königswürde, behielten aber, da die Herrschaftsmasse des Grafen von B
arcelona gleichwertig neben dem aragonischen Erbe innerhalb der Krone Aragón stand, den Titel eines Grafen von Barcelona bei. Gegenüber den katalanischen Grafschaften, die im 12./13. Jahrhundert (zuletzt Urgel, Aurembiaix) endgültig einverleibt wurden, setzte sich die Bezeichnung Barcelona dann durch. Katalonien.
F. Udina

Quellen und Literatur:
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zu [I]:
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RE III, 7
J. Garrut, B., vint segles d'Historia, 1963
F. Udina-J. MA Garrut, B., vint segles d'història, 1968
A. Duran i Sanpere, B. i la seva Historia, 3 Bde, 1972-75
F. Carreras i Candi, Geografia general de Cataluña. La ciutat de B. [o. J.]

zu [II]:
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DHEE, s.v.
Enciclopedia catalana, 1971, s.v.
M. Aymerich, Nomina et acta episcoporum barcinonensium, 1760
J. Villanueva Viaje Literario..., Bd. 17-19, 1851
E. Flórez, España Sagrada, Bd. 29. 1859
J. Mas, Notes històriques del bisbat de B., 13 Bde, 1906-21
S. Puig y Puig, Episcopologio de la sede barcinonense, 1929
A. Fábrega-Grau, Orígenes del cristianismo en B., Cuadernos de arqueología e hist. de la ciudad de B., 3, 1962, 61-87J. Baucells-Reig, La Pia Almoina de la Seo de B. Origen y desarrollo, 1973

zu [III]:
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R. d'Abadal i de Vinyals, Els primers comtes catalans, 1958
P. E. Schramm, Els primers comtes reis: Ramon Berenguer IV..., 1960
S. Sobrequés i Vidal, Els grans comtes de B., 1961
O. Engels, Schutzgedanke und Landesherrschaft im ö. Pyrenäenraum (9.-13. Jh.), 1970.


HAUS URGELL
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Sanifred von Urgell Graf von Barcelona und Gerona
Wilfried I. der Haarige                               878- 897

Wilfried II. (Borell I.)                               897- 911
Suner                                                      911- 947
Miro                                                        947- 966
Borell II.                                                  947- 992
Raimund Borell III.                                   992-1017
Berengar Raimund I. der Krumme             1017-1035
Raimund Berengar I. der Ältere                 1035-1076
Raimund Berengar II. der Tollkopf            1076-1082
Berengar Raimund II. der Brudermörder    1076-1097
Raimund Berengar III. der Große              1097-1131
Raimund Berengar IV.                              1131-1162
Alfons II. König von Aragon                     1162-1194
 

ab Raimund Berengar II. siehe bei Datei PROVENCE (Frankreich)