STAMMTAFEL im Anhang Band IX des Lexikons des Mittelalters
STAMMTAFEL in Balazs György/Szelenyi
Karoly: Die Magyaren. Geburt einer Nation. Corvina Kiado Budapest Seite
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Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte
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ARPADEN
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Die Nachkommen des ungarischen
Großfürsten Árpád
herrschten 400 Jahre in Ungarn, bis 1000 als
Großfürsten, 1000 bis 1301 als Könige. In der Nachfolge
Árpáds wurde
der Seniorat durch die Primogenitur ersetzt, was 997-1163 zu
Thronkämpfen führte. Nach Árpád folgte
wahrscheinl. sein Neffe, dux Szabolcs, nach ihm sein Enkel Fajsz (Fales, Falitzi). Während
ihrer Regierung führten sie beinahe fünfzig Streifzüge
aus, durch welche sie die Lombardei (905-950), Sachsen (924-932),
Byzanz und Bulgarien (934-957) zu Tributleistungen zwangen.
Während der Regierung OTTOS
I. wurden sie aus dem Reich verdrängt; um 950 bekehrten
sich zwei ungarische Fürsten in Byzanz zum Christentum und riefen
einen griechischen Bischof nach Ungarn. Nach der Niederlage auf dem
Lechfeld knüpfte Fürst Taksony (Toxun, 955-970), Sohn von Zolta, Enkel von Árpád, friedliche
Beziehungen zu den Nachbarländern an; seine Politik wurde von
seinem Sohn Géza (Geysa, 970 bis 997)
weitergeführt, der unter dem Druck Heinrichs II. des Zänkers
Ostarrichi (Österreich) räumte und sich mit den Kaisern OTTO I. und II. versöhnte
(972), einen lateinischen Bischof nach Ungarn rief und das Christentum
mit Gewalt einführte.
Sein Sohn Stephan I. der Heilige
(Waik) heiratete 996 Gisela,
Tochter des Bayern-Herzogs
Heinrich II., was den
Einfluß bayerischen Kleriker und Adliger auf Ungarn
begünstigte. Stephan
besiegte die aufständischen ungarischen Großen, und als
erster König des nun christianisierten Ungarn (1. Januar
1000-15. August 1038) baute er das System von Komitaten um 50 Burgen
aus, errichtete Pfalzen (curtes) mit Hofdomänen und eine
Kirchenorganisation mit zehn Bistümern. Er führte die
Münzprägung, die Besteuerung des Gemeinvolkes und das
lateinische Schriftwesen ein. 1018 eröffnete er den Pilgerweg nach
Jerusalem über Ungarn, verlegte seinen Sitz von Gran (Esztergom)
nach Stuhlweißenburg (Székesfehérvár). Da
sein einziger Sohn, Emmerich
der Heilige, 1031 starb, sein Vetter, der ARPADEN-Herzog Vasul, geblendet und dessen
Söhne verbannt wurden, kämpften seine Neffen weiblicher
Linie, Peter Orseolo aus
Venedig (1038-1041, 1044-46) und Samuel Aba (1041-1044) um die
Herrschaft. Der von König
HEINRICH III.
unterstützte Peter
wurde durch die heimgekehrten Söhne des Vasul, Andreas (I.) und Bela (I.), verjagt, von
denen die späteren arpadischen
Könige abstammen:
Andreas I. (1046-1063)
schlug den ersten Heidenaufstand nieder und warf den Angriff HEINRICHS III. zurück
(1051), schloß mit ihm Frieden und brachte eine Ehe zwischen der
Kaiser-Tochter Judith und
seinem Sohn Salomon (1063-1073)
zustande. Gegen die Krönung Salomons
erhoben sich mit Erfolg der im Ducatus des Landes regierende Onkel Béla I. (1061-1063) und
dessen Sohn, Géza I.
(1074-1077), während Ladislaus
I. der Heilige der Herrschaft Salomons in Preßburg
(Pozsony, heute Bratislava) ein Ende machte. Das ungarische
Königtum erhielt während der Regierung Ladislaus I. (1077-1095) und Kolomans des Buchkundigen (1095-1116)
jene weltliche und kirchliche Struktur, die es bis zur Mitte des
12. Jahrhunderts hatte. Ladislaus
und Koloman besetzten
das Küstengebiet von Alt-Kroatien, Dalmatien und die moesischen
(bosnischen) Gebiete südlich der Save. Ladislaus kämpfte mit
Erfolg gegen die nomadisierenden Petschenegen und Kumanen; Koloman hingegen vernichtete
zwar die ersten plündernden Kreuzfahrer, sicherte aber den
Durchzug der Kreuzritter (1096). Im Gegensatz zwischen dem Papsttum und
dem Kaisertum standen die arpadischen
Könige zumeist auf der Seite der Reform-Päpste. Zur
Unterstützung des Zölibats organisierte Ladislaus Domkapitel,
gründete die Bistümer von Großwardein (Várad)
und Agram (Zagreb), vereinte das griechische Bistum Bács mit dem
lateinischen Erzbistum Kalocsa; Koloman
stiftete das Bistum Neutra (Nytria, heute Nitra). Auf Synoden regelten
sie die Stellung der Kirche. Ladislaus
festigte durch strenge Strafgesetze die aufgelösten
Eigentumsverhältnisse; Koloman
förderte die Organisation des Königtums. Seinen
aufständischen Bruder Almos
ließ er samt dessen Sohn Béla blenden, um die
Regierung seines eigenen Sohnes, Stephan
II. (1116-1131) zu sichern. Der Jüngling, der sich auf
unsinnige Kriege einließ (1116 Böhmen, 1123 Rußland,
1127-1129 Byzanz), bestimmte auf seinem Sterbebett seinen Vetter Béla den Blinden (1131-1141)
zu seinem Nachfolger. An seiner Statt regierten seine Frau, die Serbin
Ilona, und sein Schwager, Ban
Belos, die die
Anhänger Kolomans bei
einem Reichstag niedermetzeln ließen, die außenpolitische
Stellung des Landes jedoch mit kräftiger Regierung zu sichern
verstanden. Béla II.
nahm den Titel eines Königs von Bosnien an.
Unter Géza II. (1141-1162),
dem Sohn von Béla dem
Blinden, gewann Ungarn jene Großmachtstellung, die es ein
Jahrhundert lang einnahm. Géza
kämpfte mit Erfolg im Interesse seines Schwagers Izjaslav, Großfürst von Kiev (1148-1152), und gegen seinen
Verwandten Manuel Komnenos,
Kaiser von Byzanz (1152-56),
der Ungarn angriff; während seiner Regierung wurde die
Organisation der 72 Komitate ausgebaut:
Zu dieser Zeit wurden in Siebenbürgen und in der Zips die ersten
sächsischen Kolonien gegründet (Kolonisation und
Landesausbau); die Johanniter und die Kreuzherren der Stephaniter
fanden Eingang in Ungarn.
Sein Sohn Stephan III. (1162-1172)
kämpfte während seiner ganzen Regierung gegen Manuel, der für kurze Zeit
den älteren Thronprätendenten, Ladislaus II. (1162-1163) und Stephan IV. (1163), zum Thron
verhalf. Letzten Endes gelangte Béla
III., den Manuel in
Byzanz erzogen und zuerst zu seinem Nachfolger bestimmt hatte, auf den
ungarischen Thron (1172-1196):
Er schloß Dalmatien und Kroatien wieder an Ungarn an, reformierte
die königliche Kanzlei, regelte das Finanzwesen des Landes und
stiftete mit seiner zweiten Frau, Margarethe
Capet, Zisterzienser-Klöster in Ungarn. Von seinen
Söhnen heirateten Emmerich
(1196-1204) Konstanze von. Aragón und Andreas II. (1205-1235)
Gertrud von Meranien. Unter ihnen wuchs der westeuropäische
Einfluß in Ungarn; das Gefolge der Königin erhielt
große Landschenkungen; die Auflösung der königlichen
Burg- und Hoforganisation begann; die Städte entwickelten sich
durch neue Kolonisten; die zumeist unbewohnte Gebirgslandschaft der
Karpaten wurde besiedelt, Andreas
II. stärkte seine außenpolitische Position, seine
Innenpolitik wurde jedoch von Kämpfen zwischen dem Hoch- und
Kleinadel und der Kirche gelähmt; das Ergebnis war die
»Goldene Bulle« (1222), die ungarische Magna Charta, und
ihre Revision (1231).
Die Regierung seines Sohnes, Béla
IV. (1235-1270) wurde durch den Mongolen-Einfall (1241/42) und
den Wiederaufbau des verwüsteten Landes beeinflußt. In der
verödeten ungarischen Tiefebene siedelte er nomadisierende Kumanen
an, seinen Sohn Stephan V.
verheiratete er mit der kumanischen
Prinzessin Elisabeth, übergab ihnen
mit dem Titel des »Rex iunior« die östliche
Hälfte des Landes, was zu Kämpfen zwischen Vater und Sohn
führte. Er unterstützte die Entwicklung der Städte und
den Burgenbau der Großen. Die Folge war die Stärkung
feudaler Gruppen.
Nach der kurzen Regierung seines Sohnes Stephan V. (1270-1272) regierte
der junge Ladislaus IV.
(1272-1290) unter dem Einfluß seiner kumanischen Mutter und deren
Umgebung, was ihn mit der Kirche und der Mehrheit der Oligarchie in
Konflikt brachte und zu inneren Kämpfen führte.
Nach seinem gewaltsamen Tode wurde ein nach Italien verschlagener
Nachkomme der ARPADEN,
Andreas III., auf den Thron
berufen (1290-1301). Mit
seinem Tod (14. Januar 1301)
erlosch der Mannesstamm der ARPADEN; seine
einzige Tochter Elisabeth
starb im Dominikanerinnen-Kloster zu Töss (Schweiz) am 6. Mai
1338. Nach einem zehnjährigen Ringen um die Macht bestieg mit Karl-Robert Anjou eine neue
Dynastie den ungarischen Thron. Ungarn, Anjou.
G. Györffy
Literatur:
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M. Wertner, Az Árpádok családi
története, 1892 (Biogr. Genealogie)
G. Pauler, A magyar nemzet története az
árpádházi királyok alatt, 2 Bde, 1899
Árpád és az Árpádok, hg. D.
Csánki, 1907
Hóman, I.