ARLES


Lexikon des Mittelalters:
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Arles
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I. Stadt und Grafschaft:
Arles (Arelas, Arelate, civ. Arelatensium; heute zum Département Bouches-du-Rhône) liegt auf dem linken Ufer der unteren Rhône auf einem Felssporn (ca. 25 m über NN) über den Salzsümpfen und den erst im 19. Jahrhundert trockengelegten Teichen des Rhônedeltas.
Von den keltischen Salluviern vielleicht an der Stelle einer ursprünglich griechischen Siedlung gegründet, von den Römern bereits am Ende des 2. Jahrhunderts vor Christus als Stützpunkt benützt (Anlage der Fossae Marianae durch Marius als Verbindung zum Meer), wurde
Arles 46 vor Christus durch Caesar zur römischen Kolonie (Colonia Iulia Paterna Arelate Sextanorum) erhoben.
In dem als Handelsstadt rasch aufblühenden
Arles residierten seit Konstantin dem Großen mehrere spätrömische Kaiser. Ihr Palatium, vermutlich der »Palais de la Trouille«, diente bis ins 13. Jahrhundert als Residenz. Noch FRIEDRICH BARBAROSSA hat wahrscheinlich anläßlich seiner Krönung zum burgundischen König in Arles 1178 in diesem Palast gewohnt. Durch die Verlegung der Präfektur von Trier nach Arles wurde die Stadt seit 395 zur Hauptstadt der vier westlichen Diözesen Britanniae, Galliae, Septem provinciae und Hispaniae. Das Stadtgebiet wurde auf das rechte Rhôneufer ausgedehnt (vorstädtische Schiffersiedlung, seit dem Hoch-Mittelalter Trinquetaille genannt), so daß Ausonius (ordo urb. nob. 10, 1f.) von »duplex Arelate... Gallula Roma« sprechen konnte. Die Sarkophag-Werkstätten sind Ausdruck des kulturellen Ranges der Stadt.
Von den Westgoten seit 425 mehrfach bedroht, wurde
Arles 476 von ihnen endgültig unter König Eurich besetzt.
Um 536 trat der Ostgoten-König Theodahat die Provence und damit auch
Arles an die Franken ab. Viele antike Großbauten der Stadt überdauerten mehr oder weniger zweckentfremdet den Untergang des weströmischen Reiches, so das Forum, das im Hoch-Mittelalter von Rittern bewohnte Amphitheater, das Theater und der Circus, in dem noch ein fränkischer König nach 536 Spiele gab. Die spätantike Mauer (ca. 1675 m Umfang und ca. 17,5 ha Flächeninhalt) umfaßte das Zentrum der schachbrettartigen Kolonieanlage und den östlich, höher gelegenen Teil der Civitas. In der Südost-Ecke der Mauer lag die Stephanskathedrale, die im 5. Jahrhundert an die Stelle der heutigen Kathedrale (? St-Trophim, Trophimus) verlegt wurde. Unweit der alten Kathedrale errichtete Caesarius von Arles nach 508 ein Monasterium. Die über einem Märtyrergrab errichtete Basilika (? St-Genès) wird Mittelpunkt des ausgedehnten Gräberfeldes der Alyscamps (Elysii campi). Die Bischofsnekropole mit der um 1168 begonnenen Nachfolgekirche St-Honorat ist im Mittelalter ein begehrter Begräbnisplatz, zu dem die Toten in Fässern rhôneabwärts transportiert wurden.
Unter den MEROWINGERN gehörte
Arles meist zum neustroburgundischen Teilreich. In Arles residierte der Praefectus (oder rector) Provinciae, bis 592 die 561 in Marseille eingerichtete austrasische Präfektur Arles den Vorrang nahm. Der Hafen von Arles war bis zum 8. Jahrhundert Umschlagplatz für Luxuswaren aus dem Orient und aus Italien. An den Handel der Byzantiner (Amalfitaner) erinnern noch die 921 erwähnten Hafengebühren der »Griechen«.
Erst durch die Sarazenen-Einfälle (737/738), die Feldzüge Karl Martells sowie die Verlagerung der Handels- und Wirtschaftszentren rückte
Arles an die Peripherie des KAROLINGER-Reiches. Karl Martell setzte an Stelle des Patricius vermutlich Grafen in der Provence ein (Provence). Bezeugt sind solche seit 780, für Arles spätestens seit LUDWIG DEM FROMMEN.
Graf Hugo von
Arles (909-947) beteiligte während seiner Abwesenheit in Italien seinen Bruder Boso an der Herrschaft über die Grafschaft. Der comitatus Arelatensis umfaßte nur die der gräflichen Pfalz von Arles zugeordneten Besitzungen und Rechte in und um Arles sowie in der Diözese Avignon. Die Macht des vielleicht 948 von König Konrad eingesetzten Markgrafen Boso II. erstreckte sich darüber hinaus auf das gesamte Gebiet der Kirchen-Provinzen Arles, Aix und Embrun und der Diözese Die.
Am Ende des 11. Jahrhunderts starb die Familie Wilhelm des Befreiers, des Sohnes Bosos II. aus, welche die Grafschaft in Samtherrschaft verwaltet hatte. Aus ihrem Erbe erhielten die Grafen von Barcelona das gesamte Gebiet zwischen Rhône, Durance und Alpen, damit auch
Arles (Vertrag von 1125). Schon vor 843/844 hatten sich die Grafen von Arles durch einen vicarius Arelatensis vertreten lassen, doch residierten sie noch im 10. Jh. anläßlich der zwei placita generalia in der Stadt. In den Grenzgebieten der Grafschaft wurden seit Mitte des 9. Jh. vicecomites eingesetzt. Im Grafengericht zu Arles fungierten die vassi dominici (10. Jh.) oder vasses urbis Arelatensis (1060) und die boni homines oder iudices als Umstand.
Im 11./12. Jh. war
Arles der wichtigste Umschlagplatz des unteren Rhônetales für Salz, Vieh, Wein, Getreide, Olivenöl, Tuche und, seit dem 12. Jh., Vermellan (ein Purpurfärbstoff). An den über Arles laufenden Fernhandel mit flandrischen Tuchen, südfranzösischen Metallen und Rohmaterialien beteiligten sich jedoch nur wenige Bewohner von Arles. Zur Zeit des hochmittelalterlichen Wirtschaftsaufschwungs wuchs Arles über die spätantiken Mauern hinaus. Westlich der Civitas entstand seit dem 10. Jh. der Bourg Vieux. Hier, unweit der Brücke über die Rhône, hatte das Geschlecht der PORCELET seine Burg. Zusammen mit den Herren von Les Baux besaß es die Herrschaft über den Burgus vetus. Im Norden der Civitas bildete sich Mitte des 12. Jahrhundert der Burgus novus. Die suburbanen Siedlungen wurden im Hoch-Mittelalter befestigt, das zwischen Bourg Vieux und der Civitas gelegene Gebiet, das Medianum (Méjan), wahrscheinlich schon im 11. Jahrhundert, der Bourg Neuf Anfang des 13. Jahrhunderts, der Bourg Vieux in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts.
Über den Umfang der mittelalterlichen Mauer hinaus (ca. 2.800 m; Flächeninhalt ca. 41 ha) hat sich
Arles bis zur Neuzeit nicht mehr erweitert. Außerhalb der Mauer blieb der auf dem rechten Rhôneufer gelegene Faubourg, der sich Mitte des 12. Jahrhundert um die Burg Trinquetaille der Herren von Les Baux entwickelte.
Die Erzbischöfe hatten seit dem Ausgang des 9.
Jahrhundert Anteil an der Stadtherrschaft, denn Boso hatte dem Erzbischof Rostagnus wohl für seine Unterstützung bei der Königserhebung in Mantaille (879) die Hafenrechte, Zoll, Münze und Judenschutz in Arles übertragen (Diplom LUDWIGS DES BLINDEN von 921). Erzbischof Manasses (ca. 914-962), der Bruder des Grafen Boso II. von Arles, besaß die Hälfte der Fiskalgüter bei Arles.
Im 11. Jh. fielen die kirchlichen und gräflichen Rechte und Güter den stadtsässigen domini maiores, den vassi civitatis oder milites zu.
Das Aussterben des ersten Grafen-Hauses und die gregorianische Reform wirkten sich zugunsten der Ritter-Geschlechter aus:
Nicht nur Fiskal-, sondern auch Gerichtsrechte gingen zum Beispiel an die LES BAUX über.
Im 12. Jh. schufen die Konsulatsverfassung (Konsulat), die Regalienpolitik der staufischen Kaiser und die Rekuperationspolitik der Grafen von Provence einen grundlegenden Wandel. 1131 wurde vermutlich mit Billigung und Unterstützung des Erzbischofs das Konsulat geschaffen. Es war zunächst auf milites beschränkt und für civitas und burgi getrennt. Schließlich bestand es aus zwölf Konsuln, je vier aus der civitas (Ritter), vier aus dem Burgus Vetus und je zwei aus dem Burgus Novus und dem mercatus (Carta consulatus, Mitte 12. Jh.; Statuta, 2. Hälfte 12./1. Hälfte 13. Jh.). Es stützte die Stadtherrschaft des Erzbischofs, daß ihm die Regalien in
Arles und dem Erzbistum übertragen wurden und FRIEDRICH I. ihn zu seinem Stellvertreter erklärte. Bis zu seinem Ausgleich mit Gf. Raimund Berengar (1162) hatte FRIEDRICH I. die Herren von Les Baux unterstützt und ihnen das Münzrecht in der Provence, das heißt in Arles, Aix und Trinquetaille verbrieft (1145,1160). Durch den Umschwung von 1162 erhielten die Grafen die Civitas Arles als Reichslehen. Zwei Jahre später bestätigte FRIEDRICH I. Erzbischof Raimund III. und der Kirche von Arles (sie heißt dort: caput Provinciae et principalem sedem imperii) die volle Gerichtsbarkeit über die Stadt, das Recht, die Konsuln zu ernennen und die Hälfte aller einzeln aufgeführten Regalien. Ein vermutlich zu Anfang des Pontifikates des Erzbischofs Raimund III. (1163-1182) zwischen diesem und dem Grafen geschlossener Vertrag teilte die Stadt in zwei Herrschaftsgebiete. Die Grenze durchlief die Civitas von West nach Ost, der südliche Teil mit Einschluß des Judenmarktes unterstand dem Erzbischof, der nördliche dem Grafen.
Anfang des 13. Jh. stand die Konsulatsherrschaft auf ihrem Höhepunkt. 1211 wurden die bisher getrennten Konsulate von Civitas und Bourg Vieux vereinigt. 1220 führten Unruhen zur Einsetzung eines Podestà, unter dem der Bannmeilenbezirk um
Arles zu einem städtischen Territorium ausgebaut wurde. Die Übergriffe der Schwureinung (confratria Baiulorum) führten um 1235/36 zum Eingreifen FRIEDRICHS II., der 1237 für Arles einen kaiserlichen Vikar und Podestà ernannte. 1239 machte ein Vertrag zwischen Graf Raimund Berengar V. und dem Erzbischof der Freiheit der Stadtgemeinde ein Ende. Arles wurde nun von einem gräflichen Vikar in Verbindung mit den »co-seigneurs« verwaltet. Ein erneuter Aufstand der Stadt (1247/48) schlug fehl. Der Vertrag des Erzbischofs mit Karl von Anjou (1250), der 1246 die Grafschaft Provence durch Vermählung mit Beatrix, der Erbin des Hauses BARCELONA, erhalten hatte, besiegelte 1251 die völlige Unterwerfung der Stadtgemeinde. Die Interessen der von einem gräflichen Vikar verwalteten Stadt vertraten bis zur Mitte des 14. Jh. ad hoc gewählte syndici (Syndicus, Syndic), dann jährlich wechselnde, durch Wahl, Los oder Kooptation bestimmte syndici verschiedener Anzahl (sechs, vier, drei); im 15. Jh. zum Beispiel je einer aus der Gruppe der Ritter, der Bürger und der probi homines. Arles war Ende des 13. Jh. mit mehr als 2.000 Feuerstellen die größte provencalische Stadt. Bis Mitte des 14. Jh. blieb die Einwohnerzahl auf diesem hohen Niveau, dann sank sie um ca. 50% ab (Anfang 15. Jh.).

II. Bistum und Metropole:
Das Bistum
Arles ist um die Mitte des 3. Jh. entstanden. Der quellenmäßig nicht sicher faßbare heilige Bischof und Märtyrer Trophimus von ArlesA., der als erster Apostel Galliens und seit Caesarius von Arles als Apostelschüler galt, wurde zum Patron der Kirche von Arles, auf den sich unter anderem ihr Primatsanspruch gründete. Das Grab des Heiligen wurde besonders seit dem Hoch-Mittelalter zum Pilgerziel (Station auf dem Weg nach Santiago de Compostela). Erster sicher bezeugter Bischof von Arles war Marcianus (ca. 254). Die civitas Arles gehörte zur provincia Viennensis. Aus der dadurch bedingten kirchlichen Unterordnung unter Vienne ergaben sich Schwierigkeiten, als um 400 Arles zur Hauptstadt wurde. Schon 417 hatte Papst Zosimus die Schwerpunktverlagerung anerkannt und dem Bischof Patroclus (412-426) die Metropolitangewalt über die Provinzen Viennensis, Narbonensis I und II und die beiden Alpen-Provinzen sowie das Formatenrecht und die Überwachung der kirchlichen Verhältnisse in ganz Gallien übertragen und damit die Grundlagen für den Primat bzw. Vikariat von Arles gelegt.
Bischof Hilarius (429-449), der wie Honoratus (426-428/429), Caesarius (502-542) und Virgilius (588-601) aus dem Kloster Lérins stammte, versuchte seine Primatialgewalt über ganz Gallien auszudehnen, doch erkannte ihm Leo der Große 445 die angemaßten Primatialrechte ab. Den Streit um die Metropolitanrechte entschied er 450, indem er die Bistümer Valence, Tarentaise, Genf und Grenoble dem Bischof von Vienne, die übrigen Bistümer der Viennensis dem Bischof von
Arles unterstellte. 513 bestätigte Papst Symmachus diese Teilung, gleichzeitig verlieh er Caesarius das Pallium, zeitweise auch den Vikariat für Spanien. Caesarius erhielt dadurch die Vollmachten eines apostolischen Vikars in Gallien:
»Rom amtierte gleichsam in Arles« (H. v. Schubert). Förmliche Vikariatsverleihungen an Bischöfe von
Arles sind zwischen 545 (Auxanius) und 595 (Virgilius) bezeugt. Nur noch das Pallium erhielt anscheinend Bischof Florianus (613). Gregor der Große beschritt sowohl für die Verwaltung der päpstlichen Güter in der Provence, die bisher dem Bischof von Arles als päpstlicher Vikar anvertraut war, als auch in der Frage der Palliumsverleihung neue Wege. Trotz des Vikariats für ganz Gallien blieb die Synodaltätigkeit der Bischöfe von Arles auf das Teilreich beschränkt, dem Arles jeweils angehörte.
794 wurde der erneut zwischen
Arles und Vienne ausgebrochene Streit im Sinne der Teilung des 5. Jh. entschieden, doch dabei die Provinz Narbonensis II und Alpes Maritimae mit Aix und Embrun abgespalten. Als Metropole wird Arles erstmals wieder 811 genannt.
Erzbischof
Rotlandus (852-869) bemühte sich um Erneuerung des Vikariatsrechts. Doch verlieh erst Johann VIII. anläßlich seines Aufenthaltes in
Arles (878 Mai) seinem Nachfolger Rostagnus (Rostang; 871-904) das Pallium und den Vikariat. In der 2. Hälfte des 10. Jh. stellten die Erzbischöfe die durch die Sarazenen-Einfälle erschütterte Ordnung in der östlichen Provence wieder her und unterstützten die Gründungen von Kapiteln und Klöstern. Die Bischöfe der Provinz Arles verloren zur gleichen Zeit die unmittelbare Bindung an das Königtum; sie leisteten nunmehr dem Grafen von Arles und dem Erzbischof den Treueid. Über die Stellung von Arles heißt es Ende des 10. Jh. zutreffend:
Arelas caput est et esse debet istius Gallie. Eine Schlüsselrolle spielte Erzbischof Raimbaldus (1030-1065/67) bei der Verbreitung der Treuga Dei 1041 in Süd-Frankreich bzw. in der Lombardei (Gottesfrieden). Sein Bemühen um die kirchliche Reformen setzte sein Nachfolger Aic(h)ardus (ca. 1067-1080/95), der aus dem Geschlecht der vicecomites von Marseille stammte, nicht fort. Der von Hugo von Die 1080 eingesetzte Reform-Bischof Gibelinus konnte sich erst 1095/96 in
Arles durchsetzen. Die gregorianische Reform hatte Anfang des 12. Jh. in der gesamten Provinz Arles dazu geführt, daß die Bischofssitze endgültig den traditionell mit ihnen versorgten Angehörigen der gräflichen, vicomtalen und burgherrlichen Familien entzogen und nunmehr meist mit Regularkanonikern oder mit Mönchen besetzt wurden, die größtenteils nicht den alten Herrengeschlechtern entstammten bzw. von auswärts kamen. Sie versuchten, die Besitz- und Herrschaftsrechte der Bischofskirchen amtsrechtl. und nicht familienrechtl. zu begründen. In ihrer Rekuperationspolitik wurden sie durch die Regalienpolitik der staufischen Kaiser unterstützt. Doch führten beide schließlich zu einer Überspannung der herrschaftlich-weltlichen Stellung der Bischöfe und zu einer Entfremdung des niederen Adels und einiger Teile der Bauern- und Stadtbevölkerung. Das gab der häretischen Bewegung der Albigenser auch in der Provinz Arles Auftrieb. Gegen sie richteten sich die Bestimmungen der Synoden von 1205,1211,1234,1236 und 1246.
R. Kaiser

Seit Mitte des 13. Jh. und besonders nach der Verlegung des Papstsitzes nach Avignon (Kurie, römische in Avignon) spielte
Arles eine bedeutende Rolle in der Politik der Kurie wie in der des Königreiches Sizilien-Neapel-Provence. Der Bischofssitz wurde mehr als jeder andere mit einflußreichen Mitgliedern der Kurie besetzt, von denen sich die meisten wenig in Arles aufhielten. Unter den Erzbischöfen dieser Epoche sind als historisch bedeutende Persönlichkeiten unter anderem zu nennen:
Bertrand de Saint-Martin (1266-1273), Rostang de Capra (1286-1303), Pierre de Ferrières (1304-1307), Arnaud de Falguières (1308-1310), der schließlich sein Bistum durch seinen Bruder Gaillard de Falguières administrieren ließ, Étienne und Guillaume de La Garde (1351-1360, 1361-1374), Pierre de Cros (1374-1388), der beim Ausbruch des Abendländischen Schismas eine entscheidende Rolle spielte und sich trotz der Absetzung durch Urban VI. in seiner Diözese zu behaupten vermochte. Sein Nachfolger war François de Conzié (1388-1390). Nach Jean de Rochechouart (1390-1398) ließ Benedikt XIII. den Bischofssitz vakant (1390-1398); er wurde durch Administratoren verwaltet.
Im 14./15. Jh. versuchten die Erzbischöfe von
Arles zusammen mit denen von Aix und Embrun auf mehreren Synoden (so 1325,1337,1365,1453) die kirchliche Disziplin zu festigen.
Das 15. Jh. sah auf dem Bischofssitz von
Arles so bedeutende Prälaten wie Jean de Brogny (1410-1423) und Louis Aleman (seit 1432), der wegen seines aktiven Auftretens auf dem Konzil von Basel, wo er als entschiedener Anhänger des Konziliarismus den Gegen-Papst Felix V. unterstützte, von Eugen IV. 1440 seiner Würden (und damit auch des Bistums Arles) enthoben wurde. Neun Jahre lang verwalteten verschiedene Würdenträger das Bistum, bis Louis Aleman 1449 seine Wiedereinsetzung erlangte. Um das Grab des Bischofs ( 1450 in Salon, 1527 seliggesprochen) entfaltete sich eine Volkswallfahrt, die im ganzen Rhônetal Verbreitung fand.
Als Erzbischöfe des späten 15. Jh. sind zu nennen:
Pierre de Foix (der Ältere) (1450-1462), Philippe de Lévis de Quélus (1463-1475) und sein Bruder Eustache de Lévis (1476-1489), der Karl VIII. bei seinem Einzug in die Provence empfing. Nicola Cibo, ein Vetter Innozenz' VIII., der die Bischofswürde 1489-1499 innehatte, ließ das Bistum seit 1493 durch den späteren Kardinal Hippolyto d'Este verwalten.
1475 wurde auf Kosten der Provinz
Arles die Kirchen-Provinz Avignon mit den Suffraganen Vaison, Carpentras und Cavaillon geschaffen. Arles unterstanden damit nur noch die beiden Enklaven St-Paul-Trois-Châteaux und Orange sowie Marseille und Toulon (Arelat, Burgund, Provence). Aufgrund des Konkordates von 1516 erhielt der französische König das Nominationsrecht für Arles.
R.-H. Bautier

Literatur:
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LAW, 289
RE II, 1, 633-635
GChrNov III
P. Fournier, Le royaume d'A. et de Vienne (1138-1378), 1891
F. Kiener, Verfassungsgesch. der Provence seit der Ostgotenherrschaft bis zur Errichtung der Konsulate, 1900
R. Poupardin, Le royaume de Provence sous les Carolingiens (855-933?), 1901
R. Poupardin, Le royaume de Bourgogne (888-1038), 1907
G. de Manteyer, La Provence du Ier au XIIe s., 1908
L. A. Constans, A. antique, 1921
R. Buchner, Die Provence in merow. Zeit, 1933
F. Benoît, A. (Les Bouches-du-Rhône. Encyclopédie départementale XIV, 1935), 561-633
F. Benoît, Sarcophages paléochrétiens d'A. et de Marseille, 1954
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P.-A. Février, Le développement urbain en Provence de l'époque romaine à la fin du XIVe s., 1964
G. Langgaertner, Die Gallienpolitik der Päpste im 5. und 6. Jh. Eine Stud. über den apostol. Vikariat v. A., 1964
L. Stouff, Trois dénombrements de la population arlésienne aux XIIIe, XIVe et XVe s., Bull. philol. et hist. 1962 (1965) 275-292
Brühl, Palatium I, 234-244
J.-P. Poly, La Provence et la société féodale (879-1166), 1976.

GRAFSCHAFT ARLES
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Die Grafschaft Arles war vom 9. bis zum 11. Jahrhundert eine Herrschaft in der Umgebung von Arles, zu der jedoch die Stadt Arles, die seit dem Jahr 921 unter der Herrschaft des örtlichen Erzbischofs stand, nicht gehörte.

Der bekannteste Graf von Arles war Boso der Alte, der Stammvater der BOSONIDEN, dessen Ur-Enkel Hugo König von Italien wurde. Im 10. Jahrhundert kam die Grafschaft an die Grafen von Provence, die die Grafschaft Arles mehrfach zur Versorgung jüngerer Söhne einsetzten. Als diese Praxis endete, ging die Grafschaft Arles in der Grafschaft Provence auf.

LISTE DER GRAFEN VON ARLES