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Die Geschichte des
Bellerophontes erzählt uns Homer in Zusammenhang
mit
dem Tod der Chimära, einem dämonischen Fabelwesen,
welches an den
Hängen
des Olympos daselbst in Lykien hauste, halb Löwe, halb
Drache,
vom
Rumpf einer Ziege. Zwei Helden treffen vor den Mauern
Trojas aufeinander,
der
eine, Glaukos, Enkelsohn des Bellerophontes und lykischer
Königssohn,
auf
seiten der Trojaner kämpfend, der andere, Diomedes, des
Tydeus Sohn,
aus
den Reihen der Achaier. Nach ihrer Abkunft befragt,
stellen sie abwechselnd
fest,
daß bereits ihre Ahnen einander Gastrecht gewährten,
und lassen daher
von
einem Zweikampf ab, ewige Freundschaft gelobend. Es gebe
für jeden
der
Feinde genug, so daß sie sich untereinander im Kampf
meiden könnten.
Der
Dichter räumt damit dem Gastrecht und der Freundschaft
Vorrang vor der
Beistandspflicht
ein, menschliche Bindungen stehen ihm noch über
bündnispolitischen.
Jener Bellerophontes nun, von dem die Rede ist, lehnte
das
Anerbieten der Königin Anteia, die zu ihm in
Leidenschaft entbrannt war,
ab und
handelte sich so deren tödliche Rachegelüste ein, von
ihr des
gewaltsamen
Beischlafs bezichtigt. Ihr Gemahl, der König Prötos,
schickte
ihn zu
seinem Schwager, dem König von Lykien, wo ihm auf
Geheiß des
ersteren
tödliche Aufgaben gestellt wurden, die er jedoch
allesamt meisterte -
u.a.
besagte Chimära tötete - und später sogar die
Königswürde erlangte.
Ilias 6,
119-236
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Glaukos nun, des Hippolochos Sohn, und der Held Diomedes
Kamen
hervor aus den Heeren gerannt in Begierde des Kampfes.
Als sie
nunmehr sich genaht, die Eilenden, gegeneinander,
Redete
also zuerst der Rufer im Streit Diomedes:
Wer doch bist du, Edler, der sterblichen Erdebewohner?
Nie
ersah ich ja dich in männerehrender Feldschlacht
Vormals,
aber anjetzt erhebst du dich weit vor den andern,
Kühnen
Muts, da du meiner gewaltigen Lanze dich darstellst.
Meiner
Kraft begegnen nur Söhn' unglücklicher Eltern!
Aber
wofern du ein Gott herabgekommen vom Himmel,
Nimmer
alsdann begehr' ich mit himmlischen Mächten zu kämpfen.
Nicht
des Dryas Erzeugter einmal, der starke Lykurgos,
Lebete
lang', als gegen des Himmels Mächt' er gestrebet,
Welcher
vordem Dionysos', des Rasenden, Ammen verfolgend
Scheucht'
auf dem heiligen Berge Nysseïon; alle zugleich nun
Warfen
die laubigen Stäbe dahin, da der Mörder Lykurgos
Wild mit
dem Stachel sie schlug, auch selbst Dionysos voll
Schreckens
Taucht'
in die Woge des Meers, und Thetis nahm in den Schoß ihn,
Welcher
erbebt', angstvoll vor der drohenden Stimme des Mannes.
Jenem
zürnten darauf die ruhig waltenden Götter,
Und ihn
blendete Zeus der Donnerer; auch nicht lange
Lebt' er
hinfort, denn verhaßt war er allen unsterblichen
Göttern.
Nicht
mit seligen Göttern daher verlang' ich zu kämpfen.
Wenn du
ein Sterblicher bist und genährt von Früchten des
Feldes,
Komm
dann heran, daß du eilig das Ziel des Todes erreichest.
Ihm antwortete drauf Hippolochos' edler Erzeugter:
Tydeus'
mutiger Sohn, was fragst du nach meinem Geschlechte?
Gleich
wie Blätter im Walde, so sind die Geschlechter der
Menschen,
Einige
streut der Wind auf die Erd' hin, andere wieder
Treibt
der knospende Wald, erzeugt in des Frühlinges Wärme;
So der
Menschen Geschlecht: dies wächst und jenes verschwindet.
Soll ich
dir aber auch dieses verkündigen, daß du erkennest
Unserer
Väter Geschlecht, wiewohl es vielen bekannt ist:
Ephyra
heißt die Stadt in der rossenährenden Argos,
Wo einst
Sisyphos war, der schlaueste unter den Männern,
Sisyphos,
Äolos' Sohn; der zeugte sich Glaukos zum Sohne,
Glaukos
darauf erzeugte den herrlichen Bellerophontes,
Welchem
Schönheit die Götter und reizende Männerstärke
Schenketen.
Aber Prötos ersann ihm Böses im Herzen,
Der aus
dem Land' ihn vertrieb, dieweil er mächtig beherrschte
Argos'
Volk und Zeus ihm Gewalt und Zepter vertrauet.
Jenem
entbrannt' Anteia, des Prötos edle Gemahlin,
Daß sie
in heimlicher Lieb' ihm nahete, doch er gehorcht' ihr
Nicht,
der edelgesinnte verständige Bellerophontes.
Jetzo
mit Lug erschien sie und sprach zum Könige Prötos:
Tod dir, oder, o Prötos, erschlage du Bellerophontes,
Welcher
frech zu Liebe mir nahete, wider mein Wollen.
Jene sprach's, und der König ereiferte, solches
vernehmend.
Dennoch
vermied er den Mord, denn graunvoll war der Gedank' ihm.
Aber er
sandt' ihn gen Lykia hin, und traurige Zeichen
Gab er
ihm, Todesworte, geritzt auf gefaltetem Täflein,
Daß er
dem Schwäher die Schrift darreicht' und das Leben
verlöre.
Jener
wandelte hin, im Geleit obwaltender Götter.
Als er
nunmehr gen Lykia kam und den strömenden Xanthos,
Ehrt'
ihn gewogenen Sinns der weiten Lykia König,
Gab
neuntägigen Schmaus und erschlug neun Stiere zum Opfer.
Aber
nachdem zum zehnten die rosige Eos emporstieg,
Jetzo
fragt' er den Gast und hieß ihn zeigen das Täflein,
Welches
ihm sein Eidam, der herrschende Prötos gesendet.
Als er
nunmehr vernommen die Todesworte des Eidams,
Hieß er
jenen zuerst die ungeheure Chimära
Töten,
die göttlicher Art, nicht menschlicher, dort emporwuchs:
Vorn ein
Löw' und hinten ein Drach' und Geiß in der Mitte,
Schrecklich
umher aushauchend die Macht des lodernden Feuers.
Doch er
tötete sie, der Unsterblichen Zeichen vertrauend.
Weiter
darauf bekämpft' er der Solymer ruchbare Völker;
Diesen
nannt' er den härtesten Kampf, den er kämpfte mit
Männern.
Drauf
zum dritten erschlug er die männliche Hord' Amazonen.
Aber dem
Kehrenden auch entwarf er betrügliche Täuschung:
Wählend
die tapfersten Männer des weiten Lykierlandes,
Legt' er
ihm Hinterhalt, allein nicht kamen sie heimwärts.
Alle
vertilgte sie dort der untadlige Bellerophontes.
Als er
nunmehr erkannte den Held aus göttlichem Samen,
Hielt er
dort ihn zurück und gab ihm die blühende Tochter,
Gab ihm
auch die Hälfte der Königsehre zum Anteil.
Auch die
Lykier maßen ihm auserlesene Güter,
Schön
an Ackergefild' und Pflanzungen, daß er sie baute.
Jene
gebar drei Kinder dem feurigen Bellerophontes,
Erst
Isandros, Hippolochos dann und Laodameia.
Laodameia
ruht', in Zeus', des Kroniden Umarmung,
Und sie
gebar Sarpedon, den götterähnlichen Streiter.
Aber
nachdem auch jener den Himmlischen allen verhaßt ward,
Irrt' er
einsam umher, sein Herz, von Kummer verzehret,
Durch
die aleïsche Flur, der Sterblichen Pfade vermeidend.
Seinen
Sohn Isandros ermordete Ares, der Wütrich,
Als er
kämpft' in der Schlacht mit der Solymer ruchbaren
Völkern.
Artemis
raubt' ihm die Tochter, die Lenkerin goldener Zügel,
Aber
Hippolochos zeugete mich, ihn rühm' ich als Vater.
Dieser
sandt' in Troja mich her und ermahnte mich sorgsam,
Immer
der erste zu sein und vorzustreben vor andern,
Daß ich
der Väter Geschlecht nicht schändete, welches die
ersten
Männer
in Ephyra zeugt' und im weiten Lykierlande.
Sieh,
aus solchem Geschlecht und Blute dir rühm' ich mich
jetzo.
Sprach's, doch freudig vernahm es der Rufer im Streit
Diomedes.
Eilend
steckt' er die Lanz' in die nahrungsprossende Erde,
Und mit
freundlicher Rede zum Völkerhirten begann er:
Wahrlich, so bist du mir Gast aus Väterzeiten schon
vormals!
Öneus,
der Held, hat einst den untadligen Bellerophontes
Gastlich
im Hause geehrt und zwanzig Tage geherbergt.
Jen'
auch reichten einander zum Denkmal schöne Geschenke.
Öneus'
Ehrengeschenk war ein Leibgurt, schimmernd von Purpur,
Aber des
Bellerophontes ein goldener Doppelbecher;
Und ihn
ließ ich scheidend zurück in meinem Palaste.
Tydeus'
gedenk' ich nicht mehr, denn noch ein stammelnder Knabe
Blieb
ich daheim, da vor Thebe das Volk der Achaier vertilgt
ward.
Also bin
ich nunmehr dein Gastfreund mitten in Argos,
Du in
Lykia mir, wann jenes Land ich besuche;
Drum mit
unseren Lanzen vermeiden wir uns im Getümmel.
Viel' ja
sind der Troer mir selbst und der rühmlichen Helfer,
Daß ich
töte, wen Gott mir gewährt und die Schenkel erreichen;
Viel'
auch dir der Achaier, daß, welchen du kannst, du
erlegest.
Aber die
Rüstungen beide vertauschen wir, daß auch die andern
Schaun,
wie wir Gäste zu sein aus Väterzeiten uns rühmen.
Also redeten jen', und herab von den Wagen sich
schwingend,
Faßten
sie beid' einander die Händ' und gelobten sich
Freundschaft.
Doch den
Glaukos erregete Zeus, daß er ohne Besinnung
Gegen
den Held Diomedes die Rüstungen, goldne mit ehrnen,
Wechselte, hundert Farren sie wert, neun Farren
die andern.
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