Margarete von Angouleme                       Herzogin von Alencon
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11.4.1492-21.12.1549
Angouleme Odos (bei Tarbes)
 

Einzige Tochter des Grafen Karl von Angouleme und der Luise von Savoyen, Tochter von Herzog Philipp I.; Schwester des Königs Franz I. von Frankreich
 

Lexikon der Renaissance: Seite 440
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Margarete von Navarra, frz. Marguerite de Navarre, geborene d'Angloueme
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11.4.1492, + 21.12.1549
Angouleme  Odos (Gascogne)

Französische Dichterin, Erzählerin, Förderin der Renaissanceliteratur

Schwester des Königs Franz I., studierte sie selbständig alle humanistischen Fächer. Nach ihrer Hochzeit mit dem Herzog von Alencon kam sie an den französischen Hof. Verwitwet, heiratete sie 1527 Heinrich von Albret, König von Navarra. Beide aus dynastischen Interessen geschlossene Ehen enttäuschten sie, schlossen sie enger an ihren Bruder, für den sie sich während dessen Gefangenschaft (1525) aktiv einsetzte, und verstärkte ihre Neigung zu platonisch-evangelischen Ideen mit mystischer Prägung. Sie schrieb verschiedene geistlich inspirierte Gedichte und Theaterstücke, so den "Dialogue en forme de vision nocturne" (1525; Dialog in Form einer nächtlichen Vision) unter Rückgriff auf Dante Alighieri; den "Miroir de l'Ame pecheresse" (1531; Spiegel der sündigen Seele) oder die "Chansons spirituelles" (1547; Geistliche Lieder), die nach dem Tode Franz I. erschienen. In Paris sowie in Nerac, wohin sie sich 1542 zurückzog, hat sie zahlreiche verfolgte Schriftsteller geschützt und einen regen geistigen Austausch gefördert, wobei sie selbst zeitweilig von der Sorbonne zensiert wurde (1531). In Nerac entstand das Erzähwerk "Heptameron" (gedruckt 1559; Siebentagewerk), das ein französisches Gegenstück zum "Dekameron" Giovanni Boccaccios (übersetzt ins Französische von Laurent de Premierfait 1414 und Antoine Le Macon im Auftrag von Margarete, erschienen 1545) darstellt. Der Aufenthalt einer durch Unwetter in den Pyrenäen zurückgehaltenen Hofgesellschaft schafft den Rahmen, in dem insgesamt 72 denkwürdige Vorfälle erzählt und den Zuhörern zur problematisierenden Diskussion gestellt werden. Die Geschichten selbst beziehen sich auf zeitgenössische sowie historische Ereignisse, während die Teilnehmer an der Erzählrunde verschlüsselt Verwandte und Vertraute der Königin darstellen. Die zahlreichen Liebesgeschichten nehmen zumeist einen tragischen Verlauf, der sich aus dem Konflikt zwischen individuellen Bedürfnissen und gesellschaftlichem Zwang ergibt. Andere Novellen sind im heiteren Stil des unterhaltenden Erzählensd gehalten. Insgesamt bildet das novellistische Werk den dramatisch prosaischen Gegnpol zu den lyrischen Erzeugnissen, in denen Margaretes Neigung zur Allegorie dominiert.



Frauen der Weltgeschichte: Seite 311
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MARGARETE VON NAVARRA
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11.IV.1492-21.XII.1549

Ihre Kinderjahre verbrachte die spätere Dichterin des "Heptamerons" zusammen mit ihrem Bruder Franz, den König Ludwig XII. zu seinem Nachfolger auf Frankreichs Thron bestimmt hatte, im Schloß von Ambois, unter der Aufsicht ihrer ehrgeizigen Mutter Ludowika von Savoyen: Als Siebzehnjährige wurde Margarete mit Herzog Karl von Alencon vermählt; die Eheschließung hinderte sie nicht, ihre zahlreichen anderen Liebesbeziehungen weiter zu pflegen, mit besonderer Unterstützung iherer Mutter, die über eheliche Treue ihre eigenen Anschauungen hatte. Als Franz I. König von Frankreich geworden war, bat er seine Schwester an den Hof, weil seine kränkliche Gemahlin Claude den Repräsentationspflichten nicht mehr gewachsen war. Margarete wurde dem Bruder eine gewissenhafte Beraterin; sie studierte die klassischen Sprachen und Dichtungen und war an geistigen Interessen und Fähigkeiten dem jungen, lebenslustigen König weit überlegen. Als KARL V. seinen einstigen Nebenbuhler bei der Kaiserwahl gefangennahm, bemühte Margarete sich in Spanien vergeblich um seine Freilassung. Nach dem Tode ihres Manners heiratete sie Heinrich II. d'Albret, den König von Navarra; sie stand in Verbindung mit deutschen Protestanten und auch mit Calvin und bemühte sich lange um die Verständigung zwischen den christlichen Konfessionen. Als auch ihr königlicher Bruder gestorben war, zog sie sich ganz vom Hofe zurück und widmete sich vor allem ihren schriftstellerischen Arbeiten, von denen sie die Dichtung "Die Gefangenschaften" als eine Art Beichte ihres eigenen Lebens anzusehen ist. Zur Weltliteratur gehört ihr letztes Werk, dasd aus zweiundsiebzig Erzählungen bestehende "Heptameron", das nach dem Vorbild von Boccacios Decameron in oft philosophisch vertieften Geschichten um die Liebe kreist.



Margarete stand den Reformierten nahe und gewährte ihnen an ihrem Hofe Zuflucht. Neben Gedichten schrieb sie in formaler Anlehnung an Boccacio die Novellensammlung "Heptameron" und machte ihren Hof zu einem Zentrum der Renaissancekultur Frankreichs.

Die große Zuneigung die Franz I. zu seiner Schwester Margarete, die ihm sehr ähnlich war, empfand und aus der keinen Hehl machte, brachte ihn ins Gerede, dass sie seine Geliebte sei.

Andrieux Maurice: Seite 11
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"Heinrich IV. Frankreichs guter König."

1527 hatte er die geliebte Schwester Franz' I. von Frankreich geheiratet, Marguerite d'Angouleme, die gebildedste und geistreichste Frau des Jahrhunderts, die "vierte Grazie", die "zehnte Muse", als die man sie feierte. Ihr funkelnder Geist, ihre Vornehmheit, ihre Anmut wurde überall gepriesen, scheinen den Gatten aber nicht allzu lange gefesselt zu haben.

Taillander Saint-Rene Madeleine Marie Louise: Seite 8,15-20
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"Heinrich IV. Der Hugenotte auf Frankreichs Thron."

Henri d'Albret, ein guter Sohn des Bearn, hielt am alten Geist fest, aber Margarete von Angouleme hatte den Zug zum Modernen. Sie war als Vierunddreißigjährige nicht nach Navarra gekommen, um hier die Wolle der heimischen Ziegen zu spinnen und brav im Kreise ihrer Damen auf die heimkehrenden Jäger zu warten. Die Schwester Franz' I. war eine Fürstin von höchst verfeinerter Kultur, begabt für Dichtkunst und Musik, sie fühlte sich am Schreibtisch und an der Laute wohler als am Spinnrad. Wenn sie sich beim Bruder zum Hofdienst aufhielt - "Meine Schwester ist mir eine gute Hilfe", pflegte Franz I. zu sagen - war ihr größtes Vergnügen, Gefangenen zur  Flucht zu verhelfen, welche die Sorbonne wegen religiöser Überzeugungen hatte einkerkern lassen. Und sobald Margarete nach Navarra kam - immer noch im Dienst des abgöttisch geliebten Bruders - nahm sie auch hier mit größter Freude Verfolgte bei sich auf. Das Schloß zu Pau war zu den Zeiten Margaretens erfüllt von Musik und Dichtkunst. Rebelais widmete ihr das dritte Buch des "Pantagruek" und forderte sie auf, herabzusteigen von ihrem "göttlichen Sitze" und sich aufzuheitern bei seinen Schwänken. Die kleine Hofhaltung in Pau galt als Parnaß. Und die Königin bewies ihren Sinn für Schwänke, indem sie ihren Hofdamen die Erzählungen des Heptameron in die Feder diktierte. Aber in den innersten Gemächern fand sich noch ein anderer Kreis zusamemn. Margarete nahm Calvin in Pau gastlich auf. Wir dürfen annehmen, daß der angebetete und gefürchtete Bruder nichts dagegen hatte, wenn Margarete den Verfolgten eine Zufluchtsstätte bot.
Aus Neugier ließ sie in ihrer Hauskapelle das Abendmahl nach dem Genfer Ritus feiern. Fast hätte ihr Gatte Henri d'Albret sie dabei überrascht. Von Zweifeln geplagt, nahm Margarete längeren Aufenthalt in Klöstern, legte Nonnenkleidung an, sang in ihrem Äbtissinnenchorstuhl beim Gottesdienst mit und versuchte so, ihre Unschlüssigkeit zu entwirren. Auf ihren Porträts sehen wir unter der großen Haube ein merkwürdige Gesicht mit großen ausdrucksvollen Zügen, weitgeöffnete helle Augen, breitgeschwungene sensible Lippen, die sich ironisch schürzen oder in inerer Unruhe zusamemnpressen könnten. War sie in erster Linie Königin oder Äbtissin? Vor allem war sie Frau. Sie sagte, sie wolle im Glauben nicht wankend werden, aber tatsächlich wankte suie.
Diese Gedanken vertraute sie der Mutter Brantomes an und der Sohn berichtet, daß die Großmutter Heinrichs IV. eines vorzeitigen Todes starb, weil sie sich eine Erkältung zuzog, als sie von einer Terasse aus eine Kometenbahn beobachtete. Sie wollte an ihr das Sterbedatum des Papstes Paul III. ablesen, dem sie vielleicht einen baldigen Tod wünschte. Dem geistlichen Ratgeber, der ihr beistand, versicherte sie, daß sie als gute Katholikin sterbe. Sie schied ungern aus dieser Welt. Es widerstrebte der leebnskräftigen Frau, so lange unter der Erde zu bleiben

Hartmann Peter Claus: Seite 57,65
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"Französische Könige und Kaiser der Neuzeit. Von Ludwig XII. bis Napoleon III. 1498-1870."

Margarete von Angouleme, die Schwester Franz' I., seit 1527 Königin von Navarra, war ihrem Bruder sehr zugetan; die persönlichen Bande wurden nach dem Tod ihrer Mutter (1531) noch enger. Margarete stand den Ideen des Kreises von Meaux nahe. Diese, mit dem Namen von Guillaume Briconnet, Bischof von Meaux, verbundene mystische Frömmigkeitsbewegung nach den Ideen des Lefevre d'Etaples stand dem paulinisch-augustinischen Gedankengut und damit der reformatorischen Gnadenlehre nahe.
Die Aufnahme des Königs am Hof KARLS V. war keienswegs freundlich; man ignorierte ihn längere Zeit, bis Franzens Schwester Margarete in Toledo eintraf. Doch weder die nun Mitte Oktober hier, noch die in Lyon seitens des kaiserlichen Gesandten de Praet geführten Verhandlungen führten zunächst zu einem Ergebnis.
 
 
 
 

  2.12.1509
  1. oo Karl IV. Herzog von Alencon
         2.9.1489-11.4.1525

    1527
  2. oo Heinrich II. d'Albret König von Navarra
          1503-25.5.1555
 
 
 
 

Kinder:
2. Ehe

  Johanna III. d'Albret
  7.1.1528-8.6.1572
 
 
 
 
 

Literatur:
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Andrieux Maurice: Heinrich IV. Frankreichs guter König. Societäts-Verlag Frankfurt 1955 Seite 11,13,19,26,31,326 - Fraser Antonia: Die sechs Frauen Heinrichs VIII. Claasen Verlag GmbH Hildesheim 1995 Seite 11,47,101,103,135,136,205,206,350,423,475 - Hartmann Peter Claus: Französische Könige und Kaiser der Neuzeit. Von Ludwig XII. bis Napoleon III. 1498-1870. Verlag C. H. Beck München 1994 Seite 52,57,65,144,146 - Jurewitz-Freischmidt Sylvia: Die Herrinnen der Loire-Schlösser. Königinnen und Mätressen um den Lilienthron. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 1996 Seite 159,161,181,207,209,217,447 - Schwarzenfeld Gertrude von: Karl V. Ahnherr Europas. Wilhelm Goldmann Verlag München Seite 214,216 - Taillander Saint-Rene Madeleine Marie Louise: Heinrich IV. Der Hugenotte auf Frankreichs Thron. Eugen Diederichs Verlag München 1995 Seite 8,15-20,28,45,53,147 - Tamussino Ursula: Margarete von Österreich. Diplomatin der Renaissance Verlag Styria Graz Wien Köln 1995 Seite 188,217,244,246,256,265 - Treffer Gerd: Franz I. von Frankreich Herrscher und Mäzen Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1993 Seite 14-320 -
 
 
 
 
 
 
 
 
 


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