Marie Tudor                                              Königin von Frankreich
----------------                                             Herzogin von Suffolk und Eventualerbin von England
März 1497-26.7.1533
Greenwich    Westhorpe
 

Jüngere Tochter des Königs Heinrich VII. von England und der Elisabeth von York, Tochter von König Eduard IV.
 

Treffer Gerd: Seite 232-235
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"Die französischen Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert)"

                                                        MARIA TUDOR - die englische Schönheit
                                                         * 1496, + 23. Juni 1553
                                                          Greenwich (Kent)  Westhorpe

Dritte Gemahlin Ludwigs XII. (* 1462; König 1498-1515)
Heirat: 11. Oktober 1514, Abbeville

Just in dem Augenblick, da Anna von der Bretagne verstorben ist und Louise von Savoyen sich eigentlich von jeder Beunruhigung befreit fühlen darf, der Thronbesteigung ihres Sohnes Franz stünde noch etwas im Wege, quält sie ein neues Gerücht, das man bei Hofe nur verschämt und hinter vorgehaltener Hand verbreitet: der König will wieder heiraten. Louise erstarrt: Ludwig ist zweiundfünfzig, vor der Zeit gealtert, fast schon ein Greis. Alle paar Monate hat er Gichtanfälle, liegt dann vierzehn Tage zu allem unfähig im Bett. Ein erstes Eheprojekt mit Eleonore, der Schwester KARLS VON HABSBURG, zerschlägt sich. Doch Ludwig läßt nicht locker. Er schickt seine Berater auf Brautschau. Sie finden Maria Tudor.
Als Tochter Heinrichs VII. Tudor, Abkömmling des Hauses LANCASTER und der Elisabeth von England, trägt Maria das Erbe der beiden Familien des Rosenkrieges. Ihr Bruder ist der berühmte und berüchtigte Heinrich (VIII. von England). Ihre Schwester Margarete ist mit Jakob IV. Stuart von Schottland verheiratet. Auch Maria wird mit achtzehn Königin sein: von Frankreich, ohne große Begeisterung ud nur für wenige Monate. Wie viele andere Prinzessinnen war Maria schon anderweitig verlobt gewesen - mit dem wenig anziehenden schmalbrüstigen KARL VON KASTILIEN.
Maria wächst am englischen Hof auf, wo ihr Bruder ein ungestümes Leben führt, von seinem Vater aber auch sorgfältig in das Amt eingeführt wird, das ihn erwartet. Mit zwölf Jahren ist sie eine hochaufgeschossene blonde Schönheit, freundlich und leebnsfroh. Ihr Bruder hat sie gern in seiner Gesellschaft. Maria lernt einen brillanten Höfling, einen Freund und Gefährten ihres Bruders, kennen und lieben: Charles Brandon. Der Herzog von Suffolk ist in der Tat jung, männlich, kriegserfahren. "Mit den Augen einer Frau" gesehen, ist er ein idealer Mann. Aber Politik und Diplomatie gehen der Liebe vor. Und eine englisch-französische Allianz enthält eine Heiratsklausel: am 7. August 1514 wird Maria dem vierunddreißig Jahre älteren König von Frankreich, Ludwig XII., versprochen dem Witwer Annas von der Bretagne.
Maria ist entsetzt. Sie ist das hübscheste Kind am Hofe von Richmond, die reizvollste aller TUDOR-Prinzessinnen. Sie weigert sich. Man überschüttet den Trotzkopf mit Gold und Edelsteinen. Man malt ihr Paris als die froheste Stadt der Welt aus. Man schildert Maria in den leuchtendsten Farben die glänzende Rolle, die sie dort spielen wird. Man droht ihr mit Kloster bis ans Ende aller Tage. Erst als ihr Bruder Heinrich - den sie liebt, der jung ist wie sie und sie versteht - mit ihr spricht, stimmt sie widerstrebend zu. Am 7. August 1514 vertritt der Herzog von Longueville seinen König bei der symbolischen Londoner Trauung.
Maria reist nach Frankreich. Im englischen Hafen vergießt sie bittere Tränen, und ihr königlicher Bruder muß sie liebevoll in die Arme schließen, um ihr beim Abschied von England - und Charles Brandon - zu erleichtern. Von prächtigem Gefolge begleitet, landet sie in Calais. Ludwig von Frankreich hat ihr eine ehrenvolle Eskorte entegegengesandt, um sie auf französischem Boden willkommen zu heißen, an deren Spitze ein Hühne steht, Franz von Angouleme, der inoffizielle Thronfolger. Er reitet neben ihrer Sänfte, scheint begeistert von der Schönheit dieser jungen Prinzessin, die gleichwohl seinen Schwiegervater heiraten soll und deren Sohn, sofern sie einen haben wird, das einzige Hindernis für seine Thronbesteigung sein könnte. Über Boulogne kommt der Zug der künftigen Königin nach Abbeville. Ihr Verlobter begrüßt sie dort königlich, von 1.500 Edelleuten umgeben.
Die Hochzeit findet am 11. Oktober in Abbeville statt, nicht etwa in einer Kathedrale, sondern im großen Saal des Schloßes, "wo alle Welt sehen kann." Einige Wochen lang lebt Frankreich - genauer das höfische Frankreich, und davon auch wieder nur Teile - im Freudentaumel. Am 5. November 1514 wird die neue Königin in Reims gesalbt und zieht tags darauf feierlich in Paris ein. Der Liebreiz seiner jungen Gemahlin zwingt den alten König Energien zu beweisen, über die er eigentlich gar nicht mehr verfügt. Seine Ärzte sind entsetzt. Um des Königs Gesundheit steht es zusehends schlechter. Trotz ihres Unwillens über diese Ehe mit dem alten, kranken Mann, erfüllt Maria ihre Rolle als Ehefrau. In ihren Briefen an ihren Bruder gibt sie aber ihrem Widerwillen Ausdruck.
Der König wird schwächer und schwächer. Der feine Diplomat Englands, Kardinal Wolsey, bereitet schon ein Kondolenzschreiben vor und richtet es interessanterweise an Franz von Angouleme. Maria wird die Wahrheit über den Zustand ihres Gatten so lange wie möglich vorenthalten. Ludwig hat den alten Louvre verlassen  und ist ins Palais deTournelles gezogen: Man klärt Maria auf: "Weil der Palast in besserer Luft liegt". Insgeheim bringen die Ärzte aber zu Papier: "... auch weil der König gewollt hatte, seiner Frau ein gefälliger Gefährte zu sein, sich dabei aber erschöpft und übernommen hatte, da er doch lange krank war ..." So wartet nun jedermann, der eingeweiht ist, auf dessen Ende. Ahnungslos legt sich die englische Prinzessin am fünfundachtzigsten Tag ihrer Ehe, am Sylvestertag 1514, zu Bett. Man weckt sie mit der Nachricht, König Ludwig lebe nicht mehr.
An diesem kalten und grauen Morgen des 1. Januar 1515 ist Franz von Angouleme König. Ein leiser Zweifel bleibt: Mag Maria nicht vielleicht einen Thronerben unter dem Herzen tragen? Am Hofe wartet man gespannt auf die erste Begegnung zwischen der Witwe und Franz. Sie allein kann sagen, ob sie nicht doch ein Kind erwartet. Jedermann lauscht nach dieser Neujahrsnacht gespannt auf ihre Anrede: Maria begrüßt Franz formell als König. Seine Parteigänger atmen hörbar auf. Boten hetzen in gestrecktem Galopp an die Höfe Europas und verkünden: Franz I. ist König von Frankreich.
Die junge Königin-Witwe hat in Frankreich keine Zukunft mehr. Will sie auch nicht haben. Wozu soll sie in Frankreich ausharren. Sie glaubt, den englischen Interessen genügend gedient zu haben. Maria heiratet am 31. März 1515 in Greenwich den Mann, den sie schon vor Ludwig geliebt hat, Charles Brandon, eilig und ohne die Zustimmung ihres Bruders. Beide haben ein schlechtes Gewissen, fürchten den legendären Groll Heinrichs VIII., der gehofft hatte, aus einer französischen Königin-Witwe vielleicht noch Kapital zu schlagen. Aber Heinrich hat Einsehen für die Liebe seiner kleinen Schwester. Mit Charles Brandon wird Maria zwei Töchter haben. Eine von ihnen, Lady Frances Brandon, 1517 geboren, wird Henry Grey heiraten und die Mutter jener Jane Grey sein, die ihrerseits, wenn auch nur kurz, Königin von England sein wird.


Marie Tudor war im Gegensatz zu Bruder und Schwester ruhiger und verschlossener.

Ridley Jasper: Seite 76-86,97
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"Heinrich VIII."

Heinrichs Schwester Maria, die den 14-jährigen Prinzen Karl von Kastilien heiraten sollte, war damals 18 Jahre alt und sehr schön. Gerard du Pleine, den Margarete von Österreich mit einem Auftrag an Heinrichs Hof geschickt hatte, mag übertrieben haben, als er Margarete schrieb, Prinz Karls Braut sei die schönste Frau, die er je gesehen habe, und sie verstehe es, amüsant zu plaudern, und sie sei eine begnadete Tänzerin und überaus lebhaft. Aber auch viele andere Männer waren von ihrer Schönheit beeindruckt. Heinrich merkte, dass Suffolk sich in Maria verliebt hatte und umgekehrt. Er konnte es sich aber nicht leisten, auf die diplomatische Ehe zwischen Maria und Prinz Karl von Kastilien zu verzichten.
Am 30. Juli 1514 erklärte Prinzessin Maria in Wanstead Manor im Beisein von Heinrichs Beratern, sie erkenne den Ehevertrag mit Prinz Karl von Kastilien nicht an und bitte, dem König diese Entscheidung mitzuteilen. Nach Abschluss des Friedensvertrages mit Frankreich, verlor Heinrich keine Zeit den Ehevertrag zu erfüllen. Die Hochzeit fand am 13. August in Greenwich statt. Der Herzog von Longueville fungierte als Stellvertreter Ludwigs XII. Gleich nach der Trauung wurde die Ehe symbolisch vollzogen. Maria ging in ihre Kammer, entkleidete sich in Gegenwart vieler Edelleute und Damen vom Hof und legte sich ins Bett. Der Herzog von Longueville, bekleidet mit Wams und roten Strümpfen, zog einen Strumpf aus, stieg zu Maria ins Bett und legte in Gegenwart von Zeugen sein nacktes Bein über ihren Körper. Daraufhin wurde die Ehe für vollzogen erklärt.
Die flämischen und spanischen Gegner des Friedens machten sich natürlich darüber lustig, dass Maria den alten und gebrechlichen Ludwig XII. geheiratet hatte. Die Vorstellung, dass er nun die Rolle des Bräutigams der schönen 18-jährigen englischen Prinzessin übernehmen sollte, sorgte in Spanien und den Niederlanden für Spott. Petrus Martyr Angleius am Hof von Valladolid schrieb, man sei allgemein entsetzt darüber, dass dieses schöne Mädchen von 18 Jahren einem alten, aussätzigen Invaliden angetraut worden sei. Maria hatte sich zunächst schlichtweg geweigert, Ludwig zu heiraten. Sie hatte erklärt sie liebe Suffolk und wolle ihn heiraten. Er erklärte Maria, der Erfolg seiner Außenpolitik und der Frieden der Christenheit hingen von ihrer Heirat mit Ludwig XII. ab. Ludwig werde zudem sicher bald sterben und Maria als junge Witwe zurücklassen. Wenn sie jetzt in die Heirat mit Ludwig einwillige, dürfe sie nach Ludwigs Tod den Mann ihrer Wahl heiraten. Dennoch war Maria unglücklich, als sie im September 1514 nach Frankreich aufbrach. Heinrich begleitete sie bis Dover, wo sie mit großem Gefolge an Bord eines Schiffes ging. Ludwig XII. traf in Abbeville mit Maria zusammen. Wie allgemein üblich wurde die Trauung am 9. Oktober nochmals unter Anwesenheit beider Eheleute in der Kathedrale von Abbeville vollzogen. Das Paar blieb 14 Tage in Abbeville, dann reiste es in Etappen nach Paris weiter. Maria war jetzt noch unglücklicher. Darauf schickte Heinrich Suffolk nach Frankreich, dem er das Versprechen abgenommen hatte, Maria nicht den Hof zu machen, solange er in Frankreich sei. Am Sonntag, dem 5. November, wurde Maria in der Abtei von St. Denis mit großem Pomp zur Königin gekrönt. Nach der Krönung begab sich der Hof nach Paris. Marias Zustand hatte sich ein wenig gebessert, und Ludwig schrieb mehrmals an Heinrich und Wolsey, wie zufrieden er mit Suffolk sei. Ludwig starb an Neujahr, und Maria war nach 83 Tagen Ehe bereits Witwe. Maria trauerte, wie es die Etikette von einer verwitweten Königin verlangte. Sie wachte neben seinem Leichnam, und nach dem Begräbnis zog sie sich in ihr Zimmer zurück. Marias blasser Teint beeindruckte die Franzosen besonders. Sie nannten sie Maria "la reine blanche".
Maria, Suffolk und die anderen englischen Gesandten und der gesamte Hof begaben sich zur Krönung von Franz und Königin Claudia am 25. Januar nach Reims. Auf der Rückreise nach Paris drängte Franz Maria, mit ihm zu schlafen. Maria weigerte sich und erklärte, sie liebe Suffolk und wolle ihn heiraten. Maria, Suffolk und Franz schrieben in Briefen an Heinrich und baten ihn, der Heirat zuzustimmen. Wolsey schrieb, gelinge es Suffolk die Rückgabe der Mitgift und der Juwelen zu erreichen, stehe der Hochzeit nichts im Wege. Da sich der Widerstand gegen die Ehe aus England verstärkte, heirateten Maria und Suffolk heimlich vor 10 Zeugen.
Wolsey schrieb, dass die einzige Hoffnung für Suffolk und Maria sei, reuevolle Briefe an Heinrich zu senden und sich darüber hinaus bereit zu erklären, Heinrich jährlich 4.000 Pfund aus Marias Mitgift zu zahlen, wobei ihnen immer noch der Rest von 6.000 Pfund im Jahr verbleiben würde. Zudem müsse Suffolk Franzveranlassen, Heinrich die 8.000 Kronen der Mitgift zurückzuzahlen. Maria nahm alle Schuld auf sich und unterzeichnete ein Dokument, indem sie Heinrich "aus freien Stücken" alles Silber und Gold und alle Juwelen übertrug, die ihr bei der Heirat mit Ludwig XII. als Mitgift mitgegeben worden waren. Sie überredete Franz I., einen Teil der Mitgift zurückzugeben und verließen am 16. April Paris in Richtung England. Suffolks Heirat wurde sowohl vom einfachen Volk als auch vom Adel verurteilt. Heinrich VIII. verzieh Suffolk und Maria. Da Maria nicht schwanger war, wie zunächst angenommen, konnte Heinrich seiner Ehre und der des Paares wieder aufhelfen, indem er die heimliche Heirat in Paris vertuschte und in Greenwich noch einmal eine Hochzeit veranstaltete. Als Maria neun Monate später, im März 1516 einen Sohn zur Welt brachte, waren Heinrich VIII., Wolsey und Königin Katharina die Paten.
Die beiden hielten ihr Versprechen und zahlten Heinrich jährlich 1.000 Pfund, bis sie 24.000 Pfund von Marias Mitgift zurückgezahlt hatten. Die meiste Zeit verbrachten sie in ihrem Landhaus bei Westhorpe in Suffolk, doch weilten sie auch oft am Hof. Maria, die in England den Rest ihres Lebens "die französische Königin" blieb, spielte bei repräsentativen Empfängen eine wichtige Rolle. Manchmal speiste sie sogar mit prominenten ausländischen Gästen and er Tafel des Königs. Suffolk diente Heinrich weiterhin wie jeder andere Lord auch. Er war bei Hof anwesend und führte im Krieg Heere gegen die Franzosen und Schotten. Maria starb 1533 im Alter von 37 Jahren.

Jurewitz-Freischmidt Sylvia: Seite 156
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"Die Herrinnen der Loire-Schlösser. Königinnen und Mätressen um den Lilienthron."

Da Louis XII. gerade einen Frieden mit dem dynamischen jungen König von England geschlossen hat und dieser eine, wie es heißt, temperamentvolle und lebenssprühende Schwester von 17 Jahren namens Mary hat, deren Herz zwar vergeben, deren Hand aber noch nicht versprochen ist, drängt sich die Verbindung mit England auf. Louise de Savoie wird die Ironie empfunden haben, die darin liegt, daß es ausgerechnet ihr Caesar Francois ist, der den ehrenvollen Auftrag erhält, die Braut und zukünftige Königin Mary Tudor an der Küste abzuholen und nach Abbeville zu geleiten. Ihr Entsetzen wird keine Grenzen gekannt haben, als sich dieser Blödel von einem Sohn dann auch noch in die freche und unleugbar hübsche Engländerin verliebt.
Die nun wieder schäkert sich lieber mit dem jungen und stattlichen nächsten König als mit dem derzeitigen, der sehr alt und geistig auch etwas hinfällig geworden ist. Doch in Wahrheit ist ihr Herz an einen gewissen Charles Brandon vergeben, den ihr verständnisvoller Bruder Henry VIII. zunächst zum Lord Suffolk und dann, als die Heirat feststeht, zum Botschafter am französischen Hof macht. Der Botschafter erreicht seine neue Wirkungsstätte gemeinsam mit der zukünftigen Königin.
Am 9. Oktober findet die dritte Trauung Louis' XII. statt. Am 5. November läßt er seine strahlende Königin Mary krönen, und tags darauf hält das Paar triumphalen Einzug in Paris. Mit dem friedlichen Leben ist es für den König vorbei. "Diese junge, leidenschaftliche und frivole Königin stürzt ihren alten Gemahl in einen Wirbel von Festen und Vergnügungen, die seinen Tod zweifellos beschleunigen" (Bertier de Sauvigny, 124).
Selbst Louise de Savoie mag sich nach den "ruhigen" alten Zeiten mit Anne de Bretagne zurückgesehnt haben, denn bei Anne konnte sie, selbst wenn diese schwanger war, immer noch hoffen, daß "sich das Problem irgendwann von selbst lösen" würde, doch was ist, wenn dieses leebnsstrotzende junge Ding schwanger wird? Sie sieht wahrhaftig nach kräftigen Söhnen aus! Selbst wenn bemerkt wird, daß die junge Königin sich alle Mühe gibt, ihren Gemahl so zu erschöpfen, daß er kaum zur Erfüllung seiner ehelichen Freuden findet. Da ist ja nicht nur dieser mitgebrachte Suffolk, da ist vor allem ihr blödsinniger Sohn, der sich, wenn sie ihn nicht mit Gewalt hindern würde, kopfüber in eine gefährliche Liebschaft mit der Königin stürzen und womöglich noch selber das Kind zeugen würde, das ihn endgültig entthront. Daß diese debile König einen Sohn auf jeden Fall anerkennen würde, davon kann man ausgehen, hatte es doch sein eigener Vater bei seiner Geburt nicht anders gemacht.
Die Spannung ist nicht mal beendet, als König Louis XII. von Frankreich seiner eigenen Vorhersage getreu sozusagen in letzter Minute in der Nacht vom 31. Dezember 1514 auf den 1. Januar 1515 stirbt. Doch der koboldhaften Kurzzeit-Königin macht all die Aufregung viel zu viel Spaß, um sie so schnell zu beenden. Sie fühlt sich schwanger. Auf solche Fälle sind königliche Häuser vorbereitet. Ihr bleiben sechs Wochen, vor allem Louise in unerträglicher Spannung zu halten. Dann muß sie den Beweis erbringen, daß sie tatsächlich guter Hoffnung ist. Das kann sie natürlich nicht und lachend fährt die 18-jährige mit ihrem geliebten Suffolk zurück auf ihre Insel.
 
 
 
 

  13.8.1514
  1. oo 3. Ludwig XII. König von Frankreich
              27.6.1462-1.1.1515

    1515
  2. oo 2. Karl Brandon Herzog von Suffolk
              um 1480- 8.1545
 
 
 
 

Kinder:
2. Ehe

  Heinrich Graf von Lincolm
  11.3.1516-   1534

  Franziska Brandon Eventual-Erbin von England
  1517-   1559

  Eleonore
  1519-   1547

  oo Heinrich Clifford Graf von Cumberland
             -
 
 
 
 

Literatur:
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Baumann Uwe: Heinrich VIII. mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH 1991 Seite 14,34,43 - Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 458 - Fraser Antonia: Die sechs Frauen Heinrichs VIII. Claasen Verlag GmbH Hildesheim 1995 Seite 36-459 - Hartmann Peter Claus: Französische Könige und Kaiser der Neuzeit. Von Ludwig XII. bis Napoleon III. 1498-1870. Verlag C. H. Beck München 1994 Seite 24,50,63 - Jurewitz-Freischmidt Sylvia: Die Herrinnen der Loire-Schlösser. Königinnen und Mätressen um den Lilienthron. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 1996 Seite 156 - Panzer Marita A.: Englands Königinnen. Von den Tudors zu den Windsors. Verlag Friedrich Pustet Regensburg 2001 Seite 37 - Ridley Jasper: Heinrich VIII. Eine Biographie. Weltbild Verlag GmbH Augsburg 1995 Seite 14,31,34,48,74, 77,79,81-82,84-86,97,101,106,117,121-122,128 - Tamussino Ursula: Margarete von Österreich. Diplomatin der Renaissance Verlag Styria Graz Wien Köln 1995 Seite 157,162,164,183,217 - Treffer Gerd: Die französischen Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert) Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1996 Seite 232-235 - Treffer Gerd: Franz I. von Frankreich Herrscher und Mäzen Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1993 Seite 47,58 - Wende Peter: Englische Könige und Königinnen. Von Heinrich VIII. bis Elisabeth II. Verlag C.H. Beck München 1998 Seite 15,30,58 -
 
 
 
 
 
 
 
 
 


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