Margarete von Schottland                          Kronprinzessin von Frankreich
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1422-16.8.1445
 

Älteste Tochter des Königs Jakob I. von Schottland und der Johanna Beaufort, Tochter von Herzog Johann I. von Somerset
 

Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Seite 334, 337,341
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"Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498."

Eine Ludwig direkt betreffende Folge des Vertrages von Arras war, dass durch die mit ihm verbundene Stärkung des Ansehens Frankreichs der 12-jährige Thronfolger plötzlich als eine interessante Heiratspartie galt: Am 25. Juni 1436 wurde Ludwig in Tours mit der 11-jährigen Margarete von Schottland vermählt. Bei dieser Hochzeit zeigte sich nun deutlich, dass das Verhältnis zwischen Karl VII. und seinem Sohn, der seinen Vater nur ferne kannte, nicht gut war. Karl VII. ließ eine für einen Dauphin skandalös schlichte Hochzeit ausrichten und erschien erst im allerletzten Moment am Ort der Trauung.
Obwohl Ludwig bereits im November aus dem Elsaß abreiste, erschien er erst Ende Januar 1445 am Hof seines Vaters, der sich als Gast des "guten Königs" Rene in Nancy aufhielt. Hier fand er Karl VII. umgeben von höfischer Lustbarkeit; der Herrscher erlebte, Agnes Sorel an seiner Seite, eine zweite Jugend. Auch Margarete von Schottland, Ludwigs Frau, genoß die Freuden des Hoflebens. Der Dauphin selbst blieb dem Milieu fremd. Er liebte seine Mutter und verachtete die Mätresse seines Vaters. Er fühlte sich am Hof, wo er keinen Einfluß erlangen konnte, unwohl und unterbeschäftigt. Am 16. August starb seine Gemahlin; ein Tod, der ihn nicht in Trauer stürzte.

Jurewitz-Freischmidt Sylvia: Seite 67
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"Die Herrinnen der Loire-Schlösser. Königinnen und Mätressen um den Lilienthron."

1433 holt man den Dauphin Louis nach Amboise an den Hof seiner Mutter und seiner Schwestern. Drei Jahre später, also mit 13, wird er in Tours mit der gleichaltrigen oder zwei Jahre jüngeren Marguerite d'Ecosse verheiratet. Vater Charles nimmt wie immer keine Notiz von dem Sohn, kommt erst in letzter Minute von Amboise herübergeeilt. Da das Paar für den Vollzug der Ehe noch zu jung ist, bleibt die Dauphine am Hof der Königin, während der Dauphin seiner Wege geht. Als er mit 14 seinen ersten militärischen Sieg erringt, fühlt er sich stark genug, seiner jungen Gattin seine neu gewonnene Männlichkeit zu beweisen. Dabei ist er anscheinend so wenig zartfühlend vorgegenagen, daß die Dauphine sich angewidert mit ihrem kleinen Hof der Dame de Beaute anschließt und sich ganz der Poesie und zärtlichen Tändeleien mit ihren Damen verschreibt. Da Louis dennoch hin und wieder auf seine eheherrlichen Rechte pocht, beginnt sie, etwaige Folgen mit einer strengen Diät aus Essig und grünen Äpfeln und engem Schnüren der Taille zuvorzukommen, was ihrer Gesundheit natürlich alles andere als zuträglich ist, immerhin aber, trotz aller gegenteiliger Bemühungen Louis', eine Schwangerschaft verhindert. Darüber genauso enttäuscht wie über die Tatsache, daß seine poetische Marguerite der erklärte Liebling des Hofes ist, verstrickt Louis sich in allerlei sinnlose Intrigen. Er meidet den Hof, an dem die ihm verhaßte Agnes unumstritten herrscht. Dort stirbt 1444 seine poetische Dauphine Marguerite d'Ecosse, nachdem sie, erhitzt von einer sommerlichen Wallfahrt, sich ihrer Kleidung entledigt und eine Erkältung zuzieht. Der Poesie verfallen, klagt sie in den letzten Tagen in langen Elegien den Gatten an, daß sie seinetwegen sterbe, denn er habe sie unverständlicher Verfehlungen beschuldigt, während sie doch nie etwas getan habe, was seinen Zorn verdiene, ihm nie einen Tort habe zufügen wollen. Am neunten Tag ihrer Erkrankung haucht sie mit den Worten: "Fi de la vie ... man spreche mir nicht mehr davon!" ihre zarte Seele aus. "Unsere Gattin starb an zuviel Poesie", spricht der zufällig anwesende Louis.

Treffer Gerd: Seite 212
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"Die französischen Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert)."

Ludwigs Ruf ist nicht der beste. Seine erste Frau, Margarete von Schottland, hat er so unglücklich gemacht, daß ihr letzter Seufzer angeblich "Pfui über das Leben, man rede mir nicht mehr davon" gelautet hatte. Dann war sei 1445 mit zwanzig Jahren an Schwindsucht gestorben.

Kendall Paul Murray: Seite 46,49,51,53,70,73
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"Ludwig XI. König von Frankreich 1423-1483."

Am Johannistag, dem 24. Juni, begegnet Ludwig in Anwesenheit der Königin zum ersten Mal dem Mädchen, das er am Tage darauf heiraten sollte, nämlich der elf Jahre alten Margarete von Schottland. Sie war ein Schneeglöckchen aus dem Norden, zart, hübsch und eigensinnig, Tochter des Dichter-Königs Jakob I. Da Braut und Bräutigam zum Vollzug ihrer Ehe noch zu jung waren, trat Margarete in den Haushalt der Königin ein, um ihre höfische Erziehung zu vervollkommnen.
Im Juli leitete Ludwig einen Sturm auf Chateau-London, der rasch zur Einnahme der Stadt führte. Dann kehrte er an den Hof zurück, um das Vorrecht eines Mannes geltend zu machen: er vollzog seine Ehe mit der kleinen schottischen Prinzessin Margarete.
Ludwig erbat die die Provinz Dauphine für sich, was ihm aber abgeschlagen wurde. Er kam um Geld ein, um für sich und seine Gemahlin eine eigene Hofhaltung zu begründen; aber Margarete von Schottland war der Liebling von König und Königin geworden, und ihr Gemahl ging leer aus.
Ludwig beanspruchte die Provinz Dauphine, die ihm von Rechts wegen gehörte, sowie die Regierung über das Languedoc und die Ile de France. Weiter forderte er, daß Kronprinzessin Margarete seinen Haushalt mit einer angemessenen Zuwendung zur Betsreitung ihrer Ausgaben teilen sollte.
Ludwigs Frau gehörte ebenfalls zu den anderen. Diese weltentrückte kleine Schottin, Margarete, hatte sich zur hübschesten Prinzessin entwickelt und war mit einem Allerwelt-Prinzen verheiratet. In jenen Tagen, als Ludwig von jeglicher Mitwirkung im Dienste des Königs ausgeschlossen war und von seinem Vater nicht einen Sou erhielt, um seine Schulden zahlen zu können, gab Karl Margarete 2.000 Pfund, damit sie sich Seide und Pelzwerke kaufe. Gleich ihrem Vater, Jakob I. von Schottland, war Margarete in Poesie verliebt, obwohl es zweifelhaft ist - keine ihrer Schöpfungen ist auf uns gekommen  daß sie den Genius ihres Vaters besaß. Abends wollte sie es sich in ihren Gemächern gemütlich machen und Verse mit ihren Damen und einem Kreis poetisch interessierter Höflinge austauschen. Geschöpf träumerischen Dunkels, Verfasserin eines halben Dutzends von Reigenleidern in einer Nacht, kam sie manchmal nicht zur ehelichen Schlafstätte, bevor ihr Herr und Meister, so wird berichtet, nicht schon eine Runde oder gar zwei geschlafen hatte. Ludwig hielt mit seiner Abneigung gegen ihre schmetterlingshafte Existenz nicht hinterm Berg. Sie war darüber ganz unglücklich, konnte sich aber gar nicht vorstellen, anders zu leben. Was jedoch am schlimmsten von allem war, sie gebar keine Kinder. Offenbar wünschte sie keine, denn es hieß, daß sie, um ihre Figur zu erhalten, Essig trank, grüne Äpfel aß und sich eng schnürte in der Meinung, daß ein solches Verhalten dazu verhelfe, die Geburt von Kindern zu verhüten.
 
 
 
 

24.6.1436
  oo 1. Ludwig XI. König von Frankreich
  x     3.7.1423-30.8.1483
 
 
 
 

Literatur:
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Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 334,337,341 - Jurewitz-Freischmidt Sylvia: Die Herrinnen der Loire-Schlösser. Königinnen und Mätressen um den Lilienthron. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 1996 Seite 67,71 - Kendall Paul Murray: Ludwig XI. König von Frankreich 1423-1483 Verlag Callway München 1979 Seite 46,49,51,53,70,73,114,119,477 - Treffer Gerd: Die französischen Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert) Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1996 Seite 212 -
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


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