Begraben: Abtei Saint-Denis bei Paris
Älteste Tochter des Herzogs
Peter I. von Bourbon und der
Isabella
von Valois, Tochter von Graf
Karl I.
Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 341
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Jeanne de Bourbon, Königin von Frankreich
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* 3. Februar 1338, + 6. Februar 1378
Tochter Herzog Peters I. von Bourbon (Urenkel Ludwigs IX.) und der Isabella von Valois, Halbschwester Philipps VI., die 1369 bei Belleperche für drei Jahre in die Gewalt englischer Söldnerverbände geriet
Zunächst verlobt mit Humbert II., dem Dauphin
des Viennois, heiratete Jeanne de Bourbon
am
8. April 1350 zu Tain den Dauphin Karl
V., Enkel
Philipps
VI. Die Dos der Jeanne de Bourbon
diente zum Ankauf des Dauphine von Humbert II.
Karl V.
und
Jeanne hatten 8 Kinder; nach dem frühen Tod der ersten
drei, sämtlichen Töchtern, wurden Befürchtungen laut, dass
der König keine Erben haben werde. Schließlich überlebten
zwei: Karl
VI.
und
Ludwig von Orleans.
1373 litt Jeanne an Geisteskrankheit.
- Bei ihrem Leichenzug sind erstmals Elemente des königlichen Begräbniszeremoniells
(mit den Präsidenten des Parlaments als Umstand des Sarges) deutlich
erkennbar. Von Jeanne de Bourbon sind
mehrere Statuen und Porträts erhalten.
Johanna von Bourbon - die Selbstbewußte
* 3. Februar 1338, + 5. November 1377
Vincennes
Paris
oo 8. April 1350 Tain
KARL DER WEISE (* 1338;
König 1364-1380)
Wenn es eine französische Königin gibt, deren
Leben von der Wiege mit dem ihres Mannes verflochten ist, dann Johanna
von Bourbon: Von gleicher königlicher Abkunft, Base und
Vetter, nur wenige Tage nacheinander im "Wald von Vincennes" - das heißt
im Schloß Montreuil - geboren und in derselben dortigen Kirche getauft.
Johanna
wird vom Herzog der Normandie und künftigen König
Johann II. und Bonne von Luxemburg
- ihren künftigen Schwiegereltern - übers Taufbecken gehalten.
Mit ihrem späteren Ehemann ist Johanna
in der Tat nah verwandt. Sie ist die Tochter Pierres
I. von Bourbon und der Isabella von
Valois, einer Schwester Philipps VI.
Väterlicherseits
stammt sie von Ludwig dem Heiligen
und Margarete von der Provence ab,
mütterlicherseits von Philipp III., dem Kühnen.
Das ergibt ein recht verwickeltes Verwandtschaftsverhältnis, das hier
nicht weiter entwirrt werden soll. Wir begnügen uns damit festzustellen,
daß die späteren Eheleute so eng verwandt sind, daß sie
Schwierigkeiten haben, ihre Kinder am Leben zu erhalten und damit auch
die Geisteskrankheit des nächsten Königs
Karl VI. erklärt wurde.
Wie alle Prinzessinnen von Geblüt ist Johanna
von Geburt an Gegenstand lebhafter Heiratverhandlungen. Sie wird verscheidenen
Prinzen verprochen - so dem Sohn des Grafen von Savoyen, dann Humbert
II., der sich in ein Kloster zurückzieht und Frankreich die Dauphine
übergibt. Letztlich aber findet sich Johanna
im Familienclan der VALOIS ein, der
sich um den neuen Monarchen, den Promotor einer neuen königlichen
Dynastie, schart. Johanna wird schließlich
Karl
heiraten.
Papst Clemens VI. erteilt seinen Dispens für diese Verwandtenehe.
Der Ehevertrag wird 1349 in aller Feierlichkeit in Lyon unterzeichnet.
Die Heirat wird am 8. April 1350 in Tain, ohne die üblichen großen
Feierlichkeiten, gefeiert. Die Pest wütet im Land und hat die königliche
Familie nicht verschont. 1348 ist die
Königin
Johanna von Burgund verstorben. Ihr folgt Blanche
von Navarra nach. Im gleichen Jahr verstirbt Bonne
von Luxemburg, die Mutter ihres Mannes. Am 22. August 1350,
ein halbes Jahr nach der Heirat von Karl
und Johanna stirbt König
Philipp VI. mit 58 Jahren, er überläßt den Thron
seinem Sohn Johann II.
Ungeachtet des Elends im Land verzichtet
Johann jedoch nicht auf eine überaus feierliche Krönung.
Karl
und Johanna
nehmen daran teil und werden
zeremoniell als "Monseigneur le Dauphin" und "Madame la Dauphine" bezeichnet:
der Titel, den künftig alle ältesten Söhne des französischen
Königshauses tragen werden. Er ist Synonym für Erbprinz von Frankreich
und fortan ein stehender Begriff der Geschichte. Der Erwerb der Dauphine
vom tiefverschuldeten Humbert II. war 1343 in die Wege geleitet worden.
Im folgenden Jahr hatte der damalige Erbprinz
Johann den Titel des Dauphin des Viennois erhalten und ihn am
16. Juli 1349 an seinen Sohn
Karl übertragen.
Das junge Paar, Karl
und Johanna, ist erst zwölf Jahre
alt. Es muß seine Erziehung ergänzen. Die Kinder entdecken gemeinsam
die Welt. Sie finden Gefallen am Lernen, an gelehrten Lehrern, an überlegten
Meinungen, an gemäßigten Überzeugungen. Mit anderen Worten:
Sie sind in der Hand guter Lehrherren, was nicht einfach ist, wenn man
von einem impulsiven und exzessiven König wie
Johann II. abhängig ist. Vor allem erscheint ihnen der
Krieg mit England als Schrecken im Hintergrund, der ihre künftige
Existenz wesentlich bestimmen - und sie verbinden - wird. Johanna
steht ihrem Gemahl in den Jahren zur Seite, da das Königreich von
schweren Schlägen erschüttert wird. 1356 - sie ist achtzehn -
verliert ihr Schwiegervater Johann
die Schlacht von Poitiers und wird in London gefanmgengesetzt. Mit achtzehn
wird ihr Gemahl Leutnant, dann Regent des Reiches. Karl
und Johanna stehen vor einem Scherbenhaufen.
Es ist an ihnen, ihn aufzuklauben: zahlreiche Ständeversammlungen,
der Versuch des Provostes der Pariser Händler, Etienne Marcel, die
französische Krone zu beugen, finanzielle Probleme, die Wut der Bauern
auf den Adel, die Jacquerie, die Intrigen Karls
des Schlechten von Navarra, das Vordringen englischer Truppen
- nichts bleibt ihnen erspart. Das blutige Ergebnis findet am 22. Februar
1358 statt: im Hotel Saint-Pol, wo der Dauphin residiert, läßt
Etienne Marcel unter den Augen des Regenten Karls
Berater, die Marschälle Robert de Clermont und Jean de Conflans, ermorden.
1360 befreiten der Vertrag von Bretigny und ein Lösegeld
von drei Millionen Goldkronen Johann II. aus
seiner englischen Gefangenschaft. Sein Sohn wird an seiner Stelle in London
Geisel, flieht aber, woraufhin Johann
- ganz in ritterlicher Art - nach England zurückkehrt. Er stirbt am
8. April 1364 in London.
Am 19. Mai 1364 hat sich versammelt, was in Frankreich
Rang und Namen hat. Es geht um eine doppelte Krönung. Johanna
beobachtet von ihrem Podest aus die Liturgie der Salbung ihres Gemahls,
ehe sie selbst gesalbt wird und die Regalien - Ring, Zepter, Krone -
erhält. Dies ist ihr Tag, die Krönung schlechthin, der Sieg über
alle Mächte, die ihr Übles anzutun versucht haben. Daß
der bretonische Ritter Bertrand du Guesclin wenige Tge zuvor bei Cocherel
einen Sieg über die Engländer und Navarresen davongetragen hat,
kann ihren Triumph nur erhöhen. Die Reimser haben ihre Sache gut gemacht.
Und wenn auch Johanna Pomp liebt, so
ist Karl eher sparsam. Die Krönung
hat 7.712 Pfund, 18 Sous und 15 Deniers gekostet.
Der traditionelle Einzug in Paris findet einige Tge später,
am 28. Mai statt. Paris ist festlich herausgeputzt, aus den Fenstern hängen
kostbare Stoffe, während Johanna
zum königlichen Palast reitet, eskortiert von ihrer Tante, der Herzogin
von Orleans und ihren Schwägerinnen, Maria,
der Schwester des Königs, künftige Herzogin von Bar, und der
Herzogin von Anjou, der Gemahlin von Karls
Bruder Ludwig. Mit 26 Jahren hat das
königliche Paar, unbestreitbar und in aller Legitimität, die
Souveränität über das Königreich erworben.
Johanna und Karl
werden
stets als Paar zusammenstehen, persönlich wie politisch. Karl
sagt später verliebt von seiner Frau: "Sie ist die Sonne meiens Königreiches."
Er liebt es, sie glänzend herausgeputzt zu sehen. Er hört auf
ihre Meinung, bespricht mit ihr anstehende Probleme.
Karl stützt
sich auf die Bravour und das militärische Gschick des du Guesclin.
Die englischen Truppen müssen ebenso zurückweichen wie Karl
der Schlechte bei Cocherel in der Normandie - dann säubert
der König das Land von der "Grande Compagnie", die die Engländer
benützt und zurückgelassen haben. In der Bretagne regelt er den
endlosen Erbfolgestreit durch den Vertrag von Guerande, der ihm die Suzeränität
über dieses Land einräumt. Schritt für Schritt durch Waffengewalt
und Diplomatie, holen Johanna und Karl
zahlreiche Provinzen zurück, die der königlichen Gewalt entronnen
waren: Poitou, Rouergue, Agenais, Saintonge. Parallel dazu muß die
Verwaltung reformiert, das Finanzwesen stabilisiert werden, zumal der Konflikt
mit England brüsk wieder aufflammt, wofür ein stehendes Söldnerhher
gebraucht wird.
Karl V. und
Johanna
de Bourbon sind ein geeintes Paar. Schicksalsschläge bleiben
ihnen erspart. Von ihren acht Kindern sterben die ersten drei sehr jung,
zwei andere kurz nach Geburt. Und um die Gesundheit des Königs stand
es nie zum besten. Schon 1357, dann 1361 hatte Johanna
um sein Leben gebangt. 1364 ist er erneut krank, 1366 wieder. Karl
litt angeblich unter Neuralgien. Doch 1368 ist auch ein glückliches
Jahr: Johanna bringt einen Sohn zur
Welt. Sie ist Mutter eines künftigen Königs: Karl
VI.
Die Souveräne pflegen eine prächtige Hofhaltung.
Johanna
gibt rauschende Empfänge im Königspalast auf der Ile de la Cite,
vor allem aber im Hotel Saint-Pol, am rechten Seineufer, das der König
vorzieht. Große Bauten werden fertiggestellt: die Bastille und der
Louvre, die die Stadtumwallung verstärken sollen, und bei Nogent-sur-Marne
das Schloß Beaute. Christine de Pisan, de erste französische
Humanistin und Schriftstellerin der neuen Zeit, besucht häufig den
Hof, wird zur scharfsinnigen Berichterstatterin der Herrschaftszeit Karls
V. Sie schildert Karl als
einen Mann, der gebildet und selbstherrlich ist. Seine gelebte Devise "Mäßigung
in allem" verdankt zweifellos viel seinem kantenlosen Privatleben und dem
Einfluß seiner Frau.
Der Anteil der Königin an der Stabilisierung des
Königreichs ist schwer festzumachen. Sicher hat sie unbestreitbare
Verdienste daran. Dreizehn Jahre lang steht Johanna
ihrem Mann zur Seite. Sie kümmert sich um die Erziehung ihrer Kinder,
um Kunst und Wissenschaft und um die bedeutende Bibliothek, die ihr Mann
zusammenstellt.
1377 erwartet Johanna
von Bourbon ihr neuntes Kind. Sie stirbt im Kindbett mit
39 Jahren. Karl ist untröstlich.
Sechs Tage lang behält er Johannas sterbliche
Überreste im Hotel Saint-Pol. Sein Kummer schimmert in den grandiosen
Trauerfeierlichkeiten auf, die er der Königin in Notre-Dame bereiten
läßt. Drei Jahre später, 1380, stirbt Karl
der Weise im Schloß Beaute an Herzversagen. Er hinterläßt
ein zu seiner Regierungszeit gestärktes Frankreich, das praktisch
von englicher Besatzung frei ist.
Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller
Bernd: Seite 285,300,310
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"Die französischen Könige des Mittelalters"
Im Zusammenhang mit der Übernahme der Grafschaft
Dauphine stand Karls Verlobung mit
der nahezu gleichaltrigen Johanna,
Tochter Herzog Peters von Bourbon:
Die Hälfte von deren Mitgift - 100.000 fl. - war zur Begleichung des
Kaufpreises für den Dauphin bestimmt. Die Hochzeit wurde ein Jahr
später, am 6. April 1350, in Tain an der Rhone gefeiert.
Johanna muß eine sehr schöne Frau gewesen sein, die
allerdings des öfteren von Unwohlsein befallen wurde und zumindest
einmal Anzeichen einer Geisteskrankheit erkennen ließ. Das erste
Kind, eine nach der Mutter benannte Tochter, wurde ein Jahr nach der Katastrophe
von Poitiers, neun Monate nach Karls
Rückkehr von der Reise zum Kaiser nach Metz im September 1357 geboren.
Johanna
und
ihre etwa ein Jahr jüngere, auf den Namen der Großmutter
Bonne
getaufte
Schwester starben kurz nacheinander im Herbst 1360.
Möglicherweise war Karl
VI. durch seine Mutter Johanna von
Bourbon vorbelastet, die 1372 Zeichen mentaler Störung
zu erkennen gegeben hatte.
Zwei Tage nach der Geburt ihrer Tochter Katharina
starb Königin Johanna.
Verwandtschaft mit Karl V. von Frankreich
Karl Graf von Valois
12.3.1270-15.12.1325
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Isabella von Valois
Philipp VI. König von Frankreich
1313-26.7.1383
1293-22.8.1350
oo Peter I. Herzog von Bourbon
1311-19.9.1356
---
---
Johanna von Bourbon
Johann II. der Gute König von Frankreich
3.2.1338-6.2.1377
26.4.1319-8.4.1364
----
------------------------------------------------------- oo ---- Karl
V. König von Frankreich
21.1.1337-16.9.1380
Kinder:
Johanna
9.1357-21.9.1360
Bona
-7.11.1360
Johanna
7.6.1366-21.12.1366
Karl VI. der Wahnsinnige
3.12.1368-21.10.1422
Marie
27.2.1370- 6.1377
Ludwig I. Herzog von Orleans
13.3.1372-23.11.1407
Isabella
1373- 1378
Katharina
4.2.1377- 10.1388
5.8.1386
oo Johann II. Herzog von Berry
- vor 15.6.1416
Literatur:
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Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter.
W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 259 - Ehlers Joachim/Müller
Heribert/ Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige
des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München
1996 Seite 285,300,303,310 - Schnith Karl: Frauen des Mittelalters
in Lebensbildern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1997 Seite 352,360
- Treffer Gerd: Die französischen Königinnen. Von Bertrada
bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert) Verlag Friedrich Pustet Regensburg
1996 Seite 192-196 - Tuchmann Barbara: Der ferne Spiegel. Deutscher
Taschenbuch Verlag München 1995 Seite 271,280,305,377 -
JOHANNA VON BOURBON
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* 3.2.1338, + 6.2.1377
Bois de Vincennes Paris
Begraben: Abtei Saint-Denis bei Paris
Tochter von Herzog Peter I. und der Isabella von Valois
1.) ~ 1346/49
HUMBERT II. DAUPHIN VON
VIENNE
* 1312, + 22.5.1355
Clermont-en-Auvergne
Begraben: Dominikanerkonvent zu Paris
Sohn von Johann II. und der Beatrix von Ungarn
2.) ~ Lyon 7.1349, oo Tain-en-Viennois
KARL V. DER WEISE, KÖNIG
VON FRANKREICH
* 21.1.1337, + 16.9.1380
Vincennes
Chateau de Beaute bei Vincennes
Begraben: Abtei Saint-Denis bei Paris