Sorel, Agnes de Fromenteau                  Mätresse Karls VII. von Frankreich
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um 1409-9.2.1450
             Schloß Masmal La Belle

Begraben: Herz: Jumieges, Abteikirche (einstiges Prachtgrablege)
               Leichnam: Loches, Kollegiatkirche
 

Tochter des Jean Soreau Seigneur de Couson und Cetherine de Maignelais
 

Lexikon des Mittelalters: Band VII Spalte 2058
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Sorel, Agnes, Mätresse des französischen Königs Karl VII.
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* um 1422, + 9. Februar 1450
                   auf Le Mesnil, einem Meierhof der normannischen Abtei Jumieges

Begraben: Herz: Jumieges, Abteikirche (einstiges Prachtgrablege) Leichnam: Loches, Kollegiatkirche

Als Tochter von Jean Soreau, Seigneur de Couson, und Cetherine de Maignelais entstammte Agnes Sorel dem pikardischen Adel, ist aber (nach den derzeit vorliegenden Quellen) erst 1444 erstmals bezeugt als Hofdame der Isabella von Lothringen, Gemahlin König Renes, und wechselte dann in den Hofstaat der Königin Maria von Anjou über. Möglicherweise bestand die Liaison mit dem König erst seit 1443. Die Zeitgenossen rühmten Schönheit und modische Eleganz der ‚belle Agnes‘, aber auch ihre fromme Mildtätigkeit sowie die Protektion, die sie jungen, vielversprechenden Adligen angedeihen ließ (so besonders Pierre de Breze). Ein gewisser politischer Einfluß der Sorel (ab 1445) ist in der Tat möglich. Sie erhielt vom König neben Pensionen (Renten) mehrere Grundherrschaften: Beaute-sur-Marne (daher ihr doppeldeutiger Beiname ‚dame de Beaute‘), Issoudun und Bois-Trousseau (mit Schloß Bois-Sire-Ame, auf dem sie oft den König empfing), Roqueceziere en Rouergue und Vernon-sur-Seine.
Aus der Verbindung mit dem König gingen drei überlebende Töchter hervor:
Marie (oo 1458 Olivier de Coetivy),
Charlotte (oo 1462 Jacques de Breze)
Jeanne (oo 1461 Antoine de Bueil).


Agnes kam als Ehrendame der Herzogin von Lothringen, Isabella von Anjou, 1431 an den französischen Hof und fesselte durch ihre Schönheit und Geistesbildung den König so sehr, dass er sie zur Ehrendame der Königin ernannte. Seit 1444 war sie die offizielle Geliebte König Karls VII. von Frankreich und übte bis zu ihrem Tode maßgeblichen Einfluß auf den Hof aus. Karl VII. schenkte ihr in Anerkennung ihrer Treue und Hilfsbereitschaft das Schloß Beaute-sur-Marne bei Paris, nach welchem sie "die Dame von Beaute" genannt wurde. Agnes Sorel gebar dem König vier Kinder. Sie hatte viele Neider und starb, angeblich vergiftet, im Jahre 1450. Im Zusammenhang mit ihrem Tod fielen die Namen von Jacques Coeur und der des Dauphins Ludwig.
Sie war die erste der vielen offiziell gehaltenen Mätressen der französischen Könige.

Frauen der Weltgeschichte: Seite 442
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Agnes Sorel
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1422-   1450

In der unübersehbaren Flut von Romanen, Schauspielen und Gedichten um das tragische Geschick der heiligen Johanna, der  Jungfrau von Orleans, spielt merkwürdigerweise auch Agnes Sorel, die schöne Geliebte Königs Karls VII. von Frankreich, eine bedeutende Rolle. In Schillers "Jungfrau", die mit der geschichtlichen Johanna keinerlei Berührungspunkte hat, tritt sie als "Geliebte des Dauphin" auf; Voltaire stellt sie in seinem Pamphlet "La Pucille" als ein Weib dar, das von der verzehrendsten Leidenschaft für die züchtigste eheliche Treue erfüllt ist, als ein Weib, dessen Schicksal es war, in der Gefangenschaft brutaler Feinde die wildesten Gewalttaten erdulden zu müssen. Erst Bernard Shaw machte darauf aufmerksam, dass die Jungfrau vor Orleans der Agnes Sorel nie begegnet ist, da sie sich im März 1431, als  in Rouen Johannas Scheiterhaufen lohte, auf dem väterlichen Schloß Fromenteau noch heiteren Spielen hingab. Erst 10 Jahre später sah die 19-jährige ihren König von Angesicht zu Angesicht; das war am Hofe Rene von Anjous, des Schwagers Karls, der schon längst vom Dauphin zu König Karl dem Siegreichen emporgestiegen war und sich der merkwürdig überschwenglichen Johanna aus Lothringen nur ungern erinnerte. Um so mehr aber beeindruckte ihn die Schönheit der Agnes Sorel - er machte sie zur Ehrendame seiner rechtmäßigen Gemahlin, der Königin Marie, die klug genug war, sich mit der Rivalin gut zu stellen. Nachdem ihr der König neben verschiedenen anderen Schlössern und Landsitzen auch das Schloß Beaute-sur-Marne geschenkt hatte, nannte das höfische Frankreich die anmutige Sorel nur noch "Dame de Beaute", und die vier Töchter, die sie aus ihrer Verbindung mit dem Herrscher hervorgingen, genossen  nicht weniger Ansehen als ihre Mutter, die Schönheit mit Geist, Liebe mit Würde auf das geschickteste zu verbinden verstand und ihren bedeutenden Einfluß auf die Entschlüsse des Königs nie zu persönlichem Vorteil ausgenutzt hat...



Ehlers Joachim: Seite 351
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"Geschichte Frankreichs im Mittelalter."

Am Rande warf man Jacques Coeur auch vor, die am 9. Februar 1450 verstorbene Maitresse des Königs, Agnes Sorel, heimlich vergiftet zu haben.

Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Seite 330
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"Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498."

Das gilt übrigens auch im Fall der Dame de Beaute Agnes Sorel, die als Mätresse des Königs von 1444 bis 1450 einen durchaus positiv zu bewertenden Einfluß ausübte.

Jurewitz-Freischmidt Sylvia: Seite 60-71
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"Die Herrinnen der Loire-Schlösser. Königinnen und Mätressen um den Lilienthron."

Ganz anders der König mit seinen ständig wechselnden Liebschaften, seinen Amouren zwischen "Tür und Angel". Das alles ändert sich schlagartig, als er bei seiner Schwägerin, Isabelle d'Anjou, deren "Hofdame" Agnes Sorel trifft. Da bricht er schlagartig mit dem "christlichen Ideal des einzigen Ehestandes" (Martin, 343), das seine Vorgänger bisher beachtet haben. Er führt die offizielle Maitresse am französischen Hof ein.
Wer ist diese Agnes Sorel, die den König, der eher für seinen Geiz bekannt ist, dazu hinreißt, ihr verschwenderische Geschenke zu machen, die den Mitdreißiger so bezaubert, daß er keine Minute des Tages mehr ohne sie sein will? Die Daten über die Dame sind etwas widersprüchlich, doch am wahrscheinlichsten ist, daß sie um 1410 geboren wurde. Mal wird die Profession des Vaters als die eines kleinen Angestellten eines Adligen beschrieben, mal wird er als Bauer geführt. Fest steht nur, daß Agnes selbst in nicht genau definierter Stellung am Hof der Isabella de Lorraine gehört.
Wann genau ein erstes Zusammentreffen zwischen dem König und der (sagen wir) Hofdame seiner Schwägerin stattfindet, ist unklar. An sich müßte diese Begegnung um 1435 stattgefunden haben, denn 1437 schenkt Agnes dem König eine Tochter. Die blonde Schönheit Agnes ist also Anfang Zwanzig, als sie dem sieben bis zehn Jahre älteren König begegnet, den manche Chronisten schon in dieser Zeit als "alten" Mann schildern. Anscheinend hat Agnes ihn nicht sofort erhört, obwohl er der König ist. Aus gutem Grund: Eine Zigeunerin hatte ihr nämlich geweissagt, daß sie ihr Glück mit dem siegreichsten und strahlendsten König der Christenheit machen werde. Man ist geneigt, dieses Zaudern zu verstehen. Seine Geschenke jedenfalls sind nicht zu verachten, und außerdem ist da noch die Familie, die versorgt werden muß. Die vier Brüder Sorel erhalten sehr bald lukrative Posten, denn zwei gehören bald zum königlichen Haushalt und die beiden anderen zur königlichen Leibwache.
Bei der Eindeutigkeit der Situation bemüht man sich doch, nach außen den Schein zu wahren. In der Öffentlichkeit des Hofes sieht der König Agnes nur im Beisein anderer Damen. Er achtet darauf, sie vor Zeugen anzusprechen. Natürlich ist das alles nur eine dünne Tünche der Konversation, um die Tatsache annehmbar zu machen, daß eine Favoritin des Königs am Hof lebt und dort eine weit prächtigere Suite bewohnt als der König selbst. Königin Marie toleriert auf Anraten Yolandes die Situation. Ausschließlich konventionell können die Begegnungen zwischen König und Königin  auch nach der Installation der Maitresse Agnes nicht gewesen sein, denn die Königin wird bis 1446 noch dreimal schwanger.
Was ist nun das Besondere an dieser Agnes Sorel, außer ihren gesunden, jugendlichen Blondheit und ihrem Hang zu großen, halbtotalen Dekolletes, mit denen sie die sittsameren Dames des Hofes skandaliert? Es ist unwahrscheinlich, daß sie ihre Corsage immer so offenherzig trägt wie auf dem berühmten Porträt. Aber die Art, wie sie es versteht, ihre in ihrer Zeit angeblich einmalige Brust zur Geltung zu bringen, trägt ihr mehr Kritik ein als die Tatsache, daß sie in offenem Konkubinat lebt.
Reproduktionen des berühmten Bildes mit nackter linker Brust bezaubern wenig. Zum Teil sich auch wegen der Mode des ausrasierten Haaransatzes und der Brauen- und Wimpernlosigkeit. Das Original in Loches vermittelt imerhin den Reiz einer gewissen Lieblichkeit, vielleicht muß man einfach dem Chronisten glauben, der ihr eine natürliche und dabei wahrhaft königliche Haltung zuschreibt. Außerdem bestätigt man ihr ein außerordentliches Gefühl für Form und Stil. Erst mit ihrem Auftauchen wird die Periode der Ärmlichkeit, die die Zeit des Königs von Bourges bis dahin prägt, überwunden.
Dem König hilft Agnes, seine Midlife-crisis zu überwinden und seine Ängstlichkeit abzulegen. Er wird weltoffener, kann sogar galant sein. Er zeigt seine Dankbarkeit weiter in verschwenderischen Geschenken in Schmuck und anderen luxusgütern, aber auch in Landbesitz. Unter vielem anderen erhält seine belle Agnes auch eine "Serigneurie", die ihr offiziell den charmanten Titel "Dame de Beaute" einbringt. Der Besitz liegt in der Nähe von Vincennes. Zum Besitz gehört auch eine Mühle, die dem Ganzen eine heitere, pastorale Note gibt.
Nebenbei soll sie eine gute Verwalterin gewesen sein, und ihre Bewunderer sagen, ihr Hang zum Luxus sei nicht raffgieriger Habgier entsprungen, sondern eine Hang nach Vervollkommnung. Da sie immer das Beste will, ob es sich nun um die Küche handelt, um Geschirr oder um Wäsche, Tapisserien, Gepäck, Schmuck oder Kleider, wird sie die beste Kundin von Jacques Coeur und die erste Manifestation des Luxus am französischen Hof. Im Laufe der Zeit erhält sie nicht nur den Stand einer Prinzessin, was schon Skandal genug wäre, sie benimmt sich auch wie die luxuriöseste Frau der Christenheit, und das machen ihr natürlich all jene zum Vorwurf, die immer noch glauben, Luxus führe direkt in die Hölle, Geld für etwas anderes als Kriegführen auszugeben, sei schlicht Sünde.
Gravierender als ihre provokativ zur Schau gestellte Schönheit und der neue Luxus ist aber, daß Agnes jeden, dem es gelingt, ihre Sympathie zu gewinnen, bei Hofe lancieren kann, und sie von dieser Macht auch eifrig Gebrauch macht. Andererseits findet der gewiefte Dauphin Louis schnell ein unfehlbares Mittel, unliebsame Personen dauerhaft vom Hofe zu entfernen: Man muß dem König nur hinterbringen, der oder dioe Betreffende habe sich abfällig über Agnes geäußert, schon ist er oder sie in tiefster Ungande.
Doch auf Charles VII., den man schon den Siegreichen nennen hört, wartet zwei Monate später eine noch größere Überraschung: Seine schöne Agnes, momentan allerdings mit sehr dickem Bauch und von ihrer vierten Schwangerschaft mit Mitte Dreißig etwas gezeichnet, ist gekommen! Der König muß sie im Lustschloß der Äbtissin von Jumieges unterbringen, denn als hochschwangere Konkubine kann sie nicht in der Abtei wohnen.
Es wird nicht mehr klar, was sei wirklich zu ihm trieb, denn nach ihrer komplikationslosen Niederkunft mit einem Mädchen erkrankt Agnes Sorel sehr schwer an ewtas, das die Zeitgenossen "flux de ventre" nennen. Es handelt sich um ordinären Durchfall! Sie zeigt auf ihrem Totenbett tiefe und "schöne" Reue und Zerknirschung über ihr sündiges Leben. Als gute Katholikin ruft sie Gott und die Heilige Jungfrau und aus gegebenem Amlaß auch Maria Magdalena an, beichtet, erbittet und erhält die Sterbesakramente. Sie liest in ihrem Stundenbuch die eigenhändig in ihrer kultivierten Schrift eingetragenen Sentenzen des Heiligen Bernhard von Clairvaux über das Sterben. Dann diktiert sie ihr Testament, in dem sie weit größere Summen für Almosen als für die Bezahlung ihrer Dienerschaft aussetzt. Zu Testanmentsvollstreckern bestimmt sie Jacques Coeur, den Sekretär und Schatzmeister Etienne Chevalier, den Arzt des Königs und schließlich den König selbst. Nachdem sie so ihre Angelegenheiten geregelt hat, wiederholt sie mehrfach die Worte, mit denen die poetische Dauphine Marguerite d'Escosse ihr Leben aushauchte: "Fi de la vie." Man ist versucht, es mit "flieh mich Leben" zu übersetzen. Agnes Sorel, Dame de Beaute, stirbt am 11. Februar 1450 um sechs Uhr nachmittags.
Der Sitte gemäß wird ihr Körper geöffnet und das Herz in Jumieges, dem Ort ihres Todes, beigesetzt. Die Leiche wird nach Loches in die Kirche Notre Dame überführt, für die sie während der Zeit ihres Lebens mit dem König vier Kinder - eins ist verstorben - geboren hat, hindert die reich beschenkten Chorherren nicht, einen Lobgesang auf dieses sittsame und fromme Fräulein anzustimmen.
Ihr erstes Grabmal ist aus schwarzem Marmor mit ihrer Figur in weiß, in flehender Haltung kniend, das Herz der Heiligen Jungfrau darbietend, sehr realistisch darstellend, wie sie ihre letzten Stunden verbrachte.
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Kinder:

  Charlotte
        -   1477 ermordet

 1462
  oo  Jakob von Breze Graf von Maulevrier
              -

  Johanna
  1439-

 1461
  oo Antoine von Bueil Graf von Sancerre
             - nach 1506

  Marie Dame de Royan, Mornac und Rochefort
  1436-   1473

  oo Olivier von Coetivy Graf von Taillebourg
             -   1480
 
 
 
 

Literatur:
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Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 351 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/ Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 321,330,334,341 - Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 411,422 - Jurewitz-Freischmidt Sylvia: Die Herrinnen der Loire-Schlösser. Königinnen und Mätressen um den Lilienthron. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 1996 Seite 60-71,75,81,102,203,434,436 - Kendall Paul Murray: Ludwig XI. König von Frankreich 1423-1483 Verlag Callway München 1979 Seite 69,72,75,81,83,203,479,483,504 - Treffer Gerd: Die französischen Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert) Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1996 Seite 210 -
 
 
 
 
 


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