Maria                                                     Herzogin von Burgund
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13.12.1457-27.3.1482
Brüssel      Brügge
(Schloß Coudenberg)

Begraben: Brügge, Liebfrauenkirche (bedeutendes Grabmal)
 

Einzige Tochter und Erbin des Herzogs Karl der Kühne von Burgund aus seiner 2. Ehe mit der Isabella von Bourbon, Tochter von Herzog Karl I.
 

Lexikon des Mittelalter: Band VI Spalte 279
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Maria von Burgund, Herzogin von Burgund
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* 13. Februar 1457, + 27. März 1482 (an den Folgen eines Jagdunfalls)
Brüssel                    Brügge

Begraben: Brügge, Liebfrauenkirche (bedeutendes Grabmal)

Tochter von Karl dem Kühnen und Isabella von Bourbon

Maria hat zwar als Persönlichkeit keinen bedeutenden politischen Einfluß ausgeübt, doch verliehen die allgemeinen Voraussetzungen ihren Regierungshandlungen dauerhafte Wirkungen. Über ihre Heirat mit MAXIMILIAN I., dem Erben Kaiser FRIEDRICHS III., wurde bereits in den Jahren 1463 und 1473 verhandelt, auf burgundischer Seite mit dem Ziel des Erwerbs eines Königstitels. Doch wurde dieser dem Herzog bei den offiziellen Verlobungsfeierlichkeiten (6. März 1476) nicht garantiert. Zu diesem Zeitpunkt war klar geworden, dass Maria wegen des Ausbleibens eines männlichen Nachfolgers die alleinige Erbin der burgundischen Länder sein würde. Daher wurde die künftige Reintegration dieser weitgehend unabhängig gewordenen Territorien ins Reich beschlossen. Der Tod Karls (gefallen 5. Januar 1477 bei Nancy) ließ die von seiner Zentralisierungspolitik unterdrückten burgundischen Fürstentümer ohne Verteidigung. Lüttich und Geldern sowie Luxemburg (dieses bis 1480) schüttelten die burgundische Herrschaft ab; König Ludwig XI. von Frankreich annektierte die Grafschaft Artois und das Herzogtum Burgund mit Truppenmacht. Maria von Burgund besaß angesichts der Revolten ihrer Untertanen kaum Mittel der Gegenwehr; die Generalstände, zur Anerkennung der Erbfolge Marias und zur Mobilisierung der Verteidigung einberufen, präsentierten stattdessen lange Beschwerdelisten (doleances). Die der Herzogin und ihren Räten in dieser Situation abgerungenen Privilegien (für die gesamten Niederlande wie für einzelne Fürstentümer) unterstreichen, auch wenn ihnen die Zentralgewalt bald wieder entgegenarbeitete, die Bedeutung eines von den Ständen getragenen dezentralen Gegenmodells. Mit der am 26. März verkündeten Entscheidung Marias, MAXIMILIAN zu heiraten (Hochzeitsfeier 19. August 1477 zu Gent), traten die burgundischen Niederlande in den Bannkreis des Hauses HABSBURG, bei dem sie bis 1794 verblieben. Maria von Burgund hinterließ bei ihrem frühen Tod zwei Kinder, Philipp den Schönen und Margarete von Österreich, die eine bedeutende politische Rolle spielen sollten.


Lexikon der Renaissance: Seite 442
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MARIA VON BURGUND
* 13.2.1457, + 27.3.1482
Brüssel         Brügge

Tochter von Karl dem Kühnen und Isabella von Bourbon

Seit dem Tode ihres Vaters Herzogin von Burgund. Ihre Herrschaft beendete den Niedergang des Herzogtums Burgund. Als Herrin über die Niederlande mußte Maria von Burgund den Städten große Konzessionen machen und wurde von ihnen zur Beschränkung ihrer eigenen Macht gezwungen (Erlaß des 'Großen Privilegs' 1477 in Gent). Mit ihrer von ihrem Vater vorbereiteten Verehelichung mit MAXIMILIAN I., dem habsburgischen Thronfolger, kamen die HABSBURGER in den Besitz von Burgund und den Niederlanden, um welchen sie jedoch auch in langwieirge Kämpfe mit Frankreich verwickelt wurden. Obwohl Ludwig XI. von Frankreich im Frieden von Arras (1482) die Stammlande Burgund sowie die Freigrafschaft Artois zugesprochen wurden, verblieb der Hauptteil, besonders Flandern bzw. die Niederlande, im Besitz von MAXIMILIAN (im Frieden von Senlis 1493 mußte sich Frankreich endgültig mit dem politisch und wirtschaftlich nahezu bedeutungslosen Burgund als zurückerlangtes französisches Kronland begnügen). Allerdings blieb den HABSBURGERN der Besitz der Niederlande bis zu deren frühbürgerlicher Revolution (1566/1648) ein problematisches Erbe. Nach dem frühen Tod der Maria von Burgund übernahm ihr Sohn Philipp der Schöne die Herrschaft in den Niederlanden (1482-1506, bis 1494 unter Regentschaft MAXIMILIANS), ab 1515 ihr Enkel KARL V. - Wie alle burgundsichen Herrscher förderte auch Maria von Burgund Kunst und Kultur. Unter ihrem Namen ist ein bedeutender Vertreter der burgundischen (niederländischen) Miniaturmalerei überliefert (Meister der M., inzwischen als Nikolas Spierine identifiziert; u. a. Mitarbeit am Gebetbuch Karls des Kühnen). Das Wiener Gruppenbild B. Strigels (1515), das Maria von Burgund zusammen mit MAXIMILIAN I., Philipp dem Schönen sowie ihren Enkeln FERDINAND I. und KARL V. zeigt, verdeutlicht bewußt die mit Maria von Burgund verbundene burgundische Traditionslinie der HASBBURGER.



Reifenscheid, Richard: Seite 90
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"Die Habsburger. Von Rudolf I. bis Karl I."

Kaiser MAXIMILIAN I.
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* 22.3.1459, + 12.1.1519
Wiener Neustadt  Wels

Grabstätte: Unter dem Hochaltar der St-Georgs-Kapelle in der Hofburg Wiener Neustadt, Herzurne im Sarkophag Marias von Burgund

  1. oo 19.8.1477 in Gent - Schloß Ten Walle
         MARIA, Herzogin von Burgund
           * 13.12.1457, + 27.3.1482
            Brüssel           Brügge

Grabstätte: In der Liebfrauenkirche in Brügge/Belgien

Eltern: Karl der Kühne, Herzog von Burgund, und Isabella, Prinzessin von Bourbon, Tochter Karls I., Herzog von Bourbon


Frauen der Weltgeschichte: Seite 313
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MARIA VON BURGUND
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13.II.1457-27.III.1482

Eine romantische Erscheinung, die eher in das Mittelalter als in das 15. Jahrhundert zu passen scheint. Als einziges Kind Karls des Kühnen, des Herzogs von Burgund, geboren, der kraft seines Reichtums und Landbesitzes zu den maßgebenden Fürsten gehörte, war sie die begehrteste Erb-Tochter ihrer Zeit. Es gelang dem deutschen Kaiser FRIEDRICH III., sie für seinen Sohn, Erzherzog Maximilian von Österreich, den späteren Kaiser, den "letzten Ritter", zu gewinnen; doch die flandrischen Stände, eifersüchtig ihre Selbständigkeit wahrend, legten der Ehe Hindernisse in den Weg, die in der Gefangensetzung des fürstlichen Bräutigams ihren Höhepunkt erreichten. Der kurzen glücklichen Ehe entsprossen zwei Kinder, Philipp, genannt der Schöne, und Margareta. Durch Philipps Heirat mit Johanna von Spanien erbte deren gemeinsamer Sohn KARL, der nachmalige Kaiser KARL V., einen weltumspannenden Besitz. Maria kann demgemäß als die Stammmutter des Habsburgischen Reiches gelten; hierin liegt ihre historische Bedeutung. Durch einen Jagdunfall kam sie, erst 25-jährig, ums Leben; der frühe Tod trug dazu bei, ihr Dasein in romantischem Glanz erscheinen zu lassen. Die zahlreich erhaltenen Bildnisse zeigen ein kindliches Gesicht mit stark gewölbter Stirn unter der Zuckerhuthaube, und eine überaus reiche Gewandung, wie sie für den Hof von Burgund, den reichsten der Zeit, üblich war. Ihre Fertigkeit in allen schönen Künsten, einschließlich feiner Handarbeiten, wird hervorgehoben; sie gehörte zur Bildung vornehmer Frauen. Wie ihr Großvater, Philipp der Gute, und ihr Vater, Karl der Kühne, galt Maria als Verkörperung der Macht und des Reichtums des Herzogtums Burgund.


Eine Ehe mit König Ludwig XI. von Frankreich scheiterte an dessen Forderungen. Nach dem Tode ihres Vaters (5.1.1477) machte Maria große Zugeständnisse an die Stände, um ihre Herrschaft in den Niederlanden zu retten. Die Allgemeine Ständeversammlung der Niederlande zwang in Gent Maria zum Erlaß des Großen Privilegs und erreichte damit eine weitgehende Beschränkung der fürstlichen Macht. Am 19.4.1478 wurden Maria und MAXIMILIAN sowie deren Leibeserben von Kaiser FRIEDRICH III. mit den burgundischen Erblanden belehnt. Maria war eine der schönsten Frauen ihrer Zeit. Sie starb, schon wieder schwanger, an den Folgen eines Sturzes vom Pferd.

Vossen Carl: Seite 15,25-29,32,35,43,52
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"Maria von Burgund. Des Hauses Habsburg Kronjuwel. "

Und nun schreitet der Zeiger auf 1 Uhr nachmittags zu, während das Kalenderblatt den 13. Februar 1457 anzeigt: Gräfin Charolais bringt eine gesunde Prinzessin zur Welt. Für das nach festlichen Anlässen geradezu lechzende Volk bliebt es einerlei, ob die Geburt eines Prinzen oder einer Prinzessin zu begießen ist. Doch Vater und Großvater des Sprößlings denkan anders. Karl, der in seinem Jagdrevier verständigt wurde, macht zunächst aus seiner Enttäuschung kein Hehl, da Burgund bisher nur männliche Thronfolger kennt. Auch der alte Herzog, der sich in Nivelles aufhält, verbirgt nicht seine Enttäuschung darüber, daß seine Nachfolge eines Tages in weibliche Hände übergehen könnte. Man hat vielfach gerätselt, weshalb weder Vater noch Großvater zur Taufe nach Brüssel kamen.
Einige Monate nach der Geburt Maries entschlossen sich der Graf und die Gräfin von Charolais ihre Residenz nach Quesnoy zu verlegen, einem Schloß, in dem früher die Grafen von Hennegau wohnten. Hier fanden sie ein ungestötrtes Nest für ihre junge Ehe, und hier verbrachte Maria ihre ersten Lebensjahre. Im September 1463 verließ das Ehepaar Charolais Quesnoy, um sich in Gorcum niederzulassen, wo Karl die Funktion eines Statthalters von Holland übernahm. Es mag überraschen, daß die jetzt sechsjährige Marie die Eltern nicht begleitete. Doch die Genter hatten sich die Gunst ausbedungen, die Tochter ihres Herrn in ihre Obhut zu nehmen, eine Gunst, aus der sie gerne ein Privileg, wenn nicht gar ein Druckmittel machen möchten. Tatsächlich sollte dem Vater später die Tochter streitig gemacht werden. In Gent wurde der Prinsenhof die Residenz der jungen Prinzessin. In diesem festungsartigen Palais mit gepflegten Gärten und kunstvollen Wasserspielen sollte also die Erbin von Burgund den größten Teil ihres Lebens verbringen. So sehr sie auch Eltern und Großeltern missen mochte, so verlief doch ihre Jugend keineswegs freudlos oder eingeengt. Auch ihre Erziehung war nicht an eine starre Ordnung gebunden.
Insgesamt wurde Marie eine Bildung vermittelt, die dem hohen Niveau des Hofes von Burgund und der Stellung einer Erb-Prinzessin entsprach. Im Vordegrund stand ein vielseitiger Sprachunterricht. Vorrang hatte das Lateinische, dessen Kanntnis als Sprache der Wissenschaft, der Kirche und der Diplomatrie unerläßlich war. Daß nach dem Willen des Vaters auch dem flämischen Element gebührend Raum gegeben wurde, beweist die bevorzugte Stellung der Dame d'Halewyn. So war dafür gesorgt, daß die Prinzessin entsprechend der Struktur der burgundischen Lande zweisprachig aufwuchs. Man weiß jedoch, daß Maria das elegenatere Französisch bevorzugte. Daß auch die Musik, entsprechend ihrem hohen Rang am Hof der Herzöge, ausgiebig gepflegt wurde, bedarf keiner besonderen Erwähnung. Was die Einführung in die christliche Lehre anbelangt, so dienten kostbar illuminierte Andachtsbücher der Veranschaulichung. Die sogenannten "Stundenbücher" verhalfen gleichzeitig dazu, den Sinn für Ästhetik und künstlerisches Empfinden zu wecken. Maria selbst hat ein von ihr benutztes Stundenbuch hinterlassen, an dem man sich noch heute erfreuen darf. Insgesamt wird Maries Fertigkeit in allens chönen Künsten, einschließlich feiner Handarbeit, hervorgehoben. Der geistigen Anspannung wurde durch Spiel und Sport der gehörige Ausgleich geboten. Dabei fehlte es nicht an vielfältiger Abwechslung, welche die Phantasie eines Kindes anzuregen vermag. Man spielte Kreisel, jagte Schmetterlinge oder ließ sich jagen und fangen. An Spielgefährten mangelte es nicht. Mit ihr wuchsen nämlich mehrerer gleichaltrige Vettern und Cousinen auf, unter ihnen Johann von Kleve und Philipp von Ravenstein. Natürlich wurde auch der Reitsport gepflegt, der ihr erlaubte, schon in jungen Jahren Wald und Flur zu erobern.
Kein Zweuifel, Maria verehrte ihren Vater wegen seiner ritterlichen Erscheinung, seiner schwarzen Locken und seiner leider allzu seltenen Liebkosungen. Sie ging ihm aber aus dem Wege, wenn seine Zornader schwoll und das energische Kinn Gewitterstimmung verriet. Nach der Aussöhnung von Vater und Sohn war Herzog Philipp auch für Marie wieder zugänglicher geworden.
Im September 1465 konnte Marie auch ihre Mutter, die sie zwei Jahre nicht gesehen hatte, wieder einmal in die Arme schließen, ohne zu ahnen, daß dies zugleich der Abschied für immer war.
Am 28. Juni 1467, also kaum 14 Tage nach dem Tod des Großvaters erlebte Maria unter dramatischen Umständen ihren ersten offiziellen Auftritt auf der politischen Bühne. Nun, da ihr Vater im gesamten Herzogtum die Regentschaft angetreten hat, nimmt sie als Erb-Prinzessin an seiner feierlichen Einführung als Herzog von Flandern teil.
Insgesamt vollzog sich diese Einwirkung so behutsam und freundschaftlich, daß die damals 11-jährige Marie in Margarete von York, die bei ihrer Heirat 22 Jahre zählte, eher die ältere Schwester als die Stiefmutter sehen konnte. Von kurzen Unterbrechungen abgesehen, werden die beiden Frauen bis zum Tode des Herzogs beisammen bleiben. Fast zehn Jahre hindurch sollte Margarete die verstorbene Mutter und auch den Vater, der fast ständig unterwegs ist, ersetzen.

Seite 50-53
Schon in früher Kindheit war Maria in Gefahr, verpfändet zu werden. Sie war gerade fünf Jahre alt, als Johann II., König von Aragon, erstmalig um ihre Hand anhielt, und zwar für seinen Sohn, den späteren Ferdinand den Katholischen. Damals lag die Entscheidung bei Großvater Philipp, der die Heirat in der Schwebe ließ.
Schon im folgenden Jahr, 1463, tritt erstmalig das Haus HABSBURG, diskret vorfühlend, in Erscheinung.
Während nun die verlockende Beziehung HABSBURG-Burgund zunächst in der Schwebe bleibt, dreht sich das Karussell unentwegs weiter. Als nächster Bewerber tritt 1463 der Bruder König Ludwigs XI., der Herzog von Guyenne auf den Plan.
Die Anregung eines Bündnisses Burgund-HABSBURG wurde nun 1469 wieder aufgegriffen, als nach dem Tode Herzog Philipps der Vetter des Kaisers, Sigismund von Tirol, zu Verhandlungen in Hesdin eintraf.
Ludwig XI. versucht, seinen Baby-Dauphin, der kaum den Windeln entschlüpft ist, Marie als künftigen Gemahl in den Schoß zu legen, eben jener Prinzessin, die er seinem Bruder, dem Herzog von Guyenne, planmäßig verleidet hatte.
Im Winter 1471/72 hält sich Marie in Mons auf, um einer Epidemie, die in Flandern wütet, zu entgehen. Am 15. Dezember 1471 wird sie in aller Eile zum Schloß Motte-au-Bois gebracht, wo sie mit ihrem Vater von ihrer sterbenden Großmutter Isabelle de Portugal Abschied nimmt. Sie kehrt dann nach Mons zurück, wo sie im Sommer 1472 erstamalig auch persönlich in das sie betreffende Heiratsgeschäft eingeschaltet wird. Diesmal ist es der Herzog von Lothringen, Nikolaus von Kalabrien, der um sie wirbt.

Seite 60
Natürlich wurden auch die diplomatischen Fäden weitergesponnen, insbesondere das um Marie gesponnene Netz: So empfing der Herzog am 26. November 1474 den Gesandten des Königs von Neapel, der sich im Namen seines zweiten Sohnes, des Prinzen Friedrich von Tarent, offiziell um die Hand der Prinzessin bewarb.

Seite 73
An dieser Stelle scheint es nun angebracht, eine erste Charakteristik Marias mit möglichem Bezug auf das elterliche Erbteil zu versuchen. Mut und Entschlossenheit, gewiß ein väterliches Vermächtnis, mußte sie zumal in den kommenden Monaten entschieden unter Beweis stellen. Ja sie setzte, um es vorwegzunehmen, sogar ihr Leben aufs Spiel, als sie im März 1477, ganz auf sich gestellt, für ihre todgeweihten Ratgeber eintrat. Bei anderer Gelegenheit verwandte sie sich in Mons - gleichfalls nicht ohne Risiko - für 40 gefangene italienische Soldaten, eine Geste, die umso nobler war, als es sich um Abteilungen eines Condottiere handelte, der nicht ohne Grund beschuldigt wurde, in der Schlacht von Nancy ihren Vater verraten zu haben. Bei diesen Anlässen gingen, wenn man so sagen darf, der Mut des Vaters mit der Großmut der Mutter Hand in Hand. Auch gegenüber ihren zahlreichen Bewerbern behauptete sie trotz aller Abhängigkeit eine durchaus entschiedene Haltung, so daß ihr der Bischof von Mettz, welcher der kaiserlichen Delegation angehörte, "menlichen und kecken Mut" bescheinigte.
Überhaupt dürfen wir sagen, daß Maria nahezu alle guten Eigenschaften ihrer Eltern in sich vereinigte: die Anmut der Mutter, den Mut des Vaters sowie beider Sinn für Ritterlichkeit und Anstand, gepaart mit echter Frömmigkeit, die mehr war als eine nur zeitgemäße Pflichtübung. Insgesamt bot sie eine glückliche Mischung von weiblichem Charme und männlicher Entschlossenheit. Frohgemut bewahrte sie sich auch in den ritterlichenn Künsten, soweit für Damen schicklich. Als forsche Reiterin hatte sie gelernt, Hindernissen nicht aus dem Wege zu gehen.

Seite 90 Heiratskandidaten nach dem Tode Karls des Kühnen
Herzog Johann von Kleve hielt für seinen Sohn Johann (* 1458, + 1521) um Marias Hand an.
Sympathischer und diskreter erschien die Kandidatur des Philipp von Kleve, eines Sohnes des Herrn von Ravenstein (* 1425, + 1492). Dieser war der jüngere Bruder des Herzogs Johann von Kleve.
Lange im Gespräch war ferner der Herzog von Clarence, der Bruder Eduards IV. von England. Verständlich, daß insbesondere Margarete von York diese Verbindung für ihre Stieftochter anstrebte.
Es wäre seltsam zugegangen, hätten nicht auch die treibenden Kräfte von Gent ihren Kandidaten zu diesem Heiratskarusell beigesteuert. Der Mann ihrer Wahl war Herzog Adolf von Geldern.

Seite 93
MAXIMILIAN gab insbesondere der Hinweis aus dem Brief zu denken, Maria sei gegebenenfalls nicht mehr Herrin ihrer Entschlüsse. Demnach stand ihr Verlöbnis, das beide seit der Vereinbarung vom 6. Mai 1476 als bindend ansahen, auf dem Spiel. Am liebsten wäre er deshalb sofort aufgebrochen, um seiner Bedrängten zu Hilfe zu eilen.

Seite 96
Am 21. April, knapp vier Wochen nachdem Maria ihre Notruf per Geheimkurier auf den Weg gebracht hatte, findet dann im Prinsenhof zu Brügge die Heirat "per procurationem" statt.Und zwar vollzieht, stellvertretend für den Bräutigam, Herzog Ludwig von Bayern symbolisch die Hochzeit.

Seite 124
Davon abgesehen, setzt Maria am 17. September, also schon wenige Wochen nach der Heirat, auf eigenen Beschluß MAXIMILIAN zum Gesamterben ein, sollte sie kinderlos sterben. Damit sind, was auch geschehen mag, die burgundischen Länder an die Dynastie HABSBURG gebunden.

Seite 137
Während sich nun der Herzog im Felde müht, für das allgemeine Wohl zu streiten, strengt sich seine Gattin an einer anderen Front für das Wohl ihrer Länder an, indem sie in ihrer Stadt Brügge am 22. Juni 1478 gegen drei Uhr morgens einem hübschen Sohn das Leben schenkt. Er erhielt den Vornamen seines Urgroßvaters Philipp.

Seite 143
All diese Enttäuschungen aber können dem Eheglück keinen Abbruch tun. Am 10. Januar 1480 wird der Bund Burgund-Österreich durch eine gesunde Tochter gesegnet. Wie ihre Mutter schlägt sie erstmals die Augen im Palais Coudenberg zu Brüssel. Niemand konnte daran zweifeln, daß dieses Mädchen nach Margarete von York benannt würde.

Seite 144
Im Herbst 1481 wurde der Herzogin erneut Mutterglück zuteil, und zwar gebar sie am 2. September ihr drittes Kind. Es wurde, wiederum in der Kirche St. Gudula zu Brüssel, durch den Bischof von Cambrai auf den Namen Francois getauft. Pate war Herzog Franz von der Brertagne, den man als Bündnuspartner schätzte. Doch das Familienglück sollte nicht lange währen, da das schwächliche Kind schon wenige Tage nach der Geburt starb. Dieser Verlust ging insbesondere der jungen Mutter sehr nahe. Maria hatte sich nach dem Tod ihres dritten Kindes wieder gefangen.

Seite 149-152
Wenige Tage später (am 6. März) trat nun jenes Ereignis ein, das dem trauten Glück der herzoglichen Familie und dem burgundischen Staat einen harten Schlag versetzen sollte. So sieht man am frühen Morgen des 6. März eine beschwingte Jagdgesellschaft zum Tor von Sainte-Croix hinausreiten. Die Bürger winken freudig zu, denn sie lieben ihre Herzogin in der Frische ihrer sportlichen Erscheinung. Etwa 20 km südlich von Brügge liegt das Schloß Wynendaele. Dort sammelte sich die Kavalkade, um sodann in das Moor von Bienzenbosch auszuschwärmen. Maria, beschwingt im Rhythmus des schon dampfenden Pferderückens wiegend, überläßt sich beglückt dem mitreißenden Schwung der Jagd. Da fliegt vor ihr aus sumpfigen Gehölz ein stattlicher Reiher auf, flugs gibt sie ihren Falken frei. Ihr Blick ist zum Himmel gerichtet, dem sicheren Tritt ihres Pferdes vertrauend. Doch da legt sich plötzlich ein versteckter Baumstumpf in den Weg! Ihr Zelter stolpert und wirft seine Reiterin in vollem Lauf kopfüber zu Boden. Dabei kommt die Herzogin so unglücklich zu Fall, daß sie wie reglos liegenbleibt.
Die Herren ihres Gefolges waren starr vor Schrecken, als sie eintrafen. Sie drängten sich um sie und erkannten, daß sie zwar lebte, aber bewußtlos war. Sie versorgten sie, so gut wie möglich, und brachten sie mit äußerster Vorsicht zu einem Haus in der Nähe, wo man sie auf Kissen an einem wärmenden Kaminfeuer bettete. Inzwischen ward er Herzog eingetroffen - untröstlich bei dem Anblick, der sich bot. Aös Maria seine Stimme hörte, kam sie wieder zu sich. Sogleich war sie darauf bedacht, die schmerzhaften Folgen des Sturzes abzuschwächen, um ihren treuen Gemahl nicht zu ängstigen: "Bitte angstige Dich nicht, dieser Unfall wird wohl keine Folgen haben. Am besten bringt man mich in einem Wagen nach Brügge."
Dort im Prinsenhof wandten die Ärzte ihre ganze Kunst auf, um ihr zu helfen. Doch sie konnten nur Linderung verschaffen, denn offenbar hatte sich die Herzogin ernste innere Verletzungen zugezogen, mit Komplikationen durch vermutliche Schwangerschaft. So war ihr Krankenlager überaus schmerzhaft. Dennoch trug sie ihr Geschick - Wochen hindurch - tapfer und ergeben. Mit vollem Bewußtsein stellte sie sich auf den nahenden Tod ein. Maria hatte testamentarisch ihre beiden Kinder zu Erben ihrer gesamten Besitzungen eingesetzt; ihrem Gemahl aber hatte sie die Regentschaft bis zur Volljährigkeit ihres Sohnes Philipp übertragen.
Ärzte und andere Heilkundige standen unterdes ratlos um das Krankenlager. Innere Blutungen waren nach dem damaligen Stand der Medizin nicht zu beheben. Jetzt konnte nur noch der Himmel eine Wende bringen
Für wenige Stunden richtete sich die Hartgeprüfte noch einmal auf. Dann aber spürte sie, daß die Stubnde, da Gott sie heimrufen würde, nahte. Noch einmal berief sie ihre Familie sowie die Ordensritter in ihr Krankenzimmer. Behutsam wurden ihre Kinder von Madame la Grande an ihr Bett geführt, vor dem ihr Vater schmerzversunken kniete. Kaum vernehmbar sprach sie nun: Meine Herren, ich fühle, daß ich sterben werde, bevor der Tag sich neigt. Ich hoffe des ewigen Glückes teilhaftig zu werden, und so verabschiede ich mich: "Adieu donc, a vous le Premier, duc Maximilien"" Ihr erstes Gottbefohlen dachte sie also ihrem Gemahl zu. "Ach!", so fügte sie hinzu, "wir werden bald voneinander scheiden müssen! Adie, Philippe, adieu Marguerite - bald werdet ihr Waisen sein! Ihr verliert Eure Mutter vorzeitig; aber ich muß mich dem Geschick beugen und denen folgen, die mir im Grabe vorangegangen sind." Und nachdem sie sich dann an jeden einzelnen der umstehenden Ritter gewandt hatte, schloß sie mit den Worten: "Sie verlieren vorzeitig ihre Herzogin; aber gegen den Tod gibt es kein Heilmittel. Meine Herren, bitte verzeihen Sie mir, wenn ich Ihnen jemals Verdruß bereitet habe."
Nach Empfang der Sterbesakramente öffnete Maria ein letztes Mal die Augen, um Worte des Abschieds zu flüstern, die dann ausklangen: "O Dieu! Prenez pitie de moi et recevez mon ame dans votre sein!" O Gott, hab Erbarmen mit mir und nimm meine Seele bei Dir auf!
Am 27. März gegen 11 Uhr abends schied sie sodann aus dieser Welt, im Alter von 25 Jahren, 1 Monat und 14 Tagen: "la tres ilustre princesse dame Marie de Bourgogne, par la grace de Dieu archiduchese d'Autriche (Erzherzogin von Österreich), duchese de Bourgogne, de Lothier (Lothringen), de Brabent, de Lembourg, de Lucembourg et de Gheldre, comtesse de Flandere, d'Artois, de Bourgogne, palatine de Haynau (Pfalzgräfin des Hennegau), de Hollande, de Zelande, de Namur et de Zutphen, marquise de Saint-Empire (Markgräfin des Heiligen Reiches), dame de Frise, de Salins et de Malines."
Am 3. April 1482 fand dann die Beisetzung statt. Insgesamt sollen nicht weniger als 15.000 Menschen die geliebte Herrin zur letzten Ruhestätte in der Liebfrauenkirche begleitet haben.
 
 
 
 

19.8.1477
   oo MAXIMILIAN I. König des Deutschen Reiches
 Gent 22.3.1459-12.1.1519
 
 
 
 

Kinder:

  Philipp I. der Schöne König von Kastilien
  22.6.1478-25.9.1506
  Schloß zu Brügge Burgos

  Margarete
  10.1.1480-30.11.1530
  Brügge    Mecheln

   3.4.1497
  1. oo Juan Infant von Kastilien
         28.6.1478-4.10.1497
         Burgos    Burgos

  2.12.1501
  2. oo Philibert II. Herzog von Savoyen
          10.4.1480-10.9.1504
          Chambery  Bourg-en-Bresse

  Francois
  2.9.1481-26.12.1481
 
 
 

Literatur:
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Adalbert Prinz von Bayern: Die Wittelsbacher. Geschichte unserer Familie. Prestel Verlag München 1979 Seite 116 - Brandi Karl: Kaiser Karl V. Werden und Schicksal einer Persönlichkeit und eines Weltreiches. F. Bruckmann Verlag München 1938 Seite 19,28,539 - Breitner, Erhard: Maximilian I. Der Traum von der Weltmonarchie. Carl Schünemann Verlag Bremen-Wien 1939 - Calmette, Joseph: Die großen Herzöge von Burgund. Eugen Diederichs Verlag München 1996 Seite 222,226,236,246,279,284,323,331,334,343,345-349 - Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 364,366 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/ Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 353,357,366 - Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter.Verlag C. H. Beck München 1994 Seite 210,235 - Erbe Michael: Belgien, Niederlande, Luxemburg. Geschichte des niederländischen Raumes. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1993 Seite 72,74,75, 77,78,79,83 - Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 439, 445,448 - Fraser Antonia: Die sechs Frauen Heinrichs VIII. Claasen Verlag GmbH Hildesheim 1995 Seite 22,25 - Hoensch, Jörg K.: Matthias Corvinus. Diplomat, Feldherr und Mäzen. Verlag Styria Graz Wien Köln 1998 Seite 114, 135,153,157,185 - Jurewitz-Freischmidt Sylvia: Die Herrinnen der Loire-Schlösser. Königinnen und Mätressen um den Lilienthron. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 1996 Seite 87,89,99,180 - Kendall Paul Murray: Richard III. König von England Mythos und Wirklichkeit, Eugen Diederichs Verlag München 1995 Seite 133,134,136,161,242 - Krieger, Karl-Friedrich: Die Habsburger im Mittelalter. Von Rudolf I. bis Friedrich III. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart/Berlin/Köln 1994 Seite 213,218 - Martin Jean-Joseph: Die Valois. Edition Rencontre Lausanne 1969 - Mohr Walter: Geschichte des Herzogtums Lothringen. Verlag "Die Mitte" Saarbrücken 1974 Teil IV - Paravicini Werner: Karl der Kühne. Das Ende des Hauses Burgund. Musterschmidt Göttingen Zürich Frankfurt 1976 - Pohl, Walter/Vocelka,Karl: Die Habsburger. Eine europäische Familiengeschichte (Hg) Brigitte Vacha Styria Verlag Graz/Wien/Köln 1996 Seite 90,92,99 - Pletich, Heinrich: Deutsche Geschichte in 12 Bänden. Band 5 Das ausgehende Mittelalter 1378-1517 Verlagsgruppe Bertelsmann GmbH/Lexikothek Verlag GmbH, Gütersloh 1982 Seite 201,217,219,220/221,227,251/252,289 - Reifenscheid, Richard: Die Habsburger. Von Rudolf I. bis Karl I., Verlag Styria Graz/Wien/Köln 1982 Seite 86,88,90,95,97,113 - Saller Martin: Königin Isabeau. Die Wittelsbacherin auf dem Lilienthron. Nymphenburger Verlagshandlung GmbH, München 1979 Seite 330 - Schaab Meinrad: Geschichte der Kurpfalz. Verlag W. Kohlhammer 1988 Seite 212 - Schelle, Klaus: Karl der Kühne. Burgund zwischen Lilienbanner und Reichsadler. Magnus Verlag Essen - Schwarzenfeld Gertrude von: Karl V. Ahnherr Europas. Wilhelm Goldmann Verlag München Seite 9,128,133,296,330 - Seibt Ferdinand: Karl V. Der Kaiser und die Reformation.Wolf Jobst Siedler Verlag 1990 Seite 18 - Tamussino Ursula: Margarete von Österreich. Diplomatin der Renaissance Verlag Styria Graz Wien Köln 1995 Seite 10,13,15-25,27,29,32,35,38,43,48,50,54,80,89,111,115,126,127, 140,149,168,177,188,193,259,267 - Tamussino Ursula: Maria von Ungarn. Ein Leben im Dienst der Casa de Austria Verlag Styria Graz Wien Köln 1998 Seite 9,11,14,25,32,41,48,144,167,177,182,206,211,220 - Treffer Gerd: Die französischen Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert) Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1996 Seite 242 - Vossen Carl: Maria von Burgund. Des Hauses Habsburg Kronjuwel. Seewald Verlag Stuttgart 1982 - Vossen Carl: Maria von Burgund. Des Hauses Habsburg Kronjuwel. Seewald Verlag Stuttgart 1982 -
 
 
 
 
 
 
 
 


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