Margarete von Burgund                             Herzogin von Bayern-Holland
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 10.1374-8.3.1441
              Quesnoy

Begraben: Dominikanerkirche zu Quesnoy
 

Älteste Tochter des Herzogs Philipp der Kühne von Burgund und der Margarete II. von Flandern, Erb-Tochter von Graf Ludwig III.
 

Calmette, Joseph: Seite 67,172
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"Die großen Herzöge von Burgund."

Um die Erbfolge hinsichtlich ihrer Besitzungen besser zu sichern (das heißt gegen die LUXEMBURGER), legte es die Herzogin-Witwe im Einverständnis mit Philipp darauf an, Schutz gewährende Heiraten zu stiften. Es ging darum, die Kinder des Herzogs Albrecht I. von Bayern mit den Kindern des Herzogs von Burgund zu verbinden. Graf Johann von Nevers, der älteste Sohn und Erbe des Herzogs von Burgund, sollte sich mit Margarete von Bayern vermählen, Wilhelm von Bayern mit Margarete von Burgund.
Ohne sich um die wiederholten, ebenso heftigen wie wirkungslosen Proteste SIGISMUNDS zu kümmern, ließ sich Philipp von den brabantischen Ständen huldigen. Margarete von Bayern, die Tante des verstorbenen Philipp von St. Pol und Philipps des Guten, die sich vordrängte, wurde ausgeschaltet, und schon am 4. Oktober hielt der Chef des Hauses BURGUND frohgemut seinen Einzug in Löwen.

Schnith Karl: Seite 373,375,380
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"Frauen des Mittelalters in Lebensbildern"

Eine Doppelhochzeit 1385 in Cambrai manifestierte diese Beziehungen zu Frankreich. Wilhelm wurde damals mit Margarethe von Burgund vermählt, der Tochter Herzog Philipps von Burgund. Gleichzeitig wurde Albrechts Tochter Margarethe mit dem Sohn des mächtigen Burgunders, Johann Ohnefurcht, dem burgundischen Erben vermählt.
Bereits im Alter von fünf Jahren war Jakobäa am 22.6.1406 mit dem Sohn König Karls VI. von Frankreich verlobt, dann 1415 vermählt worden. Offenbar wegen der politischen Unsicherheit in der Pariser Residenz wurde dieser Johann in den Hennegau gebracht und genmeinsam mit Jakobäa von deren Mutter Margarethe von Burgund im Hennegau erzogen.
Der mächtige französische Königsvasall Johann Ohnefurcht von Burgund, der mit allen Aktionen seine eigenen Pläne zu verbinden wußte, setzte sich ebenso wie Jakobäas Mutter, Margarethe von Burgund, für einen neuen Ehekandidaten ein.
Am 16.7. bestätigte Jakobäas Mutter Margarethe den Vertrag von Delft.

Adalbert Prinz von Bayern: Seite 94
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"Die Wittelsbacher. Geschichte unserer Familie."

Die Ehestifterin Johanna kam aus dem Hause STRAUBING-HOLLAND. Als aber Wilhelm in eine Geisteskrankheit verfiel und schließlich in Quesnoy in Gewahrsam kam, mußte Albrecht 1358 mit seiner schlesischen Frau Margarete nach dem Haag ziehen. Ihre erste, wohl noch in Straubing geborene Tochter Johanna war eben jene, die mit sechszehn Jahren die Frau des Böhmen-Königs WENZEL wurde. In Holland wurden dem Paar weitere sechs Kinder geboren, drei Söhne und drei Töchter, und zwei dieser Kinder - Margarete und Wilhelm - heirateten 1385 in einer Doppelhochzeit zu Cambrai burgundische Geschwister, den Herzog Johann, der unter dem Beinamen 'sans Peur' (Ohnefurcht) einer der großen Herrscher Burgunds wurde, und dessen Schwester Margarete.

Ehlers Joachim: Seite 278
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"Geschichte Frankreichs im Mittelalter."

1378 schloß Philipp für seine damals vierjährige Tochter Margarethe einen Vertrag, wonach sie Leopold von Österreich heiraten sollte, sobald Braut und Bräutigam zehn Jahre alt geworden wären. Leopolds Vater war als Graf von Pfirt und Landgraf des Oberelsaß der Grafschaft Burgund benachbart und Philipp rechnete offenbar mit Gewinn auf Kosten der HABSBURGER. Die Ehe kam aber doch nicht zustande, weil der Herzog von Burgund im Jahre 1384 rasch entschlossen ein Ehebündnis mit dem Hause WITTELSBAACH anstrebte und den Österreicher bat, statt Margarethe ihre damals sechsjährige Schwester Katharina als Schwiegertochter zu akzeptieren. Die Ehe Katharinas mit Leopold von Österreich wurde 1387 geschlossen, aber erst sechs Jahre später ließ Philipp seine inzwischen fünfzehnjährige Tochter zu ihrem Gemahl gehen, der in wiederum zehn Jahren dauernden Verhandlungen bewogen werden mußte, die Grafschaft Pfirt an Katharina zu übertragen, und noch Philipps Nachfolger Johann Ohnefurcht zahlte seit 1404 ratenweise die in barem Geld zu entrichtende Mitgift für seine Schwester.

Saller Martin: Seite 31,34,173,220
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"Königin Isabeau. Die Wittelsbacherin auf dem Lilienthron."

Am 12. April 1385 wurde in Cambrai die politische Doppelhochzeit der Kinder des Burgunders und Herzog Albrechts mit gewaltiger Prachtentfaltung gefeiert. Der Erbe des WITTELSBACHERS, Wilhelm Graf von Ostrevant, heiratete Philipps Tochter Margarete; und Philipps ältester Sohn, Johann Graf von Nevers, führte Margarete von Wittelsbach heim. Fünf Tage lang folgte ein glanzvolles Fest dem anderen.
Die Herzogin und die ihrem Sohn Wilhelm, dem Grafen von Ostrevant, eben angetraute burgundische Schwiegertochter Margarete führte Elisabeth (Isabeau) auch ein in die komplizierte Etikette des französischen Hofes.
In freundschaftlicher Geste gegenüber dem Haus BURGUND erklärt sich die Königin nach einigem Zögern bereit, ihren Sohn Johann der Obhut der Herzogin Margarete vom Hennegau, einer Schwester Herzog Johanns zu übergeben und ihn mit Jakobäa am Hof von Quesnoy erziehen zu lassen.
Seine mit Wilhelm von Wittelsbach verheiratete Schwester Margarete erscheint zweimal im königlichen Heerlager, um Verhandlungen in Gang zu bringen, freilich vergeblich. Dann schickt auch Johanns Schwiegertochter Michelle einen beschwörenden Brief an ihre königliche Mutter.

Leo Heinrich Dr.: Band I Seite 361,362,364; Band II Seite 54,55,68
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"Zwölf Bücher niederländischer Geschichten."

Bald hernach gestand er Jakobäas Oheim zu Anfang des Jahres 1420 noch eine verlängerte Frist für die Dauer von dessen interimistischem Gouvernement zu, und fügte die Markgrafschaft Antwerpen dem Gebiet hinzu. Das schien Jakobäas Mutter Margaretha zu viel, und als er ihren Vorstellungen kein Gehör gab, reiste sie von Brüssel nach Le Quesnoy, und führte ihre Tochter mit sich. Jakobäa ging von Valenciennes, wo sie mit ihrer Mutter lebte, nach Calais und von da an den Hof.
Jakobäas Mutter ihrerseits hatte bereits einen Teil des hennegauischen Adels für Humfried von Gloucester gewonnen, und die Städte huldigten in Valenciennes teils, teils in Mons dem neuen Grafen der bei seiner Joyeuse entree in Mons am 5. Dezember 1423 die Rechte und Freiheiten des Landes beschwor.
Jakobäa wurde nach Gent geführt, wo sie in des Herzogs Schlosse wohnte, und anständigen Unterhalt aus den Einkünften Hennegaus erhielt [Ihre Mutter Margaretha wollte, weil sie die Tochter verführt, der Herzog von Burgund nichts mehr aus den burgundischen Landen von dem verabfolgen lassen, was sie als Mitgift in Anspruch nahm.].
Als der Herzog nach diesen Vorgängen nach Brüssel zurückkehrte, machte seiner Gemahlin Mutter nochmals einen Versuch, ihn zu bewegen, den Wünschen Jakobäas hinsichtlich ihrer Hofdamen nachzugeben. Die Folge war, daß die alte Herzogin Margaretha von Hennegau-Holland am anderen Tage nach Le Quesnoy in Hennegau reiste und ihre Tochter mit sich entführte.
Auch Jakobäa mit ihrer Mutter kam 1420 nach Löwen, und man beriet, was weiter gegen Johann IV. zu tun sei.
Auf Philipps von Brabant Nachfolge erhoben Anspruch Margaretha, des letztverstorbenen Herzogs Tante, des früher verstorbenen Tante und Schwiegermutter; außerdem aber der Herzog von Burgund, der letzten beiden Herzoge Cousin. Jene kam nach Löwen; von diesem eine Gesandtschaft. Nachdem die Stände beider Ansprüche untersucht hatten, schien ihnen Philipps Recht das bessere.
 
 
 
 

12.4.1385
   oo Wilhelm II. Herzog von Bayern
      5.4.1365-31.5.1417
 
 
 
 
 
 
 

Kinder:

  Jakobäa
  25.7.1401-9.10.1436
 
 
 
 

Literatur:
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Adalbert Prinz von Bayern: Die Wittelsbacher. Geschichte unserer Familie. Prestel Verlag München 1979 Seite 94 - Calmette, Joseph: Die großen Herzöge von Burgund. Eugen Diederichs Verlag München 1996 Seite 67,172 - Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 278,293 - Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter.Verlag C. H. Beck München 1994 Seite 209,274 - Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 412 - Hoensch, Jörg K.: Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437. Verlag W. Kohlhammer 2000 Seite 206 - Leo Heinrich Dr.: Zwölf Bücher niederländischer Geschichten. Eduard Anton Verlag Halle 1832 Band I Seite 361,362,364; Band II Seite 54,55,63,68 - Saller Martin: Königin Isabeau. Die Wittelsbacherin auf dem Lilienthron. Nymphenburger Verlagshandlung GmbH, München 1979 Seite 31,34,173,220,240 - Schnith Karl: Frauen des Mittelalters in Lebensbildern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1997 Seite 370,373,375,377,380 -
 
 
 
 
 
 
 
 


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