Theobald V. der Gute                               Graf von Blois-Chartres (1152-1190)
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    -   1191
     vor Akkon
 

Jüngerer Sohn des Grafen Theobald IV. der Große von Blois-Chartres und der Mathilde von Sponheim-Kärnten, Tochter von Graf Engelbert I.
 

Brandenburg Erich: Tafel 8 Seite 17
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XIII. 62 a. THEOBALD V., Graf von Blois
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           * ca. 1127, + 1191

Gemahlin: a) Sibille, Tochter des von Chateau Renaud
                                           + ...

               b) ca. 1164 Alix, Tochter König Ludwigs VII. von Frankreich (siehe XIV 113)
                                      + nach 1195



Theobald V. der Gute erhielt 1152 Blois-Chartres, Chateaudun, Tours und Chinon und besaß Lehensrechte über Joigny, Rougemont, Rethel, Bar-sur-Aube, Grandpre, Bourbon und Perche-Gouet. Er stand hinter seinem älteren Bruder Heinrich I. von Champagne-Brie-Troyes an Macht, Ansehen und Einfluß zurück und hatte mit ihm, Stephan und vielen Vasallen wegen verschachtelter Besitz- und Rechtsverhältnisse viele Auseinandersetzungen, ebenso mit seinen Lehensherren (besonders die französische Krone und der Erzbischof von Reims). Theobald geriet durch den königlichen Schwager verstärkt ins königliche Lager, wurde sogar Kronmarschall König Ludwigs VII. und später des Neffen und mischte 1180 in den Regentschaftsstreitigkeiten gegen Flandern mit und ließ letztlich dem erzbischöflichen Bruder den Vortritt. Er machte 1189 den 3. Kreuzzug mit und starb vor Akkon.

Ehlers Joachim: Seite 129,141
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"Die Kapetinger"

Nun waltete Graf Philipp von Flandern als vornehmster Berater des jungen französischen Königs, so daß sich mit Ludwigs VII. Witwe Adela das ganze Haus CHAMPAGNE brüskiert und verdrängt fühen mußte, zumal die Krönung Elisabeths am Himmelfahrtstag (29. Mai) 1180 mit einer Festkröung Philipps II. verbunden, aber nicht in Reims vom zuständigen Erzbischof vollzogen wurde, sondern in St-Denis mit Erzbischof Guido von Sens als Coronator. Erzbischof  von Reims und Legat des Papstes war Adelas Bruder Wilhelm; von den anderen Brüdern hatte Heinrich die Grafschaft Champagne inne, Tedbald war fünfter Graf von Blois und Seneschall Ludwigs VII., Stephan regierte die Grafschaft Sancerre. Die Einfluß- und Herrschaftszone der Familie umgab die Krondomäne im Westen und Osten, denn Adelas jüngere Schwester Maria war mit Herzog Odo II. von Burgund verheiratet. Schon bei Philipps Erstkrönung hatte man die unvollständige Vertretung des Hauses CHAMPAGNE bemerkt; unverfänglich im Falle Heinrichs von Troyes-Champagne, der sich damals im Heiligen Land aufhielt, vielleicht schon Protest gegen Philipp von Flandern bei Tedbald von Blois und Stephan von Sancerre.
Philipp II. trug den latenten Konflikt sogleich aus und beschlagnahmte Adelas Eigengüter, als sie die Burgen auf ihrem Wittumsgut stärker befestigen ließ; die Königin-Mutter mußte daraufhin zu ihrem Bruder Tedbald in die Champagne fliehen.
Außer dem Grafen von Flandern waren viele andere Angehörige des Hochadels in Syien zugrunde gegangen, darunter Graf Tedbald von Blois.

Ehlers Joachim: Seite 123,135
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"Geschichte Frankreichs im Mittelalter"

Im November 1160 hatte Ludwig VII. Adela geheiratet, Tochter des mittlerweile verstorbenen Tedbald IV.von Blois-Champagne. Sie wurde die Mutter Philipps II. und nahm nach dem Tode ihres Gemahls zunächst die Regentschaft in die Hand, gemeinsam mit ihren Brüdern Wilhelm, Erzbischof von Reims, Heinrich, Graf von Champagne, Tedbald, Graf von Blois-Chartres und königlicher Seneschall sowie Stephan, Graf von Sancerre. Mit dieser mächtigen Familie verbündete sich Herzog Hugo III. von Burgund.
Angesichts dieser wenig erfreulichen Lage bestand die erste große und mutige politische Entscheidung Philipps II. darin, sich vom Einfluß seiner Mutter und ihrer Brüder zu lösen, indem er eine enge Bindung zum Grafen von Flandern einging.
Schon im Sommer 1181 bewies Heinrich II., daß er bei ernsterere Bedrohung König Philips einzuschreiten gedachte, und in den folgenden Jahren gelang es diesem, den ohnehin kampfesmüden Tedbald von Blois samt Erzbischodf Wilhelm aus der feindlichen Koalition herauszubrechen.
Dieser IV. Kreuuzug war Sache des Adels und der Ritterschaft gewesen, weil Innozenz III. die Könige gar nicht aufgefordert hatte. Allein das Haus BLOIS-CHAMPAGNE verlor während der beiden Züge mit Tedbald V. und Ludwig von Blois, Stephan von Sancerre, Heinrich II. und Tedbnald von der Champagne fünf regierende Angehörige, und aus den Erbfolgeproblemen ergaben sich für den König Einwirkungsmöglichkeiten, die er zum Nutzen der Kronverwaltung gern ergriff.

Favier, Jean: Seite 141,153
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"Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515"

So verwandelte er zu einer Zeit, in der im Königreich die letzten Großseneschalle amtierten - 1191 verzichtete Philipp II. August auf einen Nachfolger für den allzu mächtig gewordenen Theobald von Blois - und die Lokalverwaltung sich im Norden auf die Entsendung von Mitgliedern der curia stützte.
Für die harmlosesten unter seinen Gegenspielern hielt Philipp II. August Adela von der Champagne, die Witwe Ludwigs VII., und ihre vier Brüder, Erzbischof Wilhelm von Reims, Graf Heinrich den Freigebigen von der Champagne, Graf Theobald V. von Blois-Chartres (der obendrein als Seneschall von Frankreich amtierte) und Graf Stephan von Sancerre. Dergestalt ausmanövriert, versuchten die VON DER CHAMPAGNE den PLANTAGNET auf ihre Seite zu ziehen: Doch Heinrich II. hielt es für vorteilhafter, sich als Beschützer des neuen Königs von Frankreich aufzuspielen, und so schloß er am 28. Juni 1180 mit ihm den Vertrag von Gisors. Die Fürsten begriffen rasch, daß Philipp August sie hereingeeght hatte und gegeneinander auszuspielen versuchte. So beschlossen FLANDERN und die CHAMPAGNE im Frühjahr 1181, gemeinsame Sache gegen die Krondomäne zu machen. Dank PLANTAGENETS Zurückhaltung aber konnte sich der KAPETINGER behaupten und abwarten, bis das Bündnis von selbst wieder platzte. Zudem verstand es Philipp II. August, genau im richtigen Moment seine Anrechte auf das Vermandois geltend zu machen, die Kriegsgelüste des Grafen von Hennegau durch die Drohung, Königin Isabella zu verstoßen, zu dämpfen und sich mit Theobald von Blois und dessen Bruder, dem Erzbischof, zu versöhnen.

Vones-Liebestein Ursula: Seite 40,41
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"Eleonore von Aquitanien. Herrscherin zwischen zwei Reichen."

Bereits auf dem Weg von Beaugency nach Aquitanien präsentierten sich ihr zwei Heiratskandidaten: Graf Theobald von Blois und Chartres, ein Sohn des eben verstorbenen gleichnamigen Grafen von der Champagne, der später ihre Tochter Alice heiraten sollte, und Gottfried von Anjou, der jüngere Bruder Heinrichs, der keinen Anteil am Erbe erhalten hatte. Vorgewarnt gelang es ihr, den Nachstellungen beider zu entkommen.
Und der nächste Zug war damit vorprogrammiert: das Zusammengehen des KAPETINGERS mit dem Haus BLOIS-CHAMPAGNE. Denn Ludwig, der die Rechtmäßigkeit dieser neuen Ehe Eleonores nicht anerkannte und um die Erbansprüche seiner Töchter bangte, verlobte noch im folgenden Jahr die ältere, Maria, mit Heinrich I. von der Champagne. Dieser konnte allerdings seine Ansprüche auf Aquitanien nie realisieren, da Eleonore schon im August 1153 Heinrich von Anjou ihre ersten Sohn schenkte.
 
 
 
 

  1. oo Sybille von Chateau Renaud
                  -

 1164
  2. oo Alix von Frankreich, Tochter des Königs Ludwig VII.
          1150- nach 1195
 
 
 
 
 

7 Kinder:

  Adelheid Äbtissin von Fontevrault
        -

  Elisabeth
       -   1248

  1. oo Sulpice III. Seigneur d'Amboise
                -

  Ludwig I.
         -   1205

  Margarete Gräfin von Blois (1218-1230)
  1164-12.7.1230

  1. oo Hugo III. Seigneur d'Oisy
                  -   1189

    1192
  2. oo Otto I. Pfalzgraf von Burgund
           1166/73-13.1.1200

    1202
  3. oo Walter II. Graf von Avesnes
                 -   1243/46
 
 
 
 

Literatur:
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Appleby John T.: Heinrich II. König von England. Die Zeit des Thomas Becket. Dr. Riederer-Verlag Stutggart 1962 Seite 74,152,160, 161,174,207,214,226,234,256,277,281,322,326,336,343 - Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 129,141 - Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 123,135 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 139,146,155 - Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 141,153,169 - Thorau, Peter: Jahrbücher des Deutschen Reichs unter König Heinrich (VII.) Teil I, Duncker & Humblot Berlin 1998, Seite 61 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 803,803 - Vones-Liebestein Ursula: Eleonore von Aquitanien. Herrscherin zwischen zwei Reichen. Muster-Schmidt Verlag Göttingen 2000 -