Theobald III.                                              Graf von Blois und Chartres (1037-1089)
-----------------                                als T. I. Graf der Champagne (1063-1089)
ca. 1010-29.9.1089
 

Sohn des Grafen Odo II. von Blois aus seiner 2. Ehe mit der Irmgard von der Auvergne, Tochter von Graf Robert I.
 

Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 519
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Tedbald III., Graf von Blois
----------------  T. I. als Graf der Champagne
* um 1010, + 29. September 1089

Begraben: Epernay, St-Martin

Sohn von Odo II. und Ermengarde von Auvergne

1. oo Garsende, Tochter Graf Herberts ‚Eveille-chien‘ von Maine

verstoßen vor 1049 (Sohn: Stephan Heinrich)

2. oo um 1060 Adela von Bar-sur-Aube, Tochter Graf Rudolfs IV. von Valois

Söhne:
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Philipp
Odo
Hugo

Erbte nach dem Tode des Vaaters (1037) die Grafschaften Blois, Tours, Chateaudun und Chartres, während sein jüngerer Bruder Stephan II. Graf von Meaux und Troyes wurde. 1041 beteiligte sich Tedbald III. am gescheiterten Aufstand gegen den französischen König Heinrich I. und verlor an dessen verbündeten, Graf Gottfried Martell von Anjou, die Touraine (1044). Nach dem Tode seines Bruders Stephan (1045/48) übernahm er für dessen unmündigen Sohn Odo III. die Regierung der Champagne; als Odo 1066 mit Wilhelm dem Eroberer nach England zog und dort blieb, fielen seine Grafschaften an Tedbald III., der so die Einheit der Hausbesitzungen wiederherstellen und konsolidieren konnte. Zudem starb 1074 mit Graf Rudolf IV. von Valois ein gefährlicher Konkurrent, dessen Fürstentum nach dem Klostereintritt seines Erben Simon (1077) aufgeteilt wurde. Tedbalds von Konflikten nicht immer freies Verhältnis zur französischen Krone spiegelt sich auch in seiner Titular als Pfalzgraf wider, die bis 1048 und seit 1077 belegt ist. 1054 leistete er Kaiser HEINRICH III. den Lehnseid. Er unterstützte die Ideen der Kirchenreform, ohne daß es im Konflikt zwischen König und Papst zum Bruch mit Philipp I. kam. In seinem Herrschaftsbereich begünstigte er die Ausbreitung der Clunianzenser und trat besonders als Förderer der Abtei Marmoutier hervor.



Brandenburg Erich: Tafel 2 Seite 5
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X. 13 b. THEOBALD III., Graf von Blois 1037, von Champagne 1048
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           * vor 1012 (ca. 1010), + 1089

Gemahlinnen: a) Garsende, Tochter des Grafen Heribert von Maine, verstoßen 1049

                     b) vor 1061 Alix, wahrscheinlich Tochter des Grafen Rudolf von Valois
                                            + nach 1097



Glocker Winfrid: Seite 341
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"Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik"

VIII, b. 74 STEPHAN III., 1037 Graf von Blois, 1048 Graf von der Champagne
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* c 1010 (vor 1013), + 1089

  a oo Garsende, Tochter Graf Heribertzs von Maine (verstoßen 1049)

  b oo vor 1061 Alix, wahrscheinlich Tochter Graf Rudolfs von Valois
                             + nach 1097

Vgl. Brandenburg X, 13 und Bur, Formation Seite 308, Tafel 30



Theobald III. folgte 1037 nach der Erbteilung als Graf in Blois-Chartres, in Meaux, Sancerre, Chateaudun, Beauvais, Tours, Sens, als Seigneur von Chinon, L'Isle-Bourchard und St-Aignan. Er verlor nach vielen heftigen Fehden Sens und Beauvais an die Krone, Tours nach der Schlacht bei Tours und zeitweiliger Haft 1044 an Anjou. Theobald suchte Hilfe bei Kaiser HEINRICH III. und besetzte 1048 beim Tode des Bruders die Champagne und verjagte nach vielen Fehden dort 1063 den Neffen endgültig und umklammerte damit wieder die Krondomäne. Er näherte sich dem französischen König und half ihm gegen Normandie-England. Theobald war bei weitem der mächtigste französische Kronvasall und ein typischer Vertreter des aufblühenden Rittertums.

Boshof, Egon: Seite 115,156
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"Die Salier"

Nach einem Jahrzehnt äußerster Gefährdung seiner Herrschaft (Heinrichs I. von Frankreich) durch Auseinandersetzungen innerhalb der Dynastie und mit den Vasallen aus dem Hause BLOIS-CHAMPAGNE bahnte sich in den Jahren 1043/44 eine Wende durch einen Sieg des mit ihm verbündeten Gottfried Martell von Anjoun gegen die Grafen Theobald und Stephan von Blois-Champagne an.
Von nachhaltigerer Negativwirkung als dieser Streit aber war der überraschenden Frontwechsel des Grafen Theobald III. von Blois und Chartres, der 1054 dem Kaiser huldigte und Hilfe versprach. Die lapidare Notiz in der Chronik Hermanns von Reichenau läßt die Hintergründe im Dunkel. War ein Szenenwechsel auf der innenpolitischen Bühne Frankreichs der Anlaß für die zunächst unerklärliche Annäherung des Sohnes Odos von der Champagne an das Reich? Gottfried Martell von Anjou hatte 1052 mit dem KAPETINGER Frieden geschlossen und stand nun auf dessen Seite im Kampf gegen Wilhelm von der Normandie; zwischen Gottfried und Theobald gab es Streit um die Grafschaft Vendome. Der Graf von Blois hätte also durch eine Annäherung an den Kaiser das angevinisch-kapetingische Bündnis neutralisieren können. Oder lag die Initiative beim SALIER, der sich  für den bevorstehenden Flandern-Feldzug Rückendeckung gegenüber dem französischen König zu verschaffen suchte? Vielleicht hat sogar HEINRICHS Schwiegermutter Agnes von Poitou ihre Hand im Spiel gehabt. Für sie ist gerade um diese Zeit eine Reise zu dem Grafen Theobald bezeugt, über deren Zweck freilich bichts weiter verlautet.

Ehlers Joachim: Seite 52,54,62
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"Die Kapetinger"

Die Herrschaft Blois-Chartres-Champagne wurde daraufhin unter zwei Erben geteilt, bis sie 1045/48 durch Odos Sohn Tedbald I. wieder ereinigt wurde. Noch im Jahre 1041 unterstützte Gottfried Martell den König während eines gefährlichen Aufstandes, durch den Heinrichs I. Bruder Odo mit Hilfe des Hauses BLOIS-CHAMPAGNE und eines Teils des Adels der Francia wohl eigene Thronansprüche verfolgte.
Für Pfingsten 1048 lud Heinrich zu einem Hotag nach Senlis; neben zahlreichen Bishöfen und weltlichen Großen kamen der Graf von Flandern, der Herzog der Normandie und Graf Tedbald von Blois-Champagne, Sohn und Nachfolger Odos II. Über die Beratungsgegenstände ist nichts bekannt.
Eine schwere Belastung des Verhältnisses Heinrichs I. zum Kaiser ergab sich im Jahre 1054 aus der Huldigung des Grafen Tedbald von Blois-Champagne gegenüber HEINRICH III., deren Anlaß im einzelnen unklar bleibt. Es handelte sich um eine politische Kommendation, der infolgedessen keine elehnung folgte, und sie ist möglicherweise aus dem Bestreben nach Sicherung gegen das kapetingisch-angevinische Bündnis erwachsen, zweifellos aber war es ein Affront gegen den königlichen Lehnsherrn, in seinen Folgen noch verstärkt durch das Bündnis HEINRICHS III. mit Herzog Wilhelm von der Normandie gegen Flandern.

Ehlers Joachim: Seite 74
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"Geschichte Frankreichs im Mittelalter"

Solche Allianzen mußten nunmehr europäische Ausmaße annehmen, und es gelang Heinrich I., den Grafen Balduin von Flandern und Herzog Wilhelm II. vopn der Normandie, den späteren Eroberer Englands, auf seine Seite zu ziehen. Vielleicht ist mit diesen politischen Erfolgen im Umkreis des französischen Königs der Wunsch wieder wach geworden, einen neuen Versuch zur Rückgewinnung des nie ganz aufgegebenen Lothringen zu wagen. Auf einem ungewöhnlich gut besuchten Hoftag in Senlis zu Pfingsten 1048 sah Heinrich viele Bischöfe und weltliche Große um sich versammelt, darunter den Grafen von Flandern, den Herzog der Normandie und Zeichen veränderter Beziehungen, Graf Tedbald III. von Blois-Champagne, Sohn und Nachfolger Odos II. Ob hier wirklich, wie man aus der geradezu einmaligen Zusamemnkunft hochrangiger Fürsten am Königshof hat folgern wollen, der Krieg gegen das Imperium beraten und beschlossen wurde, läßt sich weder erweisen noch mit triftigen Gründen ausschließen.

Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Seite 103,105,107
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"Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498."

Odos Herrschaftsbereich wurde - wie es scheint mit Zustimmung des Königs - unter seine beiden Söhne Theobald I. und Stephan I. aufgeteilt. Als Stephan bereits 1045/48 starb, übernahm Theobald die Vormundschaft für seinen Neffen Odo und vereinigte damit die Macht des Grafenhauses wieder in seiner Hand.
Das Ringen um die über ein Jahr belagerte Stadt Tours beendete Gottfried Martell mit seinem Sieg in der Schlacht bei Nouy am 21. August 1044. Dem Grafen Stephan gelang die Flucht, Theobald aber fiel in Gefabngenschaft und erkaufte seine Freilassung, indem er dem Sieger nicht nur Tours, sondern auch die anderen befestigten Plätze der Touraine überlassen mußte. Den Friedensvertrag vermittelte der König selbst.
Offenbar genau ein Jahr später, als Papst Leo Anfang Oktober in Reims ein großes Reformkonzil abhielt, führte Heinrich seine Heer gegen Gottfried Martell und wurde dabei durch starke Truppen Wilhelms von der Normandie, aber wohl auch von Theobald von Blois-Champagne unterstützt.
 
 
 
 

  1. oo Garsende von Maine, Erb-Tochter des Grafen Heribert
 -  1048      -

  2. oo Gundrada
                 -

  3. oo Alix von Valois-Amiens, Tochter des Grafen Rudolf III
                - um 1098

        Erbin der Grafschaft Bar-sur-Aube
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Stephan II. Graf von Blois
  1046-13.7.1102

3. Ehe

  Odo IV. Graf von Champagne-Troyes-Brie (1089-1097)
        -1.1.1097

  Philipp Bischof von Chalon-sur-Marne (1093-1100)
        -   1100

  Hugo I. Graf von Champagne-Troyes
         -  6.1126
 
 
 
 

Literatur:
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Boshof, Egon: Die Salier. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1987, Seite 115,156 - Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 52,54,62 - Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 74 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 99,103,105,107 - Glocker Winfrid: Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik. Böhlau Verlag Köln Wien 1989 VIII,74 Seite 341 -