Heinrich I. der Freigebige                           Graf von Champagne-Troyes-Brie (1152-1181)
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um 1126-16.3.1181
Vitry-en-Perthois Troyes

Begraben: Troyes
 

Ältester Sohn des Grafen Theobald IV. von Blois-Champagne und der Mathilde von Sponheim-Kärnten, Tochter von Graf Engelbert I.
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 2068
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Heinrich I. ‚le Liberal‘ (mit dem Beinamen ‚Richard‘, der an Heinrichs normannische Abstammung, über Adela von England erinnert)
---------------------------       Graf von Champagne, aus dem Hause BLOIS
* 1127, + 16. März 1181
Vitry-en-Perthois Troyes

Begraben: Troyes

Ältester Sohn von Tedbald II. (IV.) und der EPPENSTEINERIN Mathilde von Kärnten, verlobt zunächst mit Lauretta von Flandern

  oo 1164 (nach Verlöbnissen 1153 und 1159)
      Marie, Tochter König Ludwigs VII. von Frankreich und Eleonore von Aquitanien

Schwiegersohn und - durch seine Schwester Adela von Champagne - Schwager des französischen Königs, ließ er 1171 von Guido Bazoches seine Genealogie entwerfen. Heinrich reiste zweimal ins Heilige Land: 1147-1148 zum 2. Kreuzzug, auf dem ihm der Basileus die Ritterwürde verlieh, und erneut 1179-1181, an seinem Lebensende.
Nach dem Tode Graf Tedbalds (1152) erhielten Heinrichs Brüder die Grafschaften Blois, Chartres und Sancerre, während Heinrich I. sich das reichste der väterlichen Länder, die Champagne mit Troyes, vorbehielt. Als Anhänger des ‚kaiserlichen‘ Papstes Viktor IV. näherte der Graf sich FRIEDRICH BARBAROSSA an (St-Jean-de-Losne, 1162) und erhielt vom Kaiser neun lothringische Burgen zu Lehen. Mit dem Episkopat der Champagne in gespannten Verhältnissen lebend, ging er vor allem gegen den Bischof von Meaux vor (Nachprägung der bischöflichen Münze, 1165; Verleihung eines Kommuneprivilegs an die Bürger von Meaux, 1179). Dank der Erhebung seines Bruders Wilhelm Weißhand zum Erzbischof von Reims erreichte Heinrich I. eine Mediatisierung der großen erzbischöflichen Lehen und faßte Fuß in der nördlichen Champagne, wo er keine Hausgüter besessen hatte. Der an der Reform des Klerus wenig interessierte Graf gründete mehrere große Säkularstifte (Troyes, Bar-sur-Aube, Sezanne) und ein Hotel-Dieu bei seiner Pfalz. Er richtete für die großen Champagnermessen die ‚gardes des foires‘ als Polizei- und Kontrollorgan ein. Heinrich I. hinterließ ca. 500 Urkunden, das erste Lehnsregister (Feoda Campanie) und eine Bibliothek, die - im Gegensatz zum Mäzenatentum seiner Frau - keine Interessen an der höfischen Literatur verrät.



Brandenburg Erich: Tafel 9 Seite 17
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XIII. 61 a. HEINRICH I. LE LIBERAL, Graf von Champagne 1152
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           * ca. 1126, + 1181 16. III.

Gemahlin: (verlobt 1153) 1164 Marie, Tochter König Ludwigs VII. von Frankreich (siehe XIV 112)
                                                                 + 1198 11. III.



Heinrich I. der Freigebige erhielt 1152 in der Erbteilung Champagne-Troyes und nahm 1147/49 am 2. Kreuzzug teil. Zu seinem Lehensbereich gehörten unter anderem Teile vom Bar, Nevers, Rethel und Porcien und seinen königlichen Schwager unterstützte er gegen England-Normandie. 1162 war er als Gesandter bei Kaiser FRIEDRICH I. und huldigte ihm für seine Reichslehen. Er stritt viel mit den Brüdern, Vasallen und Lehnsherren wegen sehr verschachtelter Besitz- und Rechtsverhältnisse und 1180/81 mit Flandern wegen der Regentschaft für den Neffen.

Ehlers Joachim: Seite 123,125,129,135
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"Die Kapetinger."

Das konnte nicht im Interesse der kapetingischen Dynastie liegen, und so heiratete Ludwig VII. sofort nach dem Tod der Königin Constanze (+ 4. Oktober 1160) Adela, die Schwester des Grafen Heinrich I. von Blois-Champagne, der damit eine radikale Revision der traditionell königsfeindlichen Politik seines Hauses vollzog. Vier Jahre später wurde das bekräftigt, indem Heinrich selbst Ludwigs Tochter Maria aus dessen Ehe mit Eleonore von Aquitanien zur Frau nahm, so daß die Grafschaft Champagne durch ein doppeltes Ehebündnis an die Monarchie herangeführt wurde.
Die Familie der Königin Adela war weitläufig sowohl mit den STAUFERN als auch mit Viktor IV. verwandt, und Ludwigs Schwager, Graf Heinrich von Blois-Champagne, konnte als wichtigste Stütze der Monarchie gegen England wirksamen Einfluß auf die Beschlüsse des Königs ausüben.
Schon bei Philipps Erstkrönung hatte man die unvollständige Vertretung des Hauses CHAMPAGNE bemerkt; unverfänglich im Falle Heinrichs von Troyes-Champagne, der sich damals im Heiligen Land aufhielt, vielleicht schon Protest gegen Philipp von Flandern bei Tedbald von Blois und Stephan von Sancerre.
Weniger ertragreich als die flandrischen Städte boten die Messeorte Troyes, Provins, Lagny und Bar-sur-Aube dem Grafen der Champagne gleichwohl eine ansehnliche wirtschaftliche Grundlage seiner Regierung. Sie hatte mit dauerhaften Strukturproblemen einer kumulativ entstandenen Großgrafschaft zu rechnen, deren Bestandteile nicht kompakt gelagert, schwer zu verwalten und praktisch nur im Familienverband beherrschbar waren. Als wichtigste Grundlage einheitlicher Herrschaft und Verwaltung wirkte das Lehnsrecht; ein 1172 angelegtes Verzeichnis der direkten Vasallen des Grafen heinrich von Troyes (Feoda Campaniae) zeigt die Champagne in 26 Burgbezirke (chatellenies) eingeteilt, die zusammen 2.030 Panzerreiter (milites) aufzubringen hatten. Der Graf selbst war nur für Meaux direkter Vasall des Königs, denn für sein Herrschaftszentrum Troyes huldigte er dem Herzog von Burgund und für große Teile der Champagne dem Erzbischof von Reims. Falls sich die Grafen von Flandern und von der Champagne zusammentaten, konnte dessen Stellung unhaltbar werden. Ein solches Bündnis bahnte sich im Mai 1181 an, als der Graf von Flandern die doppelte Eheverbindung zwischen den Häusern FLANDERN-HENNEGAU und CHAMPAGNE aushandelten, wonach der junge Graf Heinrich von Troyes Jolanthe von Hennegau heiraten sollte, Nichte des Grafen von Flandern und Schwester der französischen Königin Elisabeth; im Gegenzug wurde ihr Bruder Balduin mit Maria von Troyes verlobt, der Schwester des Grafen Heinrich. Das konnte nur gegen den König gerichtet sein, der in den folgenden Kämpfen die Unterstützung der Söhne Heinrichs II. von England erhielt.

Wies, Ernst W.: Seite 179,184
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"Kaiser Friedrich Barbarossa. Mythos und Wirklichkeit."

Auch dem König von Frankreich lag an einer gemeinsamen Lösung. Er hatte darum seinen Schwager und Eidam, den Grafen Heinrich von Champagne, zum Kaiser gesandt, um gemeinsame Wege zu finden. Kaiser und Graf harmonierten so sehr, daß ein Treffen FRIEDRICHS mit König Ludwig an der Saone-Brücke bei St.-Jean-de-Losne südöstlich von Dijon vereinbart wurde. In einem aus diesem Gespräch resultierenden Vertragswerk war vorgesehen, daß auch die beiden Päpste daran teilnehmen sollten. Würde aber einer von ihnen die Zusammenkunft verweigern, so solle der als rechtmäßiger Papst gelten, der anwesend sei. Graf Heinrich von der Champagne war seiner Sache so sicher, daß er sich eidlich verpflichtet, falls die französische Seite seine Zusage nicht einhalte, mit seinen Ländern Vasall des Kaisers zu werden. Diese Vereinbarung, die Ende Mai Anfang Juni 1162 getroffen wurde, schien dem Kaiser so wichtig, daß er seinen Zug nach Sizilien und S-Italien verschob. Daraus wird klar, welchen Stellenwert die Überwindung des Schismas für den Kaiser, aber auch für alle anderen Beteilgten, darstellte. FRIEDRICH hatte in euphorischer Hoffnung alle Könige des Abendlandes eingeladen, an diesem Zusammentreffen zwischen ihm und König Ludwig teilzunehmen.
Doch das auf den 9. August 1162 terminierte Treffen zwischen Kaiser und König fand nicht in der gwünschten Form statt. Papst Alexander hatte gegenüber König Ludwigerklärt, er werde sich niemals weltlicher Gerichtsbarkeit stellen. Damit hatte er laut dem Vertrag zwischen dem Grafen von Champagne und dem Kaiser über das künftige Konzil sein Papsttum verwirkt.
Nicht ohne Erbitterung zog der Kaiser von Burgund nach Deutschland. Ein Lichtblick war, daß die Bürgen des Vertrages, Graf Heinrich von der Champagne, die Grafen von Nevers und Flandern, sich symbolisch als Gefangene in seine Hand begaben und mit ihren Ländern nominell seine Vasallen wurden.

Hiller, Helmut: Seite 154,158,161,214,337
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"Friedrich Barbarossa. Kaiser - Ritter - Held."

So beauftragte Ludwig VII. seinen Schwager Graf Heinrich von Troyes damit, die Wogen beim Kaiser zu glätten und alle Schwierigkeiten auszuräumen. Daraus entwickelten sich überraschende Übereinstimmungen, und es wurde vereinbart, daß sich die beiden Potentaten Ende August 1162 an der Saone-Brücke bei St. Jean-de-Losne südöstlich von Dijon persönlich besprechen sollten. Am 31. Mai schrieb der Kaiser an den französischen König, es sei sein Wunsch, daß zwischen ihnen als Blutsverwandten und ihren sich durch gemeinsame Abstammung nahestehenden Völker der alte Groll beseitigt und aufrichtige, dauernde Freundschaft hergestellt würde. Alles, was dem Erreichen dieses Zieles dienen könne, habe er mit dem Grafen Heinrich von Troyes umfassend besprochen, und er werde sich an die getroffenen Abmachungen getreulich halten. Graf Heinrich von Troyes verpflichtete sich eidlich, Vasall des Kaisers zu werden, falls der französische König seine Zusagen in dem Vertrag nicht einhalten würde.
Am vereinbarten 29. August 1162 ritt Ludwigmit seinem Gefolge zur Saone-Brücke von St. Jean-de-Losne. Er schickte einige Kirchenfürsten als Abgesandte zu der deutschen Delegation und ließ erklären, daß er von den zwischen dem Kaiser und dem Grafen Heinrich von Troyes vereinbarten Vertragsbedinfungen erst am Tage vorher erfahren habe.
In erneuten Verhandlungen zwischen dem Kaiser und Graf Heinrich von Tryes wurde ein Aufschub von drei Wochen, bis zum 19. September 1162, unter der Voraussetzung vereinbart, daß sich der König dann dem Urteil angesehner Männer hinsichtlich der Papstwahl von 1159 unterwerfe oder sich widrigenfalls dem Kaiser als Gefangener zur Verfügung stelle.
Graf Heinrich von Troyes aber begab sich zum Kaiser, um ihm den vereinbarten Lehnseid zu leisten, nachdem der französische König den ersten Teil des Vertrages nicht erfüllt hatte. BARBAROSSA nahm sowohl ihn als auch die drei von Ludwig zur Verfügung gestellten Geiseln unter Lehsneid, entließ jedoch alle bald aus ihren Verpflichtungen.
BARBAROSSA wechselte ständig seinen Aufenthaltsort, um etwaigen Anschlägen oder Angriffen seiner Gegner zu entgehen. Gesandte des Grafen Heinrich von Troyes und des englischen Königs mußten ihn daher mühsam suchen.
König Heinrich II. von England versuchte den jungen französischen König Philipp August für ein gemeinsames kriegerisches Eingreifen zugunsten des WELFEN Heinrichs des Löwen zu gewinnen. Unter dem Einfluß des Grafen Heinrich von Troyes - desselben, der 1162 bei dem gescheiterten Treffen an der Saone so aktiv war - lehnte Philipp August im Frühjahr 1181 eine derartige Einmischung in die deutschen Verhältnisse ab.
 
 
 
 
 

  oo Marie von Frankreich, Tochter des Königs Ludwig VII.
      1145-11.3.1198
 
 
 
 

Kinder:

  Scholastika
        -   1229

  oo Wilhelm IV. Graf von Macon
             -   1224

  Marie
  um 1174-9.8.1204

 6.1.1186
   oo Balduin IX. Graf von Flandern (BALDUIN I.)
        7.1171-11.7.1205

  Theobald III.
  1176-24.5.1201

  Heinrich I. König von Jerusalem
  29.7.1166-10.9.1197
 
 
 
 

Literatur:
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Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 9 Seite 17 - Cardini, Franco: Friedrich I. Barbarossa. Kaiser des Abendlandes, Verlag Styria Graz 1990 Seite 64,66,167 - Die Staufer im Süden. Sizilien und das Reich, hg. von Theo Kölzer, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1996, Seite 63,63 A.27,63 A. 27,63 A.28,64,64 A.32,64 A.37,65,65 A.40,67,74 A.90 - Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 123,125,129,135 - Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 132,140,152 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/ Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 139,146,155 - Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter. Verlag C.H. Beck München 1994, Seite 129 - Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 150,153 - Hiller, Helmut: Friedrich Barbarossa. Kaiser - Ritter - Held. Wilhelm Heine Verlag München 1977 Seite 154,158,161,214,337 - Schnith Karl: Frauen des Mittelalters in Lebensbildern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1997 Seite 222 - Wies, Ernst W.: Kaiser Friedrich Barbarossa. Mythos und Wirklichkeit, Bechtle Esslingen 1999, Seite 179,182,184 -