Rupertiner
 

Die RUPERTINER waren die Gründerfamilie von Lorsch, von der der im 9. Jahrhundert noch seltene Name Rupert auf ihre Nachkommen, die französischen KAPETINGER, überging. Noch seltener freilich war der Name Cancor, der überall da, wo er auftauchte, auf die RUPERTINER schließen läßt, so im alemannischen Stammesgebiet, aber auch in Ostfranken, wo E. E. Stengel ihn kürzlich auf dem Grabfelde nachgewiesen hat.

Mitterauer Michael: Seite 207
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"Karolingische Markgrafen im Südosten"

Die Heimat der RUTPERTINER ist der niederrheinische Haspengau, wo der mutmaßliche Ahnherr Robert, Sohn eines Lantpert, um 733 als dux genannt wird. Die gesicherte Stammreihe beginnt mit Rutpert I., der um die Mitte des 8. Jahrhunderts Graf im Oberrheingau war. Seine Gattin Williswinta und sein Sohn Cancor gründeten 764 das berühmte Kloster Lorsch.

Friese Alfred: Seite 98-103
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"Studien zur Herrschaftsgeschichte des fränkischen Adels"

Auf genealogische Verbindungen zu den mittelrheinischen ROBERTINERN hat zuerst W. Metz im Anschluß an K. Glöckner aufmerksam gemacht, während W. Kienast den Aufstieg der Familie Roberts IV. des Tapferen aus der Grafschaft im oberen Rhein- und Wormsgau über die Comitate von Auxerre und Paris zum rex Francorum et Aquitanorum (Odo, 888) und zum (westfränkischen) dux Francorum dargestellt hat. Verwandtschaftliche Verbindungen zum österreichsichen Dukat der (jüngeren) 'BABENBERGER' sind später noch zu erörtern. Es handelt sich offenbar, wie K.F. Werner zeigte, um eine neustrische Hochadelsfamilie, die mit Robertus dux Hasbaniae Anfang des 8. Jahrhunderts im unteren Maasland eine starke Stellung innehatte, aber vielleicht in einem Cognaten schon vorher am neustrischen Königshof Paris mit Hausmeier Gundeland faßbar wird [Robert dux Hasbaniae war der Sohn eines Landbert; Vita s. Lantberti c. 1 (MG SS Rer Mer V Seite 608); E. Zöllnner: Woher stammt der hl. Rupert? Seite 1-22 - Gundeland war jener Hausmeier von Neustrien, dem die Gesandten des Langobarden-Königs Agilolf, Aghiulf, Pompegius und Gauto mit Erfolg Bestechungsgelder gaben, um seine Fürsprache bei Chlothar II. zum Verzicht auf den Jahrestribut zu erreichen (Fred. IV, 45). Nach ihm ist der Bruder Chrodegangs von Metz benannt, der der ROBERTINER-Gründung Lorsch vorstand. Heimerec (comes), der Sohn Cancors machte 772 dem Abt Gundeland das Kloster streitig, wurde aber abgewiesen (D Karol I 65 und 72). Gundeland (abbas) bezeugte 776 die Schenkung der Tochter Cancors, Rahhild (Stengel 76).]. Von Ebroin aus ihren einflußreichen Stellungen verdrängt und verfolgt, ist die Familie in das Lager Pippins des Mittleren übergetreten und für ihre Verluste im niederrheinischen Kernland der KAROLINGER entschädigt worden. Im Bündnis mit ihnen sind die ROBERTINER in der Mitte des 8. Jahrhunderts nicht nur in reichspolitisch wichtige Missionen an der Kurie und am langobardischen Königshof tätig, sondern auch Grafen im Oberrhein- und Wormsgau (Robert I. und sein Sohn Cancor), wenig später außerdem in der Wetterau und im Lahngebiet (Heimo/Heimerich, comes). Sie gründen 764 das Kloster Lorsch im Weschnitzgrund, das ihr Verwandter Chrodegang, Bischof von Metz und Jugendfreund Pippins I. seit der gemeinsamen Erziehung in der schola palatii [Vita Chrodegangi (MG SS X) Seite 556; M. Buchner in ZRG Kan. Abt. 16, 1927 Seite 1-36 hat die Vita als kirchenpolitische Tendenzschrift für Erzbischof Drgo von Metz, einen illegitimen Sohn KARLS DES GROSEN, interpretiert. - Paulus diac. erzählt in seiner Metzer Bischofsgeschichte (MG SS II) Seite 267 von den Vorfahren des Bischofs: ex pago Hasbaniensis oriundus, patre Sigrammo, matre Landrada, Francorum ex genere primae nobilitatis progenuit. - Die hier genannte Landrada war mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Schwester des ROBERTINERSCancor (comes). Ihre lange angenomme Abstammung von Karl Martell hat E. Hlawitschka: in: Karl der Große I Seite 76 nr. 26 schlüssig widerlegt; ihr Gemahl Sigram entstammt einem neustrischen Adelshaus, das schon  mit der Familie des Ingram und Ingobert Anfang des 7. Jahrhunderts in der Umgebung Chlothars II. auftritt (Fred. IV, 42; Vita Sigirammis abb. Longoretensis (ed. B. Krusch) MG SS Rer Mer IV Seite 606-625). Aus dieser Sippe stammt die Gemahlin LUDWIGS DES FROMMEN, Irmgard, deren Vater, Graf Ingram, ein Neffe Chrodegangs von Metz war (Paulus diac. ebd.). So werden die engen Bindungen der ROBERTINER an LUDWIG DEN FROMMEN und ihre Stellungnahme gegen seine aufständischen Söhne im W- und O-Frankenreich erklärlich. Auch der Nachfolger Chrodegangs, Erzbischof Angilram von Metz (768) und Erzkaplan KARLS DES GROSSEN (784), der die Robertinische Hausabtei St. Trond erhielt, gehört in diese Familie; J. Fleckenstein: Hofkapelle Seite 106.], mit Mönchen aus seiner Stiftung Gorze (748) bevölkert und greifen damit nach O-Franken über. Wir konnten schon die genealogischen Verbindungen aufzeigen, die zwischen den Stiftersippen der HATTONEN/MATTONEN und ROBERTINER in dieser Zeit geknüpft wurden. Sie sind ebenso aus den Schenkungen der räumlich zusammenhängenden Marken Ras- und Soisdorf abzulesen, die Ruadpraht/Rotpert, pater Cancures, im Jahre 780/81 mit drei HATTONEN signierte. Beide im Saalegau und Grabfeld bis 817 auftretenden ROBERTINER [Stengel 145a und b mit den in der Vorbemerkung nachgewiesenen Belegen. - Da der 780/81 genannte pater Cancurses, Ruadpraht, 805 gestorben ist und 817 ein comes Ruadperath im Saalegau auftritt (Dronke: Codex 387), ist dieser wohl ein weiterer Sohn. Cancor erscheint 812 als Zeuge im Grabfeld (ebd. nr. 275; vgl. TAF c. 42 nrr. 209 und 284). Nachfolger im Saalegau war sein Vetter Graf Poppo I., der schon seit 819 im Grabfeld amtiert. - Belege für robertinischen Besitz und Grafenrechte in der Wetterau, Nidda- und Lahngau mit weiteren Hinweisen auf Verwandtschaft mit den HATTONEN hat zuletzt Kropat: Reich Seite 35ff zusammengestellt. - Die Verwandtschaft mit Trägern des Namens Guntram in Worms- und Nahegau, die auch die Familie des Abtes Hrabanus Maurus von Fulda einbeziehen, hat M. Mitterauer: Markgrafen Seite 208 f. nachgewiesen.] sind hier Besitz- und Rechtsvorgänger ihrer rechten Vettern mit den Leitnamen Poppo und Heinrich.
K. Bosl hat auf noch weitere Bindeglieder zwischen den rhein- und ostfränkischen ROBERTINER-Zweigen aufmerksam gemacht, wobei neben den Belegen aus dem Wormsgau besonders die Mainzer Beziehungen aufschlußreich sind. Der presbiter Halb-Walah, den Stengel mit dem vir nobiliossimus Al-Walah identifiziert hat, schenkt 796 zum Seelenheil eines bisher unbekannten episcopus Buobo (= Bobo, Popo) eine Hofstatt in Mainz. Dort wird 794 ein Buobo/Popo als Grundstücksnachbar in Bretzenheim genannt, der bereits 774 im grabfeldischen Nordheim, im Begüterungsbereich derselben Sippe, testierte. In Mainz aber war der hl. Lanbert, ein ROBERTINER und deren verehrter Hausheiliger [Die Vita s. Lantberti (wie Anmerkung 87) erwähnt den Hrotbertus summus palatii referendarius, dessen Neffe der hl. Lantbert war.], Patron jener alten Adelskirche, an der seine Familie noch um 800 Besitzanteile hatte. Weitere Anteile beafnden sich, wie schon dargelegt, in den Händen der Gauz/Agilolf-Sippe, mit der ihre ostfränkische Stammutter Hadaburg eng verwandt war. Deren Name führt mitten hinein in die nicht abklingende Diskussion über die älteren und jüngeren BABENBERGER.
 
 

                                            Robert I. (733-764), dux Hasbaniae
 
 

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  Cancor                                                  Landrada                                                        Turincbert  770
  745- + 771

  oo Angila                                           oo Sigram
 
 
 

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 Heimo/Heimerich                                 Chrodegang                                                            Robert II.
 772-782 + 785                                    Bischof von Metz                                                     770-807
 

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 Ruadbert/Robert                                         Heimerich/Heinrich                                           Robert III.
 780/81- + 805                                             (750/802-812)                                                  812- + 834
 

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Cancor           Ruadbert/Robert      Poppo I.                                  Heimarich            Oda                    Robert IV. der Tapfere
  812                                           819-840/41                                       + 836                                     822- + 866
 

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                                         Heinrich                 Poppo II.
                                  dux Autrasiorum
                                     860- + 886
 

                                 BABENBERGER
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


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