Wilhelm VIII.                                             Herzog von Aquitanien (1058-1086)
------------------                                           Graf von Poitou
um 1025-25.9.1086                                    Herzog der Gascogne
              Burg Chize

Begraben: Montierneuf in Poitiers

2. Sohn des Herzogs Wilhelm V. der Große von Aquitanien aus seiner 3. Ehe mit der Agnes von Burgund, Tochter von Graf Otto Wilhelm
 

Lexikon des Mittelalters: Band IX Spalte 139
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Wilhelm VIII.(Guy-Geoffroy),    Herzog von Aquitanien 1058-1086
--------------------------------------  Graf von Poitou als Wilhelm VI.
* um 1024/25, + 25. September 1086
                        Burg Chize

Begraben: Montierneuf in Poitiers

Sohn Herzog Wilhelms V. und seiner 3. Gemahlin Agnes von Burgund

1. oo 1044 Aina, Witwe Aldeberts II., Graf von Perigord, die er im November 1058 verstieß

2. oo Ende 1058 Mathilde, von der er sich 1068 trennte

3. 1069 Hildegard (Audeardis) von Burgund (* um 1049, + nach 1104)

Er hatte 2 Söhne:
Wilhelm IX. und
Hugo (* nach 1075)
sowie 2 Töchter
namens Agnes, deren erstere (* 1060, 1078) König Alfons VI. von Kastilien
die zweite (* 1072, + 1097) König Peter I. von Aragon (+ 1104) heiratete.

Ursprünglich auf den Namen Guy (Wido) getauft, wurde der bis zur Scheidung seiner Mutter (um 1052) als präsumptiver Erbe am Hofe seines Stiefvaters Gottfried Martel von Anjou erzogene Wilhelm VIII. Algretin Gottfried umbenannt, bevor er nach dem überraschenden Tod seines Bruders Wilhelm VII. (1058) das Herzogtum Aquitanien übernahm.
Zwei Konflikte bestimmten seine Regierungszeit: der Streit um den Besitz der Gascogne, die ihm 1044 als Anteil am väterlichen Erbe zugesprochen worden war, und der Kampf mit den Erben Gottfrieds von Anjou (+ 1060) um den Besitz der Saintogne. Die Ansprüche Graf Bernhards II. Tumapaler von Armagnac fand er nach kriegerischen Auseinandersetzungen 1063 durch die Zahlung von 15.000 Solidi ab, konnte die Gascogne jedoch erst nach dessen Niederlage in der Schlacht von St-Jean de la Castelle (5. Mai 1070) endgültig seinem Herrschaftsbereich eingliedern. Den Versuch Graf Wilhelms IV. von Toulouse (1060-1093/94), durch einen Zug gegen Bordeaux (1060) dort ebenfalls Rechte geltend zu machen, konterte Wilhelm VIII. mit der Brandschatzung von Toulouse. Die 1062 nach wechselvollen Kämpfen gelungene Eroberung der Saintogne sollte zu einer tiefgreifenden  Verstimmung zwischen Fulco 'le Rechin' von Anjou und Wilhelm führen (27. Juni 1068 Brandschatzung von Saumur), der im Streit der Brüder um den Besitz der Grafschaft Anjou die Partei von Gottfried 'le Barbu' ergriff. 1064 zeichnete sich Wilhelm VIII. bei der Belagerung und Eroberung von Barbastro aus, das zeitweise dem Reich des Königs Sancho Ramirez von Aragon eingegliedert wurde, der Jahre später um die Hand der Herzgstochter Agnes für seinen Thronfolger Peter I. werben sollte.
Nach dem Tode seiner zurückgezogen in Notre-Dame de Saintes lebenden Mutter Agnes (1068) heiratete Wilhelm VIII. 1069 Hildegard von Burgund. Dank seiner engen Beziehungen zu den von ihm in jeder Weise geförderten Cluniazensern (1060 in Maillezais, 1062 in St-Martial de Limoges, 1070 in St-Maixent, 1073 in St-Jean-d'Angely, 1081 in St-Eutrope in Saintes) konnte er auf der Synode von Poitiers (24./25. Juni 1075) aufgekommenen Zweifel an der Gültigkeit seiner 3. Ehe Ende 1076 bei einer Zusammenkunft mit Gregor VII. in Rom in seinem Sinne klären. Hildegard erschien bis zum Tode Wilhelms nicht mehr in der Öffentlichkeit. Wilhelm VIII. übertrug die eben gegründete Abtei Montierneuf bei Poitiers Abt Hugo von Cluny, der ihn auf seiner Romreise begleitet hatte und 1082 Abt Guido mit 18 Mönchen dorthin entsandte. Wilhelm VIII.war bei der Krönung König Philipps I. von Frankreich anwesend und leistete ihm Waffenhilfe gegen den Herzog der Normandie (Oktober 1076). Er reorganisierte die Verwaltung seines Herzogtums durch Einsetzung von ihm persönlichen Prevots und die jährliche Einberufung von Gerichtstagen für Aquitanien und die Gascogne.


Glocker Winfrid: Seite 338
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Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik. Böhlau Verlag Köln Wien 1989

VIII. Generation
37 Guido Gottfried, alsWilhelm VI.
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* c. 1026, + 1086 IX 26

1058 Graf von Poitou

1. oo NNw, Tochter Graf Aldeberts II. von Perigord, verstoßen 1058

2. oo1058/59 Mathilde, verstoßen 1068

3. oo 1068/69 Hildegard, Tochter Herzog Roberts II. von Burgund
                             + nach 1104

Vgl. Brandenburg X, 21.


Brandenburg Erich: Seite 5 Tafel 2
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"Die Nachkommen Karls des Großen"

X. 21 c. Guido Gottfried, als Graf Wilhelm VI., Graf von Poitou 1058
           * ca. 1044, + 1086 25.IX.

Gemahlinnen: a) ca. 1044 N. Tochter des Grafen Aldebert II. von Perigord, verstoßen 1058

                     b) 1058/59 Mathilde, verstoßen 1068

                     c) 1068/69 Hildegard (Aldearde), Tochter Herzog Roberts I. von Burgund
                                             + nach 1104

Anmerkungen: Seite 133
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(Guido Gottfried) Wilhelm VI., Richard 1, 266f.

Es werden bei Anselme II, 3,512f. noch zwei weitere Schwestern aus 3. Ehe angeführt:
Agnes, vermählt mit Peter von Savoyen (über diese siehe XI 33) und Beatrix, vermählt mit Raimund I. von Mauguion (Melgueil). Für die Abstammung der Gemahlin dieses Raimund aus dem Hause POITOU ist mir kein Quellenzeugnis bekannt.
Ferner nennt Jaurgain, La Vasconie 1, 244, als Tochter Wilhelms III. aus zweiter Ehe Adelais, die
a) ca. 1011 Gerhard I. Grafen von Armagnac und
b) ca. 1014 Arnald II., Vicomte von Lomagne, geheiratet haben soll.
Nach den hier angegebenen Daten könnte sie bestimmt nicht aus der zweiten, sondern höchstens aus der ersten Ehe stammen. Jedoch scheinen mir die von Jaurgain angeführten Gründe für ihre Abstammung aus dem Hause POITOU nicht überzeugend zu sein.


Thiele Andreas: Band II Teilband 1 Tafel 127
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"Erzählende genealogische Stammtafeln"

Wilhelm VIII. verwaltete seit 1044 die Gascogne, die er 1058 seinem Stiefneffen, Bernhard II. Tumapaler von Armagnac, überließ, später jedoch mit seinem Besitz vereinigte. Wilhelm unterstützte König Philipp I. von Frankreich, bewahrte sich jedoch eine fast völlige Freiheit von der französischen Krone. Er kämpfte zeitweise in der spanischen Reconquista mit und erwarb als Führer des Kreuzzugsheeres, das das maurische Barbasto eroberte, Kriegsruhm. Wilhelm war ein strenger Haushalter, aber in der Wahl seiner Mittel sehr unbekümmert. Ein Autokrat durch und durch, hielt er die Großen seines Landes in strenger Zucht. Er gewann Saintonge von Anjou zurück und führte als rauher Fehdehahn viele Fehden mit den großen Vasallen und seinen Nachbarn.

Kienast Walter: Seite 217-218
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"Der Herzogstitel in Deutschland und Frankreich (9. bis 12. Jahrhundert)"

Sein Bruder Guymit Zunamen Geoffroy (1058-1086) führt in den Urkunden auch den in der Dynastie ständigen Namen Wilhelm als derVIII. Herzog von Aquitanien. Bei der Weihe König Philipps von Frankreich steht der Herzog der Aquitanier an der Spitze der französischen Großen. Die Gascogne hatte er anfangs dem nächsten Erbberechtigten [Nach Jaurgain, Vasc. I, 244, 245 beruht das Erbrecht von Bernhard Tumaplar auf seiner Abstammung als Enkel der Prisca, der Schwester Sancho Wilhelms von der Gascogne und zweiter Gemahlin Wilhelms V. von Aquitanien. Bernhard soll der Sohn Graf Gerhards von Armagnac und der Adalais von Poitiers, Tochter Wilhelms und Priscas, gewesen sein. Als einzige Stütze dient (Seite 261) die zweifelhafte Urkunde Bischof Hugos von Agen, siehe Gascogne n. 33.], dem Grafen Bernhard II. Tumapalar von Armagnac überlassen und sich selbst nur das Bordelais und Agenais vorbehalten. Später hat er dann - über die näheren Daten gehen die Meinungen auseinander - dem Armagnac seine Rechte abgekauft. Dieser ging nach mißglückten Aufstandsversuchen, die mit einer Niederlage in offener Feldschlacht endeten, ins  Kloster. Wilhelmvereinigte somit beide Herzogtümer in seiner Hand, doch liegt das Schwergewicht seiner Macht auch künftig durchaus im alten Herrschaftsbereich seines Hauses. Ein strenger Haushalter, der mit dem Eigentum seiner Kirche und Klöster recht eigenwillig umsprang und zur Entschädigung seina Vasallen zu frommen Stiftungen nötigte, in der Wahl seiner Mittel sehr unbekümmert, ein Autokrat durch und durch, der die Großen seines Landes in strenger Zucht hielt, gewann er Kriegsruhm als Führer des Kreuzheeres, welches, dem Hilferuf des Grafen von Barcelona folgend, das maurische Barbasto eroberte und gewaltige Beute davontrug. Er kämpfte siegreich mit dem Grafen von Anjou, dem er Saintes entriß, und dem von Toulouse, dessen Stadter niederbrannte. Eine Verständigung mit Papst Gregor VII. (1076) ersparte ihm die Auflösung seiner dritten kirchlich anstößigen Ehe mit Audeardis, der Tochter des Herzogs von Burgund, aus der sein Sohn und Nachfolger (1071) geboren worden war. Audeardis verschwand seitdem bis zum Tode ihres Gatten aus den Urkunden. Als Gegenleistung für das Stillschweigen der Kirche mußte Guy Geoffroy das bedeutende Kloster Montierneuf vor Poitiers gründen, auf das er große Mittel verwandte. Seine Mutter Agnes, die solange einen maßgebenden Einfluß auf die Geschicke des Landes ausgeübt hatte, verlebte ihre letzten Jahre im Kloster von Saintes und starb 1068.
Wilhelm VIII. hat bis 1086 (+ 25. September) regiert. Wir besitzen von ihm ein ziemlich reiches Matetrial an Urkunden, obschon im Vergleich mit Wilhelm V. ihre Zahl nur wenig zugenommen hat, gegenüber dem viel älteren Wilhelm IV. sogar zurückgegangen ist.

Black-Veldtrup Mechthild: Seite 53
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"Kaiserin Agnes"

Aus einem vom 10. September 1074 datierten Brief Gregors VII. an Wilhelm VIII. erfahren wir, dass Wilhelm sich auf Befehl des Papstes von seiner 3. Frau trennen sollte. Seine Schwester, die Kaiserin Agnes, hatte sich bei Gregor vergeblich dafür eingesetzt, dass das Ehepaar bis zu einer künftigen Synode zusammenbleiben dürfe; der Papst hatte diesem Wunsch jedoch nicht stattgegeben.


Verwandtschaft mit Hildegard von Burgund
 

           Wilhelm III. Werghaupt
                  900/15-3.4.963
 

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                Wilhelm IV. Eisenarm                            Adelheid
                937-   995/96                                               950/55-   1004

                                                                             oo Hugo Capet König von Frankreich
                                                                                  940-24.10.996

                   ---                                                                  ---
             Wilhelm V. der Große                          Robert II. der Fromme König von Frankreich
             959/70-31.1.1030                                  20.7.972-20.7.1031

         3. oo Agnes von Burgund, Tochter Otto Wilhelms
                 995-10.11.1068
 

                     ---                                                                ---
         Wilhelm VIII.                                           Robert I. Herzog von Burgund
            1026-25.9.1086                                         1007/11-21.3.1076

                                                                             2. oo 2. Irmgard von Anjou, Tochter Fulcos III.
                                                                                          1018-18./21.3.1076

                                                                                       ---
                                                                            Hildegard von Burgund
                                                                            1049- nach 1104



    1044
  1. oo Anna von Perigord, Tochter des Grafen Adalbert II.
   - 1058    -
 

    1059
  2. oo Mathilde von Perigord, Tochter des Grafen Bernhard
   - 1069    -                  Cousine Annas
 

    1068/69
  3. oo Hildegard von Burgund, Tochter des Herzogs Robert I.
           1049- nach 1104
 
 
 
 

Kinder:
2. Ehe

  Agnes von Poitou Königin von Kastilien
  1052-   1077

  1069
   oo  Alfons VI. König von Kastilien-Leon
- 1077 1030-30.6.1109

3. Ehe

  Wilhelm IX. le Jeune
  um 22.10.1071-10.2.1126

  Hugo
  um 1075- nach 1126

  Beatrix
  um 1075-   1110

 1108
  oo Alfons VI. König von Kastilien-Leon
      1036-30.6.1109

  Agnes von Poitou Königin von Aragon
          -   1097

1086
  oo Peter I. König von Aragon-Navarra
      1069-28.9.1104
 
 
 
 

Literatur:
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Black-Veldtrup, Mechthild: Kaiserin Agnes (1043-1077) Quellenkritische Studien, Böhlau Verlag Köln 1995, Seite 53,61, 322,323 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 116 - Kienast Walter: Der Herzogstitel in Deutschland und Frankreich (9. bis 12. Jahrhundert). R. Oldenbourg Verlag München - Wien 1968 Seite 217-229 - Koehnle, A.: Abt Hugo von Cluny, 1049-1109 1993 - Mexandeau Louis: Die Kapetinger. Editions Rencontre Lausanne 1969 Seite 117 -
 
 
 


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