Wilhelm VI. der Dicke                               Herzog von Aquitanien (1030-1038)
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1004-15.12.1038
 

Einziger Sohn des Herzogs Wilhelm V. der Große von Aquitanien aus seiner 1. Ehe mit der Adelmodis von Provence, Tochter von
 

Lexikon des Mittelalters: Band IX Spalte 138
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Wilhelm VI. der Dicke, Herzog von Aquitanien 1025-1038
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     + 15. Dezember 1038

Sohn von Wilhelm V. und seiner ersten Gemahlin Almodis von Gevaudan, war seit ca. 1025 an der Machtausübung beteiligt. Bald nach dem Tod des Vaters (1030) vermählte sich Wilhelm VI. der Dicke mit Eustachia, deren Herkunft wenig erhellt ist. Er setzte die kirchenpolitischen Aktivitäten seines Vaters fort und präsidierte bei drei Konzilien (1030,1031,1038), welche die Kontroverse um die Apostolizität des heilgen Martialis von Limoges beendeten (1031) und der Gottesfriedensbewegung Rückhalt gaben. Der junge Herzog, der offenbar eine Vorliebe für St-Jean d'Angely, seine bevorzugte Residenz, hatte, wurde bald zum Opfer der Intrigen seiner Stiefmutter Agnes, der 3. Gemahlin Wilhelms V., die bestrebt war, die Nachkommen aus den ersten beiden Ehen ihres verstorbenen Mannes zugunsten der eigenen Kinder zu verdängen. Um 1032 ehelichte Agnes den Grafen Geoffroi Martel von Angers, Sohn von Fulco Nerra, bedeutendsten Vasallen des Herzogs von Aquitanien. Dies führte zum bewaffneten Konflikt; Herzog Wilhelm VI. der Dicke geriet in der Schlacht von Mont-Couer (1033) durch Verrat in angevinische Gefangenschaft. Während Geoffroi Martel die Herzogswürde usurpierte, führte Bischof Isambert die Regentschaft in der Graschaft Poitiers und preßte den Abteien hohe Abgaben ab, um das Lösegeld aufzubringen. Nach dreijähriger Gefangenschaft wurde Wilhelm freigelassen (1036). Er nähert sich nun offenbar stärker dem Herzogtum Gascogne an, wo sein Bruder Odo nach der Erbfolgekriese von 1032 die Interessen des Hauses POITOU verteidigte. Wilhelm VI. der Dicke verstarb ohne Nachkommen.


Brandenburg Erich: Seite 4 Tafel 2
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"Die Nachkommen Karls des Großen"

X. 16 a. Wilhelm IV. der Dicke, Graf von Poitou 1030
           * 1004, + 1038 15.XII..

Gemahlinn: vor 1031 Eustachia
                                       + nach 1038


Kienast Walter: Seite 211-212
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"Der Herzogstitel in Deutschland und Frankreich (9. bis 12. Jahrhundert)"

Der älteste, Sohn der ersten Gattin Adalmodis von der Provence, Wilhelm VI. (1030-1038), hat nur kurze Zeit regiert und verbrachte davon drei Jahre in der Gefangenschaft Gottfried Martells von Anjou, den nach Wilhelms Tode dessen Witwe Agnes von Burgund geheiratet hatte, um ihn als Werkzeug ihrer Pläne gegen die Stiefsöhne zu benutzen. Ich kenne von Wilhelm nur eine einzige Urkunde, die er als Herzog der Aquitanier ausstellt und als Graf signiert. In einer von ihm gehaltenen Gerichtsversammlung erscheint er einfach als comes. Urkundenfremder Aussteller firmiert er in buntem Wechsel als Herzog, Herzog der Aquitanier, Graf (hier das einzige Original) oder Graf von Poitou. Papst Johann XIX. spricht von ihm als Herzog der Aqitanier.

Wilhelm VI. der Dicke folgte 1030 seinem Vater auch als Graf von Saintonge, das er an Anjou verlor und als Graf von Guyenne.
 
 
 
 

  oo Eustachie von Montreuil, Tochter des Sire Berlay
             - nach 1038
 
 
 
 

Literatur:
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Black-Veldtrup Mechthild: Kaiserin Agnes (1043-1077) Quellenkritische Studien. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 1995 Seite 1 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 104 - Erkens, Franz-Reiner: Konrad II. Herrschaft und Reich des ersten Salierkaisers. Verlag Friedrich Puset Regensburg 1998, Seite 65,71 -
 
 
 
 
 


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