Eleonore von Aquitanien                            Königin von Frankreich
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1122-1.4.1204                                          Herzogin von Aquitanien
         Poitiers

Begraben: Fontevrault

Älteste Tochter des Herzogs Wilhelms X. von Aquitanien aus seiner 1. Ehe mit der Eleonore von Chatellerault, Tochter von Graf Aimery I.
 

Lexikon des Mittelalters: Band III Spalte 1805
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Eleonore (Alienor), Königin von Frankreich, Königin von England
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* 1122, + 31. März 1204
              Poitiers

Begraben: Fontevrault

Erbtochter Wilhelm X., Herzog von Aquitanien, aus dem Hause POITOU, und der Aenor de Chatellerault

1. oo 1137 Ludwig VII., König von Frankreich (geschieden 1152)

2. oo 1152 Heinrich Plantagenet, Graf von Anjou, Maine und Touraine, Herzog von der Normandie,
                                                  dem späteren König Heinrich II. von England

Kinder:
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1. Ehe

Marie (+ 1198) oo Heinrich, Graf von Champagne
Alix (+ nach 1195) oo Theobald, Graf von Blois

2. Ehe

Wilhelm (+ 1156)
Heinrich (+ 1183)
Mathilde (+ 1189) oo Heinrich der Löwe
Richard I. Löwenherz (+ 1199)
Geoffroy (+ 1186)
Eleonore (+ 1214), oo Alfons VIII. von Kastilien
Johanna (+ 1199) 1. oo Wilhelm II. von Sizilien 2. oo Raimund VI. von Toulouse
Johann Ohneland + 1216)

Wilhelm X. hatte im westfranzösischen Raum eine Reihe großer Herrschaften in seinem Besitz (Herzogtümer Guyenne und Gascogne, Grafschaften Poitiers, Saintes und Bordeaux) und herrschte darüberhinaus als Oberlehnsherr über weitere Territorien. Die Bedeutung des Erbes Eleonores lag zum einen in der strategischen Rolle dieser weiträumigen Gebiete für das Königreich Frankreich wie für das große Fürstentum Anjou, zum anderen in seinen reichen wirtschaftlichen Resourcen.
Wilhelm X. verstarb 1137 auf einer Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela; vor seinem Aufbruch hattte er seine aquitanische Herrschaft und die Sorge um seine Tochter Eleonore seinem Lehnsherrn, König Ludwig VI. von Frankreich, anvertraut. König Ludwig vermählte Eleonore mit seinem Sohn, der noch im gleichen Jahr als Ludwig VII. die Nachfolge antreten sollte. Aquitanien wurde nicht der Krondomäne einverleibt, sondern in der Person König Ludwigs VII., der den Titel Dux Aquitanorum annahm, mit Frankreich vereinigt. Ludwig machte von seiner Herzogswürde hauptsächlich Gebrauch, indem er die Ansprüche seiner Gattin auf Toulouse durchzusetzen versuchte (1141).
1152 wurde die Ehe wegen zu naher Verwandtschaft geschieden. Einige Zeitgenossen behaupten, LudwigsPersönlichkeit habe sich geändert, nachdem er 1143 in Vitry eine Kirche, in der Flüchtlinge Asyl gesucht hatten, in Brand stecken ließ. 1147-1149 hatten Ludwigund Eleonore gemeinsam am 2. Kreuzzug teilgenommen; das Gerücht einer Liebesbeziehung der Königin zu ihrem Onkel Raimund I. von Antiochia kam auf. Darüber hinaus wurde ihr später auch ein Verhältnis mit Sultan Saladinangedichtet; obwohl letzteres zweifellos reine Erfindung ist, gibt es doch Aufschluß über Eleonores Ruf bei der Nachwelt. Suger von St-Denis bemühte sich bis zu seinem Tod (1151), Ludwigs und Eleonores Ehe zu erhalten. Ludwigs Hauptmotiv für die Eheschließung dürften dynastische Erwägungen gewesen sein; die Königin hatte lediglich zwei Töchter, aber keinen Sohn geboren.
An Bewerbern um Eleonores Hand und Land fehlte es nicht. Bereits knapp zwei Monate später heiratete sie in zweiter Ehe Heinrich Plantagenet. Er war um einige Jahre jünger als Eleonore; diese soll dem Gerücht zufolge bereits ein Verhältnis mit Heinrichs Vater, Geoffroy von Anjou, unterhalten haben, und es hatte bereits das Projekt einer Heirat zwischen Heinrich und der ältesten Tochter Eleonores aus der Ehe mit Ludwig, Marie, existiert. Angeblich war es Eleonore, die die Initiative zur Heirat ergriff; Heinrich mag eingewilligt haben, weil er es nicht zulassen konnte, daß ein anderer Bewerber die Partie machte. Da Heinrich nicht die offizielle Genehmigung von seiten seines Lehnsherrn, Ludwig, eingeholt hatte, nahm der  französische König dies zum Anlaß, die Territorien des PLANTAGENET anzugreifen. Doch wurde Ludwig schließlich genötigt, der Heirat zuzustimmen.1154 wurde EleonoresGatte als Heinrich II. König von England.
Wie schon Ludwig VII. verfolgte auch Heinrich II. Eleonores Ansprüche auf Toulouse (1159,1162) und 1173 anerkannte Raimund V. von Toulouse Heinrichs Oberherrschaft an, wodurch sich Raimund dem Treueid gegenüber dem König von Frankreich entzog. In Aquitanien übte Heinrich seine Herzogswürde kraftvoller aus, als es seinerzeitLudwig VII. getan hatte. Dies erregte namentlich im Poitou Widerstand; dortige Gruppierungen versuchten, den päpstlichen Legaten davon zu überzeugen, daß die Ehe Heinrichsmit Eleonore ungültig sei. Das Herzogtum Gascogne wurde dagegen für eine spätere Abtretung an Kastilien vorbereitet; es sollte als Mitgift von Eleonores Tochter Eleonore mit Alfons VIII. dienen (allerdings sollte die Mitgift erst nach dem Tode Eleonores übertragen werden).
Ein Bruch zwischen Eleonore und Heinrich erfolgte, als die Königin 1173 die Revolte ihrer Söhne unterstützte. Die Gründe für ihre Parteinahme gegen Heinrichsind nicht klar. Vielleicht fühlte sie sich - wie ihre Söhne - von der Machtausübung ausgeschlossen; möglicherweise war sie auch über den Ehebruch iheres Mannes, der in dieser Zeit im Bann von Rosamunde Clifford stand, erbost. Nach der Niederschlagung des Aufstandes wurde sie bis zum Ende der Regierung Heinrichs II. unter Bewachung gestellt. 1175 dürfte Heinrich eine Scheidung erwogen haben, doch blieb Eleonore weiterhin Königin und spielte als solche ihre Rolle in der Öffentlichkeit. 1185 bediente sich der König ihrer, um seinen Sohn Richard in die Botmäßigkeit zurückzubringen; diesem wurde befohlen, Aquitanien an seine Mutter zurückzuerstatten.
Mit Heinrichs Tod und Richards Thronfolge kehrte Eleonore als Königin-Mutter ins politische Leben zurück. 1190 geleitete sie Berenguela von Navarra, die von Eleonore favorisierte Braut Richards, zu diesem nach Messina. 1192 trug sie dazu bei, die Rebellion Prinz Johanns in England während der Kreuzfahrt Richards zu unterdrücken. In ihrem Namen wurde das Lösegeld für den von Kaiser HEINRICH VI. gefangengehaltenen Richard erhoben. Nach Richards gewaltsamen Tod (1199) setzte sie Nachfolge Johanns gegen ihren Enkel, Arthur I. von Bretagne, durch. Während Arthur Eleonore in Mirabeau belagerte, geriet er in Gefangenschaft und wurde an Johann ausgeliefert. Eleonore blieb fast bis zu ihrem Tod politisch aktiv. Ihr Tod im Jahre 1204 beraubte Johann seines Anhangs im Poitou, während Alfons VIII. von Kastilien in die Gascogne einrückte, um die Mitgift seiner Frau, gemäß den Vereinbarungen von 1170, in Besitz zu nehmen.
Eleonores Wirkung auf  Zeitgenossen und Nachwelt kann nicht allein mit dem reichen Erbe, dessen Trägerin sie war, erklärt werden. Es war ihre Persönlichkeit, welche die Mitwelt beeindruckte.


Brandenburg Erich: Seite 19 Tafel 9
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"Die Nachkommen Karls des Großen"

XIII. 81 a. Eleonore
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                * ca. 1123, + 1204 31.III..

Gemahl:  a) 1137 22.VII. Ludwig VII., König von Frankreich (siehe XIII. 263),geschieden 1152 18.III.

              b) 1152 18.V. König Heinrich II. von England
                                                      + 1189 6.VII.


Thiele Andreas: Band II Teilband 1 Tafel 127
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"Erzählende genealogische Stammtafeln"

Eleonore, wie ihre Vorfahren schön leidenschaftlich, herrisch und intrigant, folgte 1137 als Herzogin von Aquitanien. Sie zwang ihren ersten Mann zu Kriegen gegen Toulouse, Champagne und Poitou,; letzteres, um geforderte Privilegien zu unterdrücken. Sie zog mit ihm auf den 2. Kreuzzug 1147-1149, wo sie ihn mehrmals Hörner aufsetzte, was zur Scheidung führte. Später intrigierte Eleonore mit ihren Söhnen gegen ihren zweiten Mann und wurde jahrelang inhaftiert (bis 1189). Seite 1199 wieder Regentin, wehrte sie Angriffe ihres Enkels Herzog Arthur von Bretagne ab und huldugte 1204 König Philipp II. August von Frankreich, um einer geplanten Eroberung vorzubeugen.


Eleonore war eine glänzende Partie und hatte als Erbin des Herzogtums Aquitanien und der Grafschaft Poitou die Herrschaft über fast ganz SW-Frankreich zu erwarten. Das erklärte ihre Heirat 1137 mit dem französischen König Ludwig VII.; durch ihre Mitgift reichte der königliche Besitz bis an die Pyrenäen. Die Ehe wurde nicht glücklich, zumal das sittenlose Benehmen der Königin während des 2. Kreuzzuges Ludwig VII. veranlaßte, die Ehe unter dem Vorwand einer unzulässigen "Verwandtschaftsehe" 1152 für ungültig erklären zu lassen. Eleonore mußte sich vom König trennen und heiratete noch im selben Jahr Heinrich Plantagenet, Herzog der Normandie und Graf von Anjou, der 1154 als Heinrich II. den englischen Thron bestieg. Ludwig VII. hatte Eleonore ihre Mitgift zurückerstattet, so dass Aquitanien mit ihrer zweiten Heirat an England fiel und der englische Besitz auf dem Kontinent sich jetzt von der Normandie bis zu den Pyrenäen erstreckte, was später eine der Ursachen für den Hundertjährigen Krieg zwischen Frankreich und England werden sollte. Die zweite Ehe Eleonores war stürmisch bewegt. Wiederholt stachelte sie ihre Söhne zum Aufruhr gegen ihren Vater auf und 1173 stand sie auf der Seite ihrer Söhne, als sich Heinrich (III.) gegen seinen Vater erhob. Danach wurde Königin Eleonore praktisch von 1174 bis zum Tode Heinrichs II. 1189 inhaftiert. Erst jetzt zeigte sie sich wieder in der Öffentlichkeit und unterstützte ihren Sohn Richard I. Löwenherz gegen ihren anderen Sohn Johann Ohneland. Während dessen Abwesenheit war sie Regentin in England und nach dessen Tode Regentin in ihren Erbländern, die sie gegen den Enkel und Frankreich behauptete. Erst im hohen Alter, fast 80-jährig, nahm sie Verbindung zum französischen Hof auf und vermählte ihre Enkelin Blanka von Kastilien mit dem französischen Thronfolger Ludwig. Sie zog sich in die Abtei von Fontevrault zurück, wo sie starb.

Frauen der Weltgeschichte: Seite 146
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Eleonore von Aquitanien
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1122 - 1204

Die schöne Eleonore war die Enkelin des ersten Troubadours und umschwärmte Erbin von Poitou, Guienne, Gascogne und anderen aquitanischen Ländern. König Ludwig VII. von Frankreich, mit dem sie sich schon als 15-jährige vermählte, wollte sie nicht allein zu Hause lassen, als er im Jahre 1147 zu seinem Kreuzzug aufbrach, denn ihre Leichtfertigkeit stand ihrer Schönheit nicht nach. Deshalb nahm der König sie in sein Reisegefolge auf. In Syrien angekommen, verlor Eleonore ihr Herz an einen Ritter aus der Umgebung des Königs, Herrn Raimund von Antiochia, einen ebenso jugendlichen wie stattlichen Mann. Wie diese beiden, vergaßen bald viele Kreuzfahrer den eigentlichen Zweck ihrer weiten Reise, so dass sich ihr Herrscher entschloß, mit Weib und Ritterschaft Antiochia eilends wieder zu verlassen. Sein eheliches Mißgeschick hatte weitreichende Folgen, die auf die abendländische Geschichte nicht ohne Einfluß blieben: Wieder heimgekehrt, vollzog der König die Trennung von Eleonore; aber Heinrich Plantagenet, der Herzog der Normandie und Erbe der Krone Englands, ein Mann ohne Hemmungen, beeilte sich, die Geschiedene mitsamt ihren Erbländern heimzuführen. Als er 1154 als Heinrich II. den Thron bestieg, fiel die ganze westliche Hälfte Frankreichs in britische Hand. Heinrich wurde zum gefährlichsten Nebenbuhler des französischen Königs. Aber auch er hatte nicht allzuviel Freude an Leonore; nachdem sie einen gegen ihn gerichteten Aufstand seines Sohnes Heinrich angezettelt oder zumindest unterstützt hatte, hielt er sie jahrelang gefangen. Erst nach seinem Tode wurde sie von ihrem Sohn Richard Löwenherz befreit, für den sie später mit viel Geschick die Regentschaft führte. Viele Dichter und fahrende Sänger haben der schönen Königin gehuldigt.


Verwandtschaft mit Ludwig VII. von Frankreich

                                                 Robert II. der Fromme König von Frankreich
                                                 20.7.972-20.7.1031
 

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           Robert I. Herzog von Burgund                     Heinrich I. König von Frankreich
           1011-21.3.1076                                             1008-4.8.1060
 

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   Hildegard von Burgund                                           Philipp I. König von Frankreich
   1049- nach 1104                                                      1053-30.7.1108

  oo 3. Wilhelm VIII. Herzog von Aquitanien
          1024/25-25.9.1086
 

            --                                                                                --
    Wilhelm IX. Herzog von Aquitanien                 Ludwig VI. der Dicke König von Frankreich
    22.10.1071-10.2.1126                                        1081-1.8.1137
 

           --                                                                              --
   Wilhelm X. Herzog von Aquitanien                Ludwig VII. König von Frankreich
   1099-9.4.1137                                                 1120-18.9.1190
 

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  Eleonore von Aquitanien
  1122-1.4.1204


Treffer Gerd: Seite 95-104
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"Die französischen Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert)"

                                       ELEONORE - die Adlerin
                                          * 1122, + 1. April 1204
                                                       Fontevraud

Erste Gemahlin Ludwigs VII. des Jungen (* 1120; König: 1137-1180) Heirat 25. Juli 1137

Merlin, der Zauberer hatte weisgesagt: er sehe einen Adler kommen, der seine Flügel ausbreite über Frankreich und England. Beim Konzil von Sens hatte Jean d'Estampes die Königin Alienor darauf angesprochen. Erstaunt hatte sie erwidert, sie könne sich nicht vorstellen, ihr Gemahl ziehe aus, um England zu erobern. Jean hatte gelächelt: er rede ja auch nicht von ihrem königlichen Gemahl, sondern von ihr. "Dann bleibt mir nichts anderes übrig, als Witwe zu werden", soll Alienor geseufzt haben. Sie brauchte nicht Witwe zu werden, um Merlins Weissagung zu erfüllen, die wie alle mehrdeutig war. Sie war ein stolzer Adler, sie kämpfte für ihre Jungen, die selbst zu stolzen Adlern heranwuchsen. Ihr gelang das seltene Kunststück, die Rolle einer Königin von Frankreich und einer Königin von England in einer Lebensgeschichte zu vereinigen.
1122 wird Alienor als Tochter des Herzogs von Aquitanien, Wilhelm X., geboren. Sie hat einen Bruder - und wird eine Schwester haben. Der Bruder stirbt früh, und da in Aquitanien das Salische Gesetz nicht gilt, wird sie selbst Herzogin eines immensen Landes - eines guten Viertels des heutigen Frankreichs. In ihrer Kindheit lebt ihr Großvater noch, eine kraftvolle Persönlichkeit, ein Mann von durchaus ausschweifendem Lebenswandel, aber mit Geschmack an Architektur, Kunst und Literatur - weshalb man ihn gemeinhin "Wilhelm, den Troubadour" nennt. Alienors Vater ist aus  weicherem Holz geschnitzt. Er stirbt auf einer Pilgerfahrt nach Santiago. Alienor erfährt eine gediegene Erziehung. Ihr Vormund ist ihr Onkel Raymond, kaum älter als sie. Und alle reden von einer tollen Jugendschwärmerei - und vielleicht mehr. Beim Tode ihres Vaters 1137 ist sie jedenfalls die reichste Erbin in ganz Europa.
Das Königreich Frankreich, auf seine Stammlande beschränkt, nimmt sich dagegen klein aus. Sein König Ludwig VI. ist krank. Sein einflußreichster Ratgeber ist Suger, der Abt von Saint-Denis. Die beiden zögern nicht, den 16-jährigen Thronfolger nach Bordeaux zu senden. Er staunt über die Eleganz dieses literarischen Hofes, während in Paris noch die wilden Schweine durch die Straßen laufen und seinem älteren Bruder zum tödlichen Verhängnis wurden. Ludwig ist ein ansehnlicher junger Mann, Alienor eine strahlende Braut. Am 25. Juli 1137 findet die Hochzeit in der Kathedrale Saint-Andre zu Bordeaux statt; es folgten Bankette im großen Chateau de 'Ombriere, Feste, Vergnügungen, wie Alienor sie kennt, die Ludwig aber wohl erstaunen. Suger, besorgt um den Gesundheitszustand des Königs wissend, drängt zur Rückreise. In Poitiers, wo das politische und religiöse Herz Aquitaniens schlägt, erhalten die Jungvermählten die Krone Aquitaniens, auf der Weiterreise erfahren sei vom Tod des alten Königs.
Für Alienor ist Paris ein provinzieller Ort. Die Königin-Mutter, Adelheid von Savoyen, glaubt noch an eine eigene politische Rolle. Ludwig vergöttert seine Frau, und seine Mutter muß schließlich gehen. Alienor ist eine machtbewußte, impulsive Frau, sich ihres Einflusses auf ihren Mann durchaus bewußt. Einen Aufstand in Poitiers läßt sie niederschlagen, sie will auch Toulouse unter ihrer Herrschaft sehen. Es sind glänzende Jahre. Sie holt ihre Schwester Petronelle an den Hof, die vielen den Kopf verdreht, auch einem Edelmann, der seine Frau verstößt - die aber die Nichte des Grafen der Champagne ist. Das ganze ist ein ungeheuerer Skandal, der selbst den Papst beschäftigt. Und Ludwig zieht deshalb sogar gegen die Herrn der Champagne in den Krieg: Vitry-en-Perthois verbrennt; selbst jene Menschen, die in der Kirche Schutz gesucht haben, werden zu Asche. Der König ist entsetzt, traumatisiert von diesem grauenvollen Massaker.
In dieser Zeit kommt es zur ersten Entfremdung zwischen Alienor und Ludwig. Dabei spielt auch eine Rolle, daß es immer noch keinen Thronfolger gibt. Bei der Einweihung des neuen Chores von Saint-Denis, der Sugers Lebenswerk ist, trifft Alienor mit dem großen unbeugsamen Bernhard von Clairvaux zusammen, der nicht nur Mann der Kirche, sondern auch die politisch-moralische Autorität der Zeit ist. Bernhard ist es auch, der zu Ostern 1146 in Vezaly mit feuriger Zunmge zum zweiten Kreuzzug aufruft: Edessa ist gefallen und damit das fränkische Königreich Jerusalem in Geafhr. Ludwig sieht im Kreuzzug Gelegenheit, sich seiner Seelenpein des Vitry-Massakers zu entledigen. Am 12. Mai 1147 werden die ausziehenden Kreuzfahrer von Papst Eugen II. in Saint-Denis persönlich gesegnet. Abt Suger wird zum Regenten des Reiches bestimmt.
Man hat die Wahl, über Sizilien - zur See - oder Byzanz - zu Lande - die verfeindet sind, ins Heiluige Land zu ziehen, und entscheidet sich für den Landweg. Alienor stellt für den Kreuzzug nicht nur beachtliche Kontingente (sie ist schließlich in Aquitanien und unabhängig von ihrem Gemahl eine vollgültige Suzeränin), sie nimmt auch selbst anm Kreuzzug teil.Man ist hier weit vom vertrauten Bild der sich in Sehnsucht auf die Rückkehr des Gemahls verzehrenden Rittersfrau entfernt. Am 4. Oktober 1147 zieht sie mit ihrem Mann in Konstantinopel ein und wird von Kaiser Manuel Komnenos begrüßt. Der ist mit Bertha von Sulzbach verheiratet, einer Schwester des deutschen Kaisers KONRAD, der vor wenigen Wochen in Richtung Jerusalem hier durchgezogen ist. Byzanz mit seinem höfischen Raffinement, den Mosaiken dem Marmor in Kirchen, Palästen, Residenzen, muß den Franzosen wie eine Zauberwelt erscheinen. Alienor genießt den Luxus. Politisch läßt sie sich nicht düpieren. Kaiser Manuel hat das Kreuzfahrerheer eingeladen, um sein Prestige zu stärken, muß aber auch die Ungläubigen an seiner Ostflanke berücksichtigen. Kaiser KONRAD hat dort gerade eine Niederlage erfahren als die Franzosen weiterziehen. Auch sie selbst werden Opfer einer Guerillataktik und Alienor selbst gerät in große Gefahr. König Ludwig beweist militärisches Geschick, und wählt vorsichtshalber den Seeweg nach Antiochien.
Antiochien mit seiner sonnenüberfluteten Landschaft erscheint Alienor als ein Paradies - zumal sie hier ihren Onkel Raymond wieder trifft, ihren ehemaligen Vormund und Jugendfreund, der seit 12 Jahren Herr über Antiochien ist. Zehn herrliche Tage verlebt Alienor hier. Die Chronisten schweigen vielsagend. Spätere Geschichtsschreiber hegen wenig Zweifel, daß die alte Liebe zwischen Alienor und Raymond wieder aufgeflammt ist. Über die weitere Kreuzzugsplanung kommt es zum Streit zwischen König und Königin. Ludwig will an das Heilige Grab nach Jerusalem und vergißt darüber das Hauptziel der Expedition: Edessa. Alienor will nach Edessa, das auch für die Sicherheit Antiochiens, also Raymonds, wichtig ist. Es kommt zu einem bösen Auftriit. Ludwig pocht auf sein eheliches Recht und droht, im Zweifel Alienor mit Gewalt mitzuzerren. Sie antwortet, seine ehelichen Rechte seien gleich Null, da die Hochzeit - wegen Blutsverwandtschaft - nichtig sei. (In Wirklichkeit ist diese 'Blutsverwandtschaft' weit hergeholt: über König Robert den Frommen sind Ludwig und Alienor im fünften Grad 'verwandt'). Zweifellos denkt Ludwig sofort an Scheidung, aber seine Berater halten ihn zurück. Die Geschichte zeigt übrigens, daß die Strategie Alienors/Raymonds richtig gewesen wäre. Der Kreuzzug schlägt fehl, und Raymond wird noch im Juni 1149 im Gefecht fallen.
Auf getrennten Schiffen kehren König und Königin heim Die Flotte wird von den Byzantinern attackiert, Alienor gar gefangengenommen, dann von Sizilianern befreit. In Potenza treffen sie sich wieder. Auf dem Rückweg reist man über Tusculum. Der Papst besteht dort auf Versöhnung. Im November 1149 ist das Königspaar in Paris zurück. Alienor ist 28 und zweifelt an ihrer Zukunft. Paris erscheint ihr nach den Erfahrungen von Byzanz nur um so provinzieller. Ludwig läßt sie auch nicht mehr ihre frühere politische Rolle spielen, schließt sie sogar auis dem Conseil aus. Der König ist entschlossen, sich auf keine Abenteuer mehr einzulassen. Aus dieser Zeit stammt Alienors Seufzer: "J'ai epouse un moine!" ("Ich habe einen Mönch geheiratet!"). Mit diesem Mann läßt sich offenbar kein Staat machen, der Alienors Vitalität, Lebenslust und Ambitionen entspräche.
1151 stirbt der weise Suger, gerade zu einem Zeitpunkt, da Ludwig in eine gefährliche Rivalität mit Gottfried Plantagent verstrickt ist. Gottfried ist mit Mathilde - Witwe des deutschen Kaisers HEINRICH V. - verheiratet, die über ihren Vater Erbin des Herzogtums Normandie und nichts weniger als des Königreiches England ist, um das sie erbittert mit dem dort herrschenden König Stephan streitet. Gottfried ist 39, sein Sohn Heinrich 18 Jahre alt. Beide sind stattliche, wackere Ritter. Gerüchte gehen um, die Alienor bald mit dem Vater, bald mit dem Sohne in amouröse Beziehungen bringen. Die Beziehungen zwischen Ludwig und Alienor haben den Tiefpunkt ereicht. Offenbar sind beide jetzt zur Trennung bereit. Am 21. März 1152 tritt in Beaugency ein Konzil zusammen.Die Ehe wird für nichtig erklärt, die zwei Töchter, Marie und Alix, daraus aber für legitim, und Alienor erhält unbestritten ihre Rechte über Aquitanien zurück.
Alienor kehrt eilends in ihr Herzogtum heim. Ostern 1152 feiert sie in ihrer Stadt Pioitiers, frei, fähig zu regieren. Aber kann das in dieser Zeit eine Frau - selbst eine Alienor - ohne einen Mann (und ohne Erben für ihr Land)? Am 18. Mai heiratete sie in Saint-Pierre zu Poitiers Heinrich Plantagent (ohne, wie es das Recht erfordert, die Zustimmung ihres Suzeräns, aber das wäre Ludwig, der eben Verassene, einzuholen). Heinrich ist 19, aber schon ein fertiger Mann, eine Herrschergestalt; er spricht mehrer Sprachen (auch die Langue d'oc, was die Aquitanier begeistert). Er schart fähige Verwaltungsmänner um sich. Er ist durchsetzungsfähig, ein erstklsssiger Feldherr.Er hat überschäumende Kraft (ein Markenzeichen der PLANTAGENETS, er wird aber auch später das zweite haben: Perioden tiefer Depression). Heinrich und Alienor sind ein Traumpaar. Jeder für sich eine Herrschernatur. Ihr Reich umfaßt fast den ganzen W und S Frankreichs - das daneben eie kümmerliche Figur macht. Als Ludwig eine militärische Revanche sucht, setzt ihn Heinrich spielend matt und hat jetzt den Rücken frei für seine englischen Ansprüche. König Stephan, alt, müde, krank, hat seinen Erben Eustache verloren, erkennt Heinrich als seinen legitimen Nachfahren an. 1154 stirbt er. Alienor wird an diesem Tag zum zweiten Male Königin. Zwei Monate nach der Krönung bringt Alienor den zweiten Sohn zur Welt - in Frankreich waren es nur Töchter gewesen. Der erste, 1153 geboren, war Wilhelm genannt worden, der jetzige heißt Heinrich (später "der Junge"). Hinzu kommen Mathilde (1156), Richard (später Löwenherz) [1163] und Johann (Ohneand) [1166].
Alienor steht auf dem Gipfel ihres Lebens. Jetzt reicht ihr Herrschaftsgebiet von den Bergen Schottands bis zu den Pyrenäen - das größte Territorium des 12. Jahrhunderts. Sie ist nun nicht mehr die junge impulsive Frau, als die sie Frankreich kennengelernt hat. Sie ist erfahren in der Macht, sie liebt ihren "Beruf Königin" und übt ihn mit unbestrittenem Talent aus, nicht nur im Auftrag ihes Gemahls, sondern auch im eigenen Namen. Heinrich und Alienor sind Partner mit gegenseitiger "Porkura", reisen getrennt, verordnen getrennt, siegeln getrennt - verwalten gemeinsam. Alienoer ist vermutlich die mächtigste Frau in Europa.
Als Herzogin von Aquitanien ist sie formell Vasallin des Königs von Frankreich, praktisch ist das Haus PLANTAGENET Rivale der KAPETINGER. Aber man versucht sich gütlich zu einigen. Heinrichs Vertrauensmann Thomas Beckett reist mit großem Popmp nach Paris: man denkt an eine Heirat der sechs Monate alten Tochter des ebenfalls wiederverheirateten Ludwigs mit einem englischen Königssohn. Da ist er wieder, der alte Traum Alienors von einer Doppelmonarchie, von Merlins Adler, der seine Schwingen über England und Frankreich zugleich ausbreitet. Er hält nur bis 1165: da kommt Ludwigs dritte Frau (Königin Konstanze war 1160 bei der Geburt einer Tochter gestorben), Adele von der Champagne, mit einem Sohn nieder: Philipp (Dieudonne - der Gottgeschenkte, den man später Philippe-Auguste nennen wird).
Und England hat eigene Sorgen: 1164 war das Zerwürfnis zwischen König Heinrich und seinem ehedem vertrautesten Freund, Thomas Beckett, endgültig und unüberbrückbar geworden. Der Erzbischof von Canterbury sucht Asyl am französischen Hof. Er wird Gegenstand so macher Verhandlungen zwischen den Königen von Frankreich ud England sein - im Dezember 1170 in seiner Kathedrale ermordet werden und über seinen Tod hinaus eine eminente politische Rolle spielen. Als Heinrich 1166 dann auch noch seine Affäre mit der schönen Rosamunde öffentlich macht, hat Alienor genug. Sie bricht mit England und besinnt sich auf ihre Herzensrolle: "D'Aquitaine je suis: d'Aquitaine je reste" - "Aus Aquitanien stamme ich: Aquitanierin bleibe ich". Wenn ihr Heinrich auf der Insel eine Rivalin gegeben hat, so wird sie ihm auf dem Festland einen Rivalen verschaffen: iheren Lieblingssohn Richard. Sie protegiert die Troubadoure, vor allem Bernhard de Ventadour. Mehrere poetische Werke werden ihr zugeeignet, wie der "Roman de Brut" oder die "Chronik der Herzöge der Normandie" von Wace oder der "Roman de Troie" von Benoit de Sainte-Maure. Alienors Einfluß auf die Literatur der langue d'oc wie der langue d'oil trägt wesentlich dazu bei, die Höflichkeit gegenüber der "Dame" in den sozialen Beziehungen zu stärken. Der prächtige Hof von Poitiers lebt wieder auf. Alienor ist die "Dame d'Aquitaine". Mit Richard bereits sie ihre Länder. Zu Ostern 1170 wird der 13-jährige feierlich als Herzog von Aquitanien und Graf des Poitou inthronisiert. Heinrich der Junge wird im Juni feierlich zum König von England gekrönt.
Es bleibt nicht aus, daß der junge Heinrich als gekrönter König die Mitherrschaft fordert. Der alte Heinrich ist darüber wütend. Alienor (und Ludwig VII. von Frankreich) unterstützen den Jungen (eine erstaunliche Allianz immerhin). Der entflieht nach Paris, wo sich ein regelrechter englischer Exilhof bildet. Ein Krieg ist unvermeidlich. Der alte Löwe wird sich nicht so einfach verdrängen lassen, auch wenn er seinen Sohn, seine Frau und deren Ex-Gemahl gegen sich hat. Noch kann er beißen.
1174:
Heinrich hat nichts von seinen Feldherrnqualitäten verloren. Er gewinnt Schlachten und er zieht gegen Poitiers. Und er hat Fortune. Seine Männer fangen auf der Straße Poitiers-Chartres einen kleinen Reitertrupp ab; einer der Männer entpuppt sich als  ... die Herzogin von Aquitanien: Alienor in Rüstung. Eine Frau im Kämpferkleid. Für Alienor ist dieser Zufallstreffer ein Schicksalsschlag. Heinrich hat allzusehr um seine Krone gebangt. Er wird nichts verzeihen. Er kennt sie zu gut. Alienor wird mattgesetzt. 15 Jahre wird sie Gefangen ihres eigenen Mannes sein, bis zu dessen Tod.
53 Jahre ist sie alt. Sie ist immer noch schön, die strahlende Inspirantin, die "Königin der Troubadoure". In Frankreich dann in England bringt man sie von Schloß zu Schloß, wechselt die Bewacher aus, auf daß sie nicht ihrem immer noch wirksamen Charme erliegen.Nach den Maßstäben der Zeit ist sie eine alte Frau, mußte sich wohl ergeben in ihr Schicksal. Sicher: sie hat keinen politischen Einflu mehr, dennoch bleibt sie wohl informiert: Der alte Löwe Heinrich hat sich gegen seine Söhne durchgesetzt. Adelheid von Frankreich wird mit Alienors Sohn Richard verlobt. Aber man hört, ihr Gemahl treibe es mit ihr. Deshalb wird aus dieser Heirat auch nie etwas werden - ein weiterer Stoff für eine romantische Rittergeschichte. Ihre letzte Tochter Johanna heiratet nach Sizilien. 1179 wird Philippe-Auguste in Frankreich gekrönt. Heinrich der Junge hat das Privileg - Heinrich der Alte hat zugestimmt, im Verhältnis Frankreich/England stehen die Zeichen eben abwechselnd auf Sturmhoch und Windstille - im Krönungszug die Krone auf einem Kissen zu tragen.
1180 erfährt Alienor vom Tod König Ludwigs, ihres ersten Gemahls. Philippe-Auguste, der ihr Sohn hätte sein können, folgt ihm nach. Er unterstützt die englischen Prinzen in ihrer Rebellion gegen den alten König, an ihrer Spitze den jungen Heinrich. Doch der stirbt 1183 plötzlich, unerwartet in einem Schloß an den Ufern der Dorodgne. Richard ist damit englischer Thronfolger. Richard ist Alienors Lieblingssohn. Johann Ohneland dagegen ist Heinrichs Lieblingssohn. Der König verlangt, daß Richard im Gegenzug zugunsten Johanns auf Aquitanien verzichtet. Vater und Sohn liefern sich in den nächsten Jahren einen erbitterten Kleinkrieg mit Schlachten, geschickten Inszenierungen, Treffen an der "alten Ulme", die seit jeher Begegnungsort der französischen und englischen Könige war, und die als unschuldiges Opfer den Preis der Wut über gebrochene Treueschwüre zahlen muß: sie wird abgeholzt.
Der alte Heinrich II. von England hat es schließlich fertiggebracht, sich aller Welt verhaßt zu machen. Er war ein Lehrbuchkönig seiner Zeit, ein Archetyp. Jetzt ist er allen im Wege. Er stirbt am 6. Juli 1189. Richard folgt ihm nach. Für Alienor ist das das Ende eines noblen aber belastenden Gefangenendaseins. Sie ist 67 Jahre alt. Die lange Gefangenschaft hat sie nicht zerbrochen. Sie giert nach Aktivität, politischer Nützlichkeit. Sie entfaltet ihr in einem langen Leben an den Schalthebeln politischer Macht gewonnenes Können, um die Herrschaft des Sohnes zu konsolidieren. Sie bereist in atemberaubendem Tempo das Land, zieht von Stadt zu Stadt, besucht die Barone, argumentiert, überredet, überzeugt, befreit Gefangene, stellt Gerechtigkeit wieder her, nimmt Treueschwüre für den neuenKönig entgegen. Sie regelt die Einheit der Maße, der Geldsorten, richtet England wirtschaftlich auf. Wie damals, als sie und Heinrich den Bürgerkrieg beendet hatten, atmet das Volkauf. Zum zweiten Mal ist sie dabei: das Volk hofft auf Stabilität. Sie hat den Boden bereitet. Richard wird begeistert empfangen.
Das Land ist befriedet. Alienor sieht es mit Wohlgefallen. Weniger begeistert ist sie vom Wunsch Richards (1190) zum dritten Kreuzzug - gemeinsam mit dem französischen König Philipp - aufzubrechen. Ohne den offiziellen Titel zu führen, wird Alienor, während der "Abwesenheit" ihres Sohnes faktische Regentin von England sein, beunruhigt jedoch von der Tatsache, daß Richard  keinen Erben hat. Aus langer Erfahrung weiß sie, wie wichtig Ehe und Erben sind. Bis an ihr Ende wird sie daran arbeiten, ihre Nachkommen geschickt zu plazieren (und die Geschichte wird ihr recht geben). Jetzt geht es um ihren Richard. Am Ende einer langen und beschwerlichen Reise trifft Alienor 1191 Richard in Sizilien - wo ihre Tochter Johanna Herrin ist, um ihm Berengeria von Navarra als Gemahlin zuzuführen. Richard segelt zum Kreuzzug ab. Seine Schwester Johanna wird die junge Braut begleiten. Und wieder gibt es einen Stoff für ein Heldenepos. Johanna und Berengaria werden von einem Sturm an die Küsten Zyperns gespült. Der dortige Machthaber - ein KOMNENOS - betrachtet sie als Beute. Richard, darüber erbost, erobert Zypern sozusagen en passant. Im Schloß von Limassol heiratet er die Braut und läßt sie krönen -  die einzige Krönung einer englischen Königin auf fremden Boden. Dann zieht er weiter ins Heilige Land, wo er sich als "Löwenherz" unsterblichen Ruhm erwirbt.
Alienor selbst ist von Sizilien heimgereist, über Rom, wo sie am Tage der Papstkrönung eintrifft. Coelestin III. empfängt danach ganz natürlich de Frau, die wie keine andere in den politischen Geheimnissen dieses Jahrhunderts eingeweiht ist.
1191-1194:
die Zeit der Abwesenheit Richard Löwenherz'. Er zeichnet sich vor Akko aus. Er st der Held der Christenheit. Philipp von Frankreich ist vorzeitig in sein Frankreich zurückgekehrt. Auf dem Rückweg vom Kreuzzug wird Richard Löwenherz in österreichischen Landen gefangengenommen und im Rheinland gefangesetzt.
Alienor hat von Richards Gefangennahme erfahren. Mit 71 Jahren nimmt sie die Zügel der Verhandlungen in die Hand, sie besorgt das vom deutschen Kaiser geforderte Lösegeld (den Gegenwert von 34.000 Kilogramm Feinsilber), sie reist nach Mainz, wo sich Richard, ganz der edle Ritter, durch seine noble Haltung und Eleganz höfisches Ansehen erworben hat. Am 4. Februar 1194 ist Richard frei. Seine triumphale Rückkehr nach England ist als Happy End in zahllosen Verfilmungen gezeigt worden.
Alienor hat sich zurückgezogen: In die Abtei Fontevraud, im SW Frankreichs. Seit jeher hat sie dieses Ordenshaus mit großen Spenden bedacht. Hier will sie fortan ein Leben in Witwenbeschaulichkeit führen. Fontevraud ist die Königin der Abteien - und wird fortan die Abtei der Königin sein. Von hier aus verfolgt sie in den nächsten fünf Jahren den englisch-französischen Krieg: er wird erbitterter toben als üblich. Dann erfährt sie, daß Richard vor Chalus von einem Arkebusenschützen tödlich verwundet wurde. Sie eilt, ihren Sohn zu bergen. Er wird in Fontevraud begraben. Die Thronfolge ist zweifelhaft. Da gibt es ihren Sohn Johann Ohneland oder ihren Enkel Arthur, der auf zweifelhafte Weise ermordet wird (im Ernst zweifelt niemand, daß Johann seinen Neffen ermorden ließ). Alienor hat Johann nicht geliebt. Aber Johann hat ihr die Wahl zwischen Sohn und Enkel abgenommen.
Alienor steht zu ihren Kindern. In guten wie in bösen Tagen. Auch diesem Sohne muß geholfen, seine Herrschaft gefestigt werden. Sie bedarf eines Ausgleichs mit dem König von Frankreich. Frankreich ist bereit zu einer Heirat mit dem Hause PLANTAGENET. Alienor, hochbetagt, macht sich auf zu einer weiteren Reise: in Kastilien hat sie eine Tochter Eleonore, Gemahlin Alfonsos VIII. Aus Burgos kehrt sie 1200 mit  ihrer Enkelin Blanche von Kastilien zurück. Am 23. Mai heiratet Blanche als Gemahlin Ludwigs VIII. in das Haus Frankreich ein. 1202 flammt der Krieg zwischen Philipp II. und Johann Ohneland wieder auf. Das PLANTAGENET-Reich zersetzt sich zusehends. Am 6. März 1204 erobert Philipp Chateau-Gaillard, die von Richard Löwenherz errichtete mächtige Grenzfestung an der ewigen Grenze zwischen England und Frankreich und vollendet die Eroberung der Normandie, Anjous und Poitous: PLANTAGENET ist vordergründig dem Haus KAPETING unterlegen. Alienor stirbt nur Wochen später: am 1. April 1204 in ihrer Abtei Fontevraud. In der eindrucksvollen Kirche stehen dort heute die Sarkophage Heinrichs II. von England, Richard Löwenherz' von England und der großen Königin Alienor.


    1137
  1. oo Ludwig VII. König von Frankreich
          1120-18.9.1180

  18.5.1152
  2. oo Heinrich II. König von England
          5.3.1133-6.7.1189
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Marie
  1145-11.3.1198

  oo Heinrich I. Graf von Blois-Champagne
       um 1126-17.3.1181

  Alix
  1150- nach 1195

um 1164
  oo Theobald V. Graf von Blois-Chartres
              -   1191

2. Ehe
  Wilhelm
  17.8.1153-   1156

  Heinrich (III.)der Junge
  28.2.1155-11.6.1183

  Mathilde
  1155-28.6.1189

1.2.1168
  oo 2. Heinrich der Löwe Herzog von Sachsen
          1129-6.8.1195

  Richard I. Löwenherz
  8.9.1157-6.4.1199

  Gottfried II. Herzog der Bretagne
  23.9.1158-19.8.1186

  Eleonore
  13.10.1162-21.10.1214

 1177
  oo Alfons VIII. König von Kastilien
       11.11.1155-6.10.1214

  Johanna
  10.1164-24.9.1199
  Angers

  13.2.1177
  1. oo Wilhelm II. König von Sizilien
          1154-16.11.1189

    1196
  2. oo 4. Raimund VI. Graf von Toulouse
              27.10.1156-2.8.1222

  Johann Ohneland
  24.12.1167-19.10.1216
 
 
 
 

Literatur:
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Appleby John T.: Heinrich II. König von England. Die Zeit des Thomas Becket. Dr. Riederer-Verlag Stutggart 1962 - Cardini, Franco: Friedrich I. Barbarossa. Kaiser des Abendlandes, Verlag Styria Graz 1990, Seite 51,56,62,65,88,120 - Csendes, Peter: Heinrich VI., Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Wiesbaden 1993, Seite 12,119,127,128,129 - Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 74,110,119-123,127,138,142 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 127,138,142,144-147, 158 - Engels, Odilo: Die Staufer. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1972, Seite 110,112,123 - Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter. Verlag C.H. Beck München 1994, Seite 31,126-129, 232,238 - Houben, Hubert: Roger II. von Sizilien. Herrscher zwischen Orient und Okzident, Primus Verlag Darmstadt 1997, Seite 98 - Jordan, Karl: Heinrich der Löwe, Deutscher Taschenbuch Verlag München, Seite 171,235 - Jurewitz-Freischmidt Sylvia: Die Herrinnen der Loire-Schlösser. Königinnen und Mätressen um den Lilienthron. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 1996 Seite 433,437 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band III Seite 112,115,120,125 - Pernoud Regine: Der Abenteurer auf dem Thron. Richard Löwenherz König von England. Diedrichs Verlag München 1994 - Pernoud Regine: Frauen zur Zeit der Kreuzzüge Verlag Herder Freiburg im Breisgau 1995 Seite 77-92 - Pernoud Regine: Herrscherin in bewegter Zeit. Blanca von Kastilien, Königin von Frankreich. Diederichs Verlag München 1991 - Pernoud Regine: Königin der Troubadoure. Eleonore von Aquitanien. Diederichs Verlag München 1991 - Pohl Walter: Die Welt der Babenberger. Schleier, Kreuz und Schwert, hg. von Brigitta Vacha, Verlag Styria, Seite 195, 209 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 552,563, 565-566,576,582-583,780,800,806,813,814 - Schneidmüller Bernd: Die Welfen. Herrschaft und Erinnerung. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 36,222 - Schnith Karl: Frauen des Mittelalters in Lebensbildern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1997 Seite 212,214-235 - Schnith Karl Rudolf: Mittelalterliche Herrscher in Lebensbildern. Von den Karolingern zu den Staufern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1990 Seite 296,311 - Treffer Gerd: Die französischen Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert) Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1996 Seite 12,15,19,21,77,79,93,105,112,118,121,134,146,280,305 - Uitz, Erika/ Pätzold, Barbara/Beyreuther, Gerald: Herrscherinnen und Nonnen. Frauengestalten von der Ottonenzeit bis zu den Staufern, Deutscher Verlag der Wissenschaften Berlin 1990, Seite 219-261 - Vones-Liebestein Ursula: Eleonore von Aquitanien. Herrscherin zwischen zwei Reichen. Muster-Schmidt Verlag Göttingen 2000 -
 
 
 
 
 
 


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