Adelheid von Poitou                                   Königin von Frankreich
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950/55-   1004
 

Einzige Tochter des Herzogs Wilhelm III. von Aquitanien und der Adela (Gerloc) von der Normandie, Tochter von Herzog Rollo
 

Treffer Gerd: Seite 71-72
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"Die französischen Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert)"

                                                        ADELHEID VON AQUITANIEN - die Stammutter
                                                        * um 945, + 1004

Gemahlin Hugues Capets (* 941; König: 987-996) Heirat 970

Am 3. Juli 987 wird Adelheid - an der Seite Hugues'- in Noyon zur Königin geweiht. Keine Selbstverständlichkeit: Sie ist die erste Könuigin aus einem neuen französischen Königsgeschlecht, Stammutter einer langen Reihe französischer Könige. 17 Jahre ist sie schon mit Hugues verheiratet und seit 971 Mutter eines Sohnes, Robert.
Adelheids Leben hatte eher dramatisch begonnen. Ihr Vater, Wilhelm Herzog von Aquitanien, den man Tete d'Etoupe, Feuerkopf, nennt, führte Krieg gegen Hugues Capet. Dem war es nicht gelungen, das Herzogtum zu erobern. So zog er es vor, dessen wichtigste Grafschaft, Poitou, zu erheiraten. Adelheid wird als Friedenspfand zwischen den Parteien Hugues zum Mann nehmen. Ihre Mutter ist Adele von der Normandie, ihr Großvater mütterlicherseits Rollo, der 911 Herzog der Normandie geworden war. 15 Jahre lang führen Adelheid und Hugues ein beschaulich-friedliches Leben. Das Paar hält sich in Paris und Orleans auf. Die Erziehung des Sohnes Robert wird in Reims dem großen Gerbert [von Aurillac - dem späteren Papst Sylvester II.] anvertraut. Von seiner Mutter beeinflußt, wird Robert (später: "der Fromme") in gut christlichem Sinne erzogen.
987 stirbt Ludwig V. nach einem Sturz vom Pferde, ohne einen Leibeserben zu hinterlassen. Sicher: da gibt es Karl von Lothringen. Aber er ist unpopulär und übel beleumdet. Adalberon, der Erzbischof von Reims, unterstützt Hugues gegen den letzten KAROLINGER. Und Adelheids Mann trägt den Sieg davon. So werden Hugues und Adelheid gesalbt. Im gleichen Jahr wird ihr Sohn Robert II. in Orleans gekrönt. Adelheid ist eine bemerkenswert fromme Frau. Die Chronisten werden ihren Beitrag zum Gut der Kirche rühmen: auf ihre Kosten wird sie vor allem das Kloster Saint-Trambault in Senlis und eines in Argenteuil bauen lassen. Aber das Schicksal hatte sie brüsk auf die vorderste Szene der Geschichte getragen. Das Königspaar teilte sich die Aufgaben: Hugues verhandelt und führt Krieg, um Karl - den Bruder des vorletzten und Onkel des letzten KAROLINGERS - auszuspielen. Adelheid bietet mit ihrem Sohn demonstrativ ein Mustrerbild königlicher Würde. Ihre drei Töchter verheiratet sie standesgemäß: Gisela wird Gräfin von Ponthieu, Adwige Gräfin von Dasbourg und Adelheid Gräfin von Nevers und Auxerre.
Für die  fromme Königin hält die Geschichte allerdings ihre Prüfungen bereit. Ihren Sohn hat sie 988 mit einer reifen Frau, der 50-jährigen Suzanne-Rozala von der Provence, verheiratet. Robert aber zieht seine Cousine Bertha von Burgund vor und hat sie zu seiner Konkubine gemacht. Als Hugues Capet am 24. Oktober 996 stirbt, nützt Robert gar die Situation, um Bertha zu heiraten. Das Papsttum reagiert heftig gegen diese inzestuöse Verbindung, droht mit Exkommunikation. Adelheid verfolgt entsetzt und machtlos die ehelichen Auseinandersetzungen ihres Sohnes, die von päpstlichen Interventionen begleitet werden. Als Adelheid im Jahr 1004 stirbt, geschieht dies mit stiller Genugtuung, daß ihr Sohn Robert auf diese von der Kirche verfemten Verbindung (anscheinend) verzichtet hat.


Ehlers Joachim: Seite 31,46
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"Die Kapetinger"

Wenig Nutzen im Sinne eines Militärbündnisses brachte seine Ehe mit Adelheid, der Schwester Herzog Wilhelms IV. von Aquitanien aus dem Hause POITOU, weil die Aquitanier noch nie bereit gewesen waren, zugunsten eines Königs nördlich der Loire zu kämpfen.
Die Heirat von Wilhelms Tochter Adelheid mit Hugo Capet (wohl 969/70) zeigte den Wunsch der ROBERTINER und des Hauses POITOU nach guten Beziehungen, die sich 987 bei der Königderhebung Hugo Capets in dessen sofortiger Anerkennung durch seinen Schwager Wilhelm IV. ausdrückten.

Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Seite 84
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"Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498."

Durch Hugos Gemahlin Adelheid, eine Tochter des Herzogs Wilhelm Werghaupt von Aquitanien, die er "Gefährtin und Teilhaberin unseres Königtums" nannte (Gerbert, ep. 120), bestand zunächst ein entspannets Verhältnis zu deren Bruder, Herzog Wilhelm Eisenarm.
 
 
 
 

 969
  oo Hugo Capet König von Frankreich
       um 940-24.10.996
 
 
 
 

7 Kinder:

  Robert II. der Fromme König von Frankreich
  20.7.972-20.7.1031

  Hadwig
  975/80- nach 1013

 998
  oo Reginar IV. Graf von Hennegau
       950/55-   1013

  Adela
  985/90- nach 1063

 1006
  oo Rainald I. Graf von Nevers
            -29.5.1040

  Gisela Erbin von Abbeville
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  986
  oo Hugo I. Graf von Ponthieu
               - ca 1000
 
 
 
 

Literatur:
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Althoff, Gerd: Otto III., Primus Verlag, Darmstadt 1997, Seite 61 - Eberhard Winfried: Westmitteleuropa Ostmitteleuropa. Vergleiche und Beziehungen. Festschrift für Ferdinand Seibt zum 65. Geburtstag. R. Oldenbourg Verlag München 1992 Seite 86 - Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 31,46 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 75,84,87,92 - Glocker Winfrid: Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik. Böhlau Verlag Köln Wien 1989 Seite 288,309 - Schieffer Rudolf: Die Karolinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1992 Seite 215 - Schneidmüller, Bernd/Weinfurter Stefan/Hg): Otto III. Heinrich II. Eine Wende?, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1997, Seite 40A - Treffer Gerd: Die französischen Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert) Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1996 Seite 71-72 -
 
 
 
 
 
 
 


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