Wilhelm II. der Rote                        König von England (1087-1100)
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1056
2.8.1100 ermordet
          bei Brockenhurst

Begraben: Winchester, Old Minster
 

2. Sohn des Königs Wilhelms I. des Eroberers von England aus dem Hause NORMANDIE und der Mathilde von Flandern, Tochter von Graf  Balduin V.; Bruder von Herzog Robert Kurzhose von der Normandie und König Heinrich I. Beauclerc von England
 

Lexikon des Mittelalters: Band IX Spalte 129
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3. Wilhelm II. Rufus ('der Rote', nach seiner Gesichtsfarbe), König von England seit 1087
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* 1056/60, 2. August 1100 bei Lyndhurst (Hampshire)

Begraben: Winchester, Old Minster

Wilhelm II. Rufus erhielt als Lieblings-Sohn Wilhelms I. des Eroberers (Mutter: Mathilde von Flandern) 1087 die englische Krone.
Das Regnum wurde von der Normandie getrennt, die an
Wilhelms älteren Bruder, Herzog Robert II. (29. R.), ging.
1088 schlug
Wilhelm II. Rufus eine Rebellion anglonormannischer Barone, die Robert zu ihrem König machen wollten, mit Hilfe eines angelsächsischen Aufgebots nieder. Er versprach daraufhin gute Gesetze und Steuererleichterungen, hielt sich aber nicht an die Zusagen. Ein zweiter Aufstand wurde 1095 niedergeschlagen. Von 1091 an dehnte Wilhelm II. Rufus seinen Einfluß auf die Normandie aus. Im Norden schob er die englische Grenze bis zur Tweed-Cheviot-Linie vor und zwang die Schotten, seine Oberherrschaft anzuerkennen (Malcolm III.). Als der schwache Herzog Robert 1096 zum Kreuzzug ins Hl. Land aufbrach, verpfändete er die Normandie an Wilhelm II. Rufus, der nun dort weitere Anhänger gewann. Maine und Wales wurden Ziele seiner Expansion. - In England stellte Wilhelm II. Rufus die Verwaltung in den Dienst willkürlicher Innen- und Kirchenpolitik. So ließ er in mißbräuchlicher Anwendung des Regalienrechts Bistümer und Abteien unbesetzt (Canterbury 1089-1093), um ihre Einkünfte an sich zu ziehen. 1093 schwer erkrankt, stimmte er der Wahl Anselms (von Bec [6. A.]) zum Erzbischof von Canterbury zu und versprach ein besseres Regiment. Nach der Genesung setzte er jedoch die Bedrückung der Kirche fort und geriet dadurch wiederholt in Konflikt mit Anselm. Zunächst ging der Streit um Besitzrechte von Canterbury, dann um die normannischen »Gewohnheiten«, aufgrund derer Wilhelm II. Rufus in die Kirche eingriff. Als Anselm auf einem Hoftag zu Rockingham die Frage aufwarf, ob der Gehorsam gegenüber dem Papst vereinbar sei mit der (Lehns-) Treue zum König, ergriffen die anderen Bischöfe Partei für Wilhelm II. Rufus, während die Barone teilweise den Erzbischof unterstützten. Die Antwort wurde verschoben. Wilhelm II. Rufus versuchte aber von da an in Rom - vergeblich -, die Absetzung Anselms zu erreichen. Als dieser bei Nacht und Nebel ins Exil auf den Kontinent ging, beschlagnahmte der König die Temporalien von Canterbury. Der Kirchenstreit, bei dem die Laieninvestitur anfangs nicht im Vordergrund stand, fand unter Wilhelm II. Rufus keinen Abschluß. Er starb bei einer Jagd im New Forest, als ihn der Pfeil eines seiner Barone traf. Ob es sich um einen Unfall handelte oder um einen Anschlag, ist letztlich nicht zu klären. Die zeitgenössischen Chronisten warfen Wilhelm II. Rufus Zynismus, Irreligiosität und Lasterhaftigkeit vor. Dieses Urteil färbte noch die viktorianische Geschichtsschreibung. Neuerdings werden seine Verdienste um die künftige Wiedervereinigung Englands mit der Normandie stärker betont. Er schuf hierfür Grundlagen, wenngleich das Herzogtum nach der Rückkehr Roberts II. 1100 an diesen herausgegeben werden mußte.
K. Schnith


Brandenburg Erich: Tafel 20 Seite 40
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XI. 108. WILHELM II.
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* 1060, 1100 2. VIII. ermordet

König von England 1087

Konkubine N.


Wilhelm II. der Rote folgte nach dem Tode seines Vaters in England, während seinem älteren Bruder Robert nur die Normandie verblieb. Er war haltlos, grausam, primitiv und stotterte und stand in ständigem Gegensatz zu seinen Brüdern, die ihm die Krone bestritten. Die anglonormannischen Großen, denen die Teilung des Reiches und besonders die Persönlichkeit des willensstarken Wilhelms unwillkommen war, verbündeten sich erfolglos mit Robert. Wilhelm beutete das Kirchengut skrupellos aus und auf ähnliche Art und Weise verfuhr er mit den Spolien und Regalienrecht. In den Kämpfen mit seinem Bruder überspannte er die Ansprüche an die Kronvasallen, setzte die Erbgelder willkürlich fest und machte aus der Erteilung des Ehekonsens ein Geldgeschäft. Trotzdem gelang es ihm, Rebellionen zu unterdrücken und die Zentralgewalt weiter zu festigen. Im Jahre 1090 machte er den Versuch, die Normandie zu erobern und erhielt 1091 im Frieden die Grafschaft Eu, Fecamp und Cherbourg. 1093 fiel der schottische König Malcolm und sein Sohn Eduard gegen Wilhelm. Im Jahre 1096, als sich Robert auf den 1. Kreuzzug begab, nutzte er dessen Geldnot aus und erwarb die Normandie als Pfand. Wilhelm wurde bei einer Jagd im New-Forest bei Brockenhurst von William Styrrel mit einem Pfeil getötet. Ihm folgte sein jüngerer Bruder Heinrich I.

 
 
 
 

Literatur:
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Appleby John T.: Heinrich II. König von England. Die Zeit des Thomas Becket. Dr. Riederer-Verlag Stutggart 1962 Seite 76,92 - Douglas David C: Wilhelm der Eroberer Herzog der Normandie. Diederichs Verlag München 1994 Seite 309-310,366-369,370,375,376 - Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 77,88,90,100 - Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 Seite 88 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 120,128 - Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 79 - Jäschke Kurt-Ulrich: Die Anglonormannen. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln Mainz 1981 -