TROYES, VERTRAG VON


Lexikon des Mittelalters:
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Troyes, Vertrag von
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geschlossen am 21. Mai 1420 zwischen Karl VI., König von Frankreich, und Heinrich V., König von England.
Nachdem eine sich abzeichnende Annäherung zwischen dem Herzog Johann von Burgund (Jean sans Peur) und dem Dauphin Karl (VII.), die dem englischen Vordringen Einhalt gebieten sollte, durch das Assassinat von Montereau (10. September 1419) abgebrochen worden war, knüpften Königin Isabella, die mit ihrem Gemahl Karl VI. in T
royes Zuflucht gesucht hatte und hier einen Angriff von seiten des Dauphins befürchtete, und der neue Herzog Philipp (der Gute) Verhandlungen mit Heinrich V. von England an (Mantes, Oktober 1419). Heinrich erhöhte seine früheren Forderungen, verlangte die Hand der Prinzessin Katharina, die Abdankung Karls VI. zu seinen Gunsten und die grundsätzliche Zurückweisung der Erbansprüche Herzog Philipps auf den französischen Thron. Philipp schloß dessenungeachtet einen Waffenstillstand mit Heinrich und setzte bei Königin Isabella den Abbruch ihrer Vorverhandlungen mit dem Dauphin durch. Eine englisch-burgundische Allianz wurde vereinbart (Rouen, 25. Dezember 1419).
Die Verhandlungen wurden in T
royes fortgesetzt. Eine Notabelnversammlung akzeptierte am 9. April 1420 im Grundsätzlichen ein Abkommen, forderte aber Abmilderungen, die von Heinrich V. zugestanden wurden:
Er sollte bis zum Tode König Karls VI. lediglich als Erbe der Krone Frankreich fungieren, diese sollte von der Krone England rechtlich geschieden bleiben. Dem Vertragswerk angeschlossene Bestimmungen regelten die Streitfragen zwischen England und Burgund; allerdings wurde für den Herzog von Burgund kein Platz in der Regierung des Königreiches vorgesehen (er erhielt jedoch den Besitz der Sommestädte).
Heinrich, der am 20. Mai in T
royes eintraf, vermählte sich mit Katharina am 2. Juni. Der Vertrag wurde von den Großen des Königreiches beschworen. Die nach Paris einberufenen États Généraux billigten ihn am 10. Dezember. Hierauf forderte Herzog Philipp 'justice' über die Mörder seines Vaters, die des Majestätsverbrechens für schuldig befunden wurden. Der Dauphin wurde als Komplize für unfähig erklärt, die Besitzungen seines Vaters zu erben (23. Dezember)
Das englische Parliament bestätigte seinerseits im März 1421 den Vertrag, doch nicht ohne Hintergedanken, war doch die nunmehr konstituierte »Doppelmonarchie« für England weniger vorteilhaft, als es eine einfache Annexion Frankreichs gewesen wäre.
J. Richard