Thomas IV. Howard                        3. Herzog von Norfolk (1524-1554)
---------------------------                       
Lord Howard, Mowbray und Segrave, zu Gower, Bramber und Brewes
147325.8.1554
         Schloß Kenning Hall

Ältester Sohn des Herzogs Thomas III.  von Norfolk aus dem Hause HOWARD aus seiner 1. Ehe mit der Elisabeth Tilney, Erb-Tochter von Sir Friedrich zu Ashwellthorpe; Onkel der Königinnen Anna Boleyn und Katharina Howard von England

www.wikipedia.de
****************

Howard, 3. Herzog von Norfolk
------------
* 1473 25. August 1554

war englischer Staatsmann im Kabinett von König Heinrich VIII.

Thomas war der älteste Sohn von Thomas Howard, 2. Herzog von Norfolk und wurde nach dessen Tod zum 3. Herzog von Norfolk. Dank der großen Vorarbeit seines Vaters im Herzogtum wurde Thomas nach dessem Tod im Jahre 1524 zum mächtigsten Peer in England. Wegen des großen Machtgefüges, dass er besaß, führte Thomas Howard die Opposition gegen Lordkanzler Kardinal Thomas Wolsey an. Seine Bemühungen wurden am Ende mit der Entlassung des Lordkanzlers belohnt.

Er mischte sich aber nicht nur in die Politik ein, sondern auch in das Hofleben bzw. Privatleben des Königs. So riet er diesem zu einer Scheidung von Prinzessin Katharina von Aragon und zu einer Vermählung mit seiner Nichte Anne Boleyn. Daraus erhoffte er sich einen größeren Einfluss beim König. Man konnte aber genau sehen, dass der Herzog auch abhängig vom König war, denn im Jahre 1536 musste dieser als Lord High Steward den Vorsitz beim Hochverratsprozess gegen seine Nichte Anne Boleyn führen und diese letztendlich zum Tode verurteilen.

Doch zum Trauern blieb keine Zeit, da er ein Jahr später den Aufstand der Pilgrimage of Grace niederschlagen musste. Dieser Aufstand richtete sich gegen die Konfiskation von Kirchengut. Dies war möglich, da König Heinrich VIII. seine eigene Kirche gründete, die Anglikanische Kirche, um sich von seiner Frau scheiden lassen und eine andere zu heiraten zu können. Neben dem König selbst zog auch Thomas Howard einen finanziellen Gewinn aus diesen Konfiszierungen.

1540 mischte er sich wieder in die Politik ein und brachte den königlichen Sekretär Thomas Cromwell zu Fall, der in Ungnade gefallen war.

Im Jahre 1542 heiratete Heinrich VIII. erneut eine Nichte Norfolks: Catherine Howard wurde die fünfte Ehefrau des Königs. Doch durch seine Verwandtschaft zu ihr verlor der Herzog nachfolgend seinen enormen Einfluss am Hof. Catherine Howard wurde des Hochverrats angeklagt und zum Tode verurteilt. Als Folge daraus wurden auch zahlreiche andere Mitglieder der Herzogs-Familie gefangen genommen; so auch Thomas Howard und sein Sohn, der Dichter Henry Howard, Earl of Surrey.

Norfolk und sein Sohn wurden angeklagt, Norfolk im Jahre 1546 und der Earl of Surrey im Jahre 1547. Der Herzog entkam der Hinrichtung, sein Sohn nicht. Einer Legende nach hatte der todkanke Heinrich VIII. sein Todesurteil in den Händen, war jedoch bereits zu schwach es noch zu unterschreiben. Während der Regierungszeit Eduard VI. blieb Thomas Howard in Haft. Bei Regierungsantritt von Königin Maria I. 1553 erhielt der 80-Jährige nach seiner Freilassung Titel, Würden und Besitz zurück.


Thiele, Andreas: Tafel 212
**************
"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band IV Die Britische Peerage, ein Auszug"

THOMAS IV. HOWARD
----------------------------------
1473
1554

Thomas IV. war ab 1510 Mitglied im Hosenbandorden und wurde 1512 General-Leutnant, 1513 Hoch-Admiral von England und Graf von Surrey.
Er machte 1513 die Schlacht bei Flodden gegen Schottland mit und wurde 1516 königlicher Geheim-Rat, 1520-1527 Statthalter von Irland, ab 1522 Lord-Schatzkanzler von England, 1523 Oberbefehlshaber gegen Schottland.
Thomas IV. folgte 1524 dem Vater als 3. Herzog und Graf von Norfolk, Lord Howard, Mowbray und Segrave, zu Gower, Bramber und Brewes und erblicher Earl-Marschall von England und half aktiv, 1529 den Kardinal Wolsey zu stürzen.
Er unterstützte die Scheidungsaffären Heinrichs VIII., obwohl es seine Nichten traf: Er saß 1536 als Lord-Hochstuart über Anna Boleyn zu Gericht und arrangierte 1540 die Heirat Katharina Howards, um so den erhofften führenden Einfluß auf den König zu gewinnen.
Thomas IV. war 1536/37 hauptverantwortlich für die blutige Niederschlagung des Aufstandes "Pilgrimage of Grace", bekam konfiszierten Kirchenbesitz, obwohl er Gegner der schroffen Reformation von Lordkanzler Cromwell war, den er 1540 stürzen half.
Er wurde General-Statthalter und General-Kapitän in Nord-England und siegte 1542 in der Schlacht bei Solway Moos gegen Schottland, war 1544/45 Oberbefehlshaber gegen Frankreich und eroberte Bolougne.
Kurz darauf wurde er Opfer des großen königlichen Mißtrauens und wurde geächtet, aller Ämter und Titel entsetzt und zum Tode wegen Hochverrats verurteilt (Vorwurf: Er habe unter anderem nicht die Machenschaften seines Sohnes Heinrich angezeigt und königliche Wappenteile ins Hauswappen übernommen).
Thomas IV. entging der Hinrichtung, da der König in der Nacht vor der Hinrichtung starb und alle Todesurteile ausgesetzt wurden. Er blieb inhaftiert, wurde 1553 voll restituiert, saß mit zu Gericht über den Regenten Dudley und schlug 1554 die "Wyatt's rebellion" nieder.

Beschrieben als "small and spare of stature and his hair black," "was influential more through his position than through abilities, and did not scruple at personal intrigue to secure his power. Still subversient as he might sgow himself ... he was hot tempered, selfseeking, and brutal, and his career shows the deterioration of English life under Henry VIII.", trotzdem: "his hopes of holding the chief place were constantly disappointed." (Creighton, in Dict. Nat. Biogr.)

  1. oo 1485
          ANNA VON ENGLAND
          1475
1510

Tochter und Eventual-Erbin des Königs Eduards IV.
(5 Kinder
klein)

  2. oo 1512-1533
           ELISABETH STAFFORD
           1497
1558

Tochter des 1521 hingerichteten Herzogs Eduard von Buckingham
Cousine König Heinrichs VIII.

er trennt sich von ihr wegen einer Geliebten und ihrer Weigerung, Anna Boleyn zu hofieren


Thomas Howard erhielt 1513 die Würde eines Großadmirals. Als solcher versuchte er eine Landung in Frankreich und befehligte in der Schlacht bei Flodden (9.9.1513) gegen Schottland unter seinem Vater die Vorhut. 1522 an die Spitze einer Expedition gegen Frankreich gestellt, landete er in der Bretagne und drang durch die Pikardie gegen Paris vor, wurde aber vom Herzog von Vendome zum Rückzug gezwungen. Nach seiner Rückkehr trat er an seines Vaters Statt in das Lordschatzmeisteramt ein und übernahm nach der Verdrängung des Kardinals Wolsey das Große Siegel. Von 1546 bis 1553 eingekerkert, entging er dem Schafott nur durch den Tod Heinrichs VIII.
Thomas war der Oheim von Anna Boleyn und Katharina Howard, der zweiten und fünften Gemahlin Heinrichs VIII.

 
 

   4.2.1495
  1. oo Anna von England, Tochter des Königs Eduard IV.
          2.11.1475
1510
 

    1512-1533
  2. oo Elisabeth Stafford von Buckingham, Tochter des Herzogs Eduard
           1497
1558
 
    
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Thomas Lord Howard
  um 1496
1508

2. Ehe

  Marie Howard
  um 1520
9.12.1557

 1533
  oo Heinrich Fitzroy Lord Richmond
       1519
22.7.1536

  Heinrich Howard Graf von Surrey
  1516
19.1.1547 hingerichtet

  Thomas 1. Viscount von Bindon
      
1582
 
 
 


 
 
 
Literatur:
------------

Fraser Antonia: Die sechs Frauen Heinrichs VIII. Claasen Verlag GmbH Hildesheim 1995 Seite 39-479 - Grayeff Felix: Heinrich VIII. Ein kraftvolles Leben. Wilhelm Heyne Verlag München 1961 Seite 12-335 - Hackett, Francis: Heinrich der Achte. Rohwolt Berlin 1936 Seite 95-483 - Mattigny, Garret: Katharina von Aragon. W. Kohlhammer Verlag Stuttgart 1962 Seite 276,307,313,315,323-325,333,337,345-347,353,373,375, 383-384,412,419,434 - Ridley Jasper: Heinrich VIII. Eine Biographie. Weltbild Verlag GmbH Augsburg 1995 Seite 161,164,214,322,324-326, 330,340,369-370,378,382,406-407,413,425,463 - Smith Lacey Baldwin: Die fünfte Frau. Heinrich VIII. und Katharina Howard. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1969 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band IV Die Britische Peerage, ein Auszug, R.G. Fischer Verlag 1996 Tafel 212 - Vercors: Anna Boleyn. 40 entscheidende Monate in Englands Geschichte Weltbild Verlag GmbH Augsburg 1995 - Wende Peter: Englische Könige und Königinnen. Von Heinrich VIII. bis Elisabeth II. Verlag C.H. Beck München 1998 Seite 37,44 -