Thomas II. Boleyn                            Graf von Ormond und Wiltshire
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1477
13.3.1539
         Hever/Kent

Einziger Sohn des Sir Williams zu Hewer und Bickling aus dem Hause BOLEYN und der Margarete Butler, Erb-Tochter von Graf Thomas I. von Ormond

Lexikon des Mittelalters:
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Ormond, Earls of
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Große angloirische Adels-Familie (Irland)

Sein Bruder John ( vor 15. Juni 1477) wurde im Oktober 1470-1471 im Zuge der lancastrischen Restauration als Earl anerkannt, vor dem 23. November 1474 von Eduard IV. rehabilitiert und am 21. Juli 1475 förmlich wiedereingesetzt; am 15. Juni 1477 ging das Earldom im Erbgang an Johns Bruder Thomas über, der am 3. August 1515 ohne männliche Erben verstarb.
Der Titel des Earl of
Ormond kam einige Jahre später an Thomas Boleyn, Viscount Rockford, Enkel von Thomas, der am 8. Dezember 1529 zum Earl of Ormond und Wiltshire gekürt wurde, aber ohne männliche Erben starb.
G. Mac Niocaill


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Thomas Boleyn
* 1477 13. März 1539
             Hever, Kent, England

war der Vater von Anne Boleyn, der zweiten Ehefrau des englischen Königs Heinrich VIII.

Thomas Boleyn oder Bullen war das älteste von vier Kindern und wurde geboren, als seine Mutter Magaret Butler gerade einmal 12 Jahre alt war. Sein Vater war Sir William Boleyn. Er kämpfte im Alter von 20 Jahren für Heinrich VII. gegen die Rebellen aus Cornwall, die gegen hohe Steuern protestierten.

Thomas Heirat mit Elizabeth Howard, Tochter vom 2ten “Duke of Norfolk, war für ihn eine perfekte Wahl. Die HOWARDS waren in Ungnade gefallen, seit sie für Richard III. in Bosworth kämpften. Er wäre sonst als ihrer Stellung nicht würdig empfunden worden.

Thomas wurde 1509 bei der Krönung Heinrich VIII. zum Ritter geschlagen. Er war ein exzellenter Kämpfer und nahm an einem Ritterspiel zur Feier der Geburt Prinz Heinrichs im Jahre 1511 teil. 1512 wurde er außerdem zum Constable von Norwich Castle und zum Sheriff von Kent ernannt. Er hatte ein großes Talent für Sprachen, was ihm in der Diplomatie sehr nützte.

Sir Thomas war intelligent und wissbegierig. Er arbeitete sehr hart und war fleißig. Sir Thomas Talent für Sprachen und Diplomatie war eine Familiengabe. Auch sein Groß-Onkel, der 6te Earl von Ormonde, verfügte bereits darüber. Dadurch bekam er bald einen Auftrag als Diplomat. Als erste Aufgabe übertrug man Sir Thomas, mit Margarete von Österreich, Regentin der Niederlande, über die geplante Invasion in Frankreich zu sprechen. Bei diesem Besuch wurde arrangiert, dass Tochter Anne Boleyn einige Zeit in Brüssel als Hofdame von Margarete verbringen sollte. Von 1519 bis 1520 war Thomas Boleyn englischer Gesandter in Frankreich, dorthin nahm er seine Tochter Anne ebenfalls mit. Er begleitete Heinrich VIII. zu einem Treffen mit KARL V. in Gravelines.

Sir Thomas’ ältere Tochter, Mary Boleyn, war mit Sir William Carey verheiratet, einem Mann mit guten höfischen Kontakten. Boleyns Tochter Anne zu verheiraten, gestaltete sich schwieriger. Die Verhandlungen für ihre Heirat mit James Butler waren erfolglos, und ihre Romanzen brachten sie in Schwierigkeiten.

Natürlich brachte die Affäre von Anne mit Henrich VIII. Sir Thomas Vorteile. Sein Titel als Viscount Rochford wurde bestätigt, 1529 wurde er zum Earl von Wiltshire ernannt und er bekam die Grafschaft von Ormonde zugesprochen. Sir Thomas wurde auf unzählige Missionen geschickt, um das Verhältnis zwischen Heinrich VIII., KARL V., Franz I. und Papst Clemens VII. zu beruhigen. Zusammen mit den Dukes von Norfolk, Suffolk und Anne Boleyn war Sir Thomas einer von Henrich VIII. wichtigsten Beratern.

Thomas Boleyn versuchte nicht, seiner Tochter Anne und seinem Sohn George Boleyn (2. Viscount Rochford ) zu helfen, als sie in Ungnade fielen. Ganz im Gegenteil stellte er sicher, dass die Beschuldigten aller angeblichen Verbrechen angeklagt wurden. Er bezichtigte sogar William
Brereton, Sir Henry Norris, Mark Smeaton und Sir Francis Weston des Ehebruches mit Anne. Sie wurden für schuldig befunden. Auch wenn er an der Verdammung seiner Kinder nicht beteiligt gewesen wäre, er hätte ihre Verurteilung nicht verhindern können.


Thiele, Andreas: Tafel 37
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band IV Die Britische Peerage, ein Auszug"

THOMAS II. BOLEYN
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1477
1539

Thomas II. Boleyn war wie der Vater treue Stütze der TUDORS, machte 1497 die Schlacht bei Blackheath, wurde Offizier und Mitglied der königlichen Leibgarde und Diplomat.
Er begleitete 1503 die Prinzessin Margarete Tudor nach Schottland und war mehrmals Gesandter bei Kaiser, Papst und beim französischen König.
Thomas II.
wurde Sheriff von Kent, Keeper of the Exchange/Calais und Keeper of foreign Exchange in London, 1518 königlicher Geheimrat und 1520 Teilnehmer am berühmten Spektabel des "Field of Cloth of Gold".
Der weitere rasche Aufstieg signalisierte das Fortschreiten des Verhältnisses Heinrichs VIII. mit Anna Boleyn. Er wurde Comptroller und Treasurer des königlichen Haushaltes, 1523 Mitglied im Hosenbandorden, 1525 Viscount von Rochford, 1529 Lord Siegelbewahrer und Graf von Ormond als Erbe des Hauses BUTLER, Graf Peter I. verzichtete zu seinen Gunsten.
Thomas II.
bekam viele Burggrafschaften und Stuartschaften dazu, gewann zeitweise großen Einfluß am königlichen Hof und sollte 1530 die Scheidungssache Heinrichs VIII. bei Kaiser und Papst vorantreiben. Seine Weigerung, dem Kaiser von Bologna nach Mantua zu folgen, dem Papst den Ring zu küssen, war wohl mitentscheidend, daß Heinrichs Scheidungswünsche scheiterten.
Thomas II. Boleyn
wurde allgemein negativ gesehen, gab sich religiös, ließ Erasmus von Rotterdam religiöse Traktate für ihn anfertigen, ließ es aber zu, daß seine Töchter königliche Mätressen werden, um einflußreich und reich zu werden. Er verlor 1537 das BUTLER-Erbe an Graf Peter zurück und wurde völlig zurückgesetzt, was mit großer Häme und Genugtuung registriert wurde. Er blieb Viscount Rochford.

  oo um 1500
      ELISABETH HOWARD
             1538

Tochter des Herzogs Thomas III. von Norfolk und der Elisabeth Tilney


Thomas Boleyn war vermögend, aber längst nicht genug, um seine Ambitionen befriedigen zu können. Immerhin hatte er von seinem Großvater Intelligenz, Wendigkeit und wahrscheinlich auch eine Portion Hartherzigkeit geerbt, die ihm gute Chancen im Lebenskampf verhießen. Er war in jungen Jahren nach London gegangen und konnte dort das Wohlwollen von Lord Howard gewinnen, der 1485 als YORK-Anhänger seine Güter an die Krone verloren hatte. Ihm waren die Fähigkeiten des jungen Mannes nicht verborgen geblieben, und er schätzte ihn so hoch, daß er ihm seine Tochter, die bezaubernde Elisabeth Howard zur Frau gab. Das junge Paar lebte zunächst recht bescheiden in Buckley Hall, dem Landsitz der BOLEYN, der ihnen ein kleines aber regelmäßiges Einkommen verschaffte. Beim Tod seines Vaters trat Thomas das Erbe des beachtlichen Vermögens an, das sein Großvater im Wollhandel angehäuft hatte und zu denm auch Schloß Hever Castle gehörte. Nachdem die Familie HOWARD das Vertrauen des Königs gewonnen hatte, wurde Thomas Berater des Monarchen und mit dem Hosenbandorden ausgezeichnet. Nach dem Tode Heinrichs VII. wurde er von dessen Nachfolger in die Niederlande geschickt, wo er viele Jahre als Gesandter am Hofe der Generalstatthalterin amtete. Boleyn, der sein Vermögen beträchtlich vergrößert hatte, konnte seinen Kindern eine erlesene Bildung angedeihen lassen.

Nachdem seine Tochter Maria die Geliebte Heinrichs VIII. geworden war, wurde Thomas Boleyn mit einer Reihe lukrativer Posten, die ihm den Weg in die Sphären des Hochadels öffneten, betraut. Er wurde Schatzmeister des königlichen Haushalts, Schloßverwalter von Tonbridge und Swaffham, Steuereinnehmer von Bransted, Bewahrer von Thinderley und Westwood Park. Schließlich verlieh ihm Heinrich noch den Titel  der gerade unbesetzten Lordschaft von Rochford.
Im Jahre 1530 verlieh ihm der König den Titel eines Grafen von Wiltshire.
 
 
 
 

 um 1500
  oo Elisabeth Howard, Tochter des Herzogs Thomas III. von Norfolk  und der Elisabeth Tilney
       um 1485
1538
 
 
 

Kinder:

  Maria Boleyn
  um 1500
19.7.1543

  oo Wilhelm Carey
       
um 1480 23.6.1528

  Anna Boleyn
  1507
19.5.1536

25.1.1533
   oo 2. Heinrich VIII. König von England
            28.6.1491
21.8.1547

  Georg Viscount Rochford
  um 1502
17.5.1536
 


 
   

Literatur:
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Baumann Uwe: Heinrich VIII. mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH 1991 Seite 78,83,94 - Fraser Antonia: Die sechs Frauen Heinrichs VIII. Claasen Verlag GmbH Hildesheim 1995 Seite 59,96,100,130,132-136,140,165,185,189,193,195,213, 216,242,254,261,270,279,352,353,406,462 - Grayeff Felix: Heinrich VIII. Ein kraftvolles Leben. Wilhelm Heyne Verlag München 1961 Seite 111, 114,128,130,134,147,152,157,171,174,192,196,198,202,209,219,237 -Hackett, Francis: Heinrich der Achte. Rohwolt Berlin 1936 Seite 83,124, 160,164,194,206,210,260,264,333 - Mattigny, Garret: Katharina von Aragon. W. Kohlhammer Verlag Stuttgart 1962 Seite 260,294,313,319,321, 322,346,348,447 - Panzer Marita A.: Englands Königinnen. Von den Tudors zu den Windsors. Verlag Friedrich Pustet Regensburg 2001 Seite 35, 36 - Ridley Jasper: Heinrich VIII. Eine Biographie. Weltbild Verlag GmbH Augsburg 1995 Seite 166 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band IV Die Britische Peerage, ein Auszug, R.G. Fischer Verlag 1996 Tafel 37 - Vercors: Anna Boleyn. 40 entscheidende Monate in Englands Geschichte Weltbild Verlag GmbH Augsburg 1995 - Wende Peter: Englische Könige und Königinnen. Von Heinrich VIII. bis Elisabeth II. Verlag C.H. Beck München 1998 Seite 30,36 -