SHERIFF


Lexikon des Mittelalters:
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Sheriff
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der reeve des Königs im shire, der bald shire reeve oder s
heriff genannt wurde, ist in England gegen 1000 als lokaler Hauptvertreter der königlichen Verwaltung nachweisbar, und nach der normannischen Eroberung war er den vicecomes gleichgestellt. Normannische und angevinische Könige sorgten dafür, daß dieses entscheidende Amt nicht in die Hände der Barone fiel. Dort, wo das Amt erblich wurde, übernahm normalerweise ein Stellvertreter, der vom König ernannt wurde, die Funktionen des sheriff. Der sheriff empfing königliche writs (urkundlich ausgefertigte Verfügungen), die er selbst ausführte oder an die beauftragten Personen übertrug. Der sheriff hatte den Vorsitz im Grafschaftsgericht, um Zivilrechtsprozesse anzuhören, und leitete das Aufgebot (posse) der Grafschaft zur Verfolgung von Dieben. Er reiste zweimal jährlich (tourn) zu den Hundertschaftsgerichten (hundreds), um dort über Kriminaldelikte Recht zu sprechen. Aber in zunehmendem Maße mußte er Kläger, Angeklagte und Geschworene zu den königlichen Gerichten in Westminster oder zu den Gerichten der Reiserichter (eyre) in den shires laden, aber auch Verhaftungen vornehmen oder Verbrecher ächten. Zu seinen Aufgaben gehörten ebenso das Einsammeln königlicher Abgaben, die Rechnungslegung zweimal jährlich bei dem Exchequer und die Verkündung königlicher Statuten. 1170 und mehrmals im 13. Jh. ließ der König Untersuchungen der Tätigkeit der sheriffs durchführen, und die Bewohner der Grafschaften reichten eine Bittschrift ein, in der sie die jährliche Wahl der sheriffs forderten. Die sheriffs führten die writs für die Wahl der Parliamentsmitglieder aus, doch seit 1372 wurde ihnen verboten, selbst im Parliament einen Sitz einzunehmen. Ihre Macht sank, als der große Umfang ihrer Aufgaben die Ernennung von neuen Grafschaftsbeamten notwendig machte: die escheators sowie die keepers und später die justices of the peace, die 1461 offiziell die »tourn«-Aufgaben des sheriffs übernahmen.
A. Harding