POITIERS


Lexikon des Mittelalters:
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Poitiers
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1. Poitiers., Schlacht von (Oktober 732)
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Nach der raschen Eroberung der Iberischen Halbinsel setzten 719 arabische Vorstöße über die Pyrenäen ein. Narbonne wurde besetzt; das belagerte Toulouse konnte 721 Eudo von Aquitanien noch retten, doch folgten neue Einfälle in Aquitanien (Einnahme von Carcassonne und Nîmes) und Burgund (725 Zerstörung von Autun). Der neue Statthalter <Abdarrahman, mit dessen Gegenspieler, dem Berber Munnuz, sich Eudo verbündete (was Karl Martell 731 mit zwei Strafzügen ahndete), zog im Frühjahr 732 von Pamplona aus durch das Baskenland nach Aquitanien; Eudo floh hilfesuchend zu Karl. <Abdarrahman gelangte siegreich bis Poitiers, wo die Kirche des hl. Hilarius in Flammen aufging. Nächstes Ziel war das fränkische Nationalheiligtum, die Martinskirche in Tours. Karl trat ihm mit einem Heer aus Franken und Burgundern entgegen. Nach sieben Tagen gegenseitiger Beobachtung und kleinerer Manöver trafen die Heere an einem Samstag im Oktober aufeinander. Die arabische Reiterei zerbrach »an der unbeweglichen Menschenmauer der Franken« (Isidori cont.). <Abdarrahman fiel, seine Truppen flohen zu ihrem festen Stützpunkt Narbonne. Karl blieb in zahlreichen weiteren Kämpfen mit den Arabern siegreich und drängte die Angreifer aus Süd-Gallien heraus; lediglich Septimanien blieb in arabischer Hand. Die Schlacht bei Poitiers steht in einer Reihe bedeutender Erfolge Karls bei der Abwehr der Araber; ihre zu weilen starke Überbewertung als welthistorscher Ereignis in der modernen Historiographie hat keine Grundlage in der Beurteilung der mittelalterlichen Geschichtsschreibung.
U. Nonn

2. Poitiers, Schlacht von (19. September 1356)
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wohl schwerste Niederlage Frankreichs im Hundertjährigen Krieg, fand statt auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Nouaillé-Maupertuis (dép. Vienne, arr. Poitiers, cant. La Villedieudu-Clain), südlich der Stadt Poitiers
Vorausgegangen waren die heftigen Konflikte König Johanns II. von Frankreich (Jean le Bon) mit Karl II. dem Bösen, König von Navarra und Grafen von Évreux, die in den Krieg mit Philipp von Navarra und seinen englischen Verbündeten einmündeten (französische Einnahme der Festung Breteuil-sur-Iton, Mitte August 1356). Angesichts des Vorrückens der anglogascognischen Streitmacht Eduards, des Prinzen von Wales, der am 5. August von Périgord aus zu einem Streifzung (chevauchée) aufgebrochen war, versammelte Johann das französische Heeresaufgebot Ende August/Anfang September 1356 in Chartres. Eduard, der die Festungen Vierzon und Romorantin erobert hatte (28. August-4. September) und auf Tours vorrückte, trat beim Herannahen des zahlenmäßig überlegenen Gegners den Rückzug an. Sein bei Maupertuis am 18. September von der französischen Armee gestelltes Heer lagerte in einer durch das Miossontal geschützten Stellung. Verhandlungen, die auf Initiative des Kardinal Talleyrand geführt wurden, scheiterten.
Am 19. September entfaltete sich die Schlacht; König Johann erwies sich als unfähig, den beschlossenen Schlachtplan durchzuführen. Ein Teil seiner Armee ergriff rasch die Flucht; der König war nach heroischer Verteidigung gezwungen, sich zu ergeben. Die französischen Verluste, Tote und Gefangene, zählten nach tausenden. Frankreich hatte einen gefangenen König; die in prekärer politischer Lage entstandene, durch strategische und taktische Fehler herbeigeführte militärische Katastrophe verschärfte dramatisch die bedrohliche politische und institutionelle, aus einer Krise der Gesellschaft hervorgegangene Situation des Landes (Frankreich A VI, B VII). Der Abschluß des Friedens von Brétigny und Calais (1360) markiert eine erste Etappe der Rückkehr zu geordneteren Verhältnissen.
Schon frühzeitig spielte Poitiers eine gewisse Rolle in der Propaganda der französischen Monarchie, wobei die unerschrockene Standhaftigkeit des Königs der Feigheit der Adligen gegenübergestellt wurde. Ein Teil der öffentlichen Meinung vertrat die Auffassung, daß sich das Königtum auf die städtischen Kommunen hätte stützen müssen. Später wurde aufgrund der schlimmen Erfahrung von Poitiers die Regel aufgestellt, daß der König von Frankreich nicht mehr persönlich in einer Feldschlacht, die Leben und Freiheit gefährdete, mitkämpfen solle, ein Grundsatz, an den sich die französischen Könige bis zum Ende des Hundertjährigen Krieges hielten.
Ph. Contamine