Philippa de Coucy                            Gräfin von Oxford
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3.11.1367
10.1411


Älteste Tochter des Grafen
Enguerrand VII. von Coucy aus seiner 1. Ehe mit der Isabella von England, Tochter von König Eduard III.; Cousine von König Richard II. von England

Thiele, Andreas: Tafel 225
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band IV Die Britische Peerage, ein Auszug"

ROBERT IV.
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1361/62
1392

  oo 1376-1387
       PHILIPPA DE COUCY
             
1411

Tochter des Grafen Enguerrand VII.
Enkelin König Eduards III. von England
(siehe Coucy II)


Tuchmann Barbara: Seite 208,383,402-405,442
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"
Der ferne Spiegel."

Kurz vor Ostern 1367 wurde die zweite Tochter Coucys geboren und nach ihrer Großmutter, der Königin, Philippa genannt. Das Neugeborene bekam von seinen Großeltern ein 24teiliges schöngeschmidetes Silberservice mit sechs Schalen, sechs Pokalen, vier Wasserkannen, vier Platten, Salzstreuern und Löffeln, das 239 Pfund gekostet hatte.

Offensichtlich glaubte Coucy sich berechtigt, irgendeinenen Anspruch auf das königliche Wappentier erheben zu können, vielleicht auch, weil seine Tochter Philippa eine Cousine des Königs von England war.
Die Hauptgestalt auf dieser Bühne war Robert de Vere, der Ehemann Philippa de Coucys, neunter Graf von Oxford und des Königs engster Berater und Freund. In seiner Jugend war er durch seine Heirat mit Philippa an den Hof gekommen und hatte entscheidenden Einfluß auf Richard gewonnen, der fünf Jahre jünger als er und vaterlos war.
Oxford wurde mit königlichen Vollmachten ausgestattet, den Aufstand niederzuschlagen; aber anstatt nach Irland zu gehen, verliebte er sich eine böhmische Hofdame der Königin. Seine Leidenschaft war so groß, daß er entschlossen war, sich von Philippa scheiden zu lassen und die böhmische Dame zu heiraten. Dadurch zog er sich den Zorn von Philippas Onkeln Lancaster, Gloucester und York zu. Trotz der Beledigung, die dies seiner Familie zufügte, war Richard zu sehr von Oxford eigenommen, als daß er sich ihm hätte entziehen können. So "stimmte er unpassender- und sündhafterweise zu" und half sogar noch bei der Verstoßung seiner eigenen Cousine. Oxford richtete einen Antrag auf Scheidung an Papst Urban, den er mit "falschem Zeugnis" begründete, Richard fügte dem seine Bitte um gefällige Berücksichtigung zu, und der Papst spürte keine Gewissensbisse, als er dem Anliegen entspach, da Philippas Familie, die COUCYS, klementinisch war.
Froissart schrieb später, daß die Art und Weise, wie Oxford seine Ehefrau behandelt habe, "der Hauptgrund dafür sei, daß er seine Ehre verloren" habe. Sogar die Mutter Oxfords stimmte der allgemeinen Verurteilung zu, indem sie Philippa zu sich in ihr Haus nahm. Sicherlich war es aber weniger moralische Empörung als Philippas königliches Geblüt und Oxfords allgemeinen Unbeliebtheit, was die Mißbilligung auslöste.
Im Februar 1388 erhoben die Lords in einer Sitzung gegen Oxford und den Kanzler, Michael de la Pole, Graf von Suffolk, der auch geflohen war, die Anklage des Verrats.
Gegen Coucy Widerstand wurde Oxford noch im selben Jahr nach Frankreich eingeladen. Oxford kam, wurde empfangen und gut behandelt, bis sich Coucy mit Hilfe von Clisson, Riviere und Mercier beim König durchgesetzt hatte und der Entehrer seiner Tochter aus Frankreich vertrieben wurde. In Brabant fand sich dann schließlich ein Wohnsitz für Oxford, wo er 1392 dreißigjährig bei einer Wildschweinjagd ums Leben kam. König Richard II. ließ den Leichnam nach England überführen, und während einer prunkvollen, einsamen Trauerfeier steckte er einen Ring an den toten Finger des großen Unruhestifters. In der Zwischenzeit war die Scheidung annuliert worden, und Philippa blieb die rechtmäßige Gräfin von Oxford.
Im Wissen um Coucys Einfluß hatten die englischen Herzöge dessen Tochter mitgebracht, zweifellos in der Hoffnung, auf diese Weise sein Wohlwollen zu gewinnen. Philippa hatte sich glühend gewünscht, den Vater wiederzusehen, den sie ja kaum kannte, und Coucy freute sich sehr über das Treffen. Seine Tochter "reiste in guter Ausstattung, aber wie eine Witwe, die in ihrer Ehe wenig Vergnügen genossen hatte."





1376-1387
   oo
Robert IV. Graf von Oxford
   x   1361/62
1392





Literatur:
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Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 151 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band IV Die Britische Peerage, ein Auszug, R.G. Fischer Verlag 1996 Tafel 225 - Tuchmann Barbara: Der ferne Spiegel. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1995 Seite 208,277,383,402-405,442,484 -