Philipp II.                                         König von Spanien (1556-1598)
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21.5.1527
13.9.1598
Valladolid Madrid

Begraben:
Monasterio de San Lorenzo de el Escorial - Pantheon der Könige

Einziger Sohn des Kaisers KARL V. aus dem Hause HABSBURG und der Isabella von Portugal, Tochter von König Manuel I.

Thiele, Andreas: Tafel 170
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa"

PHILIPP II. (V.)
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1527
1598

Philipp II. war stattlich und gebildet, aber abweisend und kühl, ganz dem spanisch-burgundischem Hofzeremoniell ergeben, dessen Nichtbeachtung er sogar mit dem Tod bestrafte. Er vereinsamte mehr und mehr, lebte mönchisch und zurückgezogen im Escorial, folgte starrsinnig engsten politischen und religiösen Prinzipien und ruinierte damit sein Riesenreich. Mit seinem religiösen Fanatismus legte er Spanien bis ins 20. Jahrhundert fest.
Philipp erhielt 1556 von seinem resignierenden Vater die Herrschaft über Spanien, die Niederlande, Neapel-Sizilien, Mailand und die amerikanischen Kolonien. Philipp wurde das Haupt der europäischen Gegen-Reformation. Unter seiner Regierung Höhepunkt und Verfall des spanisch-katholischen Systems. Philipp standen die geübtesten Heere und besten Feldherren zu Gebote. Die jahrzehntelangen Kriege KARLS I. hatten den ökonomischen Ruin des Landes mit sich gebracht und führte 1557 zum Staatsbankrott. Die Regierung versuchte vergeblich durch Manipulationen aller Art die Staatsfinanzen zu sanieren. Im Frieden von Cateau Cambresis (1559) konnte Spanien seine Vormachtstellung in Europa gegenüber Frankreich noch behaupten. Als Philipp die 17 niederländischen Provinzen noch fester in sein Weltreich einzugliedern versuchte, um sich ihrer Steuerquellen rücksichtsloser bedienen zu können, brach der Unabhängigkeitskrieg (1566-1609) aus. Dies bedeutete eine doppelte Belastung für die spanischen Finanzen (Ausfall der Einkünfte, riesige Kriegskosten). Infolge der brutalen Unterdrückung kam es zum Aufstand der Moriskos (1568-1571). Im Bündnis mit den italienischen Staaten bekriegte Philipp II. die Türken im östlichen Mittelmeer und seinHalb-Bruder Don Juan d'Austria errang 1571 den Seesieg bei Lepanto. Nach dem Aussterben der burgundischen Dynastie (1580) erhob Philipp II. Ansprüche auf die portugiesische Krone, ließ das Land durch Alba besetzen und vereinigte es mit Spanien. Die Autonomieversprechungen wurden nicht eingehalten und die portugiesischen Kolonien kamen unter spanische Verwaltung. Die ständigen Plünderungszüge englischer Piraten in den spanischen Kolonien und die Unterstützung für die Niederlande verschlechterten das englisch-spanische Verhältnis. Da die spanische Agententätigkeit Elisabeths Herrschaft nicht beseitigen konnte, entschloß sich Philipp II. 1588 zum Krieg. Die zur Eroberung ausgesandte Flotte (Armada) unter Medina Sidonia wurde von den besser bewaffneten, taktisch überlegenen und mit Holland verbündeten Engländern im Kanal geschlagen und in der Nordsee vom Sturm vernichtet. Alle Versuche, sich in den französischen Bürgerkrieg einzumischen und Frankreich in einem Vasallenstaat zu verwandeln, scheiterten. Im Frieden von Vervins (1598) mit Frankreich mußte Philipp allen Ansprüchen in Frankreich entsagen. Er hinterließ eine Staatsschuld von 100 Millionen Dukaten. Er starb elend und schmerzvoll, bei lebendigem Leib verfaulend.

  
1. oo 1543
            MARIE VON PORTUGAL
            1527
1545 (im Kindbett)

Tochter des Königs Johann III.
Cousine


  2. oo 1554
           MARIA I. TUDOR, Königin von England
           1516
1558

Tochter des Königs Heinrich VIII.
die Tante

  3. oo 1559
           ELISABETH VON FRANKREICH
           1545
1568

Tochter des Königs Heinrich II.

  4. oo 1579
            ANNA VON HABSBURG
            1549
1580

Tochter des deutschen Kaisers MAXIMILIAN II.
die Nichte


Reifenscheid, Richard: Seite 116
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"Die Habsburger. Von Rudolf I. bis Karl I."

Die Nachkommen Kaiser Karls V.

I. PHILIPP II., König von Spanien 1556-1598
* 21.5.1527 in Valladolid
13.9.1598 in Escorial bei Madrid

Grabstätte: Monasterio de San Lorenzo de el Escorial - Pantheon der Könige

  I. oo 15.II.1543 in Salamanca
           MARIA, Infantin von Portugal
           * 15.10.1527 in Coimbra
           
12. 7.1545 in Valladolid

Grabstätte: Monasterio de San Lorenzo de el Escorial - Pantheon der Infanten


Eltern: Johann III., König von Portugal, und Katharina, Infantin von Kastilien, Erzherzogin von Österreich, Tochter Philipps I., König von Kastilien

  II. oo 25.7.1554 in Winchester
           MARIA I. TUDOR VON ENGLAND - »DIE BLUTIGE«
           * 18.2.1516 in Greenwich
           
17.11.1558 in London

Grabstätte: Im nördlichen Seitenschiff der Westminster Abbey in London


Eltern: Heinrich VIII., König von England, und Katharina, Infantin von Aragon, Tochter Ferdinands V., König von Aragon

  III. oo 2.2.1560 in Toledo
             ELISABETH, Prinzessin von Frankreich aus dem Hause VALOIS
             * 2.4.1545 in Fontainebleau     
             †
3.10.1568 in Madrid

Eltern: Heinrich II., König von Frankreich, und Katharina von Medici, Tochter Lorenzos II., Großherzog von Urbino

  IV. oo 12.11.1570 in Segovia
             ANNA, Erzherzogin von Österreich
             * 2.11.1549 in Cigales bei Valladolid
            
26.10.1580 in Badajoz

Grabstätte: Monasterio de San Lorenzo de el Escorial - Pantheon der Könige

Eltern: Maximilian II., Römischer Kaiser, und Maria, Infantin von Spanien, Tochter Karls V., Römischer Kaiser

16.1.1556 Philipp II. folgte Kaiser KARL V. nach dessen Abdankung als König von Spanien.
 1.2.1580 Philipp II. folgte König Heinrich I. als König von Portugal. Personalunion zwischen Spanien und Portugal bis 1640.

Bedürftig Friedemann: Seite 173-174
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"Taschenlexikon Karl V."

Philipp II. von Spanien
* Valladolid 21.5.1527,
Madrid 13.9.1598

Mit eiserner Hand hielt Philipp, ältester und einziger legitimer Sohn KARLS V., das Teilreich zusammen, das ihm der Vater hinterlassen hatte und das dank der überseeischen Besitzungen sowie der späteren Übernahme auch Portugals und seiner Kolonien weit mächtiger war als das eigentliche, römisch-deutsche Reich, das der fast genau gleichaltrige Vetter MAXIMILIAN II. erbte. Philipp war vom Kaiser sorgfältig auf seine Herrscherrolle vorbereitet worden, mußte schon als 13-jähriger und ein zweites Mal 1543 die Regentschaft in Spanien übernehmen, als KARL V. zur Regelung seiner deutschen und niederländischen Angelegenheiten jahrelang abwesend war. Vor der letzten Reise ins Reich sorgte er für die Verheiratung des Sohnes mit Maria Manuela und hinterließ ihm ein ausführliches Testament, das eine Hauptquelle für unsere Kenntnis der innersten Bestrebungen und Leitlinien für das Handeln des Kaisers ist: Neben sehr privaten Ratschlägen, die Eheleben, Vorsicht vor Schmeichlern, Gesundheit und königliche Würde betreffen, finden sich politische Hinweise, die der Prinz strikt für sich behalten sollte. An erster Stelle rangiert dort als Konstante der gesamten bisherigen Politik des Kaisers der Konflikt mit Frankreich, der letztlich wohl nur militärisch entschieden werden könne, weswegen Philipp stets für die Finanzierung etwaiger solcher Unternehmungen zu sorgen habe: »Dann müßt Ihr zeigen, wozu Ihr fähig seid, um mit Eurem Vater Euch selbst zu helfen.« Es folgen kurze, illusionslose Charakteristiken der engsten Berater von Alba und Loaysa bis Granvelle, die KARL dem Sohn zurückließ, und Ermahnungen, für eine unabhängige Justiz zu sorgen und den Glauben der Väter zu bewahren. Sieben Jahre regierte der Kron-Prinz die iberischen Reiche, dann übergab er sie dem Vetter MAXIMILIAN und begab sich zum Vater nach Brüssel. Dessen Plan, die Thronfolge im Reich und Spanien im Austausch der beiden Linien des Hauses HABSBURG zu regeln, ließ sich aber nicht durchsetzen, und so folgte ihm nach der Abdankung 1555 Philipp als König in Spanien und in den Niederlanden; das Kaisertum blieb ihm wegen der älteren Rechte des Onkels FERDINAND I. versagt, es ging an die österreichische Linie. Philipps Regierungszeit war umdüstert von familiären Tragödien wie der des Kron-Prinzen Don Carlos oder der der kinderlosen Ehe mit Maria Tudor oder der des frühen Todes der dritten Frau Elisabeth von Valois (1545-1568); erst die 1570 geschlossene vierte Ehe mit Anna von Österreich (1549-1580) brachte den ersehnten Kindersegen. Hinzu kamen blutige Kriege wie der gegen die aufständischen Niederlande oder die rebellierenden Morisken und schwere Niederlagen wie die der gigantischen Armada 1588 gegen die englische Flotte im Kanal. Und auch lichtere Momente wie der Sieg über die Türken bei Lepanto 1571 ließen beim König keine rechte Freude aufkommen, weil sie vom Neid auf den glücklichen Halb-Bruder Juan d'Austria verdunkelt wurden. Das Image des Königs litt darüber hinaus durch religiöses Eiferertum, harte Maßnahmen der Inquisition und finanzielle Überbeanspruchung seiner Länder durch das unentwegte Rüsten. Als er 71-jährig nach 53-tägigem Todeskampf starb, gab es Erleichterung, die bald schweren Zukunftssorgen wich, denn mit seinem Ende begann der unaufhaltsame Niedergang der spanischen Weltgeltung.

DIE HABSBURGER. Ein Biographisches Lexikon.: Seite 385-390
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Philipp II., spanisch Felipe II, der »Kluge« (el prudente), König von Spanien, als König von Portugal Filipe I.
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geb. 21.5.1527 in Valladolid, gest. 13.9.1598 im Escorial

Begr. im Pantheon der Könige im Kloster San Lorenzo im Escorial


Sohn von Kaiser Karl V. und Isabella von Portugal

In Philipps Regierungszeit verlagert sich das Zentrum der habsburgischen Macht nach Spanien, das zur imperialen Hegemonialmacht in Europa, zur Vormacht der Gegenreformation und nach dem Erwerb der Philippinen (1564/65) und der Vereinigung mit Portugal und seinem ausgedehnten Kolonialreich (1580) zur ersten, den Globus umspannenden Weltmacht der Neuzeit wurde.
Philipp verbrachte seine frühen Kinderjahre in der Obhut seiner Mutter, die für ihren abwesenden Gemahl in Spanien die Regentschaft führte. Die Erziehung des Thronfolgers scheint zunächst vernachlässigt worden zu sein, denn bis zu seinem 7. Lebensjahr konnte er weder lesen noch schreiben. 1535 entzog der Kaiser KARL V. Philipp der Obhut seiner Mutter und ernannte Don Juan de Zuniga, ein Mitglied des kastilischen Hochadels, zum gestrengen Erzieher, der ihn nach spanischer Sitte erziehen sollte.
Schon als Jüngling zeichneten sich bestimmte Neigungen und Charaktereigenschaften ab:
Philipp
war sehr introvertiert, stark auf seinen Vater fixiert, zeigte wenig Emotionen, war stark religiös, liebte die Natur und den Aufenthalt im Freien, jagte und angelte gern, so daß ihm der Vater vorschreiben maßte, wieviel Tiere er pro Woche erlegen durfte. Daneben interessierte sich Philipp für Musik, Malerei und die Wissenschaften.
Etwa 1540 begann Philipps Sammelleidenschaft. Er trug bis zu seinem Tod eine ca. 14.000 Bände umfassende Bibliothek im Escorial zusammen, Gemälde, Spiegel, Medaillen, Münzen, Uhren, Astrolabien, Musikinstrumente, Edelsteine und Waffen. Die Sammlungen hatten einen Wert von mehr als 7 Millionen Dukaten. Persönlich gab sich Philipp sowohl in der Kleidung als auch im Auftreten bescheiden, war jedoch sehr auf seine Gesundheit und körperliche Reinlichkeit bedacht. 1543 übergab KARL V. dem 16-jährigen die Regentschaft in Spanien, und im selben Jahr heiratete der Jüngling aus politischen Gründen seine Cousine, die portugiesische Infantin Maria Manuela. Sie starb 1545 bei der Geburt des Don Carlos.
1548 verließ Philipp erstmals Spanien und reiste über Genua, Mailand, Innsbruck, Schwaben und Lothringen nach Brüssel. Mit seiner steifen Zurückhaltung und seiner Unfähigkeit, sich in einer der gängigen Fremdsprachen auszudrücken, stieß er weitgehend auf Ablehnung und wurde als hochmütig eingestuft. Er selbst war von seiner neuen Umgebung beeindruckt: flandrische Festlichkeiten und Kultur, vor allem der Gartenbau, die Malerei (Hieronymus Bosch und die Brueghels) und die Musik gefielen ihm dermaßen, daß er sie später in Spanien einführen ließ. Anläßlich des HABSBURGER-Familientreffens im Winter 1550/51 lernte Philipp auch seine »deutschen« Verwandten kennen. Das Verhältnis zu ihnen gestaltete sich freilich wenig herzlich. Im Sommer 1554 heiratete er in England Maria Tudor, seine zweite, erheblich ältere und wenig reizvolle Frau. Aus Statusgründen trat ihm sein Vater kurz vor der Vermählung das Königreich Neapel ab.
1555 trat KARL V. dem Sohn die Niederlande, 1556 die spanischen Reiche und die Franche Comte ab. Die Verantwortung traf den jungen König mit voller Wucht. Er sah sich im Krieg mit Frankreich und dem Papst und mußte 1557 seinen ersten Bankrott erklären. Doch seine Truppen errangen den großen Sieg von Saint-Quentin. Nach dem Tod des Vaters und der zweiten Gattin 1558 gab ihm der Friedensschluß von Chäteau Cambresis 1559 freie Hand, seine Herrschaft nach eigenem Willen zu organisieren. Er kehrte nach Spanien zurück und verließ nun die Iberische Halbinsel nie mehr. Madrid wurde zum dauerhaften Herrschaftszentrum seines Weltreichs.
Philipp übernahm ein ausgedehntes und problematisches Erbe. Jedes seiner Reiche besaß eigene Institutionen, eine eigene Rechtsordnung, besondere politische und wirtschaftliche Probleme und verschiedene kulturelle Traditionen. Nicht einmal in religiöser Hinsicht war die Einheit gesichert: der Protestantismus faßte in den Niederlanden Fuß, in Spanien gab es mit den zwangsbekehrten Morisken und jüdischen Konvertiten religiös zur Abweichung neigende Minderheiten - darüber hinaus die gar nicht oder nur oberflächlich bekehrten Indianer Amerikas. Mit Ausnahme von Kastilien gab es allenthalben ständische Widerstände gegen die herrscherliche Autorität, und patriotische Opposition gegen eine ausländische Herrschaft war in Italien, den Niederlanden und selbst in Aragon verbreitet. Außenpolitisch drohte Gefahr von Frankreich und (dem sich unter Königin Elisabeth wieder dem Protestantismus zuwendenden) England, den protestantischen Reichsfürsten, den Türken und selbst dem sich gegen spanische Umklammerung wehrenden Papsttum. Die politische Konzeption war einfach. Bewahrung des väterlichen Erbes, Verteidigung des katholischen Glaubens um nahezu jeden Preis, Wahrung der königlichen Autorität nach innen wie nach außen - Ziele, die er nach Möglichkeit friedlich zu erreichen suchte, und sei es auch durch Intrigen, Paktieren mit den Glaubensfeinden oder durch drakonisches Vorgehen gegen persönliche Störenfriede.
Philipp war, wohl wesensbedingt, ein defensiver Herrscher, der zwar ständig in äußere Konflikte verwickelt war, aber dessen persönliche Neigung eher der Innenpolitik galt. Er übernahm einen komplizierten Regierungsapparat, der aus einer großen Zahl kollegial organisierter, zentraler Ratsbehörden bestand, deren Kompetenzen teils nach regionalen, teils nach sachlichen Kriterien festgelegt waren. Im Gegensatz zu seinem Vater organisierte Philipp seine Regierungstätigkeit nun auf rein bürokratischer Grundlage, wohl aus der Einsicht, daß es ihm in Ermangelung persönlicher Ausstrahlung nicht vergönnt war, durch sein Auftreten an den Brennpunkten des Geschehens die Dinge in seinem Sinne zu beeinflussen.
Verließ er sich zu Beginn seiner Herrschaft noch eher auf die Unterstützung hoher Adeliger, so erledigte er die Amtsgeschäfte immer mehr nur noch mit vertrauten Sekretären einfacher Herkunft. Von einem starken Pflichtbewußtsein durchdrungen, arbeitete er unermüdlich bis in die tiefe Nacht an seinem Schreibtisch, der stets mit Blick in die Natur aufgestellt war, las Unmengen von Papieren, schrieb Kommentare, kümmerte sich oft selbst um Details und traf wichtige Entscheidungen nach Anhörung zahlreicher Ratgeber meist allein. Diese Arbeitsweise trug ihm ein Augenleiden ein, hatte aber auch enorme Verzögerungen selbst wichtigster politischer Entscheidungen zur Folge. Da zudem die Übermittlungswege lang waren, funktionierte der Regierungsapparat äußerst schwerfällig.
Das bekannteste Zeugnis für Philipps rege Bautätigkeit in und um Madrid ist der Escorial als Palast und Kloster, zugleich als Ausdruck der engen Verbindung von Staat und Religion und strenger imperialer Größe. Viel Zeit und Geld verwandte er auf den Bau des Königspalastes in Madrid, des Sommersitzes von Aranjuez und den Ausbau der übrigen Königsschlösser um Madrid, wobei ihm die umliegenden Gärten mit Bäumen und Pflanzen aus all seinen Reichen, mit künstlichen Seen und selbst mit zoologischen Gärten (in denen er unter anderen Löwen, Rhinozerosse, Elefanten, Kamele und andere seltene Tiere halten ließ) mindestens so am Herzen lagen wie die Bauten selbst. Er reiste häufig zwischen seinen Schlössern hin und her, verbrachte möglichst viel Zeit in der Natur und auf der Jagd. Hier offenbart sich ein starker Gegensatz zwischen dem kontaktarmen, pflichtbewußten und strengen König und dem in seinem Innern empfindsamen, kunst- und wissenschaftszugewandten Menschen Philipp, der seine Empfindungen eigentlich nur in seinen umfangreichen Briefen an seine Töchter zu äußern vermochte. Selbst schwerste politische und familiäre Schicksalsschläge veranlaßten ihn kaum je dazu, seine Gefühle zu äußern.
1559 vermählte sich Philipp in dritter Ehe mit der Tochter des französischen Königs Heinrich II. Elisabeth von Valois. Nach zwei Fehlgeburten schenkte sie ihm die beiden von Philipp so zärtlich geliebten Töchter Isabella Klara und Katharina Michaela, nach einer weiteren Fehlgeburt starb sie. Das von Wilhelm von Oranien in seiner gegen Philipp gerichteten »Apologia« verbreitete Gerücht, Philipp habe Elisabeth vergiftet und Don Carlos umbringen lassen, erlangte zwar weite Verbreitung im prostestantischen Europa und beeinträchtigte nachhaltig das Bild des Königs, ist jedoch völlig haltlos. Ungeachtet seines lebhaften Wunsches, Witwer zu bleiben, heiratete Philipp 1570 aus dynastischen Gründen seine vierte Gattin Anna von Österreich, die Tochter Kaiser Maximilians II. Anna bescherte dem König den ersehnten Kindersegen: sie brachte vier Knaben und eine Tochter zur Welt (darüber hinaus hatte sie zwei Totgeburten).
Mit Ausnahme des vierten Sohnes Philipp starben jedoch alle Kinder Annas früh, und die Königin selbst wurde 1580 Opfer ihrer siebten Schwangerschaft und einer Grippe. Ingesamt erlebten Philipps vier Gattinnen 13 Schwangerschaften, gebaren acht Kinder, von denen jedoch nur zwei, die Tochter Isabella und und der Sohn Philipp, den Vater überlebten.
Neben den familiären Tragödien, die er mit Übungen in einem Kloster durch die tägliche Arbeitsroutine zu verkaufen suchte, mußte Philipp auch politische Rückschläge hinnehmen: den Aufstand der Niederlande und der Morisken in Granada, den Verlust eines großen Teils der spanischen Stützpunkte in Nord-Afrika, den Untergang der Armada, den Verrat und die Flucht seines Sekretärs Antonio Perez und den dadurch ausgelösten Aufstand Aragons, zwei weitere Staatsbankrotte, um nur die spektakulärsten zu nennen. Dem gegenüber stand mit dem Sieg bei Lepanto nur ein wirklich herausragender Erfolg.
Mit seiner zähen und beharrlichen Politik trug er wesentlich dazu bei, Frankreich dem Katholizismus zu erhalten, den Vormarsch des Protestantismus in Europa insgesamt aufzuhalten und mit der portugiesischen Erbfolge den Machtbereich seines Hauses erheblich auszudehnen. Er mehrte somit neben kleineren Verlusten die ihm vom Vater übergebenen Reiche, ebnete letztlich einem neuen Herrscherbild und einer neuen, objektiveren Regierungspraxis auf der Grundlage von Schriftlichkeit und Bürokratie in Europa endgültig den Weg und wurde von seinen Rivalen allenthalben imitiert. Die Vorwürfe,
die man Philipp in Europa machte, wie etwa seine religiöse Rigorosität und die Praktiken der Inquisition, seine Strenge und Distanziertheit, brachten ihm gerade in seiner engeren Heimat, in Kastilien, den Respekt und die Achtung seiner Untertanen. Wie kaum ein Herrscher seiner Zeit konnte er sich ohne nennenswerte Leibwache in seinem Lande bewegen, ja sich unter das Volk mischen, und Kastilien finanzierte ohne Murren seine aufwendige Politik. Gerade das einfache Volk Kastiliens identifizierte sich mit der Politik Philipps und sah in seiner Strenge, seinem Pflichtbewußtsein und seiner Distanziertheit die Garantie gegen Adelswillkür und »Law and Order«.

Literatur:
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Geoffrev Parker, Philip II., London 1979; Ludwig Pfandl, Philipp II, München 1938; Peter Pierson, Philipp II. Vom Scheitern der Macht, Graz 1985.
             

 15.11.1543
  1. oo Maria von Portugal, Tochter des Königs Johann III.
          15.10.1527
12.7.1545      Cousine
                              im Kindbett

  25.7.1554
  2. oo Maria I. Tudor Königin von England
      x  18.2.1516
17.11.1558

  30.6.1559
  3. oo Elisabeth von Valois, Tochter des Königs Heinrich II.
           13.4.1545
3.10.1568

 12.11.1570
  4. oo Anna von Österreich, Tochter des Kaisers MAXIMILIAN II.
           2.11.1549
26.10.1580    Liebling ihres Vaters
           Cigales      Badajoz


Geliebte:
  Eboli, Anna de Mendoza, Fürstin von
  1540
2.2.1592





Kinder:
1. Ehe

  Don Carlos
  8.6.1545
24.7.1568
3. Ehe
                
  Isabella Clara    
  12.8.1566
15.11.1633
  Segovia     Brüssel
 
  Statthalterin der Niederlande

18.4.1599
  oo Albrecht VII. Erzherzog von Österreich
      13.11.1559
15.11.1621

  Katharina       
  10.10.1567
6.11.1597

11.3.1585
   oo Karl Emanuel I. Herzog von Savoyen
        12.1.1562
26.7.1630
4. Ehe

  Ferdinand
  4.12.1571
18.10.1578

  Karl
  12.8.1573
30.6.1575

  Diego
  12.7.1575
21.11.1582

  Philipp III.
  14.4.1578
31.3.1621

  Marie
  14.2.1580
5.8.1583





Literatur:
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Andics Hellmut: Die Frauen der Habsburger. Wilhelm Heyne Verlag München 1985 Seite 101,121,125,129-137,139-146,148,151,153,160 - Bedürftig Friedemann: Taschenlexikon Karl V. Piper Verlag GmbH München 1999 Seite 173-174 - DIE HABSBURGER. Ein Biographisches Lexikon. Piper Verlag GmbH & Co. KG, München 1988 Seite 385-390 - Ferdinandy Michael de: Philipp II. Bechtermünz Verlag Augsburg 1996 - Giardini Cesare: Don Carlos. Infant von Spanien. Eugen Diederichs Verlag München 1994 - Grierson Edward: Philipp II. König zweier Welten. Societäts-Verlag Frankfurt 1978 - Petrie Charles: Don Juan d'Austria. W. Kohlhammer Verlag Stuttgart Berlin Köln Mainz 1968 - Petrie Charles: Philipp II. von Spanien. W. Kohlhammer Verlag Stuttgart Berlin Köln Mainz 1965 - Pfandl Ludwig: Philipp II. Gemälde eines Lebens und einer Zeit. Verlag Georg D. W. Callwey München 1938 - Reifenscheid, Richard: Die Habsburger. Von Rudolf I. bis Karl I., Verlag Styria Graz/Wien/Köln 1982 Seite 103,112,115,118,121,127,138,140,142,145,147,151 - Schneider, Reinhold: Philipp der Zweite oder Religion und Macht. Verlag von Jakob Hegner in Leipzig - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998  - Seibt Ferdinand: Karl V. Der Kaiser und die Reformation. Wolf Jobst Siedler Verlag 1990 - Seydel, Robert: Die Seitensprünge der Habsburger. Liebesrausch und Bettgeflüster einer Dynastie. Verlag Carl Überreuter Wien 2005 Seite 37-44 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R.G. Fischer Verlag 1993 -