PARIS, VERTRAG VON


Lexikon des Mittelalters:
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Paris, Verträge
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2. Paris, Vertrag von 1259
Dieser entscheidende englisch-französische Vertrag wurde am 28. Mai 1258 zwischen Heinrich III. von England und
Ludwig IX. von Frankreich geschlossen, am 4. Dezember 1259 von Heinrich III. ratifiziert.
Der König von England verzichtete definitiv auf seine Rechte über Anjou (Angers), Maine und Touraine, seine Titel eines Herzogs von Normandie und Grafen von Anjou erloschen. Dagegen leistete er den ligischen Lehnseid für das Herzogtum Guyenne (4. Dezember 1259).
Ludwig IX.
trat an England alle als Lehen oder Allodialgut gehaltenen Besitzungen in den Diözese Cahors, Limoges und Périgueux ab.
Die Rechte Englands an Quercy und Agenais wie auch die Lehnshuldigungen für Bigorre, Fezensac und Astarac wurden gesondert geregelt.
An England zurückfallen sollten:
das Agenais (als Wittum der Johanna, Gemahlin des Fürsten Alfons von Poitiers),
das Quercy (wobei eine Inquisitio klären sollte, ob es tatsächlich zur Dos gehöre),
die Saintonge südlich der Charente (einst von Ludwig VIII. aus englischem Besitz erobert), unter der Voraussetzung, daß die legitimen Rechte Englands bewiesen werden konnten.
Bedingung für die Rückgabe an England sollte der kinderlose Tod Alfons' und seiner Gemahlin sein, der am 21. bzw. 22. August 1271 eintrat. Daraufhin wurde am 23. Mai 1279 zu Amiens ein Vertrag zwischen Eduard I. von England und Philipp III. von Frankreich geschlossen, der einen Teil der Streitfragen regelte: Agenais und Saintonge (südlich der Charente) fielen an England zurück; für Rouergue und Quercy wurde die Inquisitio erst 1286 abgeschlossen. Der Vertrag von Paris, in friedensstiftender Absicht ausgehandelt, war nach den Worten von Petit-Dutaillis in Wahrheit ein »Brandherd der Zwietracht«.
E. Lalou