MONTAGU


Lexikon des Mittelalters:
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Montagu
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Englische Adels-Familie, die unter der Regierung Eduards I. zu großem Ansehen gelangte.
Simon M
ontagu, dessen Familie in Somerset über Landbesitz verfügte, diente Eduard in Schottland und der Gascogne. Als er 1316 starb, führte sein Sohn Wilhelm (1319) die Familientradition des Königsdienstes fort. Er wurde knight im Hofhalt Eduards II., steward des königlichen Hofhaltes 1317 und Seneschall der Gascogne 1318.
Aber die Familie erlangte ihren Höhepunkt unter Wilhelms gleichnamigem Sohn (* um 1302, 1344), der zu den führenden Mitgliedern der Gruppe im Hofhalt Eduards III. gehörte, die 1330 am Sturz Roger Mortimers und der Königin Isabella beteiligt war. Wilhelm blieb einer der einflußreichsten Höflinge Eduards III. Er diente in den Schottland-Feldzügen der 30-er Jahre des 14. Jh. und erhielt 1337 den Titel eines Earl of Salisbury. In der ersten Phase des Hundertjährigen Krieges kämpfte er an der Seite des Königs in Flandern und wurde eine der führenden Persönlichkeiten in der politischen Krise von 1340/41. Sein Einfluß auf den König und die Geldbeschaffung in England für den Krieg machten ihn unpopulär.
Sein Sohn Wilhelm (* 1328, 1397) kämpfte in Crécy und Poitiers, nahm an verschiedenen anderen Feldzügen in Frankreich in den Jahren vor dem Frieden von Brétigny teil und wurde Ritter des Hosenbandordens. 1347 heiratete er Johanna (Joan) von Kent, die später die Frau Eduards, des »Schwarzen Prinzen«, wurde. Johanna hatte vor ihrer Vermählung mit Wilhelm heimlich Sir Thomas Holland geheiratet, und als Holland 1347 nach England zurückkehrte, konnte er mit Hilfe einer Petition an den Papst Johannas Ehe mit Wilhelm annulieren lassen. Als der Krieg 1369 erneut ausbrach, diente Wilhelm wieder in Frankreich und wurde 1379 Befehlshaber von Calais. In England erhielt er verschiedene Ämter und nahm auch an Friedensverhandlungen mit Frankreich teil.
Nach seinem Tod erhielt sein Neffe John den Titel des Earl of Salisbury, da sein einziger Sohn 1382 gestorben war.
John (* um 1350, 1400)
sammelte bereits als junger Mann militärische Erfahrungen, doch hielt er sich während der Regierung Richards II. am Hof auf. 1383 wurde er königlicher knight und im Parliament vom September 1397 einer der Appellants, die die Feinde des Königs von 1386-1388 des Verrats beschuldigten. Anders als seine Mitankläger wurde er jedoch für seine Loyalität gegenüber dem König nicht mit einem Herzogtum belohnt. Trotzdem begleitete er Richard 1399 nach Irland. Nach der Invasion von Heinrich (IV.) Bolingbroke kehrte er vor dem König nach England zurück, um einen Widerstand gegen die Invasion zu organisieren. Doch schlug diese Unternehmung fehl, und nach der Machtergreifung Heinrichs wurde John im Tower eingekerkert. Im Januar 1400 versuchte er erneut vergeblich Heinrich IV. zu stürzen. Eine aufgebrachte Menschenmenge ermordete John in Cirencester. Im folgenden Jahr wurde er vom Parliament postum des Verrats für schuldig erklärt, sein Earl-Titel sowie sein Landbesitz fielen an die Krone. John, der bei seinen Zeitgenossen im Ruf eines Dichters stand, wurde von Christine de Pisan als ein »gracieux dicteur« beschrieben. Nach dem französischen Dichter und Chronisten Jean Creton soll er Balladen, Chansons, Rondeaux und Laissen verfaßt haben. Doch ist keine seiner Dichtungen überliefert.
Als sein Sohn Thomas 1409 mündig wurde, übertrug Heinrich IV. ihm den Earl-Titel und den Landbesitz der Familie. Dafür leistete Thomas Heinrich V. und Heinrich VI. militärische Dienste. Er kämpfte in Agincourt und war an der Eroberung der Normandie führend beteiligt. Ihm wurde die Comté de Perche übertragen. Thomas versuchte nach der Niederlage in Baugé 1421, die englische Position in der Normandie zu festigen, und begann einen Gegenangriff im Anjou. Nach 1422 diente er unter der Regentschaft von Johann, Duke of Bedford (18. J.), weiterhin in Frankreich und war vielleicht einer der bedeutendsten Befehlshaber in dem von dem Haus LANCASTER beherrschten Teil Frankreichs. Er wurde am 3. November 1428 getötet, als er die Engländer bei der Belagerung von Orléans anführte. Obwohl er zweimal verheiratet war, hatte er keinen männlichen Erben. So gelangten Earl-Titel und Ländereien über seine Tochter Alice an die NEVILLE-Familie.
J.A. Tuck

MONTAGU


Nachkommen von König Eduard I. von England über die Linie Norfolk


Eduard Lord Montagu  1361
Johann I. Lord Montagu 1390
Johann II. Graf von Salisbury 1400
Richard Sir Montagu 1429
Thomas Graf von Salisbury 1428
Thomas Dekan in Salisbury 1404
Wilhelm II. Graf von Salisbury 1397
Wilhelm Erbe von Salisbury 1382
Alice Lady Montagu 1352 Plantagent-Norfolk

Alice Universal-Erbin und Gräfin von Salisbuy 1462
Anna Lady Hankford zu Hewish/Herzogin von Exeter 1457
Eleonore Gräfin von Salisbury um 1420 Holland

Elisabeth Gräfin von Salisbury 1415 de Mohun

Elisabeth Lady Willoughby zu Eresby um 1430
Elisabeth Erb-Gräfin von Salisbury 1425 Fitz Alan

Johanna Gräfin von Salisbury 1385 Plantagenet-Kent

Margarete Lady Montagu 1395 de Monthermer

Margarete Lady Ferrers von Groby um 1440
Mathilde Gräfin von Salisbury 1424 Francis
Sibylle Priorin von Amesbury um 1400

Nachkommen:
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Familie Ferrers
Familie Hankford
Familie Holland
Familie Neville
Familie Willoughby