Luckhardt Jochen: Band 2 Seite 285
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"Grabmal und Totengedächtnis Heinrichs des Löwen"

Die jetzige Ruhestätte Heinrichs und Mathildes in der bis 1938 neuangelegten Gruft wurde schließlich 1946 letztmalig geöffnet, um die 1935 entnommenen Haarlocken wieder zurückzulegen. Die Grabung in jenem Jahr hatte nachgewiesen, daß sich ca. 20 Zentimeter unter der alten Tumba und einer Lage von Steinplatten ein großer Steinsarkophag befand, neben dem nördlich eine Grabstätte mit einem Holzsarg lag. Dieser barg wiederum eine Lederhülle mit menschlichen Knochen - eine für das Hochmittelalter durchaus übliche Bestattung. Die Gebeine im Sarkophag gehörten - zufolge der Funddeutung von 1974 - einer dunkelhaarigen Frau von kleinerer Gestalt, die unter einer angeborenen Hüftanomalie litt, das Skelett im Holzsarg hingegen einer größeren Person mit helleren (grauen?) Haaren. An diese Grabstätte schloß sich ein kleiner Steinsarg mit den Überresten eines Kindes an wohl ein auf einer Reise früh verstorbener Sohn von Heinrich und Mathilde. Vergleicht man die Lage der Grabskulpturen und der Gebeine miteinander, wird es deutlich, daß die Figuren die Anordnung der Gräber wiedergeben. Diese steht im Einklang mit der Aussage der Steterburger Annalen, daß Heinrich der Löwe in dextro latere uxoris suae (auf der rechten Seite seiner Gemahlin) begraben sei. Hier wird also durch direkt nach dem Ableben des Herrscher-Paars gefertigte Grabplatten eine Identifizierungsmöglichkeit bestanden haben.