Maria Stuart                                     Königin von Schottland
----------------                                    Königin von Frankreich
8.12.1542
8.2.1587 hingerichtet
Linlithgow Fotheringhay
 

Nachgeborene und einzige Tochter des Königs Jakobs V. von Schottland aus dem Hause STUART aus seiner 2. Ehe mit der Maria von Guise, Tochter von Herzog Claudius I.; Enkelin der Margarete Tudor von England
 

Biographien zur Weltgeschichte. Lexikon: Seite 365
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Maria Stuart, Königin von Schottland
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* 7. oder 8.12.1542,
8.2.1587
 Linlithgow (Schottland) Fotheringhay (England)

Maria Stuart erbte bei Tod ihres Vaters Jakob V. am 14.12.1542 die Krone; ihre Mutter (Maria von Guise 1560) übernahm die Regentschaft. Maria Stuart wurde ab 1548 am französischen Hof katholisch erzogen und im April 1558 mit dem Dauphin (ab 1559 König Franz II., 1560) verheiratet. Sie kehrte im August 1561 nach Schottland zurück. Marias Herrschaft war labil wegen der innenpolitischen Opposition der militanten Kalvinisten unter John Knox und der Feindschaft Elisabeths I., die Marias von Frankreich bzw. Spanien unterstützten Anspruch auf die englische Krone fürchtete. Marias 2. Ehe (1565 bis 1567) endete mit der Ermordung ihres Gatten Lord Darnley; drei Monate später heiratete sie den des Mordes verdächtigen Lord Bothwell. Im Juni 1567 erhoben sich die protestantischen Lords unter dem proenglischen Earl of Murray und setzten Maria Stuart ab, die 1568 nach England floh. Elisabeth internierte Maria Stuart und anerkannte deren minderjährigen Sohn Jakob als schottischen König unter Murrays Regentschaft. Maria Stuart konspirierte während ihrer Haft wiederholt mit dem Ziel, Elisabeth zu ermorden und mit Hilfe französischer und spanischer Truppen die Macht in England zu übernehmen und die Gegen-Reformation durchzuführen. Ihr Todesurteil wurde im Oktober 1586 gefällt und drei Monate später vollstreckt. Als Prätendentin des in- und ausländischen katholischen Feudaladels wirkte Maria Stuart gegen die nationalen Interessen Englands.


Treffer Gerd: Seite 256-259
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"Die französischen Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert)"

  MARIA STUART - die Berühmte
  * 5. Dezember 1542,
8. Februar 1587
    Schloß Linlithgow    Fotheringhay

Gemahlin Franz' II. (* 1544; König: 1559-1560)
Heirat: 24. April 1558 Paris

In der Schlacht von Solway Moss 1542 gegen Heinrich VIII. von England werden die mit Frankreich verbündeten Schotten geschlagen. Kurz darauf stirbt Jakob V. Stuart, König von Schottland. Er hinterläßt nur eine wenige Tage alte Tochter, die neue Königin, und ihre Mutter Maria, eine Französin. Sie stammt aus dem ultrakonservativen Haus GUISE. Am 9. September 1543 - mit neun Monaten - wird Maria Stuart in Stirling zur Königin gekrönt. Ihre Mutter führt die Regentschaft. Maria lebt die ersten Jahre mit ihren Halb-Geschwistern, aus einer ersten nichtehelichen Verbindung ihrs Vaters, zusammen. Als Regentin von Schottland stellt sich Maria von Guise natürlich gegen den von Heinrich VIII. in England eingeführten Reformkurs. Ein Verlobungsprojekt mit dessen Sohn und Nachfolger Eduard VI. scheitert. Und Maria verlobt 1548 ihre Tochter mit dem etwa gleichaltrigen französischen Dauphin Franz.
Maria wird mit fünf Jahren und acht Monaten nach Frankreich gesandt, um dort auf die Rolle als Königin vorbereitet zu werden. Sie wird, wie die Königs-Kinder Frankreichs, der Mätresse des Königs, Diane de Poitiers, übergeben. Maria lernt mehrere Sprachen, schreibt Gedichte und lernt das luxuriöse und vergnügliche Leben am Hofe kennen. Sie ist stolz, sich ihres königlichen Blutes bewußt. Sie ist eine impulsive Heranwachsende, die ihre Leidenschaften nur schwer beherrscht. Sie ist liebevoll und großzügig. Im Alter wird sie von sich sagen: "Ich litt lieber tausend Tode als mich irgendwem unterworfen zu fühlen." Andere beschreiben sie als unüberlegt, aufbrausend, starrsinnig und beeinflußbar. Sie ist sportlich, kokett, lebhaft und hübsch.
Die glänzenden Heirat findet am 24. April 1558 in Anwesenheit des ganzen Hofes in Notre-Dame de Paris statt. Das Fest dauert drei Tage. Man munkelt von einem geheimen Zusatz zum Heiratsvertrag. Sollte Maria kinderlos sterben, fallen ihre Rechte auf Schottland und England dem Hause VALOIS zu.
Der Turniertod Heinrichs II. macht sie im Juni 1559 zur Königin von Frankreich, das Ableben ihrer Mutter im Juni 1560 auch zur Königin von Schottland. Franz II., ihr Gemahl, hat weder die Zeit noch die Kraft, seiner Mutter Katharina die Zügel aus der Hand zu nehmen. Er stirbt bereits eineinhalb Jahre nach seiner Krönung kinderlos, am 5. Dezember 1560 in Orleans. Auch Maria hatte keinerlei Chancen, sich gegen ihre dominante Schwieger-Mutter durchzusetzen.
Die Onkel der achtzehnjährigen Witwe, die GUISE, wollen Maria umgehend an einen neuen Gemahl verkuppeln: den Infanten Don Carlos, Sohn Philipps II. von Spanien. Aber Katharina verhindert dieses für das europäische wie innenpolitische Gleichgewicht gleichermaßen gefährliche Vorhaben. Auch mit anderen Prätendenten - dem neuen König Karl IX., Franz' II. Bruder, dem Herzog von Anjou, dem jungen Prinzen Conde - kommt es zu keiner Ehe. Maria kehrt statt dessen im Mai 1561, zum Vergnügen ihrer Schwieger-Mutter, politisch völlig unerfahren nach Schottland zurück.
In den dreizehn Jahren ihrer Abwesenheit hat sich vieles ereignet. In England herrscht seit 1558 Elisabeth I., und die Schotten haben 1560 durch den Vertrag von Edinburgh ihre Thronbesteigung anerkannt, während Maria ihrerseits ihre Ansprüche aufrecht erhält. Das Parlament von Edinburgh hat 1560 den Protestantismus zur Staatsreligion erklärt, die John Knox eifrig predigt. Maria ist und bleibt katholisch. Sie umgibt sich aber, diplomatisch, mit protestantischen Beratern. Heiratsangebote der europäischen Höfe lehnt sie ab, um sich am 29. Juli 1565 in der Schloßkapelle von Holyrood mit einem schottischen Verwandten, Heinrich Stuart, Lord Darnley zu vermählen, der allerdings kein besonders starker Charakter ist. "In der Blüte ihres Alters, geschätzt und geliebt von ihren Untertanen", bringt sie am 19. Juni 1566 einen Sohn zur Welt - Jakob VI. von Schottland und künftigen Jakob I. von England.
Zwischen Maria und ihrem Mann entwickelt sich ein Klima der Gewalt. Maria erlebt die Ermordung ihres Favoriten David Rizzio, die wohl von Darnley angestiftet ist. Seinen Höhepunkt findet der Ehekrieg im Februar 1567, als Darnley auf Anstiftung Marias und ihres neuen Favoriten Bothwell ermordet wird. Darnley fliegt mit seinem Haus in Kipk O'Field in die Luft. Maria heiratet Bothwell am 15. Mai 1567 nach protestantischem Ritus, was Rom, die katholischen Höfe Europas und ihren Adel enstetzt. Neue politische und religiöse Probleme und die Folgen der Darnley-Affäre stellen den schottischen Adel gegen die Königin, die bei Carberry Hill geschlagen wird. Gefangengenommen muß sie am 26. Juli in Lochleven zugunsten ihres Sohnes abdanken. Ihr Halb-Bruder Moray wird Regent. Maria hat die Macht verloren. Sie kann fliehen, begeht nunmehr den Fehler, sich in England unter den Schutz ihrer Cousine Elisabeth I. stellen zu wollen. Marias Anwesenheit in England birgt aber das Risko, daß sich die starke katholische Minderheit gegen Elisabeth verbündet. Da Elisabeth selbst keine Kinder hat, könnte Maria Thronansprüche erheben. Kurz: sie ist eine Rivalin. Achtzehn Jahre lang wird Maria von Elisabeth deshalb in verschiedenen Schlössern gefangengehalten. Intrigen, Pläne zu ihrer Befreiung, um sie auf den Thron zu heben, Interentionen Roms, Spaniens, Heiratsprojekte um die Gefangene (etwa mit Don Juan d'Austria, Barbara Blombergs und KARLS V. Sohn) folgen. Elisabeth mißhandelt ihre Cousine nicht, ist sich aber stets der Gefahr bewußt, die sie darstellt. Eine letzte Verschwörung im Mai 1586 führt in die Tragödie. Das katholisch-spanische Unternehmen sieht eine Landung von Truppen bei gleichzeitiger Erhebung der Katholiken in England, die Befreiung Marias und die Ermordung Elisabeths vor. Am 20. September 1586 werden der Urheber Babington und seine Komplizen hingerichtet.
Im Oktober 1586 findet in Westminster der Prozeß statt. Die Anklageschrift lautet: "Besagte Maria Stuart, die Ansprüche auf den Thron des Königreiches England erhebt, hat Pläne ausgearbeitet und gebilligt, die zum Ziel hatten, die königliche Person unseres Souveräns, der Königin von England zu zerstören oder zu töten." Nach dieser Beschuldigung kann das Urteil nur auf Tod durch Enthauptung lauten. Die Könige von Frankreich und Spanien entsenden Botschaften, um gegen das Verdikt zu protestieren. Aber sind sie zu einem diplomatischen Bruch, zum Krieg bereit, um die Verurteilte zu retten? Auch der schottische König, ihr Sohn, protestiert, ist aber über die Neutralisierung einer für seine dynastische Zukunft störenden Mutter nicht unglücklich.
Elisabeth tut alles, damit ihr Opfer ein Gnadengesuch unterzeichnet. Maria, aufrecht und tapfer, lehnt das ab. Stefan Zweig meint, Maria Stuart hatte weniger Angst zu sterben als Elisabeth, sie zu töten. Dieses Ringen dauert mehrere Monate. Dann legt Maria Stuart am 8. Februar 1587 mit vierunfvierzig Jahren ihren Hals auf den Richtblock. In England gibt es Freudentänze, in Frankreich trägt der neue König Heinrich III. Trauer. Die katholischen Länder preisen die "Märtyrer-Königin", die "Heldin des Glaubens". Sechs Monate nach der Hinrichtung wird sie in der Kathedrale von Peterborough begraben. Ihr Sarg wird 1612 nach Westminster überführt. Ihr Sohn Jakob wird Elisabeth I. 1603 auf dem Thron nachfolgen.


GROSSE FRAUEN DER WELTGESCHICHTE. Tausend Biographien in Wort und Bild.: Seite 315
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MARIA STUART
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8.XII.1542
8.II.1587

Gelassen betrat Maria Stuart am 8. Februar 1587 die Halle, in der das Blutgerüst stand, und stieg erhobenen Hauptes die Stufen zum Schafott empor. So war sie im Jahre 1557 als 15-jährige Königin zum Thronwechsel Frankreichs emporgestiegen, und so wäre sie zum Thronsessel Englands geschritten, wenn andere Gestirne über ihrem Geschick gewaltet hätten. Demütig und stolz zugleich beugte sie ihr Haupt unter dem Henkersbeil, das erst nach drei Schlägen das Haupt vom Rumpf trennte. In dieser Stunde starb die Königin zweier Reiche, die Herrscherin, die auf die Königskronen von Frankreich, England und Schottland Anspruch erhoben hatte und die beinahe auch die Krone Spaniens getragen hätte. Nach dem Tode ihres 1. Gemahls, des französischen Königs Franz II., heiratete Maria, die aus dem schottischen Königs-Geschlecht der STUARTS stammte, Lord Darnley und erhob ihm zum König von Schottland. Er war einer der vielen, die ihretwillen das Leben lassen mußten. Ihr 3. Gemahl war Lord Bothwell, der Mörder Darnleys. Als sie schließlich als angebliche Mitwisserin an diesem Morde und aus religiösen Gründen zur Flucht nach England gezwungen wurde, ahnte sie nicht, dass sie damit den Weg in die Freiheit für immer hinter sich verschloß. Bei ihrer Verwandten, der Königin Elisabeth von England, fand sie nicht den erhofften Schutz; hier erwartete sie eine 19-jährige Gefangenschaft und schließlich die Verurteilung zum Tode, da man sie der Verschwörung gegen Elisabeth bezichtigte. Kein Genius, sondern ein Dämon war der ihr Leben bestimmende Geist. Eine unkontrollierte Leidenschaftlichkeit raubte ihr oft die politische Besonnenheit und Weitsicht. Mutig und ungebrochen jedoch, in wahrhaft königlicher Haltung, unterwarf sie sich dem Tod.


Maria Stuart war eine der berühmtesten Frauengestalten der europäischen Geschichte, eine gebildete, aber auch leidenschaftliche Frau, die sich über die Normen ihrer Zeit rücksichtslos hinwegsetzte. Von 1542 bis 1560 stand Maria unter der Regentschaft ihrer Mutter. Sie lebte seit 1558 als französische Kron-Prinzessin am französischen Hofe. Die Hand Eduards VI., mit dem sie seit 1542 verlobt war, hatte sie ausgeschlagen. Nach dem Tode ihres Gatten Franz II. von Frankreich ( 5.12.1560) kehrte sie nach Schottland zurück und versuchte mit einigem Erfolg gegen den reformierten Adel, säkularisiertes Kirchen- und Krongut zurückzugewinnen, wobei sie jahrelang von ihrem Halb-Bruder Jakob II. von Moray und ihrem Schwager Archibald III. Campbell von Argyll unterstützt wurde. Sie geriet mit ihrem Rekatholisierungsprogramm und zunehmend haltlosen Lebenswandel völlig gegen den Adel, der sie 1567 bei Carberry besiegte, inhaftierte und für abgesetzt erklärte. Aus der Haft entkommen, versuchte sie zurückzukehren, wurde am 13.5.1568 bei Langside besiegt und nach England vertrieben. Sie wurde von Elisabeth I. von England inhaftiert und 1587 nach etlichen Aufstandsversuchen ihrer Anhänger hingerichtet. Maria, die als Enkelin der Margarete Tudor, Tochter Heinrichs VII., Rechte auf den englischen Thron besaß, wurde als unbequeme Rivalin und Kron-Prätendentin der katholischen Partei aus dem Wege geräumt.

Kenyon J.P.: Seite 125
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"Die Stuart" in Die großen Dynastien:

Der zu frühe Tod Jakobs V. im Jahre 1542 läutete die bis dahin längste Minderjährigkeiten-Regentschaft ein, denn seine Tochter Maria war damals erst eine Woche alt. Als man ihm die Nachricht von der Geburt seiner Tochter übermittelte, wandte er sich ab und faßte die Geschichte seiner Familie mit folgenden Worten zusammen: "Sie begann mit einem Kind und wird mit einem Kind zu Ende gehen."
In Wirklichkeit wurde Maria, die Königin von Schottland (1542-1567), eine der berühmtesten STUART. Ihr Name wurde der Inbegriff für Liebesabenteuer und Liebesaffären. Sie hatte eine französische Mutter (Maria von Guise) und wurde am französischen Hof großgezogen. Nach Edinburgh kehrte sie erst im Jahre 1561 zurück, nachdem sie bereits eine Ehe mit König Franz II. von Frankreich, der im Jahr zuvor gestorben war, hinter sich hatte. Als damit der französische  Thron in weite Ferne gerückt war, winkte ihr gleichzeitig der von England, denn Königin Elisabeth, das letzte überlebende Kind Heinrichs VIII., hatte verlauten lassen, sie wolle niemals heiraten. Auf diese Weise kam Maria als Enkelin der ältesten Schwester Heinrichs VIII., die Margarete hieß und mit König Jakob IV. von Schottland verheiratet gewesen war, in der Erbrangfolge der nächste Platz zu.
Unglücklicherweise gelang es ihr aufgrund ihres überzeugten Katholizismaus nicht, sich in Schottland eine Machtgrundlage zu schaffen. In dem Strudel schottischer Politik bediente sie sich zuerst ihres weiblichen Charmes und mit Hilfe von Eheversprechen, um die Adligen ihres Landes gegeneinander auszuspielem. Sie warf diese Waffe aber über Bord sobald sie sich 1565 für Lord Darnley entschieden hatte. Sie gebar ihm im darauffolgenden Jahr einen Sohn; ihre Ehe aber ging auf spektakuläre Weise auseinander. Als Darnley 1567 auf mysteriöse Art und Weise umgebracht wurde, fiel der erste Verdacht auf sie. Ihre anschließende Flucht mit James Hepburn, dem Earl von Bothwell, der als widerwärtiger Abenteurer galt, wurde als eine für die Krone unwürdige Tat eingestuft, worauf Maria mit Hilfe eines überraschenden Staatsstreiches durch ihren 1-jährigen Sohn ersetzt wurde, der als Jakob VI. (1567-1625) zum König von Schottland ernannt wurde. 1568 gelang es ihr, dem Gewahrsam zu entkommen und nach England zu reisen, wo sie sich lediglich eine dauernde Gefangennahme einhandelte. Königin Elisabeth war nur zu froh, die Thron-Erbin unter ihrer Kontrolle zu haben, die zu gefährlich war, um freigelassen zu werden; außerdem lastete auf Maria immer noch der noch nicht entkräftete Verdacht, Mörderin ihres Ehegatten zu sein. Ihr Glaube war natürlich Anlaß dafür, dass wegen ihr etliche Katholiken-Aufstände gegen Elisabeth angezettelt wurden. Im Jahre 1587 beugte sich die Königin schließlich dem Druck ihres Parlamentes und ihrer Minister und ließ Maria hinrichten.

Mahoney Irene: Seite 46,57,62,75,85,369-372
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"Katharina von Medici"

Die Anteilnahme Frankreichs an schottischen Angelegenheiten steigerte sich noch, als die Tochter Marias von Guise, die fünf Jahre alte schottische Königin Maria Stuart, nach Frankreich als die angelobte Braut des Dauphins gebracht wurde, um sie vor den Wirren in ihrem eigenen Land zu schützen. Die nächsten zehn Jahre weilte sie am französischen Hof unter Aufsicht ihrer Onkel, des Herzogs von Guise und des Kardinals von Lothringen. Von Anfang an wurde sie wie eine Art heiliges Kind angesehen, fehlerfrei an Körper und Geist. "Sie ist das schönste Kind, das ich jemals gesehen habe", soll Heinrich II. angeblich gesagt haben, als Maria im Oktober 1548 ankam. Vier Jahre später schrieb der Kardinal, dass sie täglich an Güte, Schönheit und Weisheit zunehme, und dass "der König Gefallen an ihr findet", während sie wiederum weiß, wie man mit ihm umzugehen habe, "wie eine Frau von 25".
Lange vor ihrer Vermählung mit dem Dauphin hatte Maria Stuart - hübsch, intelligent, gebieterisch, und unter sorgfältiger Obhut ihrer Onkel - das Gleichgewicht am Hof ins Wanken gebracht. "Die Königin der Schotten und ihr Haus ... geben am Hof den Ausschlag", schrieb der englische Gesandte im Winter 1551.
Nach dem Tode Heinrichs II. war seine ihm seit 15 Monaten angetraute Gemahlin, ihm in so mancher Hinsicht überlegen, unfähig, ihn zu trösten, denn Maria Stuart, weiß wie der Tod, schien durch die plötzliche Wende der Dinge verwirrt. Die Tage der Ungewißheit hatten beide an den Rand der Erschöpfung gebracht, während sie mit Furcht und Bestürzung auf die Krone warteten, die auf sie übergehen sollte.
Sogar die schlanke, lyrische Anmut der jungen Königin blieb während der Krönung nicht unbeeindruckt, denn einige Wochen vorher ging unter den Gesandten das Gerede, Maria Stuarts Gesundheit wäre angegriffen. "Die junge Königin leidet am Schwindsucht; sie hat nicht mehr lange zu leben", hatte der toskanische Gesandte Ricasoli nach Florenz berichtet.
Der französische Hof mit seiner Vorliebe für schöne Frauen rechnete es sich als Stolz und Freude an, den Thron der Königin durch ein Mädchen geziert zu sehen, das als eines der schönsten in Europa galt. Ihre Schönheit war dergestalt, dass sie "die Sonne verdunkelt", schrieb Brantone und fügte hinzu: "Und was ihren Geist anbelangt, so suchte er seinesgleichen."
Schon im November des vorausgegangenen Jahres hatte Killigrew an Elisabeth von England geschrieben, dass der junge König und die Königin ihren feierlichen Einzug in Chatellerault unter einem karmesinrotem Damast mit den darauf gestickten Wappen von England, Frankreich und Schottland gehalten und den Titel Franciscus et Maria, Dei gratia, Rex et regina Franciae, Scotiae, Angliae, et Hiberniae gebraucht hätten. Im folgenden Frühjahr ging eine weitere Depesche nach England, die Maria Stuarts anmaßendes Verhalten beschrieb: "Sie hat sich in Ansprachen, von Zeremonienmeistern, in Schriftstücken, Siegeln und bei Widmungen auf Triumphzügen und von Herolden als Königin von England titulieren lassen."
Maria Stuart tat trotz ihrer zerbrechlichen Gesundheit was sie konnte, um ihren todkranken Gatten zu pflegen. Nach dessen Tode wurde sie jetzt selbst, nachdem sie 17 Monate Königin gewesen war, in die Ecke gedrängt. Zweifellos weinte sie um eine verlorene Krone und wegen einer ungewissen Zukunft, aber es ist sicher nicht übertrieben, anzunehmen, dass sie auch um einen dahingegangenen und ihr zugetanen Gefährten weinte, der für kurze Zeit ihr Gemahl gewesen war. Es wäre töricht, aus ihrer Ehe eine Romanze oder gar eine Leidenschaft zu machen, aber Maria und Franz hatten eine kleine Weile ihres Lebens miteinander verbracht. Es besteht keinerlei Anlaß zu glauben, dass Marias Schluchzen, das ihre Zeitgenossen beobachtete hatten, etwa nicht aufrichtig gewesen sei.
Nach dem Tode Franz' II. war sie von Frankreich in See gestochen, um die Herrschaft im "eigenen Land" anzutreten. Damals, kaum 19 Jahre alt, hatte sie sich nach Schottland eingeschifft mit der ganzen Arroganz der Jugend, stolz auf ihre Schönheit und Anmut, die Tragödie des vorzeitigen Todes ihres Gatten überstrahlt von Gedanken an zukünftigen Ruhm. Es war ein Ruhm, der sich ihr freilich ständig entziehen sollte. Von Anfang an stand ihre Art im krassen Widerspruch zu der ihrer berockten schottischen Höflinge. Sie hielten sie für überheblich, eitel, herrisch; sie war halb französisch - und sie war katholisch. In einem von der Theologie des John Knox beherrschten Landes waren dies erhebliche Nachteile. Sie war außerdem (obwohl ihre Bewunderer dies niemals zugeben wollten) ein wenig töricht. Sie hatte sich vorgenommen, Königin nach französischer Art zu sein, und ihr autokratisches Gebaren wirkte oft abweisend auf diejenigen, die vorhatten, ihr die Wahrheit zu sagen, und ließ sie oft in die Netze derjenigen gehen, die ihr schmeicheln wollten. Sie beging sehr viel Fehler, zwiespältig und schlecht beraten fiel sie von einer Torheit in die andere. Sie war wahrscheinlich weder bösartig noch unfehlbar. Wäre sie keine Königin gewesen, so hätte es sicher in jenen Tagen ausgereicht, würde sie ihr Gemahl von Zeit zu Zeit angefahren oder unter Hausarrest gestellt haben, sobald ihre Launen für ihr besseres Ich die Vorhand gewannen.
Königinnen sind unglücklicherweise nicht so leicht lenkbar. Verantwortlich gemacht für die Ermordung ihres zweiten Gemahls und zwangsweise vom dritten geschieden war sie im Vertrauen darauf nach England geflohen, dass ihre Base Elisabeth sie vor ihren aufsässigen Untertanen retten würde. Statt dessen erlitt sie eine Haft von 19 Jahren Dauer und war in dieser Zeit unaufhörlich in Verschwörungen verwickelt, um ihre Freiheit wiederzuerlangen - Verschwörungen, die ganz unvermeidlich Elisabeths Stellung bedrohten. Im Zusammenhang mit der Babington-Verschwörung im Jahre 1586 wurde sie schließlich des Hochverrats für schuldig befunden und trotz des einhelligen Widerstandes der katholischen Christenheit hingerichtet.
Im Juli 1586 hatte Maria, die nicht wünschte, dass der Thron auf ihren protestantischen Sohn überging, Philipp II. von Spanien durch Mendoza schon davon in Kenntnis setzen lassen, dass sie, wenn er zu ihrer "Unterstützung" entschlossen sei, "meine Nachfolgerechte auf die Krone abtreten und testamentarisch auf den König, Ihren Herrn, übergehen" lassen würde. Es war ein ungewöhnliches Versprechen, noch außergewöhnlicher, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Krone, auf die sie anspielte, ja nicht nur die von Schottland, sondern auch die von England war. Infolgedessen betrachtete sich Philipp nach Marias Tod als der rechtmäßige Erbe des englischen Thrones.

DAS NEUE vom 11.12.1999

Maria Stuart

Sie heiratet den Mörder ihres Mannes

Als blutjunge Witwe des französischen Thronerben Franz II. kehrt sie, erst 17 Jahre alt, nach Schottland zurück. Vorbei die glanzreichen Tage am Hof von Paris. Maria Stuart, Königin von Schottland, starrt hinaus in düsteres Hochmoor und trübe Regentage, Reiten und Bogenschießen sind ihr neuer Zeitvertreib.
Das ändert sich, als sie dem 19-jährigen Lord Henry Darnley begegnet, einem jungen Mann mit kultivierten Umgangsformen, femininen Gesichtszügen und imposanter Statur.
Maria Stuart, selbst mit 1,80 Metern ungewöhnlich groß, findet Gefallen an diesem Mann, der so vorzüglich auf der Laute spielen und französische Gedichte vorlesen kann. Pläne ihres Bruders, sie mit dem spanischen Thronerben Don Carlos zu verheiraten, ignoriert sie. Sie will nur einen: Lord Darnley. Sie bittet Königin Elizabeth I. von England, deren Günstling Darnley ist, um die Einwilligung. Doch Elizabeth wittert Verrat: Will die Schottin etwa auch die englische Krone an sich reißen? Antrag abgelehnt.
Maria Stuart setzt ihren Kopf durch: Ohne Elizabeths Einwilligung, ohne das Einverständnis ihres Bruders heiratet sie am 29. Juli 1565 auf Holroyd Castle ihren geliebten Lord Darnley. Schon bald verblaßt der Glanz. Darnley entpuppt sich als eitel und auch ziemlich beschränkt, vielleicht auch eine Folge der vielen durchzechten Nächte. Maria erkennt: Sie hat nicht das große Los gezogen, sondern eine Niete. Von der sie das Schicksal allerdings schnell befreit: Mit 21 kommt Lord Darnley auf mysteriöse Weise ums Leben.
Unter Verdacht, der Mörder zu sein, gerät der Earl of Bothwell. Maria heiratet ihn trotzdem - nur drei Monate nach Darnleys Tod. Unmöglich, findet der schottische Adel und verbündet sich gegen das skandalöse Paar. Bothwell flieht, Maria begibt sich nach England. Ein Fehler. Denn Königin Elizabeth läßt sie festsetzen, nach 18 Jahren Haft wird Maria Stuart enthauptet. Offizieller Grund: Beteiligung am Tod ihres Gatten, Lord Darnley.
 
 
 
 

  24.4.1558
  1. oo Franz II. König von Frankreich
     x  19.1.1544
5.12.1560

  29.7.1565
  2. oo Heinrich Stuart Lord Darnley
           7.2.1545
10.2.1567

  15.5.1567
  3. oo Jakob Hepburn Graf von Bothwell
      x   1536
14.4.1578
 
 
 
 

Kinder:
2. Ehe

  Jakob VI. (I.) König von Schottland und England
  19.6.1566
27.3.1625
 
 
 
 

Literatur:
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Ferdinandy Michael de: Philipp II. Bechtermünz Verlag Augsburg 1996 Seite 136,186,194,204,240,285,363,373,403 - Fraser Antonia: Die sechs Frauen Heinrichs VIII. Claasen Verlag GmbH Hildesheim 1995 Seite 116,404,405,419,452,474,476,483 -
Grayeff Felix: Heinrich VIII. Ein kraftvolles Leben. Wilhelm Heyne Verlag München 1961 Seite 14,66,260,321 - Hartmann Peter Claus: Französische Könige und Kaiser der Neuzeit. Von Ludwig XII. bis Napoleon III. 1498-1870. Verlag C. H. Beck München 1994 Seite 77,91,102 - Jurewitz-Freischmidt Sylvia: Die Herrinnen der Loire-Schlösser. Königinnen und Mätressen um den Lilienthron. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 1996 Seite 223,231,249-251,256, 259,267,271-274,356,395,412 - Kenyon John Philipps: Die Stuart in: Die großen Dynastien. Karl Müller Verlag 1996 Seite 125-138 - Lavater-Sloman Mary: Elisabeth I. Herrin der Meere, Gustav Lübbe Verlag GmbH Bergisch Gladbach 1988 - Mahoney Irene: Katharina von Medici. Königin von Frankreich. Eugen Diederichs Verlag München 1994 Seite 46,57,62,73,75,85,89,105,164,166,281, 369-372,409 - Neale John E. Elisabeth I. Königin von England. Eugen Diederischs Verlag München 1994 Seite 99-456 - Panzer Marita A.: Englands Königinnen. Von den Tudors zu den Windsors. Verlag Friedrich Pustet Regensburg 2001 Seite 100-104,115 - Ridley Jasper: Heinrich VIII. Eine Biographie. Weltbild Verlag GmbH Augsburg 1995 Seite 97,340,414-415,417,424 - Schreiber Hermann: Die Stuarts. Genie und Unstern einer königlichen Familie. Bechtermünz Verlag GmbH Eltville am Rhein 1995 Seite 17,23-78,79,89,91,93,236,316 - Taillander Saint-Rene Madeleine Marie Louise: Heinrich IV. Der Hugenotte auf Frankreichs Thron. Eugen Diederichs Verlag München 1995 Seite 12,14,22,25,109,147,158,224,311,351,368,373 - Tamussino Ursula: Maria von Ungarn. Ein Leben im Dienst der Casa de Austria Verlag Styria Graz Wien Köln 1998 Seite 143,205 - Treffer Gerd: Die französischen Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.-18. Jahrhundert) Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1996 Seite 256-259 - Treffer Gerd: Franz I. von Frankreich Herrscher und Mäzen Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1993 Seite 296, 311 - Wende Peter: Englische Könige und Königinnen. Von Heinrich VIII. bis Elisabeth II. Verlag C.H. Beck München 1998 Seite 47,50,56,78,83,87,94,97,102 -