LORDS, THE HOUSE OF


Lexikon des Mittelalters:
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Lords, the House of
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Obwohl es im 13. Jh. über 200 baroniale Familien in England gab, berief Eduard I. nur die Hälfte der englischen Barone in seine Parliaments. Während der politischen Auseinandersetzungen unter Eduard II. erlangten die baronialen Opponenten die Kontrolle über das Parliament, und die Ordinances von 1311 wurden in einem Parliament verkündet, zu dem Vertreter der Commons nicht geladen worden waren. Nach dem Ausbruch des Hundertjährigen Krieges 1337 ermöglichten die finanziellen Erfordernisse Eduards III. den englischen Magnaten, bedeutende Zugeständnisse von der Krone zu erlangen. 1341 wurde ihnen durch ein Statut das Recht auf Verhöre im Parliament durch ihre Pairs (peers) eingeräumt. 1341 begannen die geistlichen und weltlichen Lords, sich im Parliament gemeinsam zu beraten. Diese Sitzungen waren der Ursprung des Oberhauses (upper house), wie das House of Lords im spätmittelalterlichen England genannt wurde (frühester Beleg dieser Bezeichnung: 1540, lateinisch: Domo Procerum; Journal of the H. of L., I, 161). Die White Chamber im Westminster Palace wurde der übliche Sitzungsort des Oberhauses bis 1801. Vor allem wegen des Erlöschens von vielen baronialen Familien in der männlichen Linie sank die Zahl der weltlichen Magnaten, die mit einem writ of summons ins Parliament berufen wurden, von etwa 70 in den ersten Jahren der Regierung Eduards III. auf 49 im Jahre 1399. In dieser Zeit bedeutete eine Vorladung zum Parliament weder eine erbliche Würde, noch ein Recht auf einen Sitz im Parliament. Sowohl Eduard III. als auch Richard II. luden einige wenige Heerführer ins Parliament, die sich in den Kriegen gegen Frankreich verdient gemacht hatten, aber diese Gunstbeweise führten selten zur Begründung neuer baronialer Familien. Die Entscheidung Richards II., Sir John Beauchamp of Holt mittels eines Patentbriefs (letters patent) 1387 zum Baron zu erheben, war ein bemerkenswerter Präzedenzfall, der sich erst 1441 wiederholte. Beauchamps Gerichtsverfahren und seine Hinrichtung durch die königlichen Opponenten mit Hilfe von erfundenen Beschuldigungen des Verrats im Merciless Parliament 1388 waren ein Justizmord, der politische Konsequenzen hatte: Richard II. ernannte keine weiteren Barone. Zwischen 1388 und 1426, als zwei neue peers writs of summons erhielten, entwickelte sich das Oberhaus mit seiner schwindenden Mitgliederzahl zu einer geschlossenen Körperschaft. Bereits 1400 wurde der englische Hochadel mit der parlamentarischen Pairswürde (peerage) verbunden. Die Minderjährigkeit Heinrichs VI. erhöhte das politische Ansehen und den konstitutionellen Status der weltlichen Lords, die 1422 die Ansprüche Humphreys, Duke of Gloucester, dem jüngsten Bruder Heinrichs V., auf die Regentschaft einmütig abwehrten. Die Regierung Heinrichs VI. bedeutete den Höhepunkt der Macht des Oberhauses. Im Parliament von 1460 entschieden die Lords, daß Richard Plantagenet ( 1460), Herzog von York, der rechtmäßige König von England sei, und sprachen den Königstitel dem Haus von LANCASTER ab, das England seit 1399 regierte. Die erste Vergrößerung des Oberhauses erfolgte infolge der Schaffung von Pairswürden (peerages) durch Heinrich VI.; 1453 gab es 64 peers. Nachdem die Umwälzungen der Rosenkriege den englischen Hochadel geschwächt und geteilt hatten, wurden 1485 nur 34 weltliche Lords zu dem ersten Parliament Heinrichs VII. geladen. Obwohl es nur 55 Familien im Pairsrang zu diesem Zeitpunkt gab, verfügten die großen englischen Magnaten niemals wieder über eine so große Machtstellung. Zu den geistlichen Lords gehörten zwei Erzbischöfe (Canterbury und York), 15 englische Diözesan-Bischöfe und vier walisische Bischöfe, außerdem die Äbte und Prioren der bedeutenden Ordenshäuser, von denen nur 27 nach 1364 ins Parliament berufen wurden. Da nur eine kleine Zahl der weltlichen Lords ständig am Parliament teilnahm, bildeten die geistlichen Lords manchmal die Mehrheit im Oberhaus. Infolge der erneuten Schaffung von Pairswürden wurde das House of Lords bereits vor der Auflösung der Abteien und Priorate durch Heinrich VIII. eine in erster Linie weltliche Versammlung. England, D.; Impeachment.
T.B. Pugh