Katharina von Valois                       Königin von England
---------------------------
27.10.1401
3.1.1438
Hotel Saint-Paul Bermondsey Abbey

Begraben: Westminster Abbey
 

6. und jüngste Tochter des Königs Karls VI. des Wahnsinnigen von Frankreich aus dem Hause VALOIS und der Isabeau von Bayern-Ingolstadt, Tochter von Herzog Stephan III.
 

Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 1069
********************
1. Katharina von Valois, Königin von England
------------------------------
* 27. Oktober 1401 in Paris, 3. Januar 1437 in Bermondsey Abbey

Begraben:  Westminster Abbey

jüngste Tochter von Karl VI., König von Frankreich, und der Isabella von Bayern

  1. oo 2. Juni 1420 (bereits 1413 vereinbart), gemäß den Abmachungen im Vertrag von Troyes, der die beiden Königreiche vereinigen sollte
           Heinrich V., König von England

  2. oo Owen Tudor, ein walisischer Knappe, der im Dienst Heinrichs V. gestanden hatte

Kinder: von 1.:
-------------------
Heinrich VI.

von 2.:
---------
vier Kinder (bedeutend: Edmund, Earl of Richmond, Vater von Heinrich VII.).

Nach dem Tod Heinrichs V. (31. August 1422) soll Katharina von Valois eine Heirat mit Edmund Beaufort beabsichtigt haben. Ihre Ehe mit Owen Tudor wurde erst nach ihrem Tod bekannt, als Owen vom königlichen Rat angeklagt wurde.
R.L. Storey


1) Katharina, Königin von England
-----------------
geb. 1400


Tochter des Königs Karl VI. von Frankreich und der Isabella von Bayern

Vermählte sich 1420 nach dem Vertrag von Troyes mit Heinrich V. von England, dem sie einen Sohn, Heinrich VI., gebar, und begründete so die Ansprüche, welche dieser nach Karls VI. Tod auf Frankreich erhob. Nach ihres Gemahls Tod (1422) vermählte sie sich heimlich mit Owen Tudor, dem sie drei Söhne schenkte; durch einen derselben, Edmund, Grafen von Richmond, wurde sie Großmutter Heinrichs VII. Sie starb 1438.


Thiele, Andreas: Tafel 51
**************
"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa"

KATHARINA
-------------------
1401
1438

  1. oo 1420
           HEINRICH V., König von England und Frankreich
                
1422

  2. oo 1429
           OWEN TUDOR, Sir
                 
1461

(sieh England IIIa/IV1)


Owen Tudor wurde Vorsteher der Garderobe im Hofstaat der englischen Königin Katharina, der Witwe Heinrichs V. Sie lebte fern vom Hof, fühlte sich einsam und vergessen. Er war ein verwegener Abenteurertyp, stattlich, gut aussehend, und mitfühlend, der es verstand, der traurigen Königin walisische Lieder vorzusingen. Er heiratete sie heimlich und erst nach ihrem Tod wurde die Liebschaft entdeckt. Der Hof war empört, dass ein walisischer Abenteurer das Andenken an den Helden Heinrich V. beschmutzt hatte. Owen bestritt, dass er und die Königin wirklich verheiratet waren; es kam niemals ein Beweis für die Heirat zum Vorschein und da er sich nicht um seine Einbürgerung bemüht hatte, mußte die Heirat ungültig gewesen sein.

Markale Jean: Seite 322,366
***********
„Isabeau de Bavarie“

Die Anwesenden bemerkten auch, dass der König von England häufige Blicke auf die bildschöne und prächtig herausgeputzte Catherine de France wirft. Henry V. ist in die Tochter Isabeaus sichtlich sehr verliebt. Um Catherine zu bekommen, wird er Zugeständnisse machen.
Isabeau strahlte nur noch im Glanz von Katharina, ihrer Tochter, der englischen Königin. Und Heinrich begab sich - voller Stolz auf seine junge Gemahlin - nach England, um sie seinen insularen Untertanen vorzustellen. 1422 schenkte ihm Katharina einen Sohn, den künftigen Heinrich VI. Um das freudige Ereignis zu feiern, läßt Heinrich V. Katharina und das junge Kind aus Windsor nach Paris kommen.

Jurewitz-Freischmidt Sylvia: Seite 25,35,42-44
***********************
"Die Herrinnen der Loire-Schlösser. Königinnen und Mätressen um den Lilienthron."

Da erhebt sich Isabeau aus ihrem zehnten Wochenbett, sie hat soeben ihre siebente Tochter, Katharina, zur Welt gebracht, und mahnt die Widersacher zur Verständigung.
Henry nimmt Verhandlungen mit Frankreich auf, erinnert an sein Erbrecht und bewirbt sich um die Hand Katharinas (14), der jüngsten Tochter Isabeaus.
Endlich erscheint auch Henry in Troyes. Er beugt zeremoniell das Knie vor König und Königin, verneigt sich lächelnd vor der charmanten Katharina, deren Hand er seit nunmehr fünf Jahren als Unterpfand seines Thronanspruches begehrt. Der Heiratskontrakt wird noch am Tage seiner Ankunft unterzeichnet.
Zunächst findet am 2. Juni die Trauung von Henry (33) und Katharina (19) statt. Gegenüber anderen Veranstaltungen dieser Art in den Jahren zuvor muß diese Hochzeit eher ärmlich gewirkt haben, die königliche Schatulle konnte kaum die Ausstattung der Ehrendamen aufbringen.
Eine der zahllosen Seuchen greift um sich. Am 8. Juli eröffnet Michelle (17), die Frau Philipps von Burgund, den Todesreigen. Gewarnt ordnet Henry V. seine Angelegenheiten. Am 31. August 1422 stirbt Henry V., der als erster die Doppelkrone von England und Frankreich tragen sollte. Er hinterläßt eine 20-jährige Witwe und einen zehnmonatigen Erben.

Saller Martin: Seite 147,224,228,264,277,280-283,291,297,312
***********
"Königin Isabeau. Die Wittelsbacherin auf dem Lilienthron."

Nun greift die Königin ein, die wenige Wochen zuvor, am 27. Oktober, ihr zehntes Kind geboren hat: wieder ein Töchterchen, Katharina getauft.
In freundschaftlicher Verbindlichkeit erinnert er an sein Erbrecht auf die französische Krone; er sucht um die Hand der jüngsten Tochter Isabeaus, der 14-jährigen Katharina, die ihm ein weiteres Unterpfand seines Anspruchs werden soll.
Paris zeigt äußerstes Entgegenkommen: Karl VI. sagt Heinrich die Hand Katharinas zu, die eine Mitgift von 800.000 Gold-Francs erhalten soll. Statt der Normandie, die Heinrich ebenfalls fordert, ist Paris zur Abtretung von Gebieten in Aquitanien bereit. Doch der junge König will Krieg und schickt hochmütig die Delegation mit dem Bemerken nach Frankreich zurück, daß er bald folgen werde.
Als auch am nächsten Morgen, am 25. Oktober 1415, die Franzosen nicht angreifen, schlägt Heinrich dem Konnetabel d'Albret durch Parlamentäre Verhandlungen vor. Er erklärt sich bereit, sich mit einer Abtretung des Herzogtums Guyenne, mit der Grafschaft Ponthieu sowie mit der Hand der Königs-Tochter Katharina und 800.000 Gold-Francs zufrieden zu geben und auf die französische Krone zu verzichten, wenn ihm freier Abzug nach Calais zugesichert werde. Der Konnetabel verlangt dagegen bedingungslosen Verzicht auf Frankreichs Krone und auf die Hand Katharinas sowie die Räumung Harfleurs.
So verhandeln nur die Königin und Herzog Johann mit Heinrich V. Isabeau stellt dem englischen Monarchen auch ihre charmante, achtzehnjährige Tochter Katharina vor, deren Hand er begehrt.
Am 20. Mai erscheint Heinrich V. an der Spitze seiner Truppen in der Ausweich-Residenz, wo er vom Königspaar freundschaftlich empfangen wird. Heinrich beugt das Knie vor Karl VI. und Isabeau, und er verneigt sich vor der charmanten, neunzehnjährigen Katharina, deren Hand er als Unterpfand seines Thronanspruchs seit Jahren begehrt. Noch am selben Tag wird der Heiratskontrakt unterzeichnet. Isabeau überläßt dem künftigen englischen Schwieger-Sohn ihre Residenz und zieht mit der Tochter in ein Kloster ein. Durch die Heirat mit Katharina wird er Mitglied der königlichen Familie, adoptierter Sohn an Stelle des Dauphin Karl, dem die Unwürdigkeit bescheinigt wird, die Krone zu tragen.
Am 2. Juni 1420, vierzehn Tage nach der Unterzeichnung des Erbfolge-Vertrags, führt Heinrich V. die neunzehnjährige Katharina in der Kathedrale von Troyes zum Altar.
Der Vormarsch in Richtung Paris stockt dann vor der Festung Melun, die vier Monate lang der Belagerung trotzt. Karl VI. und die Königinnen Isabeau und Katharina warten in Corbeil das Ende der Kämpfe ab. Der englische Kriegsherr, der mit seiner Frau Katharina im Louvre königlichen Hof hält, ernennt seinen Bruder, den Herzog von Clarence, zum Befehlshaber in der Hauptstadt. Ende Dezember verabschiedet sich dann auch Isabeaus Tochter Katharina. Heinrich V. nimmt seine junge Frau mit nach London, wo er dem Parlament, der reichen Kirche und der Kaufmannschaft neue Hilfsgelder abringen muß.
Im Dezember erhält Heinrich die frohe Nachricht, daß seine Frau Katharina im Schloß Windsor mit einem Knaben, einem Thronfolger, niedergekommen ist. Schon im Sommer des Vorjahres ist das Königs-Paar aus dem dumpfen, tristen Paris in das Waldschloß Vincennes geflüchtet, wo auch die junge Mutter Katharina, aus England wieder heimgekehrt, ihren Gemahl erwartet. Erst Ende Mai kommt Heinrich V. aus dem Kriegslager. Die beiden Königs-Paare halten nun Einzug in Paris, wo die Bevölkerung unter dem Eindruck des Sieges von Meaux wieder Jubel bereit hat.
Es erregt überdies Befremden und Unwillen, daß die nun zwanzigjährige Königin-Witwe Katharina alsbald nach England zurückkehrt, wo ihr Söhnchen englische Betreuung und englische Erziehung erhält. Katharina selbst hat keinerlei politischen Ehrgeiz.
Als Heinrich VI. die Krone Frankreichs aufgesetzt wurde, war seine Mutter bereits in zweiter Ehe mit dem verarmten Edelmann und Parteigänger des Hauses LANCASTER, Owen Tudor, vermählt, der sich von einem alten Waliser Königs-Geschlecht ableitete und dem sie 1430 einen Sohn und Erben gebar. So wurde die Tochter Isabeaus und des wahngeschlagenen Königs Karl VI. auch zur Stamm-Mutter der TUDORS, die England von 1485 bis 1605 regierten.
 
 
 
 

   2.6.1420
  1. oo Heinrich V. König von England
           1387
31.8.1422

    1429
  2. oo Owen Tudor
          um 1400
4.2.1461 hingerichtet
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe
  Heinrich VI. König von England
  6.12.1421
21.5.1471 ermordet

2. Ehe
  Edmund Tudor Graf von Richmond
  1430
3.11.1456

  Jasper Tudor Graf von Pembroke
  um 1431
21.12.1495

  Owen Tudor Mönch in Westminster
        
1510



Literatur:
-----------
Calmette, Joseph: Die großen Herzöge von Burgund. Eugen Diederichs Verlag München 1996 Seite 138,148,159,164 - Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 245 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 303,318,321 - Favier, Jean: Frankreich im Zeitalter der Landesherrschaft 1000-1515. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart 1989 Seite 392 - Fraser Antonia: Die sechs Frauen Heinrichs VIII. Claasen Verlag GmbH Hildesheim 1995 Seite 25,35 - Jurewitz-Freischmidt Sylvia: Die Herrinnen der Loire-Schlösser. Königinnen und Mätressen um den Lilienthron. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 1996 Seite 25,35,42-44 - Markale, Jean: Isabeau de Bavarie. Eugen Diederichs Verlag München 1994 Seite 322,366 - Saller Martin: Königin Isabeau. Die Wittelsbacherin auf dem Lilienthron. Nymphenburger Verlagshandlung GmbH, München 1979 Seite 147,224,228,264,277,280-283,291,297,312,329 - Schnith Karl: Frauen des Mittelalters in Lebensbildern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1997 Seite 353,363,366 - Tuchmann Barbara: Der ferne Spiegel. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1995 Seite 517 -
Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R.G. Fischer Verlag 1993 Tafel 51,207 -