Johann de la Pole                             Graf von Lincoln
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um 1462
16.6.1487 gefallen  


Ältester Sohn des Herzogs Johanns von Suffolk aus dem Hause DE LA POLE aus seiner 2. Ehe mit der Elisabeth von England-York, Tochter von Herzog Richard I.; Neffe der Könige Eduard IV. und Richard III. von England


Lexikon des Mittelalters: Band VII Spalte 51
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Pole, de la
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Bedeutende englische Familie im 14. und 15. Jh., über deren Herkunft wenig bekannt ist.

Williams Sohn John (* 1442, Oktober 1492; oo Elizabeth, Tochter von Richard Plantagenet, Duke of York) war noch zu jung, um an den politischen Umwälzungen der 50-er Jahre des 15. Jh. teilnehmen zu können; er kämpfte für Eduard IV. in Towton im März 1461, verhielt sich loyal gegenüber Eduard sowie Richard III. und erlebte die Thronbesteigung der TUDORS. Sein ältester Sohn John (* um 1462,
16. Juni 1487), aufgrund seiner Abstammung von der Schwester Richards of York zum Erben Richards III. erklärt, wandte sich gegen Heinrich VII. Er unterstützte die Rebellion des Kron-Prätendenten Lambert Simnel und wurde in der Schlacht von Stoke getötet. Offenbar machten ihre Verbindungen zu den Yorkists die POLE-Familie den TUDORS verdächtig, und Johns Bruder Edmund, der letzte Duke aus der POLE-Familie, ging 1500 ins Exil. 1504 wurde er in Abwesenheit der angeblichen Anstiftung einer Rebellion angeklagt, 1506 an Heinrich VII. ausgeliefert und 1513 hingerichtet.
J.A. Tuck

Thiele, Andreas: Tafel 291
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band IV Die Britische Peerage, ein Auszug"

JOHANN
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1471/72
1487 gefallen

Johann wird 1484 General-Gouverneur von Irland, Graf von Lincoln
1485 von seinem Onkel, König Richard III. von England, zum Thron-Erben designiert
anerkennt König Heinrich VII. Tudor, gerät in Konspirationsverdacht und flieht 1486; kommt mit Truppen zurück, schließt sich dem Abenteurer Lambert Simmel an (der sich für Prinz Eduard York von Warwick ausgibt, vgl. England IIIc) und fällt in der Schlacht bei Stoke

  oo MARGARETE
             
nach 1493

Tochter des Grafen Thomas II. Fitz Alan von Arundel

Thiele, Andreas: Tafel 10
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band IV Die Britische Peerage, ein Auszug"

MARGARETE
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nach 1493

Tochter des Grafen Thomas II. von Arundel aus dem Hause FITZ ALAN und der Margarete Wydeville, Tochter des Grafen Richard I. von Rivers (Schwägerin von König Eduard IV. von England)

  oo JOHANN II. DE LA POLE, Graf von Lincoln
            
1487 gefallen

Sohn des Herzogs Johann von Suffolk

Kendall Paul Murray: Seite 324,344,410-414
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"Richard III. König von England. Mythos und Wirklichkeit."

Doch ein König muß einen Nachfolger haben. Es gab zwei Möglichkeiten: Clarences Sohn, den Earl of Warwick, und den Earl of Lincoln, den Sohn von Richards Schwester Elisabeth und des Herzogs von Suffolk. Clarences Nachkommen waren wegen der Hochverratsfolgen rechtsunfähig, aber das konnte rückgängig gemacht werden. Doch Warwick war est zehn Jahre alt und war das, was man heute ein zurückgebliebenes Kind nennen würde. Lincoln war ein verheirateter Mann, der seinen kriegerischen Geist schon während der Rebellion bewiesen hatte. Vier Monate lang konnte sich Richard nicht dazu entschließen, irgendeine öffentliche Erklärung über seine Nachfolge abzugeben. Schließlich ernannte er Lincoln am 21. August zum Statthalter von Irland, ein Posten, den das Haus YORK dem Thronfolger zu geben pflegte. Diese Ernennung trug dazu bei, dem Unheil der Dynastie etwas abzuhelfen.
Seine wichtigste und bleibende Schöpfung war der "Rat des Nordens", der im Juli 1484 eingesetzt wurde. John of Lincoln, Richards Erbe und Vorsitzender des Rates, unterzeichnete seine Erlasse "per consilium Regis".
Das Schloß Sheriff Hutton, nahe der Stadt York, barg nun viel, was vom königlichen Blut YORK übriggeblieben war: die Prinzessin Elisabeth und zweifellos eine oder mehrere ihrer Schwestern, die Earls of Warwick und of Lincoln, Lord Morley, den Gatten einer Schwester Lincolns, und vielleicht Richards unehelicher Sohn John von Gloucester.
Lambert Simmels Behauptung, er sei der wahre Sohn von Clarence, Earl of Warwick, war eine durchsichtige Maskerade, denn viele wußten sehr wohl, daß der wirkliche Earl of Warwick als Gefangener im Tower saß. Trotzdem war es, wie Heinrich erkannte, eine furchtbare Bedrohung für seinen schwankenden Thron. Die Iren hatten in ihrer Zuneigung für das Haus YORK diesem Simmel einen begeisterten Empfang bereitet. Der Earl of Lincoln, Richards Erbe, war aus Heinrichs Ratsversammlung geflohen, und Francis, Viscount Lovell, Richards Kämmerer, war aus seinem Versteck entkommen, um Hilfe für die Sache bei Richards Schwester Margarete, der Herzogin-Witwe von Burgund, zu suchen. Sie verschaffte ihm die Mittel, 2.000 deutsche Söldner anzuwerben. Am 5. Mai wurden Lincoln, Lovell und ihre Truppen jubelnd in Dublin begrüßt; Lambert Simmel wurde in Christ Church zum König Eduard dem Sechsten gekrönt. In seinem Namen wurde ein Parlament einberufen. Es wurden Münzen geprägt, und eine große Zahl der Iren strömten zu seinem Banner. Einige seiner Anhänger glaubten ofenbar an seine Echtheit, doch Lincoln und Lovell gehörten nicht zu ihnen. Da die Verschwörung schon zu der Zeit im Gange war, als Lincoln sich entschloß, an ihr teilzunehmen, wollte er wahrscheinlich als Simmels Helfer auftreten, bis ein Sieg ihm die Gelegenheit gab, seine Stellung als wahrer Erbe des Hauses YORK einzunehmen. Am 4. Juni landete Lincoln mit seinem Heer an der Küste von Lancashire in der Nähe von Furnes.
Fünf Tage nach der Landung seiner Feinde war Heinrich in der Lage, mit etwa 4.000 Mann nach Norden zu ziehen. Zu Heinrichs Erleichterung erschien Lord Strange in Nottingham mit dem STANLEY-Kontingent von 5.000 Mann oder mehr, wodurch der Umfang des königlichen Heeres verdoppelt wurde.
Zu Lincolns Streitkräften waren bald nach ihrer Landung Sir Thomas Broughton und andere aus dem Norden gestoßen, aber es war keine allgemeine Volkserhebung. Hier war STANLEY-Gebiet, die Bevölkerung mochte die "wilden Iren" nicht, und "König Eduard der Sechste" war ein zweifelhaftes Wesen. Trotzdem rückte Lincoln entschlossen über die Pennischen Berge nach Osten vor.
Kühn, von schnellem Enschluß und auf de Kampfmoral seiner Leute vertrauend, entschied er sich für einen sofortigen Angriff. Lincoln schwenkte mit seiner Truppe kühn nach Süden. Am nächsten Morgen (16. Juni) stellte er seine Schlachtlinie so auf, daß die Hauptmasse seines rechten Flügels auf einer Anhöhe über dem Fluß blieb und sein Zentrum die Straße sperrte. Er verfügte über etwa 8.000 Mann, von denen wenigstens die Hälfte Iren gewesen sein müssen, die kampfeslustig, aber ungepanzert und primitiv bewaffnet waren. Die Stärke des Heeres lag in Martin Swarts 2.000 Deutschen und vielleicht der gleichen Zahl englischer Anhänger.
Immer mehr machte sich die Wirkung der besseren Waffen geltend. Oxfords Truppen schlossen die abnehmende Schar der Engländer und Deutschen ein. Lincoln, Swart und Sir Thomas Broughton fielen im Kampf, und die meisten Deutschen mit ihnen.





  oo Margarete Scrope, Tochter des Sir Richard
       um 1470/75
nach 1493





Literatur:
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Kendall Paul Murray: Richard III. König von England. Mythos und Wirklichkeit. Eugen Diederichs Verlag München 1995 Seite 324,344,410-414 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band IV Die Britische Peerage, ein Auszug, R.G. Fischer Verlag 1996 Tafel 10,291 -