Isabella von Angouleme                  Königin von England
-----------------------------                  Gräfin von La Marche und Angouleme
11866.1246
 

Erb-Tochter des Grafen Aymar III. Taillefer von Angouleme und der Alix de Courtenay (* um 1160, 1218), Tochter von Graf Peter I.; Cousine von König Philipp II. August von Frankreich

Lexikon des Mittelalters:
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Angouleme
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II. Grafschaft:
Mit der Entführung der Erbin von Angouleme, Isabella, der Braut des Hugo von Lusignan, Grafen von der Marche, durch den PLANTAGENET Johann »ohne Land«, wurde der große Konflikt zwischen den PLANTAGENET und dem König von Frankreich ausgelöst, da Hugo von Lusignan diesen um Beistand angerufen hatte (1200-1202). Nach dem Tode Johanns heiratete Isabella ihren einstigen Verlobten, der dem KAPETINGER den Lehnseid leistete. Die Zeit von 1226 bis 1241 war die Blütezeit der TAILLEFER-LUSIGNAN, die nun das Angoumois mit Cognac und Merpins besaßen, die Saintonge mit St-Jean d'Angély, Aunis (»le grand fief d'Aunis«), Lusignan und die Grafschaft der Marche.
Aber zwischen Hugo X. einerseits, König Ludwig IX. dem Heiligen und seinem Bruder Alfons von Poitiers andererseits brachen 1241 Streitigkeiten aus; als besiegte Rebellen verloren Hugo und Isabella nach dem Vertrag von Pons (1242) ein Drittel ihrer Domänen; sie behielten jedoch die Grafschaft Angouleme. Die Linie der TAILLEFER-LUSIGNAN erlosch mit Hugo XIII. und seinem Bruder Gui [Guido], zu dessen Lebzeiten sich Philipp der Schöne der Grafschaft durch Verrat bemächtigte (1308); die natürlichen Erben wurden entschädigt und das Angoumois mit der Krondomäne vereinigt (1314).


Brandenburg Erich: Tafel 9 Seite 19
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"Die Nachkommen Karls des Großen"

XIV. 121b. JOHANN OHNE LAND
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* 1167 24. XII., 1216 19. X.

König von England 1199

Gemahlinnen:
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a) 1188; verstoßen 1199
ISABELLE, Tochter Wilhelms Graf von Gloucester (siehe XIV. 490.)

     1217

b) 1200 24. VIII.
ISABELLE, Tochter Aimars Graf von Angouleme
     
1246


Thiele, Andreas: Tafel 201
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa"

JOHANN "OHNE LAND"
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* 1167, 1216

1189-1199
  oo ISABELLA FITZROBERT VON GLOUCESTER
             †

 Tochter und Erbin des Grafen Wilhelm I.
Cousine, Ur-Enkelin König Heinrichs I. von England

 1200
  oo ISABELLA D'ANGOULEME
            1246

Tochter und Erbin des Grafen Aymar III. Taillefer
Nichte des Königs Philipp II. von Frankreich
Ihre 2. Ehe: oo Hugo X. der Braune de Lusignan-Marche

Isabella von Angouleme verlobte sich im Jahre 1200 mit dem Grafen von Marche, Hugo X. dem Braunen von Lusignan. Da die Grafschaft sehr günstig zwischen der Touraine und der Guyenne lag, beabsichtigte der englische König Johann Ohneland, seinen Besitz zu erweitern, indem er die Erbin Isabella heiratete. Er verstieß zunächst seine Gemahlin Isabella von Gloucester unter dem Vorwand, dass sie ihm keinen Erben geboren habe, und führte alsdann einen Bruch zwischen Isabella und ihrem Verlobten herbei. Isabella gebar dem König Johann mehrere Kinder und ging nach dessen Tode in ihre Heimat zurück und heiratete ihren früheren Verlobten Hugo von Lusignan.

Pernoud Regine: Seite 287
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"Königin der Troubadoure"

Aber es erscheinen noch zwei Frauen auf dem Plan. Zunächst die kastilische Blanca und zum anderen Isabella von Angouleme, deren Auftritt in der Geschichte eine Flut von Ereignissen zur Folge hat und letzten Endes zum Zerfall des Reiches der PLANTAGENET führen sollte.
Isabella war ursprünglich mit jenem Hugues le Brun, dem Herrn von Lusignan, verlobt, der sich seinerseits von Eleonore bei ihrer Durchreise die Grafschaft March zu Lehen geben ließ. Jetzt hatte dieser etwa 40-jährige Mann durch seine junge, erst 14-jährige Verlobte berechtigte Aussichten, auch die Grafschaft Angouleme zu erben. Das Glück schien ihm hold.
Aber nun hat er den unglücklichen Einfall, seinen obersten Lehnsherrn, den König von England, zu seiner Verlobung einzuladen. Johann ohne Land steckt gerade zu dieser Zeit selbst in Eheschwierigkeiten. Er hat beschlossen, seine Ehe mit Havise von Gloucester, die ihm keine Kinder geschenkt hat, aufzulösen, und hat eine Gesandtschaft zu König Sancho von Portugal geschickt, die ihn um die Hand einer seiner Töchter bitten soll. Bei den Festlichkeiten in Lusignan wird ihm Isabella von Angouleme vorgestellt. Zwei Monate später, am 23. August 1200, erfährt die Welt zu ihrem Erstaunen, dass Hugues le Brun von Johann in diplomatischer Mission nach England geschickt wurde und der König, mit Billigung des Grafen Aymar von Angouleme, dessen jungen Tochter Isabella geheiratet hat.
Man kann sich vorstellen, wie der poitevinische Adel, der so sehr auf seine Unabhängigkeit bedacht war und bei jeder passenden Gelegenheit damit auftrumpfte, auf diesen Streich reagiert haben mag. Die Angelegenheit hatte unabsehbare historische Folgen; denn Isabella ist eine jener starken weiblichen Persönlichkeiten, deren es in der Feudalzeit viele gibt und die einen großen Einfluß auf das politische Geschehen haben.
Diese Heirat, die trotz der Zustimmung des Vaters einer Entführung gleichkommt, ist der erste Auftakt für das Auseinanderfallen des Reiches. Er löst die persönliche Bindung, auf der die Treue des Vasallen beruht. Die Barone, die bisher noch unentschlossen waren, stehen nun dem König von England feindlich gegenüber.
Johann krönte am 8. Oktober 1200 seine junge Gemahlin in Westminster. Der König von Frankreich hatte offenbar die Entführung der Isabella von Angouleme gebilligt, denn noch im Laufe des Sommers 1201 empfing er das englische Königspaar auf der Ile-de-la-Cite in Paris sehr viel herzlicher, als man es hätte hoffen dürfen.

Le Goff Jacques: Seite 129
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"Ludwig der Heilige"

Als es Blanka von Kastilien und ihren Ratgebern 1227 gelungen war, den Grafen von der Marche zu neutralisieren, hatten sie ein Abkommen getroffen, das die Vermählung einer Tochter Hugos X. mit einem der Brüder Ludwigs IX., nämlich Alfons, vorsah. Doch 1229 wurde Alfons mit Johanna, der Tochter des Grafen von Toulouse, verlobt. Zur Entschädigung sollte die Schwester des Königs, Isabella - darauf einigte man sich 1230 bei der Erneuerung des Abkommens zwischen Ludwig IX. und dem Grafen der Marche -, Hugo, den ältesten Sohn und Erben, Hugos X., heiraten. Aber der junge Hugo von Lusignan nahm 1238 eine andere zur Frau, Yolande, die Tochter des Grafen Peter Mauclerc.
Die Marche lag nun eingeengt zwischen den Gebieten des neuen Grafen und vor allem mußte Hugo X., bislang Vasall des Königs von Frankreich, seinen Eid auf einen geringeren Herrn, Alfons von Poitiers, übertragen. Immerhin tut er nach den Festlichkeiten von Saumur seine Pflicht, indem er Alfons huldigt. Doch sowenig Hugo diese Situation behagt, sosehr mißfält sie seiner Gemahlin Isabella von Angouleme, der Witwe von Johann Ohneland, die, wiederverheiratet mit dem Grafen der Marche, doch ihren Rang als Königin gewahrt wissen möchte. Und so kommt es dann zum Bruch: Ludwig IX. hatte 1230, anläßlich des Heiratsversprechens, das seine Schwester Isabella mit dem jungen Hugo von Lusignan verbinden sollte, das Aunis und Saint-Jean-d'Angely erneut als Pfand an Hugo X. gegeben; jetzt, nachdem Alfons die Grafschaft Poitou, zu der die Pfänder gehören, als sein Erbe in Besitz genommen hat, verlangt der König von Frankreich unter Berufung auf die nichtstattgefundene Heirat die Rückgabe der Pfänder an Alfons von Poitiers.

Berg Dieter: Seite 95,128,152
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"Die Anjou-Plantagenets. Die englischen Könige im Europa des Mittelalters."

Überraschend brach der ANGEVINE die Verhandlungen jedoch nach einer Begegnung mit dem Grafen Ademar von Angouleme und dessen zwölfjähriger Erb-Tochter Isabella ab, die er umgehend zu heiraten wünschte, obwohl sie bereits mit dem Grafen von La Marche, Hugo IX. von Lusignan, verlobt war und sich zur Erziehung am Hofe ihres künftigen Schwieger-Vaters aufhielt. Entgegen der älteren Forschung wird man die Wahl Isabellas nicht länger als Ausdruck von Johanns angeblicher "psychischer Labilität" und "Triebhaftigkeit", sondern als überlegte Entscheidung unter geographischen Gesichtspunkten betrachten müssen, da die Grafen-Tochter unter anderem Angouleme als Mitgift erhalten sollte und Johann hierdurch Zugriff auf andere, geostrategisch wichtige Territorien erlangen konnte. Dennoch beging der Monarch bei der Realisierung seiner Pläne den entscheidenden Fehler, die Braut durch Graf Ademar vom Hof des präsumptiven Schwieger-Vaters entführen und zu sich bringen zu lassen, womit ein Rechtsbruch und eine Demütigung der LUSIGNANS verbunden waren, die auf Rache sannen und rechtlich gegen den ANGEVINEN vorzugehen gedachten. Während Johann die Trauung am 24. August 1200 durch den Erzbischof von Bordeaux durchführen und Isabella nach der Rückkehr auf die Insel am 8. Oktober krönen ließ, begannen die LUSIGNANS, Unruhe gegen den Monarchen in Poitou zu stiften, königliche Burgen in der der Normandie anzugreifen und den PLANTAGENET im Herbst 1201 bei dem kapetingischen Oberlehnsherrn zu verklagen, der nach dem Tode von Agnes von Meran am 18./19. Juli 1201 seinen politischen Handlungsspielraum allmählich vergrößern konnte.
Hinzu kam, dass Isabella, die Königin-Mutter und Herrin von Angouleme, nach der raschen Rückkehr in die Grafschaft bald ihre Ansprüche auf die Übergabe ihrer Mitgift im südlichen Poitou erhob und zur Sicherung ihrer Interessen nach eigenem Wunsch zu Beginn des Jahres 1220 die Ehe mit Hugo de Lusignan, Graf von La Marche, geschlossen hatte, der zuvor mit ihrer eigenen Tochter Johanna, der späteren Königin von Schottland, verlobt gewesen war.



 
24.8.1200
  1. oo 2. Johann Ohneland König von England
              24.12.1167 19.10.1216

    1220
  2. oo Hugo X. von Lusignan Graf von La Marche
            um 1180/851249
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Heinrich III. König von England
  1.10.1207
16.11.1272

  RICHARD VON CORNWALLIS Deutscher König
  5.1.1209
2.4.1272

  Johanna
  um 1210
4.3.1238

19.6.1221
   oo Alexander II. König von Schottland
       24.8.1198
8.7.1249

  Isabella
  1214
1.12.1241

15.7.1235
   oo 3. FRIEDRICH II. ROGER König des Deutschen Reiches
            26.12.1194
13.12.1250

  Eleonore
  1215
1275

    1224
  1. oo Wilhelm II. Marshall Graf von Pembroke
                
1231

   7.1.1238
  2. oo Simon II. de Montfort Graf von Leicester
          um 1208
4.8.1265

2. Ehe 12 Kinder

  Hugo XI. der Braune
  12201250

  Agnes de Lusignan
        nach 1269

  oo Wilhelm II. von Chauvigny, Sire von Chateauroux
              1271

  Alix de Lusignan
        

 1247
  oo Johann von Varennes Graf von Surrey
              1304

  Geoffroy de Lusignan
  um 1225 um 1273

Geoffroy wurde Seigneur von Jarnac, Chateau-Larcher und Brulain. Mit seinem Sohn Geoffroy II. ( 1305) starb die Linie aus.

 1259
  oo Johanna von Chatellerault, Erb-Tochter des Vicomte Aimery II., Dame von Lillebonne
                1315

  Isabella von Beauvoir-sur-Mer
  um 1225 1300

  1. oo Maurice IV. Sire von Craon
                   1250

  2. oo Geoffroy VI. von Rancon
                  1263

  Margarete de Lusignan
  um 1225 1288

    1241-1245
  1. oo 2. Raimund VII. Graf von Toulouse
                7.119727.9.1249

  2. oo Aimery IX. Vicomte von Thouars
                  1256

  3. oo Geoffroy V. Sire von Chateaubriand
                  nach 1278

  Wilhelm von Valence  
           1296

siehe bei den Grafen von Pembroke

  Ademar Bischof von Winchester (1249-1260)
          1260
 
 
 
 

Literatur:
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Berg Dieter: Die Anjou-Plantagenets. Die englischen Könige im Europa des Mittelalters. Verlag W. Kohlhammer 2003 Seite 95,128,152 -
Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen. Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 9 Seite 19 - Csendes Peter: Philipp von Schwaben. Ein Staufer im Kampf um die Macht. Primus Verlag 2003 Seite 127 - Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 138,146 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 162,179 - Le Goff Jacques: Ludwig der Heilige, Klett-Cotta Stuttgart 2000 Seite 129 - Pernoud Regine: Königin der Troubadoure. Eleonore von Aquitanien. Diederichs Verlag München 1991 Seite 287 - Pernoud Regine: Herrscherin in bewegter Zeit. Blanca von Kastilien, Königin von Frankreich. Diederichs Verlag München 1991 Seite 28,91,111,138,218-226 - Schnith Karl Rudolf: Mittelalterliche Herrscher in Lebensbildern. Von den Karolingern zu den Staufern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1990 Seite 324,356 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R.G. Fischer Verlag 1993 Tafel 201 - Trautz, Fritz: Die Könige von England und das Reich 1272-1377. Mit einem Rückblick auf ihr Verhältnis zu den Staufern, Carl Winter Universitätsverlag Heidelberg 1961 Seite 72 -