Georg                                               Herzog von Clarence (1463-1478)
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21.10.1449 18.2.1478 hingerichtet
Dublin         London

3. Sohn des Herzogs Richards von York aus dem Hause PLANTAGENET und der Cäcilie Neville, Tochter von Graf Ralph I. von Westmoreland; Bruder der Könige Eduard IV. und Richard III. von England
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 1281
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George, Duke of Clarence
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* 21. Oktober 1449, 18. Februar 1478 im Tower zu London

6. Sohn von Richard, Herzog von York, und Cecily, der jüngsten Tochter des Ralph Neville, Earl of Westmorland; Bruder von Eduard IV. und Richard (III.).

  oo 1469
       Isabella, Tochter von Richard Neville, Earl of Warwick

Nach der Thronerhebung Eduards galt der am 28. Juni 1461, dem Krönungstag, zum Herzog erhobene George offenbar zunächst als vorgesehener Thronerbe. 1466 für volljährig erklärt, erhielt er Besitzungen (Wert: £ 3.400 pro anno), die ihm eine standesgemäße Gefolgschaft (retinue; Bastard Feudalism) ermöglichten. Da der König seine Gunst jedoch zunehmend den Verwandten seiner Gattin Elisabeth Wydeville zuwandte, schloß sich George aufgrund von Interessengleichheit enger an Richard Neville an, der - im Zuge seines Zusammenspiels mit König Ludwig XI. von Frankreich - George ein Fürstentum aus der (zu erobernden) Ländermasse des Herzogtums Burgund in Aussicht stellte. George heiratete Isabella gegen den Widerstand seines königlichen Bruders. Nachdem sich George 1469-1470 als Warwicks wichtigster Bundesgenosse an den beiden Aufständen gegen Eduard beteiligt hatte, mußte er gemeinsam mit seinem Schwieger-Vater nach Frankreich fliehen (1470). In Angers verbündeten sich die Exilierten mit Margarete von Anjou (Lancaster) und begannen die Invasion Englands, die Eduard IV. zur Flucht nach Burgund nötigte und die Wiedereinsetzung Heinrichs VI. nach sich zog. Wegen der schlechten dynastischen Aussichten Georges (Thronerbe nur im Falle eines Aussterbens des Hauses LANCASTER) und des möglichen Verlusts seiner Güter an zurückgekehrte Anhänger Heinrichs VI. trat George erneut zu Eduard IV. über, als dieser von den burgundischen Niederlanden aus die Rückeroberung Englands einleitete, und nahm an dessen siegreichen Schlachten teil (Barnet, Tewkesbury).
Obwohl G
eorges Frau ihren Anteil am Erbe des gefallenen Warwick erhalten hatte, verwickelte sich der Herzog infolge seiner Habgier und Arroganz in einen Streit mit seinem jüngeren Bruder Richard (III.), dem Ehemann der anderen Warwick-Tochter. Im Gegenzug zwang der König George, einer Entscheidung über die Aufteilung der Besitzmasse zuzustimmen, die Georges Einkünfte verringerte und sein machtpolitisches Gewicht schwinden ließ. 1476 verwitwet, verfolgte George Heiratsprojekte mit der Erb-Tochter Maria von Burgund sowie einer schottischen Prinzessin. Der argwöhnisch gewordene König wandte sich gegen diese Pläne. In Verdacht einer Verschwörung gegen Eduards Leben (1477) geraten, wurde George im Juni 1477 verhaftet und durch ein am 19. Januar 1478 einberufenes Parliament nach formeller Gerichtsverhandlung zum Tode verurteilt; der König selbst hatte in einer bill die Ächtung seines Bruders wegen »unkorrigierbarer« Gefahr für den Frieden des Königreiches gefordert. Die Art der Vollstreckung ist nicht überliefert; die Legende von der Ertränkung in einem Faß Malvasier (vgl. Shakespeare, »Richard III.«) ist nahezu zeitgenössisch.
R.L. Storey


Lexikon des Mittelalters:
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Clarence, Herzöge von
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Der Titel eines Herzogs von Clarence wurde im mittelalterlichen England dreimal verliehen:
1362 an Lionel, den 3. Sohn Eduards III. und der Philippine von Hainaut
1412 an Thomas, den 2. Sohn Heinrichs IV. und seiner 1. Frau, Maria de Bohun
1461 an George, den Bruder Eduards IV. und 6. Sohn Richards, Herzog von York, und der Cicely Neville.
Lionel
und Thomas starben beide ohne Erben, während Georges Besitzungen eingezogen wurden, so daß in allen drei Fällen der Titel erlosch.

M. Jones

Thiele, Andreas: Tafel 209
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa"

GEORG
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1449 1478 hingerichtet

Herzog von Clarence, Vize-König von Irland
1471 Graf von Warwick und Salisbury
ein Galan und Lebemensch, Chamberlain Englands, rebelliert 1469-1470 mit gegen den Bruder Eduard IV.; er wird pardoniert, geht mit nach Frankreich; kurz darauf gefangen, in einem Weinfaß ersäuft vom Bruder, war den WYDEVILLES verhaßt

  oo 1469
       ISABELLA DE NEVILLE
       1451 1476

Tochter und Erbin des Grafen Richard II. von Warwick-Salisbury, Montagu und Monthemer (= der "Kingmaker")


Kendall Paul Murray:
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"Richard III. König von England. Mythos und Wirklichkeit."

Georg wuchs mit dem drei Jahre jüngeren Bruder Richard gemeinsam in der Provinz auf, während der Vater mit den beiden älteren Brüdern Edmund und Eduard gegen Heinrich VI. und Königin Margarete um Macht und Thron kämpften. Nach dem Sieg der YORKS wurde der 12-jährige Georg zum Herzog von Clarence und Vize-König von Irland ernannt, er neidete jedoch Eduard den Thron und Richard die bessere Stellung beim König. Nach dem Abfall des Grafen von Warwick von den YORKS verbündete sich Georg mit ihm, intrigierte gegen den König, zettelte Aufstände an und half schließlich Königin Margarete bei der Wiedereinsetzung des schwachsinnigen Heinrich VI. (1470/71). Als jedoch seine Brüder mit großer Heeresmacht aufzogen, ging er wieder zu seiner Familie über. Er erschlug sogar den einzigen Thronerben der Margarete, den Prinzen Eduard von Wales. Um dessen Frau Anna, die inzwischen Teil-Erbin eines Riesenvermögens geworden war, begann erneut der Streit unter den Brüdern. Georg zettelte neue Verschwörungen an, machte aus seinem Haß gegen den König kein Hehl mehr und focht die Rechtlichkeit der Ehe Eduards IV. mit Elisabeth Woodville an. Mit Unterstützung seiner Schwester Margarete, der Herzogin-Witwe von Burgund, versuchte er 1477 eine Eheschließung mit der Erbin von Burgund, Maria, zu erreichen, die sein Bruder Eduard IV. verhinderte. Als dieser sogar den Bruder der Königin als Heiratskandidaten Marias ins Spiel brachte, trieb Clarence seine Widersetzlichkeiten auf die Spitze, indem er die Rechtsprechung in die eigene Hand nahm und verschiedene Personen wegen der angeblichen Vergiftung der Herzogin von Clarence und ihres kleinen Sohnes hinrichten ließ. Durch ein LANCASTER-Parlament zum Thronerben Heinrichs VI. erhoben, fühlte er sich als der rechtmäßige König und strebte nach der Krone. Er wurde verhaftet und in den Tower gebracht; Königin Elisabeth und ihre Familie, die er noch nie ausstehen konnte, drängten auf Verurteilung, das Parlament erhob nach Weihnachten Anklage wegen Hochverrats und der Herzog von Buckingham fällte am 7. Februar 1478 das Todesurteil, das 10 Tage später auf Drängen der WOODVILLES vollstreckt wurde. Georg, ein Galan und Lebemann, konnte die Todesart selbst wählen; ein Faß Malvasier, seinem Lieblingswein, indem er ertränkt wurde.
Georg war ein oberflächlicher Charakter, der etwas von seinem wirren und unfähigen Großvater geerbt hatte. Er war eine fast ebenso schöne und auffallende Erscheinung wie sein Bruder Eduard. Er war ungewöhnlich beredsam und hatte eine herzgewinnende Ausstrahlung.
 
 
 
 
 

11.7.1469
   oo Isabella Neville, Tochter und Erbin Richards II. Graf von Warwick
        1451 22.12.1476

Die Eheschließung fand in Calais statt. Die zarte Isabella starb bald nach der Geburt eines Sohnes wahrscheinlich an Tuberkulose.
 
 
 
 

Kinder:

  Sohn
  1470 1470

  Eduard Graf von Warwick
  25.2.1475 26.11.1499 hingerichtet

  Margarete
  14.8.1473 27.5.1541

  1513 Gräfin von Salisbury; seit 1538 gefangengehalten

 1491
  oo Richard Sir de la Pole
            1504

  Richard
   12.1476 bald
 
 
 

Literatur:
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Calmette, Joseph: Die großen Herzöge von Burgund. Eugen Diederichs Verlag München 1996 Seite 119,121,136,160,315 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 352 - Kendall Paul Murray: Ludwig XI. König von Frankreich 1423-1483 Verlag Callway München 1979 Seite 273,351,391,399 - Kendall Paul Murray: Richard III. König von England. Mythos und Wirklichkeit. Eugen Diederichs Verlag München 1995 Seite 12,24-25,32-33,34,39-40, 43,50-51,60-65,78-79,85-90,93-94,98,111,117-125,126-129,132-139,470-471 - Schelle, Klaus: Karl der Kühne. Burgund zwischen Lilienbanner und Reichsadler. Magnus Verlag Essen Seite113,119,170,230 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R.G. Fischer Verlag 1993 Tafel 209 - Vossen Carl: Maria von Burgund. Des Hauses Habsburg Kronjuwel. Seewald Verlag Stuttgart 1982 Seite 91 -