Elisabeth I.                                       Königin von England (1558-1603)
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7.9.1533
24.3.1603
Greenwich Richmond
 

Einzige Tochter des Königs Heinrichs VIII. von England aus dem Hause TUDOR aus seiner 2. Ehe mit der Anna Boleyn, Tochter von Graf Thomas II. von Ormond

Lexikon der Renaissance: Seite 224
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Elisabeth I., seit 1558 Königin von England und Irland
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* 7.9.1533,
24.3.1603
Greenwich  Richmond

Tochter Heinrichs VIII. (Haus TUDOR) aus der Ehe mit Anna Boleyn

Elisabeth I. stand in der Thronfolge auf dem 3. Platz hinter ihren Halb-Geschwistern Eduard und Maria, sie war in ihrer Jugend mehrfach ernsthaft an Leben und Freiheit bedroht. Während der Gegen-Reformation unter Maria I. richtete sich die Hoffnung der englischen Protestanten auf Elisabeth I. Als Königin umgab sie sich mit fähigen Ratgebern, behielt sich aber alle wichtigen Entscheidungen selbst vor. Auf kirchenpolitischem Gebiet fand unter Elisabeth der Anglikanismus seine endgültige Ausprägung; der königlichen Suprematie und deren Garantie durch das Episkopat kamen entscheidende Bedeutung zu. Da von katholischer Seite die Legitimität der Herrschaft Elisabeths I. angefochten wurde und durch ihre Ehelosigkeit die Nachfolgefrage offenblieb, war Maria Stuart als potentielle katholische Kron-Prätendentin eine ständige Gefahr; Elisabeth I. ließ sie 1587 hinrichten. Elisabeth I. protegierte die überseeische Expansion, deckte Piratenaktionen gegen spanische Besitzungen und unterstützte den Aufstand in den Niederlanden, konnte aber einen offenen Konflikt mit Spanien bis 1585 hinauszögern. Der Versuch Philipps II., 1588 mit der Großen Armada in England zu landen, wurde durch die kleine, aber kampfkräftige königliche Flotte und die uneingeschränkte Unterstützung der Landesverteidigung durch das Bürgertum abgewehrt. Beim weiteren Kampf gegen Spanien bevorzugte Elisabeth I. eine zurückhaltende, kräfteschonende Strategie; nur ausnahmsweise wurde England offensiv (1589,1595/97). In der Unterhausdebatte um die Vergabe königlicher Monopole zeigten sich 1601 erstmals Gegensätze zwischen der Krone und bürgerlich-neuadligen Klassenkräften. Elisabeth I. sah sich zu einem Kompromiß genötigt. Die stark von ihrer Persönlichkeit geprägten 45 Regierungsjahre Elisabeths I. bildeten Höhepunkt und Abschluß der Herrschaft der Dynastie TUDOR und eine Blütezeit der englischen Nationalkultur.


GROSSE FRAUEN DER WELTGESCHICHTE. Tausend Biographien in Wort und Bild.: Seite 148
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ELISABETH I. VON ENGLAND
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7.IX.153324.III.1601

Die "jungfräuliche Königin" regierte ihr Land mit beispiellosem Erfolg über 44 Jahre. Englands Aufstieg in dieser Zeit war wesentlich ihrer Politik zu verdanken, der klugen Weisheit ihrer Regierung. Als sie die Herrschaft antrat, schwankte das aufgestörte Land unentschieden zwischen zwei Religionen in einem Zustand der Lebensunsicherheit, der den Regierungen ihrer drei Vorgänger verhängnisvoll gewesen war. Ohne Krieg, mit kühl abwägender Berechnung, gab Elisabeth ihrem Land Ruhe und Stetigkeit der Religionsausübung in der Sonderform der Anglikanischen Kirche. Die Ungewißheit der Thronfolge vermochte sie, selber in ihrer Legitimität zur Krone angreifbar und durch ihre Rivalin Maria Stuart bedrohlich gefährdet, so zu beseitigen, dass ihr Nachfolger nahezu einhellige Zustimmung fand. Das "melancholische" Temperament des Engländers erfuhr unter ihrer Regierung eine grundlegende Wandlung. Initiative, Selbstvertrauen, kühne Unternehmungslust, Nationalstolz erwachten und griffen in die Welt hinaus. 26 Jahre erhielt sie dem Lande den Frieden, und die darauffolgenden 18 Jahre des Krieges waren für das Volk nahezu dem Frieden gleich: Der Feind konnte England nicht erreichen, und der lange Seekrieg mit Spanien hatte inneren Aufschwung und äußere Entfaltung zur Folge. Die wachsam und überlegen, mit größter Selbstbeherrschung gelenkte Entwicklung der Dinge rechtfertigte Elisabeths Glauben an die Zeit. Was die Generation ihrer Jugend aufgewühlt hatte, war verstummt, neue Ideale waren aufgetaucht. Englands Größe - so urteilt die Geschichte - wurzelt in den 44 Jahren der Herrschaft Elisabeths. Als Charakter war die Königin anfechtbar, ein Mensch mit vielen Schwächen und Fehlern. Als Königin ihres Landes aber war sie eine eigenwillige, stark persönlich geprägte Gestalt von hoher Überlegenheit.


Elisabeth I. litt zeitlebens unter dem Makel ihrer Geburt, galt sie doch nach der Hinrichtung ihrer Mutter jahrelang als unehelich, für die katholische Welt zeitlebens; es gab sogar Stimmen, die meinten, Heinrich sei nicht ihr Vater. Sie war sehr gut ausgebildet, sprachbegabt, musizierte gut und gern und war ihrer Schwester Maria verhaßt, da sie auf sich alle Hoffnungen derer vereinte, die die Papisten ablehnten. Zeitweise wie eine Gefangene gehalten, wurde sie letztlich doch als Erbin anerkannt und 1558 Königin. Ihr Verhalten schwankte zwischen steifer Hofetikette und recht derben Sitten wie Saufen, Spucken und Fluchen. Sie konnte großzügig und generös sein, aber auch kleinlich, nachtragend und reizbar, sie litt wohl sehr unter der von ihr sich selbst auferlegten Keuschheit, wobei sie eventuell das Schicksal ihrer Mutter und Stief-Mutter vor Augen hatte. Sie war keine Schönheit, konnte sehr charmant sein, liebte Schmuck und modische Kleidung und konnte sich bei ihrer Garderobe sehr verirren, denn 70-jährig trug sie noch bis zum Nabel ausgeschnittene Kleider, handelte politisch klug, überstürzte nie eine Entscheidung, konnte allmählich das Land beruhigen, setzte 1571 mit der Uniformitätsakte endgültig die anglikanische Hochkirche durch und wurde 1570 als letzte europäische Fürstin päpstlich gebannt. Sie provozierte mit der Uniformitätsakte erste puritanische Gemeinden und eine verstärkte Auswanderung, wie es auch schon unter Maria I. geschah. Sie fand immer wieder Männer, die England zur Seegroßmacht machten. 1577-1580 umsegelte Francis Drake die gesamte Welt und wurde der Mitbegründer der englischen Seemacht und des Freibeutertums gegen Spanien. 1584 gründete Sir Walter Raleigh zu Ehren der Königin die Kolonie Virginia in Amerika. 1600 entstand die "Ostindische Kompanie", womit aber auch die Rivalität zu den Niederlanden begründet wurde, deren Befreiungskrieg Elisabeth I. ab 1573 aktiv gefördert hatte. 1572 kam das sensationelle Bündnis mit Frankreich zustande, das bis 1584 hielt. In der Zeit von 1568-1587 gab es mehrere Verschwörungen und Aufstände zugunsten von Maria Stuart, die ab 1568 ihre Gefangene war. Ihre Hinrichtung führte zum Krieg mit Spanien. Die gegen England entsandte spanische Armada unterlag der englischen Flotte 1588 in der entscheidenden Kanalschlacht bei Gravelingen. 1589 scheiterte der Versuch, Portugal zu befreien, 1595 beherrschten irische Aufstände die englische Politik, 1596-1601 dominierte der Schönling und Hasardeur Robert Devereux Graf von Essex, der 1601 offen rebellierte und hingerichtet wurde. Handel und Schiffahrt erlebten einen großen Aufschwung und die deutsche Hanse wurde aus ihrer bisher führenden Stellung im englischen Handel verdrängt, ihr Londoner Kontor 1598 eingezogen. Elisabeth I. hatte viele harte Auseinandersetzungen mit den Parlamenten um Kompetenzen und Vorrang, bewahrte wohl eine königliche Vorrangstellung, verstärkte durch häufige Einberufung das Selbstbewußtsein des Parlaments, in dem sich das puritanische Element immer mehr verstärkte. Sie sorgte für gute finanzielle Verhältnisse und erließ die ersten sozialen Gesetze. Da Elisabeth unvermählt blieb ("die jungfräuliche Königin"), akzeptierte sie zuletzt ihren Groß-Neffen Jakob VI. Stuart als Erben. Kein englischer König hinterließ so tiefe Spuren in der Seele des Volkes wie sie.

Da ihr Vater Heinrich VIII. offensichtlich an Syphilis litt, sich bei ihr aber im Gegensatz zu ihren Halb-Geschwistern dafür keine Anzeichen fanden, kam das Gerücht auf, dass sie nicht Heinrichs Tochter sei.


 

Literatur:    
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