Eleonore von Provence                   Königin von England
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um 1225 25.6.1291
 

2. Tochter und Mit-Erbin des Grafen Raimund Berengars V. von Provence aus dem Hause BARCELONA und der Beatrix von Savoyen-Aosta, Tochter von Graf Thomas I.
 

Thiele, Andreas: Tafel 134
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1"

ELEONORE
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1291

  oo HEINRICH III., König von England
              
1272

Le Goff Jacques: Seite 110,226,396,643-644,647
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"Ludwig der Heilige."

Raimund Berengar V., seiner beiden Söhne früh beraubt, hatte außer Margarete, die dem König von Frankreich versprochen war, noch drei jüngere Töchter. Die zweite, Alienor oder Eleonore, wurde 1236 vom König von England, Heinrich III., heimgeführt. Ludwig IX. erteilte Heinrich III. gern die Erlaubnis und lud ihn nach Paris ein, wo sie gemeinsam mit den vier Schwestern, Töchtern des Grafen von Provence - Margarete, Königin von Frankreich, Eleonore, Königin von England, Sancha, Gemahlin des englischen Königs-Bruders Richard von Cornwall, und Beatrix, Gemahlin des französischen Königs-Bruders Karl von Anjou -, das Weihnachtsfest 1254 feierten.
Heinrich III. war gegen Ende des Jahres 1254 einer Einladung des Königs von Frankreich gefolgt. Es gab 18 Gräfinnen, unter ihnen die Schwestern der beiden oben genannten Königinnen, nämlich die Gräfin von Cornwall, die Gräfin von Provence und von Anjou, und dazu die Gräfin Beatrix, ihre Mutter, die vergleichbar mit Königinnen waren.
Ludwig der Heilige ehelichte im Jahr 1234 Margarete von Provence, und Margaretes jüngste Schwester Beatrix wurde mit Karl von Anjou vermählt. Insgesamt waren sie vier Schwestern - ohne einen Bruder -, vier Töchter des Grafen Raimund Berengar V. von Provence. Sie wurden alle Königinnen, allerdings nicht zur gleichen Zeit. Margarete war die älteste. Die zweite, Eleonore, geboren 1223, heiratete 1236 den König von England, Heinrich III., und starb 1291. Die dritte, Sancha, geboren 1228, vermählte sich 1243 mit Heinrichs Bruder Richard von Cornwall, der 1257 in einer umstrittenen Wahl Römischer König wurde; Sancha starb bereits 1261. Die jüngste schließlich, geboren 1231 und nach ihrer Mutter Beatrix genannt, wurde 1246 mit Ludwigs Bruder Karl von Anjou vermählt.
Anläßlich des offiziellen Besuchs, zu dem Ludwig IX. den englischen König Heinrich III. 1257 nach Paris geladen hat, findet eines Abends im Temple ein außergewöhnliches Festmahl statt, über das Matthäus von Paris begeistert berichtet: hier sind alle versammelt, die vier Schwestern und ihre Mutter, die Gräfin-Witwe von Provence, Beatrix von Savoyen. Sie ist die Schwieger-Mutter der Christenheit, und offenbar ist sie noch ebenso schön wie ihre Töchter.

Kiesewetter, Andreas: Seite 16,22,66,70
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"Die Anfänge der Regierung König Karls II. von Anjou (1278-1295). Das Königreich Neapel, die Grafschaft Provence und der Mittelmeerraum zu Ausgang des 13. Jahrhunderts"

Seine älteste Tochter Margarethe hatte bereits 1235 König Ludwig IX. von Frankreich geheiratet, während die zweitälteste Tochter Eleonore 1236 mit König Heinrich III. von England vermählt worden war.
Problematisch gestaltete sich von Anfang an das Verhältnis zu seiner Schwieger-Mutter und seinen Schwägerinnen.
Kurze Zeit nachdem er seine provenzalische Erbschaft angetreten hatte, kam es zum Zerwürfnis mit Beatrix von Savoyen, der Witwe Raimund Berengars V., da Karl ihre testamentarisch festgelegten Rechte beschneiden wollte und ihr das von ihrem Gemahl vermachte Wittum verweigerte. Der Konflikt schwelte bis zum Jahr 1256 weiter und wurde schließlich Ludwig dem Heiligen vorgelegt, der Karl am 6. November jenen Jahres durch einen Schiedsspruch zum Vergleich mit Beatrix überreden konnte. Weitaus schwieriger gestaltete sich das Verhältnis zu seinen beiden Schwägerinnen Margarethe, der Gemahlin Ludwigs des Heiligen, und Eleonore, der Gemahlin Heinrichs III. von England. Schienen die beiden anfangs das Testament Raimund Berengars stillschweigend anzuerkennen, gaben sie ihr Spiel dennoch nicht verloren und hielten ihre Ansprüche auf die Grafschaft aufrecht.
Doch standen mittlerweile die Zeichen im Arelat auf Sturm. Wohl im Sommer 1280 hatte Margarethe von Frankreich von dem angiovinischen Arelat-Projekt erfahren und dies vermutlich sofort ihrer Schwester Eleonore mitgeteilt. Nachdem durch den habsburgisch-angiovinischen Ausgleich die Hoffnungen der beiden Töchter Raimud Berengars V., ihre Ansprüche auf die Provence gegen durchzusetzen, bereits auf ein Minimum gesunken waren, hätte ein Karl I. von Anjou angiovinisches Königreich Arelat diese Wünsche endgültig zu reiner Utopie werden lassen.
Die beiden Schwestern entfalteten deshalb seit dem Sommer 1280 eine rege Aktivität. Zielscheibe war in erster Linie ihr Sohn und Neffe Eduard von England, welchen sie hofften, am leichtesten für ihre Ziele einspannen zu können. Im Frühsommer 1280 wandte sich
Eleonore erstmals an ihren Sohn und beschwor ihn, sich bezüglich ihrer und Margaretes Rechte auf die Provence bei RUDOLF VON HABSBURG einzusetzen. Am 4. August nahm Margarete das Heft in die Hand. Sie bat Eduard unverhohlen um bewaffnete Hilfe, um militärisch gegen die  ANGIOVINEN vorgehen zu können. Eleonore bedrängte am 26. August ihren Sohn ebenfalls, sie gegen Karl von Salerno in der provenzalischen Angelegenheit zu unterstützen. Eduard gab am 20. September dem Drängen der beiden nach und bot Margarethe die gewünschte militärische Hilfe an.
Peter hatte am 22. Januar 1281 noch von Toulouse aus den Kleriker Raimund de Muntanyana mit geheimen Befehlen an Margarethe und ihre Schwester Eleonore geschickt.

Berg Dieter: Seite 135-137,143,148,170
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"Die Anjou-Plantagenets. Die englischen Könige im Europa des Mittelalters."

Gleichzeitig plante der PLANTAGENET seine eigene Heirat, zuerst mit der Erbin Johanna von Ponthieu und Montreuil, der er seit April 1235 verba de presenti verbunden war. Während sich Heinrich noch bei der Kurie um einen der forderlichen Dispens wegen zu naher Verwandtschaft bemühte, intervenierten Wilhelm von Savoyen, ein Onkel der französischen Königin Margarethe, und sein Bruder Amadeus, Graf von Savoyen, erfolgreich zugunsten einer Verbindung des Monarchen mit Eleonore von der Provence, so dass der PLANTAGENET auf eine Ehe mit Johanna verzichtete und am 20. Januar 1236 Eleonore heiratete. Maßgeblich für diese Entscheidung dürfte einmal die geopolitische Bedeutung der Provence für die Rekuperationswünsche Heinrichs gewesen sein, zum anderen eröffneten die familiären Verbindungen Eleonores - über ihre Mutter Beatrice - nach Savoyen und die lehnsrechtlichen Beziehungen des Grafen-Hauses zum Kaiserreich für Heinrich völlig neue Bündnisperspektiven und bildete ein Gegengewicht zur Verbindung Ludwigs IX. mit dem Grafen-Haus.
Ende der 30-er Jahre dominierten im Inselreich für Heinrich innenpolitische Probleme, die nach der Heirat durch den Zuzug von Gefolgsleuten seiner Gattin bzw der Königin-Mutter, Beatrice von Savoyen, verstärkt wurden.
Hier handelte es noch nicht um Fundamentalkritik am Monarchen wegen angeblicher Verletzung baronialer Rechte, sondern lediglich um den Ausbruch eines Machtkampfes konkurrierender Gruppen am königlichen Hof, wobei sich die Savoyarden mit Unterstützung der Königin gegen die von Heinrich protegierten LUSIGNANS wendeten.
Trotz dieser repressiven Maßnahmen war der Sieg Simons (14. Mai 1264) kein vollständiger, da nicht nur die Legitimität seiner Herrschaft fraglich blieb, sondern auch zahlreiche Gegner der Montfortianer im Inselreich in Freiheit waren oder sich - wie die Königin, Peter von Savoyen sowie zahlreiche hohe Geistliche - in Frankreich aufhielten und eine Invasion der Insel vorbereiteten.
Später verstarben die Königin-Mutter Eleonore (
25. Juni 1291) sowie bewährte Vertraute.
 




14.1.1236
  oo Heinrich III. König von England
       1.10.1207 16.11.1272
 
 
 
 

Kinder:

  Eduard I. König von England
  17.6.1239
7.7.1307
 
  Margarete
  1240
26.2.1274 

26.12.1251
    oo Alexander III. König von Schottland
       4.9.1241
19.3.1286
 
  Beatrix
  25.6.1242
3.1277 

13.10.1260
    oo Johann II. Herzog der Bretagne
        4.1.1239
18.11.1305 

  Edmund Graf von Lancaster
  16.12.1244
5.6.1296

 
 
 

Literatur:
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Berg Dieter: Die Anjou-Plantagenets. Die englischen Könige im Europa des Mittelalters. Verlag W. Kohlhammer 2003 Seite 135-137,143,148,170 - Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 165 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 198 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 134,202 - Thorau, Peter: Jahrbücher des Deutschen Reichs unter König Heinrich (VII.) Teil I, Duncker & Humblot Berlin 1998, Seite 62 - Kiesewetter, Andreas: Die Anfänge der Regierung König Karls II. von Anjou (1278-1295). Das Königreich Neapel, die Grafschaft Provence und der Mittelmeerraum zu Ausgang des 13. Jahrhunderts, Matthiesen Verlag 1999 Seite 16,22,66,70 - Le Goff Jacques: Ludwig der Heilige, Klett-Cotta Stuttgart 2000 Seite 110,226,396,643-644,647 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 134 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I Westeuropa, R.G. Fischer Verlag 1993 Tafel 202 -