EARL MARSHAL


Lexikon des Mittelalters:
********************

Earl Marshal
----------------
seit 1386 erblicher Titel für das englische Hofamt des marshal (Marschall), der unter den normannischen Königen dem constable unterstand; das Amt des marshal wurde bald erblich, war seit 1194 im Besitz der Earls von Pembroke und ging 1246 auf Roger Bigod, Earl von Norfolk, über. In der Folgezeit war es üblicherweise mit dem Earldom, später mit dem Herzogtum von Norfolk verbunden. Da die Earls auf Dauer im Besitz des Amtes blieben, erhielt es die Benennung 'earl marshal', seit 1386 dann ein erblicher Titel. - Der Earl Marshal war verantwortlich für den Rechtsvollzug im Bereich des königlichen Hofhalts und stand deshalb auch dem Court of Marshalsea vor. Bei Kriegszügen des Königs war er zusammen mit dem constable als Vertreter des Königs für die Aufrechterhaltung der Disziplin und die Schlichtung von Streitigkeiten im Heer zuständig; der Earl Marshal war auch an der Jurisdiktion des Gerichtshofs des constable bei Delikten beteiligt, die das Recht des Heers betrafen. Aus dieser Jurisdiktionsgewalt resultierte die enge Verbindung des Earl Marhal mit der Entwicklung der Heraldik und des späteren College of Arms (vgl. Heraldik). Das Amt hatte im 13. Jh. seine größte Bedeutung, als der constable und der Earl Marshal als die ranghöheren militärischen Persönlichkeiten im Land das Recht forderten, die Belange der Nobility gegenüber dem König zu vertreten, besonders bei der Auseinandersetzung mit Eduard I. von 1297, als es um die Lösung militärischer Fragen ging. Nach dem Erlöschen der Erblichkeit des Amtes von 1338-1386 verlor es diese konstitutionelle Bedeutung, aber seine Erneuerung bedeutete für die MOWBRAY, Herzöge von Norfolk, sowohl einen Prestigezuwachs, als auch einen finanziellen Gewinn. Sie behielten das Amt von 1386-1476.
R. Virgoe