DERBY (DERBYSHIRE)


Lexikon des Mittelalters:
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Derby (Derbyshire)
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[1] Stadt:
Derby, im mittleren England gelegen, südwestlich von Nottingham, Hauptstadt der Grafschaft Derbyshire, hieß mit seinem ursprünglichen angelsächsischen Namen Northworthige ('Nordeinfriedung').
Die Ursprünge der Siedlung gehen offenbar auf das Vordringen der Sachsen in die nördlichen Midlands im 6. Jh. zurück (Mercia). Um die Mitte des 10. Jh., nach der dänischen Eroberung dieses Teils des Königreiches Mercia, wurde der Name in Deoraby/Derby ('Hof oder Gehege der Tiere') geändert, eines der wenigen bezeugten Beispiele für den Austausch eines angelsächsischen Ortsnamens durch einen skandinavischen.
Am rechten Ufer des Derwent, kurz vor seiner Einmündung in den Trent, gelegen, beherrschte D
erby den Landweg im Derwenttal, das den Zugang zu einem großen Teil der Grafschaft bildete.
1066 war D
erby der einzige borough in Derbyshire und hatte 243 ansässige burgenses. Um 1086 - nach der Verwüstung der Region durch König Wilhelm I. - war die Zahl der burgenses auf 100 gesunken mit 40 kleineren und 103 wüsten Hofstellen, für die Steuern zu entrichten waren (Domesday Book, § 280 b). Trotz dieses Bevölkerungsrückganges war die Höhe der grundherrlichen Abgaben von £ 24 auf £ 30 gestiegen. Durch nach 1200 von der Krone gewährte Privilegien wird deutlich, daß Derby sich zum wichtigsten Handelsplatz der Grafschaft entwickelt hatte. Eine Charta von 1204 bestätigt den Status der Stadt als borough mit Wochenmarkt, Kaufmannsgilde, Zollfreiheit, Wahl eines bailiff und dem Recht, die königliche städtische Steuer (boroughfarm) selbst zu erheben und sie dem Exchequer mit eigener Rechnungslegung abzuliefern. Die Charta bestimmte auch, daß niemand außerhalb des borough Derby selbst und der nahegelegenen Stadt Nottingham im Umkreis von zehn Meilen gefärbte Tuche herstellen dürfe. 1229 erhielten die Bürger ein Jahrmarktsprivileg für den Donnerstag und Freitag in der Pfingstwoche sowie vom 17.-24. Juli und 25. Juli - 2. August. Ein Jahrhundert später beanspruchten sie Wochenmärkte am Sonntag, Montag und Mittwoch und einen Jahrmarkt am St. Jakobstag (25. Juli). Schließlich bewilligte König Eduard III. 1337 den Bürgern auf ihre Bitte die Wahl von zwei bailiffs anstelle eines einzigen.

[2] Grafschaft:
Die Grafschaft Derbyshire hatte ihren Ursprung in einem Gebiet, das von einer Abteilung der dänischen Truppen besetzt war; Zentrum dieses Militärdistriktes war Derby. Nach der Rückeroberung durch die angelsächsischen Könige im 10. Jh. erfolgte die Umwandlung in ein reguläres angelsächsisches shire. Der Name der Grafschaft ist erstmals nach der normammischen Eroberung, im späten 11. Jh., belegt. Die ersten administrativen Unterteilungen der Grafschaft waren wapentakes. Fünf dieser Hundertschaften erscheinen im Domesday Book; sieben sind im 13. Jh. belegt. Die Hundertschaft von Sawley (Salle) in der Erhebung des Domesday Book zeigt, daß mindestens eines der wapentakes in kleinere Hundertschaften, deren Funktion unklar bleibt, untergliedert war.
Verwaltungsmäßig war die Grafschaft während des Mittelalters eng mit der angrenzenden Grafschaft Nottingham verbunden. Die beiden Grafschaftsgerichte (shire courts) tagten gemeinsam zur Erstellung der Angaben für das Domesday Book, das eine Liste von Abgaben, die beide Grafschaften gleichermaßen betrafen, aufführt. Bis zum 13. Jh. fanden in Nottingham Gerichtsverhandlungen für beide Grafschaften statt, danach abwechselnd in Nottingham und D
erby, und beide Grafschaften wurden bis in die Zeit Elisabeths I. von einem einzigen sheriff verwaltet.
C.H. Knowles