CORNWALL


Lexikon des Mitelalters:
********************

Cornwall
------------
Halbinsel im Südwesten von England, Grafschaft, seit 1337 Herzogtum
I. Geschichte
[1] Vor 1066:
Der heutige englische Name C
ornwall, der zuerst in der angelsächischen Chronik für das Jahr 891 belegt ist, war ursprünglich die Bezeichnung für ein Volk, der Briten in Cornwall.
Sie ging später auf Landschaft und Grafschaft (heute Verwaltungscounty) über. Der einheimiche Name Kernow (vergleichbar mit dem modernen englischen Cornish für Sprache und Eigenart) leitet sich vom römisch-britischen *Cornovia ab. Die Etymologie ist umstritten, das Wort wurde aber anscheinend während der Zeit der römischen Vorherrschaft im westlichen Teil des Gebietes der britischen Dumnonii gebraucht. Die Römer hatten nur wenig belegbaren Einfluß auf die isolierten einheimischen Siedlungen in C
ornwall, eine (angenommene) Christianisierung vor 400 erscheint fraglich. Während des 5. Jh. bildete sich wieder ein einheimisches Königreich der Dumnonia, doch zeugen archäologische Funde und wohl auch Ortsnamen von der gleichzeitigen Existenz von Kleinkönigen oder »Häuptlingen«, die zum Teil von wiederbesiedelten vorrömischen Sitzen aus herrschten und deren Gefolgsleute und Vasallen sich immer mehr dem Christentum zuwandten. Der erhaltene bemerkenswerte Gebäudekomplex aus dem späten 5. bis 8. Jh. in Tintagel, dessen Ortsname quellenmäßig nicht vor dem 13. Jh. belegt ist, dürfte nach Meinung des Ausgräbers ein frühes Kloster gewesen sein, doch könnte es sich auch um einen weltlichen Baukomplex handeln. Detailliertere Darstellungen der Geschichte einiger Herrscher-Familien und ihrer kirchlichen Gründungen sind von heutigen Historikern (besonders von Morris) zusammengestellt worden, mit Hilfe von Heiligenviten, die als zuverlässige zeitgenössische Quellen betrachtet werden, obwohl sie tatsächlich zumeist viele Jahrhunderte später und oftmals in der Bretagne entstanden sind. Andere Historiker bezweifeln allerdings den Quellenwert der Viten, die ihrer Meinung nach doch nicht viel mehr aussagen, als daß Samson und Pedroc, der wahrscheinlich die erste klösterliche Gemeinschaft in Bodmin gegründet hat, sowie vielleicht Paulus Aurelianus in Cornwall ebenso wie in der Bretagne tätig waren und daß einige von ihnen, die in Patrozinien kommemoriert werden, derselben oder einer nur wenig späteren Periode angehören. Im späten 6. Jh. erreichte die Auswanderung aus Cornwall in die Armorica (Bretagne) einen Höhepunkt; die Verbindungen zur Bretagne blieben, auch nach dem Abbruch der Kontakte zu den Briten in Wales zur gleichen Zeit, noch für mehrere Jahrhunderte bestehen.
Gegen Ende des 7. Jh. erreichten die Angelsachsen aus Wessex den Fluß Tamar und nahmen rasch das Land zwischen Tamar und Ottery in Besitz. König Geraint von Dumnonia, den Aldhelm nach 672 dringend bat, den Bräuchen der nichtrömischen Kirche zu entsagen (nach Beda Venerabilis mit Erfolg), wurde in der Schlacht von 710 geschlagen, vielleicht der Grund für die Angliederung des Landes zwischen dem unteren Tamar und dem Fluß Lynher an Wessex. Doch eine angelsächsische Niederlage bei Hayle (722) setzte dem weiteren Vordringen der Angelsachsen für fast ein Jahrhundert ein Ende. Ein erfolgreicher angelsächischer Vorstoß gelang erst wieder in der Zeit König Egberts, von dem uns überliefert ist, daß er Kirchenbesitz und andere Güter in C
ornwall an Sherborne übertrug. In der Regierungszeit Egberts oder seines Nachfolgers bekannte sich ein einheimischer Bischof mit seinem Sitz in Dinurrium (Dingerein) zur Obödienz von Canterbury. Der Tod eines Königs von Cornwall aus dem späten 9. Jh. ist in annalistischen Quellen belegt, ein »Ricatus rex« auf einem erhaltenen Kreuz stammt wohl aus dem frühen 10. Jh.
Das Ende eines unabhängigen Herrschaftsgebietes in C
ornwall und die Unterwerfung des ganzen Landes durch die angelsächischen Könige ist allgemein verbunden mit dem Namen des Königs Æthelstan, von dem uns Wilhelm von Malmesbury berichtet, daß er die östliche Grenze am Tamar festsetzte. Die als »Bodmin manumissions« bekannten Freilassungs-Urkunden bezeugen die Existenz eines ealdorman Ordgar und seines Sohnes als high-reeve für das späte 10. Jh. Aus ihnen läßt sich wohl auch entnehmen, daß ältere Gebietsteilungen im Verlauf des Jahrhunderts zu Hundertschaften umgewandelt wurden. Wohl 926 setzte Æthelstan einen Chor-Bischof mit britischem Namen in St. Germans (ursprünglich Lanalet, wo es ein früh errichtetes Kloster gab) ein. Die Diözese von Cornwall, seit 994 unabhängig, wurde vor 1027 mit der von Crediton vereinigt.
In der späten frühenglischen Zeit lebte in C
ornwall eine Bevölkerung, die überwiegend Cornisch, ein keltisches Idiom, sprach (Keltische Sprachen) und an der Leibeigene einen ungewöhnlich hohen Anteil hatten. Sie bewohnte häufig Einzelhöfe mit dazugehörigen Feldern und war abhängig von einer kleinen Gruppe englischer Grundbesitzer, die größtenteils im Osten lebten, aber auch Besitz und Herrschaft in ganz Cornwall hatten. Nach dem Domesday Book waren 1065 nur drei Grundbesitzungen in der Hand von Leuten mit kornischen Namen, die alle im Westen der Grafschaft ansässig waren. Nun erscheinen auch die ersten städtischen Gemeinden in Cornwall, Bodmin hatte 1086 68 Häuser
D.A. Bullough

[2] Nach 1066:
Zum earl von C
ornwall wurde wahrscheinlich 1066 Brian (ein junges Mitglied des Herzogs-Hauses der Bretagne) erhoben, der eine Truppe von Bretonen bei der Schlacht von Hastings geführt hatte. 1068 zog König Wilhelm der Eroberer durch Cornwall, 1069 mußte Brian einen Aufstand der Söhne des Harald Godwinsson im westlichen Landesteil niederschlagen. Doch beteiligte sich Brian 1075 an der Revolte des Ralph de Gael gegen König Wilhelm. Daraufhin wurde ihm sein earldom entzogen, und er verließ England.
Seine Besitzungen in C
ornwall und besonders sein earldom wurden Robert von Mortain, einem Halb-Bruder des Königs, übertragen. 1086 besaß Robert, der größte weltliche Grundherr in England nächst dem König, ca. 280 Grundherrschaften (manors) in Cornwall (über zwei Drittel der Grafschaft), außerdem die beiden einzigen quellenmäßig belegten Burgen in der Grafschaft, in Launceston und Trematon. Der König und der Bischof von Exeter besaßen jeweils 17 und 11 Grundherrschaften in Cornwall.
Robert heiratete Mathilde, die Tochter von Roger, earl of Shrewsbury. 1088 beteiligte sich sein Bruder Odo, Bischof von Bayeux, an einer Rebellion gegen König Wilhelm II., er wurde aber begnadigt.
Robert starb am 8. Dezember 1090 (= Abtei Grestain, gemeinsam mit Mathilde).
Sein Sohn Wilhelm, Graf von Mortain und earl von C
ornwall (1090-1106), rebellierte gegen König Heinrich I. und wurde 1106 in Tinchebrai gefangengenommen, seiner Lehen verlustig erklärt und für viele Jahre eingekerkert.
1140 trat er als Mönch in das cluniazensische Kloster Bermondsey (Cluny, Cluniazenser, B. V) ein, wo er, wahrscheinlich kinderlos, starb.
Bereits unter Heinrich I. waren seine Besitzungen direkt dem König unterstellt.
1140 wurden zwei earls von C
ornwall erhoben:
Königin Mathilde verlieh den Titel an Reginald von Dunstanville, dem illegitimen Sohn von Heinrich I., während König Stephan von Blois die Würde an Alan, Neffe des ersten earl Brian, ebenfalls Mitglied der bretonischen Herzogs-Familie, übertrug.
Nach der Schlacht von Lincoln (2. Februar 1141) wurde Alan jedoch der Titel wieder entzogen, und Stephan bestätigte die Verleihung Mathildes an Reginald, dessen Mutter wahrscheinlich Sybil Corbet war. 1140 heiratete er Beatrix, die Tochter des Wilhelm Fitz Richard, eines bedeutenden Gutsbesitzers in Cornwall. Reginald blieb earl von C
ornwall bis zu seinem Tod, wurde aber für seinen Gutsbesitz in Cornwall nicht zum Exchequer veranlagt.
Er starb am 1. Juli 1175 in Chertsey (= Reading, Abtei).
König Heinrich II. Plantagenêt verweigerte den beiden Töchtern des Reginald und ihren Gatten die Erbschaft der Besitzungen ihres Vaters, die dieser seinem fünften Sohn Johann zudachte.
Von 1175-1189 wurde C
ornwall wieder der königlichen Verwaltung unterstellt, und Johann Ohneland erhielt die Einnahmen der Grundherrschaften, aber 1189 übertrug König Richard Löwenherz seinem Bruder sechs Grafschaften, einschließlich Dorset, Somerset, Devon und Cornwall, die nicht der Kontrolle durch die königliche Verwaltung unterstehen sollten. Nach dem Aufstand von 1193-1194 wurde Johann dieses außerordentliche Privileg entzogen, aber er behielt weiterhin die Besitzungen des earldoms Cornwall. 1204 und 1215 bat der Grafschaftsrat (county community) Johann um die Befreiung vom Forstbann in den (nicht großen) königlichen Forsten in Cornwall, und 1208 bezahlte er dem König 1.300 Mark für eine Zusage, daß der sheriff aus den Bewohnern der Grafschaft gewählt werden sollte. Doch übertrug König Johann 1215 dem illegitimen Sohn von earl Reginald, Heinrich FitzCount, die gesamte Grafschaft Cornwall zur Verwaltung bis zur erneuten Befriedung des Königreiches sowie die Schlüsselfunktionen des sheriff von Cornwall, des constable der Burg von Launceston und des Aufsehers der Zinngruben von Cornwall (vgl. Abschnitt II).
Obwohl Heinrich FitzCount nicht zum earl ernannt wurde, hatte er C
ornwall bis zur Rückgabe an König Heinrich III. im Jahre 1220 inne; danach nahm Heinrich FitzCount das Kreuz. Am 13. Februar 1225 übertrug Heinrich III. die Grafschaft Cornwall auf Lebenszeit seinem jüngeren Bruder Richard von Cornwall, der 1227 zum earl von Cornwall erhoben wurde und den Territorialbesitz des earldoms erheblich erweiterte. Die deutsche Königswürde (Doppelwahl von 1257) blieb ebenso wie für seinen Konkurrenten, Alfons X. von Kastilien, weitgehend ein leerer Titel (Interregnum).
Er starb am 2. April 1272 in Berkhampstead.
Sein Nachfolger war sein Sohn Edmund »von Almayn«, von 1272-1300 earl von C
ornwall, und 1278-1300 sheriff von Cornwall; er starb 1300 kinderlos und wurde bei seinen Eltern in Hailes begraben.
Sein Erbe war sein Vetter, König Eduard I., der die Besitzungen des earldoms bis 1307 behielt; am 6. August 1307 übertrug König Eduard II. das Amt des sheriff und das earldom seinem Günstling Piers de Gaveston, der von aufständischen earls am 19. Juni 1312 hingerichtet wurde.
Der Anspruch seiner Witwe Margaret, die später (1317) Sir Hugh Audley heiratete, auf das earldom wurde abgewiesen. 1317 wurden die Landgüter, die einen Wert von £ 1.094 repräsentierten, der Königin Isabella für die Versorgung der jüngeren Kinder des Königs übertragen. Nachdem man ihr diese Güter 1324 entzogen hatte, erhielt sie diese 1326 zurück, da sie führend an der Revolte, die zum Sturz Eduards II. geführt hatte, beteiligt gewesen war. 1328 wurde ihr zweiter Sohn, Johann von Eltham, zum earl von C
ornwall ernannt, aber Königin Isabella übergab den Besitz erst 1331 an Johann, als sie von ihrem ältesten Sohn, König Eduard III., dazu gezwungen wurde. Johann starb im September 1336 in Perth, bei einem Feldzug gegen die Schotten.
Am 3. März 1337 erhob Eduard III. seinen ältesten Sohn Eduard, den Schwarzen Prinzen, zum Herzog von C
ornwall (damit der erste Herzog in England), und am 17. März schuf er kraft einer Charter das Herzogtum Cornwall, dessen Gebiet niemals aufgegliedert werden durfte; es sollte durch Geburtsrecht stets dem ältesten Sohn des englischen Monarchen gehören beziehungsweise dem Monarchen selbst, wenn es keinen Erben gab. Den Kern des Herzogtums bildete der Grundbesitz des earldoms, aber es gehörten auch zahlreicher anderer Landbesitz in Cornwall und andernorts sowie verschiedene vererbbare Privilegien wie das Amt des sheriff der Grafschaft dazu.
Nach dem Tod des »Schwarzen Prinzen« (8. Juni 1376) wurde seiner Witwe Johanna von Kent ein Drittel seiner herzoglichen Besitzungen als Wittum übertragen, was im Widerspruch zur Charter von 1337 stand. Am 20. November 1376 wurde der einzige überlebende Sohn des »Schwarzen Prinzen«, Richard, Herzog von
Cornwall, der im Juni 1377 als Richard II. den englischen Thron bestieg. Er übertrug einige der herzoglichen Grundherrschaften an seine Freunde und Verwandte, abermals ein Verstoß gegen die Charter von 1337.
Der kinderlose Richard wurde am 30. September 1399 wegen Mißwirtschaft abgesetzt, und am 15. Oktober übertrug der neu gekrönte Führer der siegreichen Opposition, Heinrich IV., das Herzogtum, das wieder fast seinen Umfang von 1337 erhielt, an seinen ältesten Sohn Heinrich.
Zwischen 1399 und 1460 war das Herzogtum ständig in den Händen des Königs oder seines ältesten Sohnes, aber im Dezember 1460 wurden die Grundbesitzungen (aber nicht der Titel) des Herzogtums an Richard, Herzog von York, übertragen, der als Thronerbe im Oktober anerkannt worden war. Eduard IV., Richard III. und Heinrich VII. übertrugen das Herzogtum jeweils ihrem ältesten Sohn, und bis heute führt der älteste Sohn des englischen Monarchen kraft Geburtsrecht den Titel des Herzogs von Cornwall.
Die earls und Herzöge überflügelten alle sonstigen Grundbesitzer in der Grafschaft, aber unter den adligen Familien in Cornwall sind doch folgende beachtenswert: die ARUNDELLS, BODRUGANS, TALBOTS, TREVELYANS, EDGCUMBES, TREFFRYS und NANFANS.
Die mittelalterliche Gesellschaft C
ornwalls war stark abgeschlossen und nur wenig fremden Einflüssen ausgesetzt; als keltische Sprache erhielt sich das Cornisch. Hinsichtlich der Verwaltung wurde Cornwall oft mit der Nachbarregion Devon verglichen.
Im 15. Jh. stritten Thomas Courtenay, earl von Devon, und Wilhelm, Lord Bonville, heftig über das Recht der Verwaltung des Herzogtums. Während der Rosenkriege führte die Familie der BODRUGANS die Partei YORK an, während die Familie der EDGCUMBES an der Spitze der Partei LANCASTER stand.
König Eduard IV. betrachtete C
ornwall als eine Grafschaft der LANCASTER, und viele Adlige aus Cornwall erklärten sich 1483 in Bodmin für Heinrich Tudor. Aber 1497 rebellierten sie zweimal gegen Heinrich; 1549 wurde Cornwall das Zentrum eines ernsthafteren Aufstandes. Diese Region war 1339,1378,1405 und 1457 französischen und kastilischen Einfällen und Kaperkriegsaktionen ausgesetzt. Besonders zu leiden hatten die Bewohner von Fowey, das aber selbst als Piratenort bekannt war.
C. Given-Wilson