CLARE


Lexikon des Mittelalters:
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Clare
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Anglo-normannische Adels-Familie, Träger eines bedeutenden Earldoms (siehe auch Gloucester, Hertford, Pembroke).
Das Haus stammt von Godfrey (Godfredus), einem außerehelichen Sohn Richards I. ( 966), Herzogs der Normandie, ab.
Sein Enkel Richard ( 1090) war Wilhelm dem Eroberer auf dem Eroberungs-Feldzug nach England (1066) gefolgt und erhielt neben anderen Besitzungen das honor (Kronlehen) Clare in Suffolk, dessen Namen die Familie fortan führte.
Nach Richards Tod wurden seine normannischen und englischen Besitzungen zwischen seinen Söhnen Roger ( 1130) und Gilbert ( 1117) geteilt. Gilbert, der die englischen Güter empfing, war ein enger Gefolgsmann Heinrichs I., auch schon vor dessen Krönung. Es ist vermutet worden, daß Gilbert und sein Bruder Roger an der Ermordung König Wilhelms II., des Bruders und Vorgängers Heinrichs I., 1100 beteiligt waren. Gilbert erhielt zahlreiche Lehen von Heinrich I., darunter Cardigan (Ceredigion) in Wales.
Sein ältester Sohn Richard verschaffte sich vor allem bei den Kriegen in Wales Ansehen, wo er 1136 bei einem Überfall den Tod fand.
Gilberts
zweiter Sohn, ebenfalls mit Namen Gilbert ( 1148), wurde 1138 zum Earl von Pembroke erhoben und begründete eine jüngere Linie des
Hauses. 1141 und 1147 erhob er sich gegen König Stephan von Blois.
Richards Sohn Gilbert ( um 1152) wurde von König Stephan mit dem Earldom Hertford belehnt; er rebellierte 1147, spielte sonst aber bei den Kriegen zwischen den Häusern BLOIS und ANJOU (Angers, Anjou) keine bedeutende Rolle.
Ihm folgte sein Bruder Roger ( 1173), der in einen Konflikt mit Thomas Becket, Erzbischof von Canterbury, verwickelt war (1163); letzterer behauptete, daß Roger ihm für die Burg Tonbridge Lehnshuldigung schulde. Roger versuchte mit begrenztem Erfolg, die alte Machtstellung der Familie in Cardigan wiederzuerlangen.
Richard FitzGilbert (
1176), das Oberhaupt der jüngeren Linie, agierte politisch und militärisch erfolgreicher, sowohl im südlichen Wales als auch in Irland, wo er 1170 landete und die Herrschaft über Leinster übernehmen konnte.
Sein Sohn Gilbert ( um 1185) hinterließ keine männlichen Erben, so daß seine Besitzungen durch Heirat an die Familie MARSHAL fielen. Richard, Earl of Hertford ( 1217), das Oberhaupt der Hauptlinie der CLARE, spielte insgesamt keine seiner Machtstellung angemessene Rolle in der englischen Politik; allerdings war er gemeinsam mit seinem Sohn einer der Führer der Adelsopposition gegen König Johann Ohneland (1215). Beide waren Mitglieder des Fünfundzwanzigerausschusses, der aufgrund der Magna Carta gebildet wurde.
Durch Richards Heirat mit Amicia, der Tochter des Earl of Gloucester, erbte sein Sohn Gilbert (1230) das Earldom Gloucester ebenso wie das Earldom Hertford.
Gilbert sicherte sich durch Heirat mit seiner Cousine Isabel, Tochter und Mit-Erbin von William Marshal, Earl of Pembroke, die Wiedererlangung der Herrschaft Kilkenny in Irland, die zu den früheren Besitzungen der jüngeren Linie der CLARE gehört hatte (1247).
Das Haus CLARE erreichte den Höhepunkt seiner Macht im 13. und frühen 14. Jh.
Richard ( 1262) war minderjährig bis 1243; die Vormundschaft wurde zunächst Hubert de Burgh übertragen und anschließend von der Krone wahrgenommen. Richard war vor allem bestrebt, seine Stellung im südlichen Wales zu stärken. Außerdem spielte er gemeinsam mit seinem Sohn Gilbert ( 1295) eine führende Rolle in der baronialen Aufstandsbewegung gegen König Heinrich III. nach 1258; die Hauptgründe für seine Beteiligung waren wohl Erbitterung wegen seiner Behandlung während seiner Minderjährigkeit, Enttäuschung über das Scheitern seiner Versuche, Bristol als Teil des Gloucester-Erbes in die Hand zu bekommen, ferner seine Ablehnung der königlichen Politik gegenüber den Walisern. Seine politische Haltung deckte sich jedoch keineswegs in allen Punkten mit derjenigen des Hauptführers der Opposition, Simon de Montfort; er stellte sich gegen die Überprüfung der baronialen Administrations-Tätigkeit durch die Reformer. Seit dem Herbst 1259 unterstützte er den König und versuchte, durch seinen Einfluß einen Bürgerkrieg zu verhindern.
Die Behandlung, die König Heinrich III. Richards Sohn, Gilbert »dem Roten«, angedeihen ließ, trieb diesen nach dem Tode des Vaters in das Lager der Rebellen. Zunächst noch zögernd, unterstützte er Simon de Montfort 1264 (Lewes). 1265 wandte er sich jedoch erneut der königlichen Sache zu, teilweise wegen seiner Ablehnung des Bündnisses Montforts mit den Walisern, das Clares Stellung als Herrn der walisischen Marken zuwiderlief. Sein Abfall trug wesentlich zur Niederlage Montforts bei Evesham (1265) bei. Doch sympathisierte Clare auch weiterhin mit mehreren früheren Rebellen; seine Intervention zu ihren Gunsten im Jahre 1267 (Marsch auf London) wirkte sich für eine schließlich friedliche Lösung der Konflikte aus.
Gilberts de Clare Verhältnis zu Eduard I. war oft angespannt. Beide bekämpften sich in den späten 60-er Jahren, teilweise wegen des Besitzes von Bristol; durch Schiedsspruch wurden beide zum Kreuzzug aufgefordert, doch blieb Gilbert in England. Nach Eduards Rückkehr (1274) waren die Beziehungen anfänglich gut; Gilbert folgte dem König auf dessen walisischen Feldzug im Jahre 1277. Doch wurde er in den sogenanten »Quo-Warranto-Untersuchungen« der Krone (1278-1279) zur Zielscheibe der Angriffe erkoren; hierfür wurde eine spezielle Liste aller Usurpationen königlicher Rechte, die ihm zur Last gelegt wurden, aufgestellt. Gilbert de Clare spielte auch weiterhin eine bedeutende Rolle in den walisischen Kriegen, namentlich im Süden (1282-1283,1287,1294-1295). In den Jahren 1289-1291 war er in einen Streit mit dem Earl of Hereford wegen der Errichtung der Burg Morlais (südliches Wales) verwickelt. Die Fehde wurde durch den König beendet, welcher Gilbert mit der Auferlegung einer Buße von 10.000 Mark demütigte (1291).
Im Jahre 1290 heiratete Gilbert (nachdem eine erste Ehe 1285 geschieden worden war) die Tochter des Königs, Johanna (Joan) von Akkon. Bestandteil der Ehevereinbarung war die Abtretung aller Güter an den König, welcher sie anschließend Gilbert und Johanna gemeinsam übertrug; mit dieser Maßnahme wurden die Kinder aus der ersten Ehe von der Erbschaft ausgeschlossen. Durch verschiedene Maßnahmen war Eduard I. bestrebt, die Position des Earls im südlichen Wales zu schwächen, dessen Macht etwa im Bau der Burg Caerffili, eine der bedeutendsten britischen Burgen des 13. Jh., deutlich wurde.
Gilberts Brüder Bogo ( 1294) und Thomas ( 1287) waren ebenfalls bedeutende politische Figuren der Zeit Eduards I. Bogo war ein reicher Prälat, dessen Lebensweg weniger von Frömmigkeit als von Machtgier und Ehrgeiz zeugt. Von den Erzbischöfen von Canterbury und York denunziert, wurde er 1290 vom König zur Zahlung einer Buße von 2.000 Mark wegen Fernbleibens vom Gericht verurteilt. -
Thomas war eine zeitlang Anhänger von Simon de Montfort, wurde 1265 aber zum engen Vertrauten Eduards I. Zeit seines Lebens war er einer der führenden Helfer des Königs in Irland. Er hinterließ zwei Söhne, doch starb der durch ihn begründete Familienzweig im Jahre 1331 aus.
Nach dem Tode Gilberts ( 1295) war sein Erbe, der ebenfalls Gilbert ( 1314) hieß, noch minderjährig; seine Mutter Johanna übte bis zu ihrem Tode im Jahre 1307 gemeinsam mit ihrem zweiten Gatten Ralph de Monthermer die Vormundschaft aus.
Gilbert
verfolgte als Vetter Eduards II. und als Schwager des königlichen Günstlings Piers Gaveston einen mittleren Kurs in den politischen Angelegenheiten der frühen Regierungsjahre Eduards II. Er fungierte 1311 als Ordainer und kämpfte in Schottland; dort fiel er bei Bannockburn (1314), ohne einen männlichen Erben zu hinterlassen. Seine Witwe vermochte durch Vortäuschung einer Schwangerschaft die Zersplitterung der Erbschaft zu verzögern, doch erfolgte 1317 die Teilung unter die drei Schwestern des Verstorbenen. Die Besitzstreitigkeiten zwischen den drei Ehemännern der Schwestern, Hugh Despenser der Jüngere, Hugh Audley und Roger Damory, waren ein wichtiger auslösender Faktor für die Konflikte in der mittleren Regierungszeit Eduards II.
Das Haus CLARE hatte sich seinen Besitz im wesentlichen durch königliche Verleihung, günstige Eheverbindungen, Ankauf und Eroberung geschaffen. Die Güter lagen weitverstreut im ganzen südlichen England und Wales; ihr Wert war im 13. Jh. bedeutend.
Allein das Kronlehen (honor) Clare wurde im Jahre 1166 auf ca. 135 Ritterlehen taxiert; 1217 verfügte Earl Gilbert über ca. 456 Ritterlehen. Im frühen 14. Jh. überstiegen die Jahreseinkünfte wahrscheinlich 6.000 £; unter den englischen Earls besaß nur Lancaster reichere Güter. Von der Mitte des 13. Jh. an ist die Verwaltung der CLARE durch Quellen gut beleuchtet:
Die Güter waren eingeteilt in einzelne bailiwicks (Verwaltungseinheiten), deren Grenzen natürlichen geographischen Gegebenheiten folgten und die kaum Bezug auf ältere feudale Verwaltungseinteilungen nahmen. So behielten die Ländereien der GIFFARD und der MARSHAL, die 1189 bzw. 1247 von den CLARE erworben wurden, keinerlei administrative Sonderstellung.
Clare, Tonbridge und Gloucester in England, Usk und Glamorgan in Wales, Kilkenny in Irland - alle bildeten selbständige Verwaltungsbezirke mit eigenem Seneschall und Einnehmer (receiver, receveur). Die Einkünfte flossen bei dem wardrober (wardrobe) des Earl zusammen; Auditoren überwachten die Verwaltung. Einzelne Herrenhöfe wurden zumeist unmittelbar bewirtschaftet, kaum je verpachtet. In England bestanden die Haupteinkünfte der CLARE im Verkauf von Agrarprodukten, insbesondere Getreidehandel, und Renten; außerhalb Englands spielten Abgaben aus den den CLARE unterstehenden Boroughs (Städte und Flecken) sowie Gerichtsgefälle eine noch bedeutendere Rolle. Das gesamte administrative Gefüge der CLARE-Besitzungen wurde von einem Beraterstab am Hofhalt des Earls kontrolliert.
M.C. Prestwich

CLARE


Nachkommen von König Eduard I. von England über dessen Tochter Johanna


Gilbert II. Graf von Gloucester-Hertford 1295
Gilbert III. Graf von Gloucester-Hertford 1314
Strongbow (Richard de Clare) 1176
Alice Gräfin von Gloucester 1290 Lusignan
Eleonore Erbin von Glanmorgan und Tewkesbury 1337
Elisabeth Erbin von Clare und Usk-Caerleon 1360
Isabella Gräfin von Warwick/Lady Berkeley um 1338
Johanna Gräfin von Gloucester-Hertford 1307 Plantagenet
Johanna Gräfin von Fife nach 1322
Margarete Erbin von Tonbridge 1342
Mathilde Gräfin von Gloucester-Hertford 1320 de Burgh
Alice Gräfin von Gloucester 1314 Lusignan

Nachkommen:
Familie Audley
Familie Burgh
Familie Butler
Familie Damory
Familie Ferrers
Familie Despenser
Familie La Zouche