BRETIGNY, FRIEDE VON


Lexikon des Mittelalters:
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Brétigny, Friede von (Bretigny, heute Weiler der Comm. Sors, Dép. Eure-et-Loir, Arr. und Cant. Chartres)
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geschlossen am 8. Mai 1360 zwischen den Königen von England und Frankreich (Hundertjähriger Krieg).
Der Vertrag sollte den Zwistigkeiten (»desbas et descors«) zwischen Eduard III. von England und Johann II. von Frankreich, der seit der Schlacht von Poitiers (1356) in englischer Gefangenschaft war, ein Ende machen.
Am 1. Mai begannen Verhandlungen zwischen den Vertretern der beiden Parteien, wobei die Einleitung der Verhandlungen als eine Folge der nicht sehr glücklichen Operationen der Engländer bei ihrem Angriffskrieg (Mißerfolge bei Reims und Paris) betrachtet werden können.
Der Vertrag wurde am 10. Mai zu Paris von Karl, dem ältesten Sohn Johanns II. und Regenten des Königreiches, am 15. Mai zu Louviers (Normandie) von Eduard, Prince of Wales, dem ältesten Sohn Eduards III., beschworen; am 14. Juni beschworen ihn die beiden Könige selbst. - Dem König von England wurden folgende Gebiete zugesprochen (bzw. ihm deren Besitz bestätigt):
Guyenne und Gascogne, Poitou, Saintonge, Périgord, Limousin, Quercy, Grafschaften Guines und Ponthieu, Calais.
Der König von Frankreich erlangte seine Freilassung gegen ein Lösegeld von 3 Millionen Goldécus, dessen Zahlung sich bis 1367 hinzog.
Der Vertrag beinhaltete einen gegenseitigen Verzicht:
der König von England trat von seinen Ansprüchen auf die Krone von Frankreich zurück, der König von Frankreich von seiner Souveränitätsforderung hinsichtlich der dem Engländer abgetretenen Gebiete in Frankreich.
Bei der Bestätigung des Friedens von Bretigny, am 24. Oktober 1360 in Calais, wurden die Artikel, welche die Verzichtleistungen betrafen, vom Vertrag ausgenommen, wobei sich die beiden Könige verpflichteten, später diese gesondert zu unterzeichnen. Dies Versprechen wurde jedoch niemals eingelöst, was dem Regenten Karl, der 1364 als Karl V. den französischen Thron bestieg, erlaubte, als Souverän die Appellation des gascognischen Adels (1368-1369) anzunehmen, womit die erneute Aufnahme des Krieges vorbereitet wurde. Dem eigentlichen Vertrag schloß sich eine Reihe weiterer Vereinbarungen an, die Verbündeten der beiden vertragsschließenden Parteien wurden hiervon ebenfalls berührt. Bis zum Vertrag von Troyes (1420) betrafen die diplomatischen Hauptforderungen Englands die Anwendung des Friedens von Bretigny und Calais.
Ph. Contamine