BEAUMONT-LE-ROGER


Lexikon des Mittelalters:
********************

Beaumont-le-Roger
-------------------------
I. Die Herrschaft Beaumont-le-Roger:
B
eaumont-le-Roger (Dép. Oise), Sitz eines der bedeutendsten Lehen in der Normandie.
Es erscheint (mit seinen Annexen Nieilles und Beaumontel) innerhalb des Wittums, das Richard II., Herzog der Normandie, zw. 996 und 1008 seiner Gattin Judith im pagus von Lisieux übergab; letztere schenkte es 1013 dem Kloster Bernay (herzogliche Bestätigung 1025). Doch bemächtigte sich der Neffe der Herzogin Gonnor, Onfroy (Hunfridus) de Vieilles, Sohn des Thurold de Pontaudemer, und Stifter der Abtei Préaux (gegründet 1034), des Besitzes. Bei seinem Eintritt in Préaux übergab Onfroy B
eaumont-le-Roger. jedoch seinem zweiten Sohn Roger, der die (heute noch als Ruine existierende) Festung errichtete, den burgus mit Mauern umgeben ließ und ihm seinen Namen gab (Beaumont-le-Roger). Als Herr von Pontaudemer und Graf von Meulan (durch Heirat mit Aelis, Tochter des Grafen Galeran (Walram) und Enkelin Walters des Weißen, Grafen von Amiens, Valois und Vexin) war Roger einer der wichtigsten Helfer Wilhelms des Eroberers bei seiner Invasion Englands (1066); doch folgte ihm Roger nicht dorthin. Kurz vor 1088 gründete er das Stift La Trinité in Beaumont-le-Roger. (vgl. Abschnitt II).
Sein ältester Sohn Robert I. von B
eaumont-le-Roger ( 1118), Graf von Meulan und Leicester (oo Isabeau [Elisabeth] von Crépy, Tochter Hugos des Großen, Grafen von Vermandois) war einer der mächtigsten normannischen Barone; der zweite Sohn, Henri (Heinrich), wurde Graf von Warwick.
Robert setzte 1118 Grammontenser im Priorat St-Étienne de Grandmont-lès-Beaumont ein. Von seinen beiden 1104 geborenen Söhnen wurde der eine, Robert, Graf von Leicester und Herr von Breteuil; sein Zwillingsbruder Galeran ( 1166) erhielt alle väterlichen Besitzungen in der Normandie.
Das Lehen B
eaumont-le-Roger teilte von nun das historische Schicksal der Grafschaft Meulan. Im Verlauf des Konfliktes zwischen Galeran und Heinrich II., König von England, besetzte der französische König die festen Plätze des Galeran (1161), gab sie jedoch 1162 zurück.
Galerans Sohn und Nachfolger Robert II. wurde wegen seiner Parteinahme für Philipp II. August (König von Frankreich), die Festung B
eaumont-le-Roger von Richard Löwenherz, König von England, entzogen; beim Friedensschluß (1193) erhielt er sie jedoch zurück. Nach dem Regierungsantritt von Johann Ohneland, König von England, war Robert einer der normannischen Barone, welche die Feindseligkeiten gegen den französischen König eröffneten; 1199 besetzte Philipp August Beaumont-le-Roger. Obwohl Robert Beaumont-le-Roger und seine normannischen Lehen seinem Sohn Peter übergab und sich dieser Philipp August anschloß und Beaumont-le-Roger freiwillig dem König überließ (1203), konfiszierte Philipp August Beaumont-le-Roger und Meulan.
Der König belehnte im Oktober 1203 Guyon (Gui) de La Roche, den Schwager des Robert von Meulan, mit B
eaumont-le-Roger; doch mußte Guyon, der des Verrates verdächtigt wurde, das Lehen im Januar 1206 wieder an den König abtreten. Die Geschichte Beaumont-le-Rogers im 13. Jh. liegt im dunkeln: Es scheint, daß König Ludwig der Heilige die Grafschaft Beaumont-le-Roger neu vergab, doch wird sie nicht unter den Gütern der Krone erwähnt. Beaumont-le-Roger gehörte im 14. Jh. zu den 4.000 livrées Land, die König Philipp IV. seinem Vetter Robert von Artois, der aus der Nachfolge seines Großvaters Robert II. in der Grafschaft Artois verdrängt worden war, übergab (1314); die Übereignung erfolgte 1318 in definitiver Form und Robert führte seitdem den Titel »Graf von Beaumont-le-Roger«. Roberts Schwager, König Philipp VI., erhob Beaumont-le-Roger bei seinem Regierungsantritt zur comté-pairie; doch wurde Beaumont-le-Roger mit allen Gütern nach der Verurteilung Roberts als Verräter (1331) konfisziert. Im April 1344 übergab der König die Grafschaft Beaumont-le-Roger seinem zweiten Sohn Philipp von Orléans (* 1336) als Entschädigung für seinen Verzicht auf die (zunächst für ihn bestimmte) Dauphiné; 1348 ermächtigte er ihn, in Beaumont-le-Roger »Grand Jours«, entsprechend denen zu Rouen, abzuhalten. König Johann der Gute war jedoch genötigt, seinem Bruder die Grafschaft wieder zu entziehen (5. März 1354), da er sich durch den Vertrag von Mantes im Februar 1354 hatte verpflichten müssen, Beaumont-le-Roger an Karl den Bösen, König von Navarra, als Entschädigung für dessen definitiven Verzicht auf die Champagne und das Angoumois abzutreten; Beaumont-le-Roger wurde (mit Orbec, Breteuil, Conches und Pontaudemer) für Karl erneut zur comté-pairie erhoben. Doch im Zug der nachfolgenden Wirren wurde Beaumont-le-Roger mit allen normannischen Besitzungen des Navarresen konfisziert.1358 wurde ein bailliage für Beaumont-le-Roger und Evreux geschaffen. Durch den Vertrag von Calais (1360) erhielt Karl seine Güter zurück. Der Grafentitel wurde nun von Karls jüngerem Bruder, Ludwig von Navarra, geführt; letzterer verpfändete Beaumont-le-Roger gegen 50.000 fl. an König Karl V. 1375 erhielt Karl (Charles le Noble), ältester Sohn Karls des Bösen, die Grafenwürde von Beaumont-le-Roger (zweifellos anläßlich seiner Heirat mit Leonore, Tochter Heinrich II., Königs von Kastilien); doch wurde der Graf am französischen Hof festgehalten und Beaumont-le-Roger ihm durch das militärische Eingreifen des Bertrand Du Guesclin entzogen. Beaumont-le-Roger bildete nun mit Orbec und Pontaudemer ein königliches bailliage, während die anderen vormals navarresischen Besitzungen im bailliage Evreux (mit Breteuil und Conches) zusammengefaßt wurden; 1387 erfolgte der Zusammenschluß beider Amtsbezirke. 1404 verzichtete Charles le Noble formell auf die Grafschaft Beaumont-le-Roger und erhielt dafür Nemours, das zum duché-pairie erhoben wurde. Während der englischen Besetzung (1417-1448) dieses von Kriegswirren gezeichneten Gebietes führte Richard, Herzog von York, den Grafentitel von Beaumont-le-Roger. Nach der französischen Rückeroberung durch König Karl VII. erhielt Beaumont-le-Roger die Stellung einer einfachen vicomté innerhalb des bailliage Evreux.

II. Die Abtei La Trinité:
Die Abtei (? Dreifaltigkeit) wurde kurz vor 1088 von Roger von B
eaumont-le-Roger als Kanonikerstift gegründet, das mit Zustimmung Wilhelms des Eroberers an St. Frideswida in Oxford übergeben wurde; die Stiftung wurde von Herzog Robert Kurzhose bestätigt. Das Kapitel empfing von Heinrich I., König von England, eine allgemeine Bestätigung seines Besitzstandes und wurde von Robert von Meulan (1131) und Galeran mit Schenkungen versehen. Doch Galeran wandelte das Kapitel in ein Priorat um, das er der Abtei Bec unterstellte (13. Dezember 1142). Die Kanoniker widersetzten sich, doch bestätigte Papst Eugen III. die Maßnahme (1146). Doch wurden die Kanoniker bei einer in Paris abgehaltenen Synode durch den Papst entschädigt, indem ihnen das Haus Ednetown in England, das Robert I. an Beaumont-le-Roger übertragen hatte, überlassen wurde. Galeran und Robert machten zahlreiche Schenkungen zugunsten des Priorates, und der Erzbischof von Rouen unterstellte es 1178 seinem Schutz. Ein großer gotischer Kirchenbau wurde errichtet; doch hatte Beaumont-le-Roger nach Aussage der Visitationsprotokolle des Erzbischofs Eudes Rigaud 1255 nur noch acht Mönche, und die Befolgung der Regel hatte nachgelassen. Ludwig der Heilige (1259) sowie Philipp der Schöne (1314) und seine Nachfolger (1315,1317,1331) nahmen Beaumont-le-Roger unter ihren Schutz. Dann übergab jedoch Papst Benedikt XIII. das Kloster dem Kardinal von Vergy, später dem Kardinal Fieschi als Kommende, die es verpachteten. Wenn auch der Prior von Beaumont-le-Roger, Robert von Evreux, zum Abt von Bec aufstieg (er stiftete an Beaumont-le-Roger das Haupt der hl. Agnes), so war der Niedergang des Klosters doch unaufhaltsam. Um 1855 wurden die Gebäude abgebrochen; es blieben umfangreiche Ruinen erhalten.
R.-H. Bautier